Lieber Shane,
da du sicher inzwischen sehr neugierig bist, wie es mir nach meiner ersten Kommandierung ergeht, will ich dich nicht länger auf die Folter spannen. Ich werde dir ein paar Auszüge aus meinem persönlichen Logbuch der letzten Woche übersenden und hoffe, du kannst einiger Maßen nachvollziehen, wie es mir geht. Bestelle Mum und Dad bitte Grüße von mir!
Eins vorweg: Dieses Schiff (USS Exeter, NCC 76988, Akira) ist einfach Anders… konfus, chaotisch oder schlicht seltsam… ich bin mir da noch nicht so ganz sicher. Jedenfalls ganz anders als ich mir meinen ersten Posten vorgestellt habe. Wenn ich wieder zu Hause bin, müssen wir uns unterhalten, unbedingt.
Oh, ein paar Abschnitte des Logbuches sind bestimmt entfernt worden… Sicherheitsprotokolle, du kennst das. Ich hoffe, der Rest ist lesbar geblieben. Zumindest insoweit, als das vor der Bearbeitung schon der Fall war ;-/.
Wie auch immer… ich fange einfach vorne an, denke ich. Am Freitag, den 27.10.2377 um ungefähr zwanzig Uhr erhielt ich meinen Versetzungsbefehl… oder eher die Verlegung… auf die Exeter. Also wieder packen und umziehen. Zum Glück hatte ich mich auf DS9 noch kaum eingerichtet. Die Quartiere sind Sternenflottenstandard wie überall, nichts Neues also. Soweit ich weiß, gab es an diesem Abend noch Beförderungsfeierlichkeiten mit hochrangigen Gästen anderer Schiffe, daher hatte ich mich lieber gleich in das mir zugeteilte Crewquartier zurückgezogen.
Anhang: Logbucheinträge Crewman (3rd) Taran (7 Einträge, Passagen unter aktueller Geheimhaltung entfernt)
28.10.2377 23:44
Ohje, was für ein erster Tag! Zuerst die guten Nachrichten:
Die meisten anderen Crewmen scheinen wirklich nett und einigermaßen locker
zu sein, an Hand des ersten kennen Lernens beim Frühstück beurteilt.
Dieses Schiff leistet sich eine echte Küche, das heißt auch zum Frühstück
(sowie wahrscheinlich zu allen anderen Mahlzeiten) gibt es frisch zubereitetes
Essen, keine Replikatorkost. Lecker!
Ich bin auf der Krankenstation eingesetzt und habe da in Lieutenant Conway eine fähige Vorgesetzte. Außerdem bin ich nicht die einzige Neue auf der Krankenstation, Kadett Levinsky – er absolviert derzeit ein Praktikum an Bord – ist anscheinend auch gestern erst an Bord gekommen. Wir beide wurden didaktisch sehr schön an der Durchführung der jährlichen Standarduntersuchung der Crew beteiligt. Zuerst zuschauen, dann kommentieren, dann selbst mitmachen. Als positiven Nebeneffekt bekommen wir so nach und nach die Crew vorgestellt. Auch wenn es wahrscheinlich noch eine Weile dauern wird, ehe ich allen Gesichtern Namen zuordnen kann. Immerhin ist die Besatzung an Bord über 500 Mann stark. Lt. Conway gönnte uns ebenfalls eine kurze Schiffsführung und wir haben gegen Nachmittag einen (zum Glück wider ersten Scanns doch vermehrungsunfähigen) Tribble aus dem Maschinenraum geborgen. Im Moment versuchen wir noch, den irgendwem als Haustier aufzuschwatzen, allerdings bisher ohne Erfolg.
Und jetzt zu den schlechten Nachrichten:
Wir haben anscheinend unseren Einsatzbefehl bekommen, es geht wohl in den Gamma-
Quadranten auf Patroullie und ein gemischtes bajoranisch/ cardassianisches (!)
Forschungsteam irgendwohin eskortieren. Die Zusammenstellung des Teams aus einem
bajoranischen Milizcaptain, einer bajoranischen und einer cardassianischen Archäologieprofessorin,
sowie einigen bajoranischen Assistenten, scheint bei der Crew allgemein Misstrauen
und Anspannung auszulösen. Verständlich, so kurz nach Kriegsende ist
diese Teamkonstellation doch recht verwunderlich.
Dann habe ich auf der Akademie anscheinend völlig verlernt, andere einzuschätzen. Völlige Fehleinschätzung Nr. 1: Counselor Lieutenant Masterson. Machte am Anfang den Eindruck, er wäre ein wenig verbalem Schlagabtausch (freundlich, zur Übung) trotz seines Ranges nicht abgeneigt. Hmpf… bis er frustrierender Weise das Ganze ziemlich unhöflich abbrach, indem er mich nach dem Abendessen (!) den Frachtraum mit der Zahnbürste (!) säubern lassen wollte. Zum Glück hat auch Lt. Conway die Veranlassung dafür nicht gesehen und so komme ich vorläufig dank ihrer Nicht- Zustimmung ohne Zwischenstop im Frachtraum ins Bett.
Oh, eins muss ich noch erwähnen: Heute Abend wurde die Abschlussprüfung
einiger im Rahmen der Cadet Cruise an Bord befindlicher Kadetten vorgenommen.
Unter anderem mussten sie wohl ein HolodecÖzenario absolvieren, eine theoretische
Prüfung schreiben und einen Vortrag halten. Da letzteres eine öffentliche
Veranstaltung war, habe ich mir natürlich angesehen, was hier so als Themen
gewählt wurde.
Zuerst gab es einen Vortrag über Sensoren von einer andorianischen Kadettin
der OPS, der sehr informativ war. Aus Zeitgründen verzichtete sie dann
auf nähere Erläuterungen zu einem ominösen Projekt, welches hier
so bekannt zu sein scheint, dass die Erwähnung der Abkürzung ‚QWSS’
schon genügt, um allen anderen mitzuteilen, worum es sich handelt.
Nun ja, wen interessieren auch schon neu an Bord gekommene Unteroffiziere und
Mannschaften, die können sich dann selbst Gedanken machen, ob sie jetzt
allseits beliebte ‚QuarkWachteln mit SenfSoße’ entwickelt
hat, oder ob das eher etwas mit ‚QuasarWellen StreuStrahlung’ zu
tun hat. Im Moment bin ich allerdings so müde, dass das auch nicht weiter
wichtig ist und habe mir in der allgemeinen Begeisterung über den Vortrag
das Nachfragen erspart.
Vortrag Nummer zwei von Kadett der Sicherheit Speren (im Übrigen gleichzeitig
völlige Fehleinschätzung Nr. 2… ruhig, ausgeglichen, vulkanisch,
trifft es trotz Harfnerhobby nämlich definitiv nicht) wirft die Frage auf,
ob Kadetten bei ihren Projekten von ihren Vorgesetzten betreut werden. Ob der
Menge der Kritik, die es von allen Seiten für die Studie einer Waffe für
den Kampf in beengten Schiffräumen (Jeffreysröhren) gab, scheint das
nicht so gewesen zu sein, denn vieles davon hätte bereits im Ansatz oder
während des Projektes besprochen werden können.
Ansonsten scheint auf der Exeter Poker eine beliebte Abendunterhaltung zu sein. Da ich aber kaum die Regeln dieses Spiels kenne und ich von den neuen Eindrücken ziemlich geschafft bin, habe ich mich bereits auf mein Quartier zurückgezogen.
29.10.2377 12:34
Routine, so schnell schon. Nachdem ich heute Morgen (vor dem Frühstück!) kurz mit einem Lappen (!) im gestern Abend schon erwähnten Frachtraum war, hatte sich nun in der Messe der Crew- und Unteroffizierstisch etabliert. Die Stimmung war gut, Spitzen, die zum Glück keiner übel genommen hat, wurden ausgetauscht und so begann der Tag allgemein entspannt. Über den Morgen hat Lt. Conway die letzten Mitglieder der Führungscrew auf die Krankenstation zitiert (einige kommen wirklich extrem ungern dorthin), deren Untersuchung noch ausstand. Ansonsten haben wir die Einrichtung der Krankenstation noch einmal durchgenommen und ich weiß jetzt, was dort wo steht und wofür es da ist.
Weiterhin haben Kdt. Levinski und ich angefangen zu überlegen, was man im Rahmen seines Praktikums noch so auf der Krankenstation anstellen könnte und wir haben begonnen einen (eher scherzhaft gemeinten) medizinischen Fragebogen zu erstellen. Ich bin schon gespannt, wem wir die Diagnose: Völlig humorlos! stellen können.
29.10.2377 22:57
Habe ich heute Mittag etwas von Routine gesagt? Wie voreilig! Seit dem Nachmittag haben sich die Ereignisse praktisch überschlagen, wo fange ich da an?
Also… im Laufe des Nachmittages durfte ich Lt. Conway zur Brücke begleiten. Mein erster Besuch dort, also sehr spannend. Bis auf Lt. Conway hat es zum Glück auch niemanden der Anwesenden gestört, dass ich den zu dieser Zeit leeren XO- und danach den Captainschair ausprobiert habe. Diese Gelegenheit konnte ich mir doch nicht entgehen lassen! Exkursionen zur taktischen und Sicherheitskonsole ergaben, dass die Dinger anscheinend immer vorschriftsmäßig gesichert sind.
Nachdem ich mir dann auf der Krankenstation die Standpauke inklusive Belehrung über Brückenprotokoll (was in der Crewmenausbildung doch ziemlich gestrafft gelehrt wurde) angehört hatte, durfte ich trotzdem noch einmal mit auf die Brücke. Ich fand es übrigens sehr sympathisch von meiner Chefin, die –zugegeben berechtigte- Kritik auf der Krankenstation und nicht auf der Brücke anzubringen und nahm mir vor, nun einer Aufforderung zu harren, bevor ich das nächste Mal einen Brückenstuhl austesten würde … aber der Counselingchair fehlte schließlich noch.
Den hätte ich auch lieber in Ruhe lassen sollen. Oder mich zumindest nach dem Motto „Klappe halten und lächeln!“ richten. Da ich aber ich bin und das mit dem stillsein eher schwierig, endete das Ganze damit, dass ich einige neugierige Fragen an OPS, CONN und inzwischen eingetroffene Sicherheit in Form des Sicherheitschefs, Lieutenant Wagner, stellte. Peinlich! Rutschte mir nach einem kurzen Gespräch über Paranoia versus gesundes Berufsmisstrauen von SOs doch die Frage heraus, ob sich die berufliche Paranoia auch auf das Privatleben übertrüge. Nun ja, ich durfte die Frage zurückziehen, erntete aber wortwörtlich den Kommentar: „Ihre Einladung zum Abendessen ist hiermit abgelehnt.“ Gut… schön… was? Einladung?! Der Kerl ist riesig… das hätte mit Sicherheit die Hälfte meiner Replikatorrationen für eine Woche verschlungen, gäbe es hier nicht die echte Küche!
Soweit zum noch ertragbaren Teil des Tages. Mit dem Auftauchen eines unidentifizierten Flugobjekts auf den Sensoren füllte sich dann die Brücke immer mehr. Unter anderem tauchte auch der Counselor wieder auf, überließ mir aber weiterhin seinen Sessel (übrigens unbequemer, als ich bisher immer gedacht habe). Ich weiß nicht mehr, wer diesmal angefangen hatte, aber dass Masterson begonnene Wortgefechte spontan abbricht, beginnt mich zu frustrieren. Aber wie auch immer, als es wirklich gefährlich wurde, kam auch gleichzeitig ein Notfall auf die Krankenstation und die Medizin machte sich natürlich geschlossen auf den Weg dorthin.
Auf der archäologischen Außenmission, auf der sich ein Teil der Exetercrew befand, war Kadett Jedatha (die Andorianerin) von einem Pfeil getroffen und vergiftet worden. Toxine sind nicht gerade mein Spezialgebiet, daher konnte ich mehr oder weniger nur zuschauen und mich aus dem Weg halten, als Lt. Conway arbeitete.
Den sprichwörtlichen Vogel abgeschossen hat dann aber später wieder –wie sollte es anders sein- der Counselor. Er hat mich von der Krankenstation „ausgeliehen“ (wortwörtlich… irgendwann an diesem Tag hat jemand gemeint, bei der Sicherheit wären Mannschaften Inventar und auf der Krankenstation scheint das der Meinung des Counseling nach ebenso zu sein). Ich hatte im Prinzip nichts dagegen, obwohl ich weder für diplomatische Kontakte noch als Servicekraft ausgebildet bin, bis ich gesehen habe, dass erstens schon die Counselingassistentin und auch noch ein zweiter Crewman bereits „betreuten“. Alles, was mir auffiel war, dass die Cardassianerin gar nicht anwesend war. Nachdem ich gehört habe, dass sie schon früher für Unruhe gesorgt hat und sich keiner, den ich fragte, erklären konnte, wo sie denn eigentlich sei, war ich ein bisschen beunruhigt. Wozu ich da allerdings weiter nütze sein sollte, hat sich mir so ganz nicht erschlossen, insbesondere, da keiner meine Beunruhigung teilte und nach Rücksprache mit Lt. Conway habe ich mich mit dieser Begründung dann auch bei Ensign Navarre entschuldigt. Masterson war leider während des ganzen Tohuwabohu schiffsweit nicht aufzutreiben, aber ich hoffe, er hat bei der Aktion mehr als Schikane im Hinterkopf gehabt.
Da ich das allerdings irgendwie bezweifle, bin ich explodiert… und zwar mitten in die Pause des bedauernswerten Ensign O’Kenner (OPS). Er musste dann die Schulter spielen, an der ich mich ausweinen konnte. Dringend nötig aber im Nachhinein betrachtet auch ziemlich peinlich!
Gegen Abend konnte ich dann wieder in den geregelten Dienst übergehen. Wir haben 3 Skelette an Bord bekommen und obduziert. Dabei gab es zum Teil seltsame Ergebnisse, kann ich nur sagen. Aber das war sehr interessant und wir sind wieder fast lehrbuchgemäß vorgegangen.
Der spätere Abend brachte nach dem Abendessen dann einen Testlauf der „Fragebögen“, die Kadett Levinsky als sein „Projekt“ ausgegeben hat. Ich habe mich bis zu der Minute amüsiert, als Ensign Nash (der sich wohl angegriffen fühlte und rezitierte, warum diese Befragung unangemessen sei) und Lieutenant (sg.) Silok (dessen logisch- vulkanischer Humor mit meinem… nennen wir es mal … inkompatibel… zu sein scheint) ihre Kommentare abgegeben haben. Ersteren habe ich versucht zu ignorieren, zweiterer hat mich einfach verwirrt. Ich solle mich „morgen“ zum Gespräch bei ihm einfinden wegen dieser Sache. Nachdem ich natürlich entrüstet war, wieso nur ich vorgeladen werde und nicht auch der Kadett, war man nett genug, mir mitzuteilen, dass „morgen“ ein relatives und kein absolutes Datum sei (oder so ähnlich…) und daher weder einhaltbar noch ernst gemeint ist (anscheinend). Ich fühle mich gerade immer noch verwirrt, aber zumindest teilweise erleichtert.
30.10.2777 14:13
Ich will hier weg! Wirklich… hier kann man nicht einmal in Ruhe frühstücken! Zumindest nicht, wenn der Counselor das Gefühl hat, den Unteroffizieren und Mannschaften käme der Arbeitsernst abhanden. Beim Frühstück, wohlgemerkt, vor dem offiziellen Dienstbeginn. Konkret hat sich das geäußert, indem er befohlen (!) hat, man möge doch das Lachen (!) am Crewtisch unterlassen… und sich danach auch noch wundert, dass dann am Crewtisch das große Tuscheln anfängt. Ich sehe nicht, wie es dem Ansehen der Sternenflotte schadet, wenn ihre Mitglieder zumindest außerhalb des Dienstes Fröhlichkeit zeigen und ich ärgere mich über mich selber, dass ich nicht gleich dort widersprochen habe. Abends regt sich schließlich auch keiner darüber auf, dass die Offiziere sich mit andorianischem Brandy ausgelassen … feiernd in der Messe zeigen.
Gleich nach dem Frühstück habe ich Mr. Masterson dann allerdings noch einmal persönlich aufgesucht und - oh Wunder - er hatte Zeit und sich sogar für den Betreuungseinsatz mit anschließender Komplettabwesenheit gestern entschuldigt. So weit so gut.
Bei Dienstantritt hatte ich gleich den ersten Patienten auf der Krankenstation stehen, einen Unteroffizier mit irdisch-französischem Namen, der mir schon wieder entfallen ist, aber auch nichts zur Sache tut. Er klagte jedenfalls über Rückenschmerzen/ Verspannungen. Dem Gesicht Lt. Conways nach zu urteilen, sind an Bord der Exeter händische Physiotherapiemaßnamen nicht (mehr?) gängig, denn sie sah reichlich irritiert und überrascht aus, als sie während der Massage die Krankenstation betrat. So als hätte sie uns beim Fummeln überrascht und nicht einfach während einer medizinischen Behandlung. Übrigens hat den Rüffel für die Fragebögen „gestern“ Abend dann Levinsky von Conway abgefasst. Silok hält sich bisher bedeckt in der Sache, er hat also wirklich gescherzt oder ist einfach zu beschäftigt. Beides ist gut.
Später bekamen wir wieder mehr „angemessene“ Arbeit auf der Krankenstation, diesmal in Form von weiteren zu untersuchenden Skeletten. Diese Untersuchungen ergaben reichlich widersprüchliche Ergebnisse, die eventuell darauf schließen lassen …<<<Passage auf Grund der Geheimhaltungsstufe entfernt>>>.
30.10.2777 23:07
Ich weiß gar nicht, was ich zuerst aufzeichnen soll. Ich befinde mich schon seit Ankunft auf diesem Schiff in einem Zustand permanenter Verwirrung und Aufregung, aber die letzten Stunden haben alles Bisherige wie Spaß aussehen lassen. Es begann alles damit, dass plötzlich ein roter Alarm gegeben wurde, keiner so richtig wusste, was los war und Lt. Conway trotz des Alarms aus unerfindlichen Gründen nicht auf der Krankenstation erschien. Ich habe – wie bereits festgestellt - nur begrenztes Wissen über Schiffsprotokolle, aber ich war mir in dem Moment doch relativ sicher, dass a) ich als Crewman 3rd class nicht berechtigt bin, die Krankenstation zu führen, ohne dass dazu ausdrücklich ein Befehl erteilt wird und b) sich der diensthabende LMO bei Alarm rot zumindest auf der Krankenstation zu melden hätte, um falls absolut unvermeidbar ebensolche Anweisungen zu geben. Ich will gar nicht daran denken, was erst passieren müsste, damit ich mal regulär das Kommando auf der Krankenstation bekäme. Auf jeden Fall würde das heißen, dass Kadett Levinsky und ich die letzten verbliebenen Mediziner an Bord wären.
Ich habe bestimmt auch nicht optimal reagiert und die Krankenstation trotz rotem Alarm verlassen, um bei Lt. Conway anzufragen, was los ist. Es hätte ihr schließlich auch etwas passiert sein können. Aber ich fand sie in irgendeiner Gruppenmeditation, die augenscheinlich immens wichtig und gefährlich gewesen sein muss, da sie aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen nicht auf der Krankenstation stattfinden konnte und die Überwachung der Chefmedizinerin bedurfte.
Später, nach Beendigung des Alarms, gab es noch einen Zwischenfall mit einem glibberigen Wesen auf der Krankenstation. Es anzufassen hat ordentlich gebrannt auf der Haut, es stellte sich aber heraus, dass der kleine Teufel nur sozusagen sauber gemacht hat. So keimfrei war meine Hand zuletzt vielleicht bei der letzten Notoperationssimulation auf der Akademie. Wir haben dem Glibberchen dann in einem Probenbehälter ein neues zu Hause verschafft, weil uns im Moment die Zeit zur Untersuchung fehlte.
Kurz darauf wurde die Situation dann wirklich brenzlig, schiffsweiter Stromausfall und verletzte Crewmitglieder inbegriffen. Wir hatten gerade die Verletzten einigermaßen behandelt, als die Sicherheit vorbei schaute, um alle (!) Geräte der Krankenstation mit autonomer Energieversorgung einzusammeln. Nach ersten Erklärungen wollen sie damit den Warpkern neu starten… und wir haben auch erst angefangen zu protestieren, als sie die medizinischen Tricorder und Instrumente haben wollten. Ob einer daran gedacht hat, wie wir denn unsere Arbeit ordentlich machen sollen, ohne unsere Ausrüstung?! Am Ende hätten wir vielleicht den Warpkern gestartet aber eine ganze Reihe vermeidbarer Todesfälle produziert…!
Im weiteren Verlauf haben sich die Ereignisse überschlagen. Wir bekamen auf einmal seltsame Funksprüche von …
<<<Passage auf Grund der Geheimhaltungsstufe entfernt>>>
…und wir mussten Lieutenant Tohkinen, aus dem Maschinenraum, in ein Stasisfeld legen, weil er plötzlich begonnen hatte, sich im wahrsten Sinne des Wortes aufzulösen. Anscheinend hängen auch die seltsamen Würfel, über die sich derzeit jedes abkömmliche Crewmitglied an Bord gerade den Kopf zerbricht, mit dem Phänomen und der Ausgrabung zusammen.
Im Moment bin ich wieder einiger Maßen denkfähig. Nachdem ich mir am heutigen Abend die abstrusen Theorien des Franzosen über unsere derzeitige Situation angehört und zum Teil mit diskutiert habe. Er hat wahrscheinlich nicht gemerkt, dass nicht jeder das mit gelöstem, fasziniertem wissenschaftlichem Interesse betrachten kann. Ich habe mich von ihm und meinem erst halb leeren Cappuccino verabschiedet, nachdem er einen Gesprächspartner weiter oben in der Hierarchie gefunden hatte, den seine Analysen vielleicht weniger in Panik versetzen.
Harfemusik auf dem Gang (warum auch immer nicht direkt in der Messe verstehe ich ehrlich gesagt immer noch nicht) war weitaus entspannender.
<<<Passage durch den Ersteller entfernt>>>
31.10.2777 15:17
Frachtraum ahoi! Ich bin soeben mit der händischen fein- Katalogisierung der medizinischen Güter in Frachtraum 1 und 2 fertig geworden. Ein Glück, dass die OPS einen guten Überblick hat, welche Kisten medizinische Güter enthalten, sonst wäre ich die nächsten Wochen beschäftigt.
Da sich der Lademeister sehr im Hintergrund gehalten hat, hatte ich in den letzten Stunden viel Zeit zum nachdenken. Ich tue jetzt seit sage und schreibe vier (4) Tagen Dienst auf einem Raumschiff der Sternenflotte und… ich will hier wirklich wieder weg. Ich weiß, dass es immer gut aussieht, wenn man ein paar Jahre Dienst bei der Flotte in seiner Akte hat, wenn man sich an einem guten Krankenhaus auf der Erde bewerben will. Auch ist die Aufgabe der Sternenflotte mit Sicherheit gut und wichtig, aber ich kann das nicht. Zumindest nicht so. Ich meine, das hier ist meine allererste Kommandierung und ich war definitiv nicht bereit dafür, mir nach den ersten 2 Tagen schon Gedanken darüber machen zu müssen, wie lange es dauern würde bis oder ob ich überhaupt wieder nach Hause komme. Oder auch nur für 5 Minuten Leiter der Krankenstation sein zu müssen. Himmel noch mal, ich habe das Sternenflotten-Basistraining und die Sanitäterausbildung, kein Offizierspatent mit der dazugehörigen Ausbildung… ich bin nicht einmal als Unteroffiziersanwärter eingeschrieben und das mit Absicht!
Patroullie im Gamma- Quadranten klang ja schon weit genug weg. Und auch gefährlich… aber unsere jetzige Situation mit <<<Passage auf Grund der Geheimhaltungsstufe entfernt>>>. Ich kann einfach nicht glauben, dass ich das einzige Crewmitglied bin, dass die Hälfte der Zeit zu mindestens zwei Dritteln panisch ist. Ich habe keine Ahnung, ob die anderen vielleicht einfach mehr Routine in solchen Dingen haben. Und wirklich, das ist jetzt auch keine besonders beruhigende Vorstellung.
Ich weiß noch nicht, was genau ich jetzt machen werde. Sollten wir das hier überleben und auch noch <<<Passage auf Grund der Geheimhaltungsstufe entfernt>>> zurückkehren können, werde ich auf jeden Fall Zeit brauchen, darüber in Ruhe nachzudenken. Ich weiß auch noch nicht, ob ich das auf diesem Schiff tun kann…. Obwohl ich es wirklich verdient hätte, von Shane ausgelacht zu werden, wenn ich nach meiner ersten Dienstwoche gleich die Flucht ergreife.
01.11.2777 03:52
Ich habe meine Aufzeichnungen der letzten Tage noch einmal durchgesehen und
einen Versetzungsantrag abgegeben. Zum Teil mache ich für mich selber nicht
so viel Sinn in meinen Aufzeichnungen und ich kann nur hoffen, dass es nie nötig
werden wird, dass irgendjemand anderes irgendwann die vollständigen Aufzeichnungen
durchgehen muss. Entweder ist das arme, bedauernswerte Individuum dann wohl
Ermittler und mit seltsamen Geisteszuständen vertraut, oder ein weniger
bedauernswerter Psychologe, gesondert geschult. Was mich auf den Gedanken bringt:
Sollte ein dem Counselingteam der Exeter Angehöriger aus unerfindlichen
Gründen Zugriff auf diese Dateien nehmen müssen, soll er/ sie das
bitte an einen unvoreingenommenen Kollegen außerhalb dieses Schiffes weiterreichen.
<<<Notiz bei Öffnung des Logbuches durch andere als den Ersteller
hinzugefügt>>>