Ich beginne, ein intimes Verhältnis zu den Sensoren und zum Computer zu
entwickeln. Mir kommt es so vor als wäre ich schon eine Ewigkeit auf diesem
Schiff... Ich könnte die Sensordatenanalysen mit abgewandten Fühlern
und geschlossenen Augen machen und wüsste anhand der Geräusche, die
die LCARS von sich geben, ob das Ergebnis positiv oder negativ ist.
Das ist einerseits gut: Ich habe mich gut eingearbeitet und bekomme diese Konzentrationssache
in den Griff... andererseits... Ich bin manchmal nicht sicher, ob ich mich noch
richtig an unser Haus auf Andoria erinnere. Und Sprye’s Sohn D’Arcesh
ist schon fast drei Mondumläufe alt und ich habe ihn noch nicht einmal
gesehen!
Ich muß ihr dringend wieder schreiben. Torik müsste seine Ausbildung
zum Krieger auch fast abgeschlossen haben... ob er noch immer in die Azurne
Garde will?
Aber zurück zur Thematik, auch wenn ich gern weiter abschweifen würde...
Hier an Bord der USS Curie, die derzeit an die Raumstation 123 angedockt ist,
ist es wie in einem Ixtreen-Nest. Alle rennen durcheinander, starren auf ihre
PADDs und analysieren noch im Laufen Daten. Ich habe dreimal gesehen, wie Crewmitglieder
an Gangecken ineinandergerannt sind, weil sie so sehr in ihre Arbeit vertieft
waren und bin selbst heute zwei Zusammenstößen mit PO Castle und
Lt. Mulligan nur sehr knapp entgangen.
Lt. Drake von JAG und sein Kollege, dessen Namen ich mir nicht merken kann,
machen die Crew irgendwie nervös. Lt. Drake hat ein recht... selbsicheres
Auftreten (ich glaube, er war früher einmal auf der USS Exeter stationiert)
und leitet die Untersuchungen recht forsch und professionell. Einige sind darüber
nicht glücklich.
Methodisch genau wurde das Shuttle und das Quartier von Lt. Lloyd untersucht
und auf jede erdenkliche Art und weise überprüft und gescannt. Ich
glaube einigen ehemaligen Kollegen des Lieutenants ist diese Arbeit auf den
Magen geschlagen... Sie machen ein Gesicht als hätten sie zuviel Blutwein
trinken müssen. Mir macht das nichts aus. Ich habe Lt. Lloyd kaum gekannt
und empfand es ohnehin als fahrlässig, ihn nach der Sache mit der Entführung
des Shuttles nicht ins Brig zu sperren – rein als Vorsichtsmaßnahme.
Ich habe ihm nicht getraut nach dieser Sache. Und daß er diesen Richards
in Notwehr erschossen haben soll, nachdem er mit ihm über eine halbe Stunde
in komplizierten Manövern durch den Raum geflogen ist?? Ich finde das seltsam.
Interessant ist allerdings das Ergebnis der Energiespuranalyse, die der Transporter
in Lt. Lloyds Quartier hinterlassen hat. Diese Analyse ergab nämlich einen
Wert von 25 GeV... das entspricht exakt dem Subraumtiefenwert den die USS Elbe
in der 50. Sekunde des Testfluges erreicht hatte (und in Probleme geriet)! Für
die Laien: Das ist verflucht tief im Subraum! Und da nicht alle Crewmitglieder
Experten in solchen Dingen sind, musste dieses Werteverhältnis erst einmal
erklärt werden: Gigaelektronenvolt ist die Maßeinheit in der Subraumtiefen
gemessen werden. Und 25 GeV ist, wie gesagt, viel.
Auch wenn der Testflug gescheitert, das Shuttle zerstört und der Erfinder
der Technologie entführt ist: Ich bin noch immer ein Teil vom Team und
es ist ein gutes Gefühl, daß ich mitreden kann und meine Ideen ernstgenommen
werden, obwohl ich nur ein Kadett bin. Nur ein Kadett... nicht mehr lange! Ich
tendiere dazu, während der ganzen Arbeit zu vergessen, daß ich dringend
anfangen sollte, für die Prüfungen zu lernen...
Computer: Setze Erinnerungsnotiz auf Sternzeit 53916.5... Mit dem Lernen für
die Abschlussprüfung beginnen!!
Zurück zur Thematik: Ich hatte eine angeregte Diskussion mit Lt. Silok
über die Bedeutung dieses 25 GeV-Wertes. Der Lieutenant vertrat die Meinung,
da das Transportersignal quasi überallhin in den Subraum geführt haben
könnte und daß der Startpunkt der Suche somit irrelelvant wäre...
ich vertrat die Meinung, daß die Chance, den Zielpunkt der Transportersignatur
zu finden, größer sei, wenn man der Flugroute des Shuttles folgen
würde bis zu dem Punkt, wo der Wert von 25 GeV erreicht sei. Vielleicht
denke ich dabei zu linear, das kann sein... aber dann denke ich immerhin nicht
alleine Linear, denn einige andere Crewmitglieder waren auch meiner Meinung
und letzlich wurde beschlossen, ein Suchteam unter Leitung von Lt. Silok in
einem Runabout der Danube-Klasse, der USS Seine, auf der Flugroute der USS Elbe
entlangzuschicken um nachzuforschen, ob es mit zwischen Energiesignatur des
Transporters und der 50. Flugsekunde des Testfluges einen Zusammenhang gibt.
Ich hätte darauf gebrannt, mitzufliegen! Leider kann man sich seine Aufgaben
nicht immer aussuchen und meine war es, die Sensoren des Runabouts auf stärkere
Subraummessungen zu modifizieren und auf die Testflug-Einstellungen der USS
Elbe anzupassen. Auch eine Art, die Nacht zu verbringen. Das Nachforschungs-Team
wird sich in ungefähr 5 – 6 Stunden auf den Flug machen und ich werde
dann hoffentlich endlich schlafen.
Ausser Lt. Silok sind Lt. Tohkinen, Lt. Rakal, Lt. Conway, Lt. Masterson, Ens.
Navarre, PO O’Kenner, PO Stiles (ein neuer Techniker), Crewman Vaughn
und die Kadetten Maxwell und Speren mit dabei. Eine spannende Zusammensetzung.
Vor allem die Sicherheit finde ich etwas bedenklich: Ein Crewman, der das Kommando
über zwei Kadetten hat? Maxwell ist still aber in Ordnung, aber Speren...
der hat sich fast so gut unter Kontrolle wie ein pupertierender Klingone. Das
sollte ich aber niemandem laut sagen... wenn das nur gut geht.
Computer – Eintrag Ende
Ausgeschlafen, gefrühstückt, Dienst angetreten... Ich beginne, mich
an diesen Ractajino zu gewöhnen, obwohl er eigentlich fürchterlich
schmeckt. Dafür macht das Zeug wach und bringt Spannung in die Antennen...
Noch wacher war ich allerdings nach den neuesten Nachrichten über die Suchmission:
Das Runabout ist verschwunden! Durch keine Sensoren mehr zu orten... Die Theorien
überschlagen sich und die Gerüchte reichen von einem weiteren Transportervorgang
bis hin zu einem Subraumriß. Lt. Drake verbittet sich unprofessionelle
Gerüchte. Glück haben diejenigen, die die unprofessionellen Gerüchte
in die notwendigen technischen Phrasen verpacken und somit wissenschaftlich
klingen lassen können. Es wäre witzig, wenn es nicht so verdammt ernst
wäre!
Wir können nicht hinterher, es bleibt nichts als Daten zu sammeln, zu analysieren
und zu warten... Lt. Mulligan hat eine außerdienstliche OPS-Schicht angeordnet
(schließlich ist die Curie noch immer angedockt) denn es müssen weitere
Daten analysiert werden, und ich werde gleich wieder auf die Brücke gehen
um ihm über die Schulter zu sehen. Vielleicht hilft es, die Daten nach
einem weiteren Suchprozessmuster durchzukämmen.
Computer – Eintrag Ende
Langsam macht sich hier wirkliche Sorge breit. Wo ist die USS Seine? Noch immer
kein Zeichen und keine Funkverbindung. Die USS Curie muß wegen der andauernden
Ermittlungen durch JAG an der Starbase 123 angedockt bleiben, aber die USS Crazy
Horse folgt der Flugroute der USS Elbe und der USS Seine. Wir erhoffen uns bald
weitere Ergebnisse.
Also mehr Ractajino (das Zeug wird auch nicht besser, wenn man es eine halbe
Stunde offen herumstehen lässt und schließlich fast kalt trinkt.
Vielleicht sollte ich es mit Zucker versuchen? Wenn das nicht hilft kann ich
es noch immer mit Kobaltzusatz probieren) und warten. Ich würde mich gern
bei der Untersuchung der Shuttle-Wrackteile nützlich machen, aber Lt. Drake
lässt vorrübergehend keine ins Projekt direkt involvierten an die
Untersuchungen. Fürchtet vermutlich, wir würden die Daten zu unseren
Gunsten manipulieren und eventuelle Fehler vertuschen wollen. Unsinn. Die Projektteilnehmer
selbst brennen doch am meisten darauf, herauszufinden, was passiert ist!
Alternativ könnte ich auch endlich wieder einmal auf dem Holodeck trainieren
gehen.
Computer - Eintrag Ende
Die USS Seine ist zurück! Und PO T’Aloviks mit ihr! Das Shuttle
ist heute früh um 10.00 Uhr aus einem Subraumriß zurückgekehrt.
Alles ist sehr seltsam und großer Geheimhaltung unterworfen... Noch vor
wenigen Stunden war hier alles ein einziger großer Austausch an Daten
und Informationen (zum. Was die Mitglieder der Untersuchung betraf) und nun
ist es auf einmal praktisch unmöglich, genaue Informationen zu bekommen,
weil alle Involvierten entweder in Besprechungen sind oder nichts sagen dürfen!
Das ist zum klingonisch werden! Da hat man so lange an der Lösung dieses
Rätsels gearbeitet und sich die Nächte mit Sensorenmodifikation um
die Ohren gehauen, und dann... Geheimhaltung. Verschluß von Informationen.
Beschränkung der Zugriffsberechtigung auf die relevanten Daten. Wundervoll.
Habe mir in der dienstfreien Zeit einen kleinen andorianischen Brandy genehmigt
um die Nerven etwas herunterzukühlen und dann das fortgeschrittene Trainingsprogramm
für das Hrisal wieder aus dem Computerspeicher hervorgeholt... mit der
Erkenntnis, daß ich aus dem Training bin. Gorev, der Holo-Trainer, hat
mich schon in der zweiten Runde so fürchterlich auseinandergenommen, daß
ich überaus froh über die Sicherheitseinstellungen der Holodecks bin.
Virtuelle Schrammen und blaue Flecken in einem Anfänger-Programm sind schlimm
genug, es muß sie nicht unbedingt jemand sehen. Wenn ich nicht häufiger
trainiere, steckt mich Lorn bei meinem nächsten Urlaub zuhause zusammen
mit seinem 6jährigen Sohn Ghalev ins Training.
Wenn diese ganze Untersuchung vorbei ist, werde ich mehr trainieren. Und für
die Prüfungen lernen. Und danach vielleicht irgendwann einmal wieder an
meinen Architekturen arbeiten.
Aber zurück zu den Fakten.
Heute Morgen um 9.45 Uhr gab es wieder Funkkontakt zur USS Seine und die USS
Crazy Horse dockte von der Raumstation ab um ihr entgegenzufliegen. Gerüchte
munkeln etwas von einem Subraumriß, einem Gefecht und daß die USS
Crazy Horse der USS Seine schließlich half, den Riß zu versiegeln.
Es gab eine lange Besprechung hinter sorgfältig verschlossenen Türen,
wo anscheinend alles erklärt und besprochen wurde... mit dem Ergebnis,
daß die JAG-Offiziere die Anklage gegen Lt. Lloyd fallen und schließlich
die Besatzung der USS Seine samt dem geretteten PO T’Aloviks auf die Sternbasis
zurückkehren ließen. PO O’Kenner wurde im Laufe des Mittags
zudem zum Ensign befördert und läuft seitdem mit einem sehr breiten
Grinsen und so stolzgeschwellter Brust herum, daß seine Uniform bedenklich
spannt. Ich gönne es ihm! Er hatte einmal erzählt, daß er die
Offizierslaufbahn einschlagen wollte, und nun hat er das Ziel endlich erreicht.
Computer – Eintrag Ende
Langsam kommt Licht in die Sache! Der Geheimhaltungsbefehl ist aufgehoben und
nach und nach lassen die Missionsteilnehmer sich entringen, was in dem Subraumriß
vorgefallen ist! Oh, ich wäre so gerne dabei gewesen!!
Es ist kaum zu glauben, aber die Missionsteilnehmer waren im Spiegeluniversum!
Einer Facette des Multiversums, wie Lt. Silok das so gerne formuliert, in der
es keine Föderation gibt sondern vielmehr eine Allianz bestehend aus Klingonen,
Cardassianern und einigen anderen Rassen, die den Rest – vor allem die
Menschen – unterdrücken und versklaven. Hätte ich da bei den
Geschichtsstunden auf der Akademie nur ein bisschen besser aufgepasst!! Meines
Wissens nach wurde das Spiegeluniversum durch einen Transporterunfall von Cpt.
Kirk irgendwann in den 2260er Jahren entdeckt und seit damals gab es ab und
zu Kontakte zwischen beiden Universen. Nur genaue Details kenne ich wenige.
Ich werde da noch einmal nachschlagen müssen... direkt nach dem Lernen
für die Prüfung.
PO... pardon... Ensign O’Kenner hat auf seine Weise recht verworren erzählt,
was passiert ist und PO T’Aloviks, der bestimmt mehr Klarheit in die Geschichte
bringen könnte geht derzeit allen irgendwie aus dem Weg und scheint tief
in eigene Gedanken versunken. Man könnte fast den Eindruck gewinnen, daß
PO T’Aloviks niedergeschlagen ist... aber da das eine Emotion wäre,
möchte ich ihm dergleichen natürlich nicht unterstellen. Der Rest
des Teams ergeht sich auch nicht direkt in Details, zumindest nicht mir gegenüber.
Wie auch immer, aus O’Kenners Erzählungen konnte ich soviel herauslesen,
daß PO T’Aloviks offenbar von einer Gruppe Rebellen entführt
worden war (in dem Zusammenhang fielen Namen wie z.B. Castle, der drüben
so etwas wie ein Anführer der Rebellen sein muß und Colt... die war
doch mal Sicherheitschefin hier an Bord und fiel am Ende des Krieges...? Außerdem
erzählte O’Kenner, daß Vaughn auf der anderen Seite so etwas
wie ein Volksheld bei den Rebellen sein muß und Admiral Dawson ist auf
der anderen Seite ein sehr netter und hilfsbereiter Arzt, während seine
Tochter Jaqueline von Vaughn schwanger ist. Sehr konfus alles. Ich bin auch
noch nicht ganz sicher, inwieweit die Details dieser erzählungen O’Kenners
Weinseliger Erzähllaune entspringen (seine Beförderung wurde gebührend
gefeiert) und wie viel davon wirklich wahr ist. Manches klingt doch zu phantastisch!
Meinem Gegenpart ist anscheinend niemand begegnet, was ich schade finde. Es
wäre doch wirklich interessant zu wissen, ob es dort drüben auch ein
Pendant zu mir gibt. Wäre ich drüben vielleicht Künstler geworden?
Eine Sternenflotte, zu der ich hätte gehen können, gibt es ja nicht.
Ich hoffe, PO T’Aloviks grübelt irgendwann nicht mehr ganz so offensichtlich,
damit ich ihn noch ein wenig mit Fragen über das Spiegeluniversum löchern
kann.
Das wichtigste ist doch: Wir haben PO T’Aloviks wieder.
Computer - Ende
Computer – Eintrag Ende