Storyline

Starfleet Operations Con 9

Persönliches Computerlogbuch - T'Aloviks

26.11.2376

Die bisherige Nachtruhe gestaltet sich aufgrund von weitergehender cerebraler Beanspruchung aufgrund des erfolgreichen Testflugs als unzureichend. Ich bin durchaus in einer nicht ausgeglichenen Verfassung, was mit dem Erfolg des vergangenen Tages zusammen hängt. Es scheint bisher tatsächlich der Fall zu sein, das Projekt meines Vaters erfolgreich beenden zu können und einen Fortschritt im Rahmen der interstallaren Raumfahrt bewegt zu haben. Ich bin durchaus stolz auf die erbrachten Leistungen des Teams. Die Arbeiten zur Instandsetzung des Antriebs für den zweiten Testflug laufen derzeit. Die Skepsis einiger Besatzungsmitglieder in Bezug auf Cmdr. Stureks Projektplanung teile ich derzeit nicht. Seine Anforderungen sind konsequent, wenn auch schwer zu erfüllen und anspruchsvoll.

Problematisch könnte sich der Zwischenfall mit Ens. Conway erweisen. Derartige Probleme lassen sich nicht planen, können jedoch den Ablauf ins Verzug bringen. Aufgrund der Fakten, die besagen, dass weder interne Sensoren noch andere telepathisch befähigte Lebewesen an Bord derartige Präsenzen wahrnehmen, muss diese Empfindung eine pathologische Ursache haben und darf daher den Projektfortgang zu keinem Zeitpunkt behindern. Der zweite Testflug... Eintrag unterbrochen.

(Fortsetzung) Während meines Logbuch-Eintrags fand eine energetische Übertragung hoher Intensität im Bereich meines Quartiers statt, der zum Zeitpunkt des Auftretens keine internen Sensoren aktivierte oder deren Reaktion durch das Sicherheitspersonal derart zeitverzögert eintraf, dass ich das Resultat daraus aufgrund meiner nicht mehr vorhandenen Anwesenheit an Bord der Exeter hätte verfolgen können. Die Energiesignatur stellte sich als eine Art Transporteraktivität dar, die mich in meinem Quartier dematerialisierte und an einem mir nicht bekannten Ort wieder materialisierte. Ich befand mich in einem Raum in einer Gebäudestruktur auf einem Planeten – die Mauerstruktur und vorhandene Fenster mit einfallendem Sonnenlicht ließen diesen Rückschluss zu. Zunächst extrem unlogisch war die Konstellation und Anwesenheit der weiteren Personen in diesem Raum. Petty Officer Castle, Lt. (jg) Mulligan und Admiral George Dawson, der bis zu diesem Zeitpunkt meines Wissens nach tot war, standen vor mir. Keiner von ihnen trug eine Uniform der Sternenflotte, die Personen waren unterschiedlich zivil gekleidet. Lt. (jg) Mulligan richtete unmittelbar nach meiner Materialisierung eine Waffe auf mich und rief "Mach einfach nichts, bleib einfach still." Der Admiral ging auf mich zu, bediente einen Handapparat, den er wie einen Scanner an meinem Körper entlangführte und nickte. "Er ist es", rief er PO Castle und Lt. (jg) Mulligan zu, die offensichtlich erleichtert reagierten, was durch ein massives Ausstoßen der in der Lunge befindlichen Luft zu vermuten war. Der Admiral untersuchte mich weiter und bemerkte meine Brandverletzung in der linken Handfläche. Er betätigte ein Kommunikationsgerät. "Ich bin’s. Ihr müsst noch eine kleine Verletzung hinzufügen. Er hat eine Wunde an der rechten Hand." Die angesprochene Person verlangte daraufhin einen Aufschlag auf einen Preis für diese zusätzliche Dienstleistung, was vom Admiral bestätigt wurde. Warum er die Verletzung an der anderen als der tatsächlichen Hand angab, war für mich zu diesem Zeitpunkt nicht nachvollziehbar.

Die gesamte Situation entbehrte nicht einer gewissen Unlogik. Eine Analyse war zu diesem Zeitpunkt kaum möglich, aufgrund der auf mich gerichteten Waffe hielt ich es jedoch für sinnvoller, keine Gegenwehr zu leisten. Die derzeitige Situation ließ nur gewisse Schlüsse zu. Offensichtlich klar war, dass ich durch eine mir unbekannte Partei gegen meinen Willen an einen mir unbekannten Ort gebracht worden bin und möglicherweise hier festgehalten werden werde. Die Anwesenheit der Personen, insbesondere der des toten Admirals lässt vermuten, dass es sich um eine Holosimulation oder eine mentale oder kognitive Manipulation handelt. Lt. (jg) Mulligan wieß mich an, auf einem Stuhl Platz zu nehmen. Unerwarteterweise steckte er die Waffe in seinen Holster, PO Castle nahm vor mir Platz. In einer folgenden Erklärung versicherte er mir, dass man nicht vorhabe, mir Schaden zuzufügen, diesen Schritt bedauere, jedoch leider dazu gezwungen sei und versuchen wolle, meinen Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. Die Simulation von PO Castle verwandte dabei dieselben rhetorischen und mimischen Merkmale, die beim realen Steven Castle Aufrichtigkeit demonstrieren.

Seine Erläuterungen im Anschluss ergaben eine weitere Möglichkeit dieser unlogischen Zusammenhänge, die ich nicht einkalkuliert hatte, da mir diese Tatsache nicht im vollen Umfang bekannt und bewusst war. Er erklärte, dass ich mich in einem Teil des Universums befinde, welches gemeinsam mit unendlich vielen weiteren Universen parallel zum mir bekannten Universum existiert und zusammen mit diesen ein Multiversum bildet, welches sich teilweise sehr massiv von anderen Universen unterscheidet. Während zwar der zeitliche Ablauf konstant, also in allen Universen der Verlauf der Zeit synchron sei, unterscheiden sich einige Ereignisse aufgrund unterschiedlicher Entscheidungen derart voneinander, dass es zu teilweise signifikant unterschiedlichen Entwicklungen gekommen ist. Mir war bis zu diesem Zeitpunkt zwar die Theorie dieser Multiversen bekannt, jedoch kein realer Beweis. Castle, der in diesem Teil des Universums – seiner Aussage zufolge von Personen aus meinem Teil des Universums Paralleluniversum genannt – nicht den Rang eines Petty Officers bekleidete, da er kein Mitglied der Sternenflotte sei, welche nicht existiere, schilderte kurz die groben Ereignisse, die zur Entwicklung der ihm bekannten Realität geführt haben. Neben der Nichtexistenz der Sternenflotte erläuterte er eine klingonisch-cardassianische Allianz, die Versklavung der menschlichen und vulkanischen Spezies und der Bildung einer Widerstandsbewegung mit unterschiedlichen Ausprägungen, als Rebellion bekannt, zu der auch diese auf einem Asteroiden befindliche Gruppe gehöre.

Die Erläuterungen waren überaus irritierend und nur schwer nachzuvollziehen. Mr. Dawson, der Rebellion als Allgemeinmedizinier angehörend, gab mir einen Tricorder der Sternenflotte und erläuterte mir ein Verfahren, um die Zugehörigkeit von Materie zu einer anderen Facette des Multiversums zu bestimmen. Seinen Besitz eines Tricorders der Sternenflotte erklärte er durch unterschiedliche Kontakte zwischen der mir bekannten (Primäruniversum genannten) und seiner Facette des Multiversums, die zu Handelsaktivitäten geführt haben. Das von ihm vorgestellte Verfahren zur Messung der Kernspinresonanz der Elementarteilchen von Materie deckte sich mit meinem Wissen über derartige Untersuchungen, welches jedoch als nicht ausreichend einzustufen ist. Die von mir selbst mit dem Tricorder durchgeführte Analyse ergab tatsächlich differente Kernspinresonanzen bei mir und der anderen, mich umgebenen Materie. Der Versuch lässt unterschiedlichste Schlüsse zu. Einige davon sind (1) der mir zur Verfügung stehende Tricorder führt falsche Messungen durch, (2) das von Mr. Dawson vorgestellte Verfahren ist fehlerhaft und kann durch mein mangelndes Wissen der Kernspinresonanz nicht falsifiziert werden, (3) die Kernspinresonanzfrequenz wurde auf andere Weise manipuliert und (4) die Analyse ist korrekt. Demnach konnte ich zu diesem Zeitpunkt weder die Theorie des Paralleluniversums, noch die der Holosimulation verifizieren oder falsifizieren.

Offensichtlich war man jedoch tatsächlich an meiner körperlichen und geistigen Unversehrtheit interessiert. Zwar lehnte man meine nachdrückliche Aufforderung, mich in das Primäruniversum zurückzuversetzen ab, übte jedoch keine Gewalt aus oder drohte selbige an. Die Erfolgsaussichten einer Flucht reduzierte man auf einen niedrigen Prozentsatz. Der Stützpunkt dieser Gruppe befinde sich auf einem Asteroiden unter einer Kraftfeldkuppel, es gebe derzeit kein flugfähiges Schiff hier, da sich eine Gruppe dieser Rebellionsabteilung auf einer Mission befinde. Daher verzichtete man auf eine über die Kuppel hinausgehende Beschränkung meines Bewegungsfreiraumes, mechanische Befestigungen meiner Person oder andere Einschränkungen. Im Folgenden Erhielt ich Nahrung und Getränke, deren Konsum mir freigestellt wurde. Weitere Fragen wurden mir ebenfalls beantwortet, darunter auch die, meine Anwesenheit hier betreffend. Castle erläuterte mir, dass nicht nur ich, sondern auch mein Pendant auf dieser Seite des Universums an einer QWSS-Technologie arbeite. Mein Pendant sei ebenfalls in dieser Rebellengruppe stationiert. Aufgrund der sehr begrenzten Ressourcen sei man jedoch nicht ansatzweise so erfolgreich bei der Entwicklung, wie dies im Primäruniversum der Fall sei. Am Tag zuvor habe man jedoch durch einen Ferengie Names Gark erfahren, dass ich im Primäruniversum ebenfalls an dieser Technologie arbeite. Die Existenz des Primäruniversums und die Fähigkeiten der Sternenflotte dort seien hier im Paralleluniversum deutlich verbreiteter, als dies andersherum der Fall sei. Die Person Gark arbeite beispielsweise bereits seit längerer Zeit mit seinem Pendant im Primäruniversum zusammen, von ihm habe er von meinem Forschungsprojekt erfahren und daraufhin die Rebellengruppe aufgesucht und ihnen diese Informationen veräußert. Man entschloss sich daraufhin, einen Austausch meiner Person und meines Gegenbildes durchzuführen und eine doppelgleisige Mission zu initiieren. Zum einen sollte mein Ebenbild im Primäruniversum umfangreiche Informationen, wenn möglich auch Material zur Entwicklung und zum Bau eines QWSS-Antriebs erlangen und damit zurückkehren. Zum anderen solle ich während dieser Zeit ebenfalls Informationen über den Antrieb preisgeben. Man versicherte mir, dass ich nach der Beendigung der Mission meines Pendants unbeschadet in meine Facette des Multiversums zurückverbracht werden würde und dies nur eine Frage von wenigen Tagen sei.

Ich lehnte ab, Informationen über das QWSS-Projekt preiszugeben, was den Erwartungen der als Rebellen titulierten Personen entsprach. Meine Fragen, wie der Austausch von mir und meinem Ebenbild durchgeführt wurde, wurden nicht beantwortet. Aufgrund der Tatsache, dass man vor dem Transport meiner Person meine Verletzung an der Hand zur Hinzufügung an eine Person weitergab, die dafür einen zusätzlichen Obolus verlangte, lässt jedoch den Schluss zu, dass der Austausch ebenfalls mit der Person Gark zusammenhängen könnte. Demnach muss ich Schlussfolgern, dass die Verwechselung der Handseite, an der ich mir die Verletzung zugezogen hatte, ein Fehler war, der zur Entlarvung meines Gegenspielers im Primäruniversum führen könnte.

Dies bringt mich zur Überlegung, was eine Rettungsmission meiner Person durch die Crew der Curie betrifft. Zunächst ist dafür die Entdeckung meiner Spiegelperson notwendig. Ich bin unschlüssig, ob diese erfolgreich sein wird. Zwar muss ich vor allem die Sicherheitsabteilung unter der Leitung von Lt. Wagner als sehr kompetent einstufen, aufgrund der Unvorhersehbarkeit dieser Aktion und der Tatsache, dass meiner Person höchstwahrscheinlich aufgrund meiner Position ein hohes Vertrauen beigemessen wird, könnte es möglich sein, dass meine Ersetzung nicht realisiert wird. Sollte dies doch der Fall sein, gehe ich davon aus, dass bei der Entscheidung, eine Rettungsmission anzusetzen, nicht logisch sondern menschlich entschieden werden wird und das Wohl eines Einzelnen über das Mehrerer gestellt wird. Dies ist in höchstem Maße unlogisch und führt durchaus zu einer negativen Bewertung meiner Situation. Ich hoffe, dass durch diesen Einsatz keine Personen oder Sachgegenstände zu Schaden kommen.

Ebenfalls zu einer gewissen Beunruhigung führt die Tatsache, dass nun der zweite Testflug möglicherweise unbemerkt durch eine Person geleitet wird, die eine geringere Qualifikation im QWSS-Themenbereich aufweist. Dies könnte zu Problemen und Fehlfunktionen führen, die möglicherweise ein Scheitern des zweiten Testflugs mit sich bringen. Auch hier hoffe ich, dass keine Personen zu Schaden kommen.

Im Folgenden beginnt eine Befragung meiner Person zu Details des QWSS-Projektes. Die Befragung wird abwechselnd von Mr. Castle und Mr. Mulligan durchgeführt und befasst sich mit unterschiedlichen Themengebieten in Bezug auf das QWSS-Projekt. Meine Erklärungsversuche, dass es mir nicht gestattet ist, Informationen über das Projekt preiszugeben, stoßen bei Mr. Castle auf Verständnis, bei Mr. Mulligan nicht. Beide beenden die Befragung daraufhin jedoch nicht, sondern bestehen auf der Beantwortung der Fragen, was ich jedoch nicht tue. Mir wird weder Gewalt angedroht, noch selbige ausgeführt. Vor allem Mr. Mulligan versucht, Verständnis für die Situation der Rebellen-Gruppe zu wecken. Meine wiederholten Anfragen, was meine sofortige Rückkehr in das Primäruniversum betrifft, werden ignoriert oder negativ beantwortet. Man gibt jedoch weiterhin an, dass ich nach der Beendigung der Mission meiner Spiegelperson unbeschadet zurückkehren kann.

Nachdem die Befragungen beendet sind und eine weitere Mahlzeit angeboten wurde, wurde es mir gestattet, die Räumlichkeit zu verlassen und mich frei auf dem recht begrenzten Gebiet des Stützpunktes zu bewegen. Dabei wurde ich jedoch, teilweise aus größerer Entfernung überwacht. Meine Analysen in Bezug auf Fluchtmöglichkeiten stellen sich als negativ heraus. Tatsächlich scheint ein Teil der rebellierenden Gruppe mit den zur Verfügung stehenden Schiffen zu einer Mission aufgebrochen zu sein, es gibt innerhalb des Stützpunktes lediglich leere Startrampen und funktionsunfähige Schiffe. Orbital stationierte Fluggeräte konnten mit den mir zur Verfügung stehenden Mitteln nicht ausgemacht werden, ebenso wenig Transporter oder andere Transportvorrichtungen.

Ich lernte einige weitere Personen kennen, deren Pendant mir aus meiner Facette des Multiversums bekannt sind. Neben Dr. Dawson, der als Mediziner der Einrichtung fungiert, lernte ich eine Mrs. Teyra Sias kennen, offenbar einen weiblichen Wirtskörper von Lt. (jg) Joran Sias. Ob der Symbiont eine Vereinigung mit dem Wirt Joran bereits absolviert hat oder diese möglicherweise noch aussteht, konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Ebenso wurden die Namen Inoi Jedatha und Jaquelin Dawson erwähnt, die beide offensichtlich ebenfalls dieser Gruppe angehörten. Ebenfalls bekannt scheint hier das Ebenbild von Crewman Vaughn zu sein, der jedoch bereits offensichtlich bei einer Auseinandersetzung mit Kräften der klingonisch-cardassianischen Allianz ums Leben kam. Sein Einsatz bei dieser Mission scheint ihn zu einer Art Märtyrer zu machen, Abbildungen, Fotografien und Gedenktafeln sind praktisch in jedem Raum des Stützpunktes anzutreffen. Weiterhin erkannte ich Trinkgefäße, Schmuckstücke, Büsten und weitere Gegenstände, die eindeutig zur Förderung seiner Anerkennung herstellt wurden. Zudem erfuhr ich, dass die Jaqueline Dawson dieses Universums ein Kind von Mr. Vaughn mit dem Namen Michael II zur Welt brachte. Eine weiterhin sehr einprägsame Persönlichkeit stellte die als Mr. Spike titulierte Person dar. Ich konnte sie nicht eindeutig einem Pendant zuordnen, Hervorstechender war jedoch vielmehr die sehr aufdringliche und neugierige Art dieser Person, die offenbar aus einer gewissen geistigen Fehlentwicklung entstand. So fand Mr. Spike reges Interesse an meinem Kommunikator, den er mehrfach mit einem Sternenflotten-Kommunikator älterer Bauart verglich, den er offensichtlich aus meinem Teil des Universums erlangt hatte. Mr. Spike war auch derjenige, der sich dafür einsetzte, dass der Kommunikator an meiner Uniform verbleiben sollte, da er mich seiner Aussage zufolge sehr "cool" aussehen lasse.

27.11.2376

Man gestattete mir eine Meditationsphase und ausreichende Nachtruhe, um die Befragung am nächsten Tag fortzusetzen. Mehrere Stunden versuchte man intensiv, Informationen über das QWSS-Projekt von mir zu gewinnen. Während Mr. Castle unbeirrt fortfuhr, trotz meinem Verzicht auf Aussagen mit der Befragungsstrategie fortzufahren, wurde Mr. Mulligan zusehends unruhig. Mr. Castle, der sich zunehmend als organisatorischer Kopf der Gruppe herauskristallisierte, lehnte es jedoch weiterhin ab, auf die gewaltsame Gewinnung von Informationen zurückzugreifen. Er wisse, dass SIE das nicht wolle, kommentierte er die Anfrage. Meine Rückfrage, ob "sie" eine weitere Person dieser Gruppe sei, wurde nicht beantwortet. Im Folgenden versuchte man, bei der Befragung auf zunächst unwesentlichere Details einzugehen, um mich zumindest in Randgebieten der QWSS-Technologie zu einer Antwort zu bewegen. Ich lehnte eine Auskunft ab. Weiterhin versuchte man erneut, mein Verständnis für die Situation zu wecken.

Obwohl ich weiterhin die Mittel, zu denen die Rebellen-Gruppe gegriffen hatte, ablehnen musste, ergaben weitere Analysen durchaus eine Art Verständnis für die Situation der Gruppe. Seit mehreren Jahren versucht man bereits, sich der offenbar durch gewaltsames Handeln beherrschten Vorgehensweise der Allianz-Kräfte zu entledigen und in einem Untergrund-Krieg deren Herrschaft zu stürzen. Dabei kam es nur in seltenen Fällen zu Erfolgen, in der Regel konnten die Angriffe durch die militärisch weit überlegenen Kräfte der Allianz niedergeschlagen werden. Dennoch scheint die Motivation der Gruppe ungebrochen zu sein, was definitiv als bemerkenswert eingestuft werden muss. Trotz massiver Tiefschläge, sehr begrenzten personellen und materiellen Ressourcen, im Vergleich geringerem Wissen über Technologie und ernorme Gefahr durch den übermächtigen Gegner ist die Gruppe gewillt, diesen Krieg fortzusetzen, um damit zumindest die vollständige Versklavung der eigenen Spezies zu verhindern. Angesichts der Tatsache, dass auch ich bis vor wenigen Monaten an einem Krieg gegen einen übermächtigen Gegner beteiligt war, muss ich durchaus postulieren, die Situation der Gruppe nachvollziehen zu können. Die gesamte Crew der USS Exeter hat erfahren müssen, wie in einer Auseinandersetzung um den Fortbestand der eigenen Spezies moralische und ethische Grundsätze manipuliert und reduziert werden, um an den eigenen Zielen festhalten und diese erreichen zu können. Verglichen mit der Situation dieser Gruppe, deren Gegner durchaus noch mächtiger und die eigenen Mittel noch reduzierter zu scheinen sein, ist sicherlich auch eine derartige Verrohung zu erwarten, die die moralischen Konsequenzen einer Entführung rechtfertigt. Meinem Verständnis der Entwicklung dieses Paralleluniversums zufolge, handelt es sich dabei tatsächlich im Grunde um genetisch identische Personen, die lediglich in einem anderen Umfeld leben. Da auch Erfahrungen zu einem großen Teil zur Meinungs- und Charakterbildung beitragen, stellt sich daher offenbar nicht die Frage, ob ich an dieser Stelle genauso gehandelt hätte. Da es sich um dieselbe Person in lediglich einem anderen Umfeld handelt, muss ich vermuten, dass ich in diesem Universum so gehandelt habe und auch an der Stelle meines Gegenspielers so gehandelt hätte.

Im Verlauf des Nachmittags kam es zu einer außergewöhnlichen Entwicklung. Ich bemerkte eine große Aufruhr unter den im Stützpunkt anwesenden Personen. Offenbar durch Spione, die für die Rebellen innerhalb der klingonisch-cardassianischen Allianz aktiv sind, erfuhr man von Veränderungen der Mission, die meinen Gegencharakter betreffen. Um welche Art der Veränderungen es sich dabei handelt, erklärte man mir nicht. Gesprächen konnte ich lediglich entnehmen, dass "sie" offenbar aufgrund dieser Tatsache eine Änderung Ihrer Mission beschlossen hatte. Um welche Person es sich bei dem mit diesem Personalpronomen beschriebenen Individuum handelte, erfuhr ich nach wie vor nicht. Fragen meinerseits, warum eine für die Forschung ausgelegte Technologie wie der QWSS für eine im Krieg befindliche Gruppe von so großer Wichtigkeit ist, wurden nicht ausreichend beantwortet. Man gab mir lediglich zu verstehen, dass man den QWSS nicht nur zum schnellen Reisen benutzen könne. Meiner Schlussfolgerung nach deutet dies mit großer Sicherheit auf Modifikationen als Waffe hin, möglicherweise jedoch auch auf etwas, was mit dem Primär- und Spiegeluniversum in Verbindung steht.

Nachdem die Befragung an diesem Tag beendet war, wurde mir erneut gestattet, mich unter Beobachtung im Bereich des Stützpunktes aufzuhalten. Aufgrund der tatsächlich geringen Chancen auf Erfolg unternahm ich keinen ungeplanten Fluchtversuch. Ich bemühte mich, die Ereignisse zu erfassen und beobachtete das Umfeld. Auch nach weiteren Nachforschungen ergab sich keine offensichtliche Fluchtmöglichkeit. Ich ziehe jedoch in Erwägung, keinen Fluchtversuch zu unternehmen. Aufgrund des bisherigen Verlaufs ergibt meine Analyse der Situation und Persönlichkeit, dass die Wahrscheinlichkeit, dass ich tatsächlich nach der Rückkehr meines Spiegelpendants tatsächlich wieder zurückgesendet werde bei 87,4%.

28.11.2376

Auch im Verlauf diesen Tages finden weitere Befragungen statt. Heute leitet sie hauptsächlich Mr. Mulligan, der zunehmend ungeduldig wird, da ich nach wie vor um Verständnis werbe, keine Aussage machen zu können. Im Laufe des Nachmittags kommt es zu mehreren unerwarteten Ereignissen. Ein erhöhter Lautstärkepegel kündigt zunächst die Rückkehr der Gruppe an, die sich bisher auf einer Mission befand. Ich registrierte, während ich mich bei einer Befragung mit Mr. Mulligan befand, zunächst einige Personen, die ich bisher nicht gesehen hatte und schlussfolgerte, dass es sich bei Ihnen um zurückgekehrte Sympathisanten handelte. Kurz danach registrierte ich weitere Personen. Ihr äußeres entsprach dem der Crewmitglieder der USS Exeter. Sowohl die körperlichen Merkmale, wie auch die Uniformen ließen sie dabei wie die Personen aus dem Primäruniversum erscheinen. Nachdem mich diese Personen registriert hatten, gingen sie auf mich zu, die verbale Reaktion ließ, genau wie die visuelle Analyse, den Schluss zu, dass es sich tatsächlich um meine Schiffskameraden, in Person Lt. Tohkinen handelt. In der folgenden, kurzen Konversation änderten sich daraufhin einige meiner bisherigen Annahmen. Meine Frage, wie der zweite Testflug verlaufen sei, wurde von Lt. Tohkinen mit "Sie wissen ja, dass wir abgestürzt sind" beantwortet. Meine Antwort, in der ich den Zeitraum meines bisherigen Aufenthaltes im Paralleluniversum von eineinhalb Tagen darlege führt zu einer massiven Überraschung bei ihm. Demnach scheint meine Vermutung, dass erst eine Entdeckung meiner Entführung zu einer Rettungsmission führen dürfte, falsifiziert werden zu müssen. Tatsächlich scheint es jedoch eine weitere Entführung gegeben zu haben, die mit meinem Abbild in Verbindung steht. Die derzeitige Faktenlage war lückenhaft und unklar und ließ noch keine weitere Analyse zu.

Zudem änderte sich nur wenige Minuten später die Faktenlage erneut. Eine weitere Person betrat den Raum, die offensichtlich zusammen mit den anderen Rebellen von der Mission zurückgekehrt ist: Valerie Colt. Ein erneutes wieder sehen mit dieser Person war ebenso unvorbereitet wie unerwartet. Zwar hat das QWSS-Projekt in den vergangenen Monaten einen Hauptteil meiner Aufmerksamkeit gefordert, dennoch wäre es unwahr zu behaupten, dass auch nach dem Tod der aus meiner Realität nicht noch eine gewisse Faszination ihres Charakters auf mich wirkt. Tatsächlich habe ich auch in jüngster Vergangenheit die Ereignisse in Zusammenhang mit Lt. Cmdr. Colt nochmals analysiert und, ohne zu einem fundierten Ergebnis zu kommen, die Frage gestellt, ob sich die Ereignisse anders hätten entwickeln können, wenn ich die Kompatibilität unserer Personen ihr gegenüber zur Sprache gebracht hätte. Ich kam jedoch schließlich zu dem Schluss, dass es zwar nötig ist, über eigene Entscheidungen zu reflektieren, schlussfolgerte jedoch auch, dass derartige Entscheidungen nicht rückgängig gemacht werden können. Das zusammentreffen mit Mrs. Colt war zunächst sehr kurz. Sie schien nicht mit den von ihr im Vorfeld offenbar missbilligten Befragungen einverstanden zu sein und übte Gewalt an Mr. Mulligan aus. Bevor sie den Raum verließ, sah sie in meine Richtung, die Emotion, die sie in diesem Moment verspürte, war von mir durch ihren Gesichtsausdruck nicht zu deuten und mir auch nicht von Lt.Cmdr. Colt bekannt.

Zunächst versuchte ich, die Fakten in Bezug auf die Rettungsmission zu klären. Es waren nur wenige Gespräche nötig, um den Sachverhalt zu klären. Es stellte sich heraus, dass auch die Gegenspieler der Rebellion, die klingonisch-cardassianische Allianz in die Entführung involviert waren. Offenbar entführten zwei Personen, eine davon das Pendant von Lt. Lloyd, mein Pendant aus dem Primäruniversum, ohne sich über die Tatsache bewusst zu sein, dass nicht ich das Opfer war sondern mein Pendant aus dem Paralleluniversum. Tatsächlich hatte man es offenbar, genau wie die Rebellen auf mich abgesehen. Diese Entführung muss am Vortag gegen Mittag stattgefunden haben und führte offenbar zum einen zu der Rettungsmission meiner Crewkameraden, die bis zu diesem Zeitpunkt ebenfalls noch nichts von dem Austausch von mir und meinem Pendant wussten. Zum anderen war sie wohl auch Auslöser für die geänderte Mission der Rebellenstreitkräfte, von der ich später am Vortag erfuhr. Die Crewmitglieder der USS Curie waren Berichten zufolge zwar zu einer Rettungsmission aufgebrochen, gelangten jedoch durch einen Unfall in diese Facette des Multiversums und stellten auch erst mit der Ankunft hier fest, dass ich bereits seit dem 26.11. ausgetauscht worden war. Nach Angabe der Crewmitglieder des Runabouts USS Seine führte der Unfall, der zum Wechsel des Universums führte zu einer Öffnung im Subraum zwischen beiden Teiles des Multiversums, der offenbar derzeit stabil war und eine Rückkehr ermöglichen könnte.

Ich erfuhr weiterhin vom Fehlschlag des zweiten Testflugs, als Ursache konnte mir Lt. Rakal einen Computervirus angeben. Die Ursachen müssen sicherlich noch näher geklärt werden. Bei dem Testflug ist offenbar die gesamte Ausrüstung der USS Elbe zerstört worden. Crewmitglieder kamen zwar zu Schaden, behielten jedoch keine dauerhaften Verletzungen. Während ich aufgrund fehlender Daten zunächst ohnehin keine Analyse der QWSS-Fehlfunktionen machen konnte, versuchte ich die genaueren Umstände der aktuellen Situation zu klären. Offenbar war Mrs. Colt bei der Rettungsmission nicht erfolgreich gewesen und ist an Bord eines Schiffes der Allianz-Kräfte gefangen genommen worden. Selbiges Schiff enterte auch später die USS Seine und inhaftierte dessen Crew, die zusammen mit Mrs. Colt einen Ausbruch initiierte und mit dem Runabout hierher floh, nachdem Mrs. Colt die Koordinaten des Stützpunktes offenbart hatte. Weiterhin traf man an Bord besagten Schiffes offenbar auch auf mein Pendant, welches von Mr. Lloyd dorthin entführt worden war. Nach massiven Befragungen mit Gewaltanwendung verstarb der T’Aloviks dieses Universums jedoch.

Zunächst versuchte ich, mich auf die Fakten zu konzentrieren und eine erneute Faszination bzw. nicht kontrollierbare, da massive Emotion nicht aufkommen zu lassen, indem ich das Gespräch mit Mrs. Colt mied. Tatsächlich suchte sie jedoch die Konversation mit mir uns entschuldigte sich für die Ereignisse. Bereits während dieses Gesprächs musste ich feststellen, dass eine wie von mir geplante völlige Unterdrückung kaum möglich zu sein schien. Die letzten Tage hatten mir nicht ausreichend Möglichkeit zur Meditation gegeben, somit war eine völlige Kontrolle der massiven Empfindungen in dieser unvorbereiteten Situation schwer möglich. Tatsächlich stellte ich auch beim Ebenbild des Cmdrs. sehr ähnliche Charakterzüge fest, wie sie bereits in der Vergangenheit Faszination bei mir ausgelöst hatten. Diese Version von Valerie Colt ist logischerweise nicht den Prinzipien einer Sternenflotte bis zuletzt treu, sondern ist zur Gruppe der Rebellion völlig loyal. Mehr als alle anderen Personen ist sie dabei offenbar bemüht, die Grundwerte Ihrer Spezies zu achten, und auf menschliche Handlungsweise zu achten. Aus diesem Grund missbilligte sie auch nach eigener Aussage die von Mr. Castle initiierte Aktion meiner Entführung.

In einem Gespräch mit Lt. Silok stellte sich schließlich die Motivation von Mrs. Colt fest, was die Mission betrifft, mein Gegenpart aus der Gefangenschaft der Allianz-Streitkräfte zu befreien. Der T’Aloviks dieses Universums war offenbar mit Valerie Colt liiert. Dieses Faktum hatte ich bisher nicht in meine Überlegungen einkalkuliert und ließ erstaunlich starke Eindrücke auf mich einwirken. Demnach scheint offenbar auch mein Gegenpart ähnliche logische Schlussfolgerungen aus dem Charakter Colts gezogen und sie als genetisch kompatibel bewertet zu haben. Dies scheint weiterhin ein Beweis zu sein, dass auch diese Valerie Colt eine kompatible Person mit mir bzw. meinem Gegenpart in Bezug auf eine Partnerschaft ist, da genetische Merkmale bei den Personen der Facetten identisch sind. Im Rahmen der weiteren Analyse aufgrund der bisherigen Fakten führt dies zwei Fragen auf. Zunächst ist zu klären, ob es dieselbe Kompatibilität zwischen Lt. Cmdr. Colt und mir gab und ob dementsprechend auch in meinem Universum eine Partnerschaft zwischen ihr und mir möglich gewesen wäre. Weiterhin bringt mich dies zweitens zu der Frage, ob eine derartige Partnerschaft jetzt, nach dem Tod der jeweiligen Partner zwischen Valerie Colt und mir bestehen könnte. Dies würde dementsprechend einen Verbleib meiner Person in dieser Facette des Multiversums oder eine Verbringung Mrs. Colts in meine Facette bedeuten. Beide Varianten sind zwar unter Berücksichtigung diverser Variablen hauptsächlich unlogisch zu bewerten, da ich Angehöriger der Sternenflotte bin. Dennoch ist auch zu berücksichtigen, dass meine bisherige Wahl geeigneter genetisch kompatibler Partner noch in jüngster Zeit zu einem Fehlschlag geführt hat und daher in Zukunft lediglich vollständig kompatible Partner, wie meiner derzeiten Analyse zufolge Mrs. bzw. Lt. Cmdr. Colt für weitere Partnerschaften in Frage kommen sollten.

Im Verlauf des Abends fanden eine Vielzahl von eher zufälligen Blickkontakten zwischen mir und Mrs. Colt statt. Die Länge variierte zwischen 0,2 und 2,4 Sekunden. Offensichtlich scheint auch Sie derzeit Analysen in Bezug auf meine Person anzustellen. Emotional scheint sie durch den Tod Ihres Verlobten derzeit sehr belastet zu sein, was möglicherweise durch die Gegenwart eines genetisch exakt identischen Ebenbildes noch erschwert wird. Es kommt zu einem weiteren Gespräch zwischen uns. Ich spreche meine Kenntnis von der Liierung zwischen ihr und meinem Gegenspieler an. Im Verlauf des Gesprächs ergeben sich einige interessante Aspekte und Fakten. Sie war bereits seit längerer Zeit mit meinem Gegenpart verlobt. Nachdem man hier von dessen Entführung am Vortag erfahren hatte, hatte man sie davon in Kenntnis gesetzt, was sie unverzüglich zu einer Rettungsmission aufbrechen ließ. In Bezug auf meine gestellten Fragen ergaben sich zwei faszinierende Antworten. Zum einen schien die Partnerschaft der beiden auf die Initiative von ihm zurückzugehen. Demnach erklärte er ihr die Beweggründe seiner Analyse, die wohl auf einer längeren guten Freundschaft und erfolgreicher Zusammenarbeit beruhten. Die Verlobung wurde ihrerseits initiiert und beruht auf einem Brauch der Erde. Aufgrund der ähnlichen Persönlichkeit der Personen muss ich mir unweigerlich die Frage stellen, ob dies bedeuten könnte, dass auch zwischen mir und Lt. Cmdr. Colt eine derartige Partnerschaft hätte bestehen können, wenn ich etwas Derartiges initiiert hätte. Obwohl eine Analyse dessen unmöglich ist, führt die Überlegung durchaus zu negativen Reaktionen bei mir. Weiterhin scheint nicht nur mit sondern auch Mrs. Colt die Unterscheidung zwischen mir und ihm zunehmend schwer zu fallen. Ihrer Aussage zufolge seien wir uns sehr ähnlich. Bei unterschiedlichen Aussagen von mir bestätigte sie dies durch Anmerkungen wie "Das sagte er auch immer". Auch ethische und moralische Ansichten seien trotz der unterschiedlichen Hintergründe ähnlich. Meinerseits muss ich dies bestätigen. Obwohl Lt. Cmdr. Colt und Mrs. Colt einen völlig differenten Lebenslauf haben, zeigen sich bei Mrs. Colt dieselben charakterlichen Eigenschaften, die mich ihrerzeit bei Lt. Cmdr. Colt fasziniert hatten. Allein die Tatsache, dass sie, anders als die anderen Mitglieder dieser Rebellengruppe auch am Rand der völligen Vernichtung der eigenen Rasse nach wie vor an ethischen und moralischen Grundwerten einer Zivilisation festhält, bestätigt, wie gefestigt und integer auch ihr Charakter zu sein scheint. Ich komme zu dem Schluss, dass ich eine Liierung mit Mrs. Colt für möglich halte und ziehe diesen Schritt in Erwägung.

Ich bin mir bewusst, dass es meinerseits nicht meinen ethischen Grundwerten entspricht und ich gewissen Pflichten und Zusagen zu erfüllen habe, die meine Bindung an die Sternenflotte von mir erwartet. Demnach ist es völlig unlogisch, dass ich eine Partnerschaft mit Mrs. Colt in Erwägung ziehe. Meine derartige Bereitschaft, diesen Schritt zu gehen liegt bei 7,4%. In einen Gespräch mit Lt. Lloyd, der mir die Nachteile dieser Entscheidung aufführt, muss die Wahrscheinlichkeit auf 5,3% reduziert werden. Er führt mir vor Augen, dass ich zum einen meinen Eid als Sternenflottenoffizier brechen und mich weiterhin auf ein Leben, das ich nie gelebt habe, einlassen muss. Er stellte überzeugend dar, dass die Entscheidung, nicht in meine Facette des Multiversums zurückzukehren zudem in gewisser Weise die erste Direktive und weitere Gesetze der Sternenflotte verletze und auch aufgrund der Fehlschläge in meinem bisherigen Lebenslauf in Bezug auf Lt. Cmdr. Colt und den QWSS-Antrieb keine zweite Chance darstelle. Auch weitere Argumente wirken überzeugend, dennoch sagt mir Lt. Lloyd entsprechende Unterstützung zu, falls ich trotzdem zu diesem Schluss komme. Erneut stellt sich Lt. Lloyd als ausgesprochen loyale Vertrauensperson heraus.

In einem Gespräch mit Lt. Silok stellt sich heraus, dass es möglicherweise eine Übertragung der Katra des T’Aloviks dieses Universums auf Mrs. Colt gegeben hat. Aufgrund der rechtlichen Situation ist es nicht gestattet, im Falle eines Erfolges dieser Aktion sein Wissen über den QWSS-Antrieb hier verbleiben zu lassen. Ich sage zu, ein Gespräch mit Mrs. Colt zu suchen, um diese Tatsache zu analysieren. Später kommt es zu diesem Gespräch. Zunächst lege ich nicht die rechtlichen Konsequenzen zugrunde, die den Wissensverbleib betreffen. Erneut geht es um die Beziehung zwischen ihr, mir und meinem Gegenpart. Erneut bestätigt auch Mrs. Colt mir, dass ihr eine Trennung unserer beiden Charaktere zunehmend schwer falle. Die weiterhin häufig durchgeführten Blickkontakte bestätigen dies. Ich beschließe, nicht erneut den Fehler zu begehen und die meinerseits angedachte Liierung nicht zu offenbaren. Ich eröffne ihr, dass ich in Erwägung ziehe, eine derartige Partnerschaft zu initiieren. Ihre Reaktion darauf ist nicht eindeutig und von unterschiedlichen Überlegungen geprägt. Zum einen scheit auch sie eine derartige Beziehung in Erwägung ziehen zu können. Zum anderen scheint aber der Tod ihres Verlobten und die emotionale Anspannung, eine derartige Situation erneut erleben zu müssen, eine enorme Belastung auszuüben. Weiterhin bereitet sich mich darauf vor, dass mein Leben in diesem Teil der Realität deutlich different von meiner bisherigen Existenz sein wird. Wir diskutieren die Entscheidung weiter, meine Wahrscheinlichkeit, hier zu verbleiben steigt. Schließlich spreche ich die Ereignisse an, die zum Tod des T’Aloviks dieses Universums geführt haben. Mrs. Colt fällt es aufgrund emotionaler Anspannung schwer, über diese Ereignisse zu berichten. Da sie jedoch Willens zu sein scheint, mir meine Frage zu beantworten, bietet sie mir an, eine außergewöhnlich enge Erörterung dieses Problems zu ermöglichen. Sie berichtet, dass sie von einer Technik gehört habe, eine Gedankenverschmelzung durchzuführen. Ihr Verlobter scheint dies nie durchgeführt zu haben. Sie bietet mir an, sofern ich dazu in der Lage sei, eine solche Verbindung zwischen ihr und mir zu initiieren. Ich kläre sie über die mir bekannten Risiken auf und schildere auch, dass es aufgrund dieser Tatsache zu einem latenten dauerhaften Kontakt über die Verschmelzung hinaus zwischen uns geben kann, ich jedoch keine Aussage machen kann, wie sich dies im Zusammenhang mit der Multidimensionstheorie verhält. Aufgrund der Verbindung, die zwischenzeitlich auch zwischen ihr und mir zu bestehen scheint, entschließen wir uns, die Prozedur durchzuführen. Ich stelle den Kontakt her. Obwohl ich bereits mehrfache mentale Kontakte ähnlicher Art durchgeführt hatte oder daran beteiligt war, entsprachen diese nicht der Erfahrung, einer vollständigen Geistesverschmelzung wie dieser. Die Menge der ausgetauschten Bilder, Gedanken und auch Emotionen war enorm. Für einen Moment war es mir tatsächlich möglich, an ihrer Erinnerung teilzuhaben. Ich sah das innere einer Zelle an Bord eines Raumschiffes. Ich sah mich, bzw. mein Pendant durch ihre Augen. Aus unzähligen natürlichen und unnatürlichen Körperöffnungen floss Blut, teilweise geronnen, teilweise vermischt mit Schmutz, Schweiß und anderen Partikeln. Ich sah sein Leben, welches in ihrer unmittelbaren körperlichen Nähe endete. Ich fühlte enorme Emotionen, die in diesem Moment von ihr ausgingen. Es fiel mir schwer, sie einzuordnen oder alle korrekt zu deuten. In jedem Fall fühlte sie Schmerz, Wut, Verzweiflung und Rache. In Bezug auf ihn spürte ich ungeahnte Aufrichtigkeit, Respekt, Hingabe, Verbundenheit. All diese Gefühle wurden von absolutem Ehrgeiz überschattet. Ehrgeiz, die eigenen Zeile zu erreichen und Aufrichtig für eine Sache einzustehen. Und ich sah eine Hand. Eine Hand, die im letzten Moment nach ihrer Schläfe griff, versuchte, die Katra nicht sterben zu lassen. Er blieb erfolglos, sein Geist starb im selben Moment wie sein Körper. Unweigerlich muss auch Mrs. Colt eine Vielzahl unterschiedlicher Eindrücke von mir empfangen haben. Ich bin sicher, dass sie all die Eindrücke empfing, die ich in Bezug auf Lt. Cmdr. Colt gesammelt hatte und auch meine charakterliche Verbundenheit zu beiden Valerie Colts vermittelt bekam.

Als ich unsere Verbindung wieder trennte, war zwar immer noch ein enormer Schmerz über den für sie erlittenen Verlust wahrzunehmen. Dieser mischte sich jedoch zunehmend mit anderen, deutlich positiver behafteten Gefühlen. Ich vermute, dass es Mrs. Colt in diesem Moment ähnlich schwer fiel, die emotionale, räumliche und geistige Trennung zwischen der Person aus meinem und ihrem Universum zu trennen. Wir sprachen nur noch wenige Worte und kehrten dann zum Rest der Gruppe zurück. Offenbar blieb Counselor Navarre mein derzeitiger Zustand nicht unbewusst. In einer von ihr initiierten Konversation gelang es mir jedoch, meine offenbar deutlich merkbaren Anzeichen von geistiger Abwesenheit zu unterdrücken und ihr meine Sorge mitzuteilen, was die psychologischen Auswirkungen dieser Entführungen in Bezug auf Vertrauen an Bord der USS Exeter betrifft. In diesem Punkt analysierte sie, dass sie nicht davon ausgehe, dass die Ereignisse zu krankhaften psychologischen Effekten an Bord führen könnten. Ich teile Lt. Silok mit, dass ich mir 100%ig sicher bin, dass es zu keinem Austausch der Katra zwischen T’Aloviks und Mrs. Colt gekommen war.

Obwohl der Kontakt zu Mrs. Colt ausgesprochen intensiv war und mir bewusst wurde, dass eine Partnerschaft möglicherweise durchführbar sein könnte, kam ich durch weitere Analysen zu dem Schluss, dass es mir nicht möglich sein kann und sollte, hier zu verbleiben. Zunächst ist zu analysieren, dass dies massiv meine Loyalität in Bezug auf meine Crewmitglieder, die teilweise (unlogischerweise) ihr Leben für meine Rettung riskiert hatten in Frage stellen würde, während Mrs. Colt einen derartigen Schritt nie in Erwägung ziehen würde. Das Wohl der Einzelnen sollte daher auch in dieser Entscheidung hinter dem der Vielen zurückstehen. Einer der Hauptaspekte, die bei mir eine Faszination durch den Charakter Lt. Cmdr. Colts auslösten, war ihre Loyalität. Aufgrund derartig erstrebenswerter Charakterzüge eine Partnerschaft in diesem Teil des Multiversums einzugehen und meine Loyalität dadurch zu reduzieren, würde ein höchst unlogisches Paradoxon bedeuten. Weiterhin sind physikalische Auswirkungen nicht auszuschließen, was den Verbleib von Materie in einem anderen Universum betrifft. Zudem muss ein Punkt auf höchst persönlicher Ebene berücksichtigt werden. Ich wurde Zeuge der massiven emotionalen Auswirkungen des Todes einer in Partnerschaft stehenden Person. Auch bei einer charakterlich gefestigten Persönlichkeit wie Mrs. Colt führte dies zu massiven emotionalen Belastungen. Aufgrund meiner taktischen Defizite, wie ich sie während des Krieges mit dem Dominion feststellen musste, ist meine zu erwartende Lebensspanne in dieser Facette des Multiversums eher gering zu erwarten. Die Logik gebietet es in diesem Zusammenhang nicht, Anlass für erneute derartige Emotionen bei Mrs. Colt zu sein. Zudem ist auch das QWSS-Projekt noch nicht vollständig abgeschlossen, sodass ein Fehlschlag noch nicht vollständig bestätigt ist.

Beim Versuch, Mrs. Colt meine Entscheidung mitzuteilen wurde mir bewusst, dass dies offenbar nicht nötig zu sein schien. Möglicherweise durch die latent noch vorhandene Bindung schien sie meine Entscheidung bereits zu kennen und überging die Diskussion. Wir berieten noch einige weitere Punkte persönlicher Belange. Im Endeffekt konnte sie meine Entscheidung nachvollziehen. In einem Gespräch mit Lt. Lloyd brachte ich meine Besorgnis, meine derzeitige Verfassung betreffend zum Ausdruck. Obwohl mir bewusst war, dass ich keine ausreichenden Meditationsphasen eingelegt hatte und die derzeitigen Ereignisse ungewöhnlich belastend wirken, sollte es für ein Mitglied meiner Spezies deutlich einfacher möglich sein, emotionale Auswirkungen vollständig auszublenden. Dies kann ich zum derzeitigen Zeitpunkt nicht behaupten. Ich muss unlogischerweise postulieren, dass meine derzeitigen Aktionen, Ansichten und Schlussfolgerungen offenbar in verstärkter Art und Weise emotional belastet sind und nicht völlig objektiv zu sein scheinen. Nach meiner Rückkehr scheint dringender Bedarf für umfangreiches mentales Training zu sein.

Die Mission betreffend führte Lt. Silok einige Gespräche mit Mr. Castle, Mrs. Colt und Mr. Mulligan, was den weiteren Ablauf betraf. Man einigte sich, dem Rebellionsteam Unterstützung zu gewähren, indem Hilfe geleistet wurde, eine Tarnvorrichtung in Gang zu setzen, die erbeutet worden war. Im Gegenzug offerierte man uns Hilfe bei der Instandsetzung des Runabouts. Hier arbeiteten vor allem Lt. Tohkinen, Lt. Rakal und PO Styles, ein neues Mitglied der technischen Abteilung. Nachdem man einem Bericht zufolge erfuhr, dass das klingonische Schiff nach wie vor bei dem verbliebenen Subraumriss verweilte, wurde das Abkommen erweitert. Man überließ und die Tarnvorrichtung, um unbemerkt zu dem Riss und hindurch zu gelangen. Im Gegenzug überließ man die Reparaturanleitungen der Tarnvorrichtung sowie technisches Material, das den Bau eines Replikators ermöglicht. Nach genauer Auslegung der Verträge von Algeron stellt die Verwendung der Tarnvorrichtung in einem parallelen Universum kein Problem dar. Den Austausch der Technologie hielt Lt. Silok für vertretbar, nachdem einige Softwareroutinen, die zur Replikation von komplexer Hardware nötig sind, entfernt wurden. Die Mitglieder der Rebellion argumentierten, indem sie angaben, dass ihnen derartige Technologie bereits bekannt sei, aufgrund der Lage jedoch nur nicht zur Verfügung stehe. Meiner Ansicht nach könnte dieser Austausch dennoch zu einer Verschiebung der Situation kommen, wobei hier auch das Gegenargument geltend gemacht werden muss, dass die Situation in dieser Facette des Multiversums erst durch ein Eingreifen von Parteien des Primäruniversums zu Stande gekommen ist.

29.11.2376

Die Nachtruhe unterschied sich von allen bisher erlebten Ruheperioden. Offenbar aufgrund der geistigen Verbindung mit Mrs. Colt kam es immer wieder zu einer Art Verbindung, die gelegentlich einzelne Gedanken, Erinnerungen und auch Emotionen in meinem Geist erschienen ließ. Eine derart intensive Nachwirkung dieser Verbindung war meinerseits sicher unerwartet. Nach der Einnahme einer Mahlzeit entschied man sich, möglichst schnell aufzubrechen. Lt. Silok erwartete Störungen unserer Abreise, verursacht durch Angehörige der Rebellion mit dem Ziel, weitere Technologie, Wissen oder Personal zu erhalten. Er instruierte unsere Gruppe für derartige Zwischenfälle, ordnete entsprechende Scans nach der Rückkehr in das Runabout an und initiierte die Verabschiedung von der Gruppe. Ich fand Gelegenheit, mich von Mrs. Colt zu verabschieden. Sie bestätigte meine Entscheidung, nicht hier verbleiben zu wollen und sprach die Hoffnung aus, die offenbar initiierte mentale Verbindung auch über die Barriere des Subraums hinaus beibehalten zu können. Schließlich überließ sie mir ein Schmuckstück, welches sie von ihrem Verlobten erhalten hatte. Es diene als Manifestation der Erinnerungen an die vergangenen Ereignisse. Obwohl es für mich nicht notwendig ist, Erinnerungen durch haptische Reize zu aktivieren, akzeptierte ich das Geschenk.

Die Abreise gestaltete sich als problemlos. Im Runabout wurde der Kernspin jeder Person überprüft, um die Zugehörigkeit in das Primäruniversum zu verifizieren. Obwohl sich der Betrieb der Tarnvorrichtung als energieintensiv gestaltete, konnte der Flug ohne größere Probleme durchgeführt werden. Bei der Ankunft am Subraumriss war das klingonische Schiff gerade in Begriff, durch Tachionenbestrahlung einen größeren Durchmesser in der Subraum-Öffnung zu erreichen. Weiterhin befanden sich drei Forschungsschiffe auf dem Weg zum Phänomen. Die Analyse ließ zu, dass es sich um den Versuch handelte, eine dauerhafte Verbindung zwischen beiden Universen zu etablieren. Durch Ablenkung des Schiffes durch Enttarnung und Tarnung sowie Waffenfeuer konnte ein ausreichender Zeitraum geschaffen werden, um uns die Passage durch den Riss zu ermöglichen. Der Wechsel in das Primäruniversum verlief problemlos. Durch Invertieren des Tachionenstrahls und einen Energietransfer eines anwesenden Schiffes der Sternenflotte war es nun von dieser Seite des Multiversums aus möglich, den Riss zu versiegeln.

Unter hohen Sicherheitsvorkehrungen wurde unser Team an Bord eines Schiffes der Sternenflotte, der USS Crazy Horse empfangen. Nachdem die Identität und die Umstände der Ereignisse geklärt waren, war ein Debriefing der Mission möglich.

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