Diese Reporter treiben mich in den Wahnsinn! Und ich bin mir nicht sicher,
ob sie wissen, wie ungesund so etwas werden kann.
Überall stecken sie ihre neugierigen Nasen hinein, schnüffeln überall
herum, stellen unsinnige Fragen. An der Technik scheinen sie überhaupt
kein Interesse zu haben – das einzig Positive, was man über diese
Lwer-Nocheh’s sagen kann – statt dessen stochern sie in der Privatsphäre
der Projektteilnehmer herum. Weshalb man diese Leute nicht einfach von Bord
werfen kann ist mir ein Rätsel!! Es sollte uns doch eigentlich egal sein,
was ein niveauloses populär-Magazin wie "Federation Escalation"
über uns schreibt! Weshalb keine seriösen Reporter von einem wirklich
seriösen Wissenschaftsmagazin? Ist unser Antrieb nicht wichtig genug für
so etwas?? Sie lenken die Projektteilnehmer mit ihren unsinnigen Inteview-Versuchen
von der Arbeit ab. Immerhin habe ich es bislang effektiv geschafft, ihnen aus
dem Weg zu gehen, denn zum Shuttle haben sie bislang zum Glück keinen Zutritt,
und dort habe ich mich heute den größten Teil des Tages aufgehalten.
Unser anderer Gast... Ja, nun... Der Saboteur. Gibt es nicht immer einen Saboteur?
Bin ich paranoid, daß ich fast mit so etwas gerechnet hatte? Die Sicherheitsmaßnahmen
hier an Bord der USS Curie, einem völlig veralteten Schiff mit einem Technikstand,
der Lieutenant Tohkinen abwechselnd Flüche und Verzweiflungsrufe ausstoßen
lässt, sind nach meiner Urteilskraft weit über Durchschnitt und so
gut, daß beizeiten nicht einmal das Projektteam ohne Sicherheitsschef
Lieutenant Wagner in den Hangar kommt, aber auf einen Bajoranischen Wissenschaftler,
der die Biometrischen Daten Lt.Cmdr. Stureks kopieren kann waren sie nicht vorbereitet.
Wer kann es ihnen Verübeln. Angeblich verfügt dieser bajoranische
Wissenschaftler namens Dr. Jonack Talar über eine Art Gerät zur Gedankenkontrolle,
so zumindest die Gerüchte. Ich habe keine Ahnung, was wirklich daran ist
und die Sicherheit macht ein ordentliches Geheimnis daraus. Mit Recht. Ich glaube,
ich will es auch gar nicht genau wissen.
Das dritte Problem des Tages: Lt.Cmdr. Sturek, der dem Projektteam nach vulkanisch-pedantischer
Manier mit Zeitdruck im Nacken sitzt und gleichzeitig die Durchführbarkeit
in Frage stellt. Ich finde, er sollte nach ebenso vulkanisch-pedantischer Manier
priorisieren: Einen hundertprozentig korrekten Zeitplan mit einem Projektteam,
das unter hohem Druck arbeitet und so Fehler machen könnte oder einen ordentlich
vorbereiteten Testflug, bei dem das Risiko so stark wie möglich minimiert
werden konnte. Zum Glück habe ich Lt.Cmdr. Stureks Präsenz vor Ort
nicht in meiner Risikoberechnung einkalkuliert. Ich glaube, das war zynisch.
Wann habe ich mir das angewöhnt?
Von diesen kleineren und größeren Unannehmlichkeiten abgesehen war
der Tag eigentlich sehr produktiv und aufregend:
Meine Aufgaben und Projekte sind weitestgehend abgeschlossen, ich habe lange
mit Lt. Tohkinen und Lt. Silok konferiert und die meisten offenen Fragen geklärt.
Mit Ausnahme der Sensoren. Für dieses Thema scheint niemand wirklich Zeit
zu haben. Lieutenant Silok arbeitet unablässig am Benomit-Kristall, mit
dessen kristalliner Reinheit es noch Probleme zu geben scheint... aber genau
verstehe ich nicht, worum es geht. Lieutenant Tohkinen ist derzeit der wohl
am meisten gefragte und beschäftigste Mann an Bord und Officer T’Aloviks
versucht, überall zugleich zu sein, alle Fragen zu beantworten, Aufgaben
zu koordinieren und das Projekt voranzutreiben. Dies muß ich ihm lassen:
Seine vulkanische Gelassenheit rettet den Tag. Wäre ich an seiner Stelle,
ich wäre schon längst wahnsinnig geworden, hätte ein paar Reporter
erdrosselt, Cmdr. Sturek in einer Luftschleuse vergessen und ähnliches.
Da die Dinge nun sind, wie sie sind, habe ich mir ein paar Anregungen von den
Lieutenants Tohkinen und Silok zum Thema Sensorik geholt und den verbleibenden
Rest des Tages genutzt um eine Sensoren-Testroutine zu entwerfen, die während
des Testfluges selbst mehrere Konfigurationen für die Astrometrie-Sensoren
durchgeht. Wenn mein Programm funktioniert, werden die Konfigurationen nacheinander
Computergesteuert implementiert um verschiedene Testdaten zu erhalten... Ich
hatte mir folgendes überlegt:
1.) Ein zu den Slipstream-Strings phasenversetztes Sensorensignal, parallel
eine Überlastung der Sensorenköpfe auf 120%
2.) „Normale“ Sensorenscans, Prüfung auf Durchdringung des
Subraumkanals und Reflektion vom Gravitonkegel.
3.) Unterschiedliches Anwinkeln der Sensorenabstrahlung auf den Ereignishorizont
und deren Brechung. (Erhöhung des Erfassungswinkels)
4.) Verstärkung der Sensorenimpulse durch kurzzeitiges Anpulsen der Deflektorschüssel
(Outputerhöhung auf 150%)
Ich bin gespannt, ob das funktionieren wird. Aber an die definitive Programmierung
werde ich erst morgen gehen... Irgendwann, zwischendurch, sollte ich schlafen.
Oh... fast hätte ich es vergessen, all die Aufregung... Ich bin morgen
im ersten Testflug-Team dabei! Mir schwirrt der Kopf so sehr vor lauter technischen
Details, Computerprogrammen und Sensorikproblemen, daß ich es zum einen
irgendwie noch nicht ganz realisiert habe und mich auch noch nicht wirklich
darüber freuen kann.
Inoi, aufwachen!! Vielleicht wird es realer, wenn ich es aufschreibe? Also:
Ich bin im ersten Testflug-Team dabei!
Als Teil des Projektteams, das ein neuartiges Antriebssystems entworfen hat!
Das hier ist kein Akademieprojekt!
Dieses Projekt könnte revolutionär in der Erforschung von Antriebstechnologien
sein!
Das ist kein Akademieprojekt!
Und mein Name steht auf der Liste des ersten Testflugteams!
Bei Andorias Wassern, ich bin nervös. Ich werde kein Auge zutun! Ich werde
morgen völlig übermüdet sein und Fehler machen! Gleich morgen
früh muß Lieutenant Mulligan meine Notfallsysteme noch einmal durchsehen,
hoffentlich habe ich keine Fehler gemacht...
Genug jetzt, ich werde noch etwas trainieren und dann versuchen, Ruhe zu finden.
Niemand soll sagen, ich hätte es nicht versucht. Ich bin wirklich nervös...
Computer – Eintrag Ende
In ungefähr einer halben Stunde wird der erste Testflug starten, und ich
möchte vorher noch ein persönliches Logbuch aufnehmen. Diese Zeit
muß ich mir einfach nehmen! Das Risiko eines Antriebsausfall liegt zwar
laut meiner Berechnungen nur bei 7,8%, aber es ist vorhanden! Und nur für
den Fall, daß es schief geht und alles, was von mir bleibt ein paar Atome
im Raum, ein Name auf der Liste der Verunglückten und ein paar Hinterlassenschaften
sind, möchte ich doch wenigstens gründliche Logbücher und ein
kleines Testament hinterlassen:
Computer – diesen Abschnitt unter Subfile „Testament“ separat
abspeichern
Im Falle meines vorzeitigen Ablebens durch ein Unglück möchte ich
hiermit veranlassen, daß all meine persönlichen Hinterlassenschaften,
vor allem aber meine Trainingswaffen, nach Andoria zu meiner Familie gebracht
werden. Meine persönlichen Logbücher sollen nur an Sprye Jedatha übergeben
werden. Sie mag mit ihnen verfahren, wie sie es für richtig hält.
Sollte ich nicht mehr die Gelegenheit haben, diese Nachrichten persönlich
zu überbringen, so sollen folgende Botschaften an die folgenden Crewmitglieder
der USS Exeter übersandt werden:
Lieutenant Mulligan: Ich danke Ihnen für ihre Geduld und Ihr Engagement
während meiner Ausbildung. Sie sind ein ausgezeichneter Abteilungsleiter
und sehr um Ihre Abteilungsmitglieder bemüht! Ihren Sinn für Humor
hätte ich vielleicht, irgendwann, verstanden. Tragen Sie es mir nicht nach,
daß ich es in der kurzen Zeit nicht immer geschafft habe...
Officer T’Aloviks: Ich danke Ihnen für die einmalige Gelegenheit
in einem Projekt dieser Tragweite mitarbeiten zu dürfen. Die Zusammenarbeit
mit Ihnen war nicht nur sehr lehrreich und produktiv sondern auch über
meine Erwartung hinaus kameradschaftlich. Sie haben mein Bild von Vulkaniern
sehr zum positiven verändert, dafür danke ich Ihnen, wie auch für
die große Geduld und die viele Zeit, die Sie sich für meine Projektabschnitte
und meine vielen Fragen genommen haben.
Was immer es wert ist: Ich habe eine sehr hohe Meinung von Ihnen.
Ensign Winterson: Ich bedaure, daß ich Sie nicht näher kennenlernen
konnte. Die gemeinsamen Trainingsstunden fand ich sehr erfrischend anders, Sie
haben mir die Gemeinsamkeiten so verschiedener Rassen aufgezeigt und in mir
ein von der Routine abweichendes Gefühl für den Klingenkampf gegeben.
Ich hatte gehofft, nach Beendigung dieses Zeitintensiven Projektes die Beziehung
zu Ihnen intensivieren zu können. So bleibt nur dies: Dank für die
gemeinsame Zeit und ein Gefühl von Kameradschaft... Freundschaft...?
Computer – Abschnitt „Testament“ abschließen und speichern.
Ich denke, daß dies die wichtigsten Bereiche und Personen abdeckt.
Vielleicht hätte ich Lieutenant Tohkinen und Lieutenant Silok einschließen
sollen? Nein... dafür wäre es noch zu früh gewesen. Die Zusammenarbeit
mit beiden Lieutenants bedeutet mir viel und ist extrem produktiv, aber noch
bin ich nicht soweit, eine persönliche Beziehung zu ihnen aufgebaut zu
haben. Und ein Testament soll ja ehrlich sein.
Fakt ist ja auch, daß ich dieses Testament mit 92,2%iger Wahrscheinlichkeit
nicht brauchen werde. In diesem Falle kann ich es jederzeit erweitern.
Nun aber kurz zu den bisherigen Geschehnissen unseres „großen Tages“,
des Tages, an dem das erste mit Quantenwirbel-Slipstream-Antrieb betriebene
Testshuttle den Hangar verlassen wird:
In der Frühe haben wir zuerst die Sabotage-Schäden beseitigt, die
durch den bajoranischen Wissenschaftler entstanden sind. Lieutenant Wagner konnte
sein Vorgehen durch die internen Sensoren rekonstruieren und die sabotierte
Stelle war schnell gefunden: Er hatte lediglich einen Sicherheitschip entfernt.
Der Chip war schnell repliziert und wieder eingesetzt.
Langwieriger und aufregender waren die medizinischen und psychologischen Tests,
die die technische Arbeit aufgehalten und die letzten Überprüfungen
meiner Programme unterbrochen haben.
Lieutenant Jaris wurde sehr, sehr wütend als entgegen der mit Officer T’Aloviks
getroffenen Absprachen die Testcrew im Shuttle war, als der Reaktor zum ersten
Mal testweise hochgefahren wurde. Sie hatte eigentlich geplant, den Reaktor
bei leerem Shuttle hochzufahren um zuerst die Strahlung zu messen und zu bestimmen,
ob die Strahlungswerte in medizinisch akzeptablen Parametern liegen oder ob
sie für die Gesundheit der Testcrew gefährlich werden können.
Die Tatsache, daß die Testcrew im Shuttle war, als der Reaktor hochgefahren
wurde, machte ihre Untersuchungen zwar bedeutend einfacher, da sie sozusagen
an lebenden Objekten forschen konnte, waren aber bedeutend riskanter.
Außer für Ensign Sias gab es keine Risiken, und er bekam irgendeine
seltsame Salbe gegen die Strahlung.
Die Counseling-Abteilung hatte eine Reihe psychologischer Belastungstests für
die Testcrew vorbereitet, die auf die Reaktion der einzelnen Personen unter
Streß abzielte. Soweit ich weiß hat jeder die Tests bestanden. Ich
bekam tatsächlich sogar ein Lob von Lieutenant Mulligan und Lieutenant
McCullum für gute, überlegte Reaktionen auf die Testsituationen.
Zwischenzeitlich laufen die letzten Vorbereitungen für den Testflug, die
Arbeit am Shuttle gehen ihrem Ende zu und Cmdr. Sturek tut sein bestes, den
Zeitdruck aufrecht zu erhalten und angespannte Stimmung zu verbreiten. Mir kommt
es manchmal unrealistisch vor, daß er und Officer T’Aloviks zum
gleichen Volk gehören...
Und als hätten wir nicht genügend Zeitdruck gibt es auch noch ein
Problem mit Ensign Julie Conway. Ich bin nicht genau informiert, worum es geht,
aber es scheint so eine Halbbetazoiden-Sache zu sein. Ich habe mitbekommen,
daß Ensign Conway Stimmen hört, die auf eine unsichtbare Präsenz
an Bord hindeuten. Die gesamte Sicherheit ist in heller Aufregung, weil die
internen Sicherheitssensoren nichts finden können, was tatsächlich
auf eine Präsenz hindeutet! Die verschärften Sicherheitsmaßnahmen
verzögern den Testflug – sehr zu Cmdr. Stureks Ärger –
noch mehr (Man stelle sich vor! Wir sind eine knappe halbe Stunde hinter dem
Zeitplan! Wie völlig inakzeptabel und unprofessionell!... Oh, ich werde
schon wieder zynisch...)
Aber soweit ich mitbekommen habe, können auch die anderen Halbbetazoiden
an Bord nichts von einer unbekannten, unsichtbaren Präsenz spüren!
Jemand sagte mir, daß Ensign Conways empathische Wahrnehmungen einer Präsenz
zu 80%iger Wahrscheinlichkeit lediglich Halluzinationen seien. Ich finde, das
klingt rein logisch betrachtet plausibel. Wenn weder die internen Sensoren noch
die anderen Halbbetazoiden nichts finden können, weshalb die Panik? Bei
der Schlacht um Cardassia gehörte Ensign Conway auch zu den beeinträchtigten
Crewmitliedern als es empathisch bedingte Probleme gab, sie scheint für
dergleichen Dinge rein objektiv betrachtet empfänglich zu sein... was in
keiner Weise abwertend zu verstehen sein soll! Jedes Volk hat seine Nachteile,
auch wir Andorianer. Ich bin nur froh, nicht empathisch veranlagt zu sein, das
scheint nur Probleme zu bereiten. Die Anspannung beim Projektteam und der Zeitdruck
steigen proportional zueinander. Ich hoffe nur, man lässt uns bald starten.
Ich werde wieder zum Shuttle zurückkehren, noch ein allerletztes Mal meine
Konfigurationen überprüfen und mich auf den Flug einstimmen.
Computer – Eintrag Ende
Lor’Vela sei gepriesen, wir sind wieder auf der USS Curie und alle sind am
Leben! Der Testflug war erfolgreich...
Noch kann ich es gar nicht ganz erfassen, aber ich schätze, wir haben Raumfahrtgeschichte
geschrieben!
Eigentlich, ganz rational betrachtet, hatte ich es mir irgendwie... spektakulärer
vorgestellt. Wie in den Simulationen sahen wir gerade am Rande des Sichtfeldes
ein grünliches Schimmern von den Wirbelringen und dem Subraumkanal. Ansonsten
Sterne wie bei einem normalen Warpflug. Ich hatte ohnehin keine Zeit, wirklich
ausgiebig die Sicht zu genießen, ich war zusehr mit meinen Messwerten beschäftigt.
Ein paar Probleme gab es natürlich, aber alle Systeme haben gut funktioniert,
die Diagnose- und Notfallroutinen haben gut reagiert und obwohl ein paar Messwerte
gegen Ende des Fluges in den kritischen Bereich gestiegen sind, konnten wir
den Flug mit geplanter Fluglänge und Dauer durchführen. Ein wenig Risiko war
natürlich dabei... ich glaube, ich wäre auch fast enttäuscht gewesen, wenn alles
zu reibungslos gelaufen wäre.
Als wir das Shuttle nach der Landung und der ersten Euphorie untersucht haben,
haben wir festgestellt, daß die EPS-Leiter Haarrisse bekommen haben, weil sie
für die hohe Energiemenge einfach nicht ausgelegt waren. Das hat zu einer ganzen
Kette von Ereignissen geführt: Am Slipstream-Deflektor aufgrund der porösen
Leitungen nicht genügend Energie an, die Sensoren erkannten das Problem und
das Notfall-System steuerte automatisch gegen: Im Reaktor wurde die Menge der
Antimaterie erhöht um mehr Energie zu erzeugen, das Reaktionsverhältnis von
Materie zu Antimaterie sank, damit verbunden sank auch der Brechungskoiffizient
im Benomitkristall und dieser wurde, nicht für hohe Antimateriemengen ausgelegt,
porös.
Das klingt nachbetrachtend alles sehr logisch, aber es vergingen bestimmt zwei
Stunden, bis wir das Problem lokalisiert hatten, denn die Diagnose zeigte zuerst
den porösen Benomitkristall als fehlerhaft an, und wir mussten anhand dieser
Porösität die Kette der Zusammenhänge zurückverfolgen. Keine Zeit also zum Feiern...
Eine wirkliche, echte Überraschung gab es nach der Landung und der ersten Untersuchung
allerdings doch: In Form von Commander Sturek, der, obwohl er über Fehler während
des Fluges und den beschädigten Benomit-Kristall informiert war, einen weiteren
Testflug nach nur zwei Stunden verlangte!!
Was ist denn nur los mit diesem Vulkanier? Gestern noch stellte er das ganze
Projekt in Frage und hätte uns um Antennenbreite nicht starten lassen, weil
die Risikoberechnung ein um 0,3% zu hohes Ausfallrisiko ergeben hatte... und
nun will er das Shuttle mit beschädigtem Benomitkristall und zu schwachen EPS-Leitern
starten lassen? Vulkanische Logik ist mir beizeiten ein echtes Rätsel.
Das Projektteam war natürlich in heller Aufregung und nicht wenige von uns hätten
Cmdr. Sturek nur allzu gerne allein mit dem Shuttle sofort auf einen neuen Testflug
geschickt, wenn die Bauteile nicht viel zu teuer und arbeitsintensiv wären!
Dies war nun der Punkt, an dem ich das erste Mal wirklich heilfroh über die
lästige Risikoberechnung war. Einer Eingebung folgend überließ ich die Reparaturen
am Shuttle den Technikern und machte mich an eine neue Berechnung, den beschädigten
Kristall, die zu schwachen EPS-Leiter und die ungenügende Reparaturzeit einkalkulierend...
und siehe da, die Wahrscheinlichkeit eines Antriebsausfalls ließ sich auf knapp
20% berechnen, was mehr als das doppelte der von der Sternenflotte erlaubten
Toleranz beträgt! Der Commander bekam diese Daten vorgelegt und sagte, mit eigenen
Waffen geschlagen, den zweiten Flug für den Tag ab, was uns mehr als genügend
Zeit für Reparaturen einräumt!
Mit diesem positiven ersten Resumée werde ich nun wieder zum Shuttle zurückkehren
und sehen, ob ich bei den Reparaturen helfen kann.
Computer - Eintrag Ende
...und der Tag hatte so gut und erfolgreich begonnen!
Ich habe verfluchte Kopfschmerzen! Meine Antennen jucken und schmerzen und –
das schlimmste – sind sozusagen blind und taub! Es ist zum die Wände
hochgehen und so frustrierend, keine Farben und nur zweidimensional zu sehen.
Und Mulligan muß noch dumme Witze reißen! Ich wäre ihm am liebsten
an den Hals gegangen, statt dessen habe ich wütend den Raum verlassen und
habe mir bei dieser Gelegenheit noch einen Bluterguß am Türrahmen
geholt, gegen den ich gelaufen bin. Verfluchte Konsolen, verfluchte Explosion,
verfluchtes Shuttle!!
Verfluchter menschlicher, beleidigender Humor, wo ich schon dabei bin... Verdammt
witzig! „Grün oder blau, Kadett?“ und dieses verfluchte Grinsen,
während Mulligan mir zwei Getränkeflaschen hinhält! Und ich,
keine Farben erkennend und mit mörderischen Kopfschmerzen sehe imaginär
nur rot. Sehr witzig, Lieutenant. Wirklich verdammt witzig! Und so taktvoll...
Lieutenant Jaris versichert mir, daß das nur vorrübergehend ist,
daß alles sehr gut verheilen wird. Hoffe nur, daß sie recht hat.
Ich weiß nicht einmal genau, wie das alles passieren konnte: Lieutenant
Tohkinen und der andere, vulkanische Techniker mit dem komplizierten Namen waren
dabei, die EPS-Leiter auszutauschen. Die Reaktoren waren heruntergefahren, eigentlich
hätte keinerlei Spannung mehr auf den Leitungen sein dürfen... Die
Konsolen sind uns dennoch um die Ohren geflogen! Ich erinnere mich nur an einen
Knall und ein blendendes Licht direkt neben mir, dann diese rote Welle des Schmerzes.
Irgendwelche Stimmen und ich muß ausgerastet sein und habe wild um mich
geschlagen. Ich erinnere mich nicht mehr genau.
Dann die Krankenstation. Kurz Conways Gesicht, dann Jaris. Wieder Schmerzen,
bis sie mir ein Hypospray gegeben hat und ich wieder eingeschlafen bin. Warum
hat es diese Explosion gegeben? Ich habe keine Ahnung. Irgendeine Spannungsspitze
in einem Knotenpunkt wo keine hätte sein dürfen.
Mit Ensign Conway gab es wohl auch noch Probleme, das habe ich aber nur am Rande
mitbekommen. Anscheinend ist sie ausgerastet, hat sich im Shuttle eingeschlossen
während Lieutenant Jaris alle durch die Explosion Verletzten mehr oder
weniger alleine behandelt hat. Hatte wohl etwas mit den Stimmen zu tun, aber
ich habe mich nicht weiter darum gekümmert. Genug eigene Probleme, nicht
mein Problem. Ist wohl auch wieder unter Kontrolle – glaube ich.
Nachdem Lieutenant Jaris mich aus der Krankenstation entlassen hat bzw. ich
nach Mulligans ach-so-witzigen Anfall von Humor hinausgestürmt bin, wollte
ich mich eigentlich noch irgendwie ablenken, mich noch irgendwie nützlich
machen. Bin also durch das Schiff geirrt, habe einen Reporter, Kadett Speren
und Ensign Winterson angefaucht und mich reichlich elend gefühlt, als mich
jeder aus dem Hangar herauschicken wollte, damit ich mich ausruhe.
Daß ich bei meinem letzten Besuch im Hangar (ich wollte wirklich nur meine
PADDs holen, nicht arbeiten) über einen Golfball von Officer T’Aloviks
gestolpert bin, hat mich davon überzeugt, daß es doch besser ist,
aufs Quartier zu gehen. Welch ein surrealer Abschluß eines eigentlich
so erfolgreichen Tages! Glaube, ich hätte ihn lieber mit Andorianischem
Likör und den Projektteam-Kollegen im Arboretum verbracht. Jetzt trinke
ich das verflucht starke Zeug eben alleine!
Computer – Eintrag Ende
Lor’Vela sei abermals bedankt: Es geht mir wieder besser! Genug Schlaf
und Lieutenant Jaris’ medizinisches Können haben dafür gesorgt,
daß meine Wahrnehmung fast ganz wieder hergestellt ist. Mir ist ab und
zu noch ein wenig schwindelig und das Gehör ist noch nicht optimal, aber
es reicht aus, mich wieder dienstfähig zu schreiben.
Die Reparaturen am Shuttle gehen gut voran, der Benomit-Kristall wurde über
Nacht repariert, die EPS-Leiter sind verdoppelt und sollten der Belastung nun
standhalten. Officer O’Kenner soll am nächsten Testflug teilnehmen
und ich habe einen großen Teil des Vormittages damit verbracht, ihn bei
all meinen Diagnosen, Routineprogrammen und vor allem den Notfallprozeduren
auf den neuesten Stand zu bringen.
Eines fand ich jedoch seltsam: Ein Computerexperte, ein Mensch namens wurde
heute morgen kurzfristig unserem Team zugeteilt. Keiner kennt den Mann, er kam
einfach so ins Shuttle spaziert und wollte Softwareupdates implementieren.
Ich habe ihn natürlich erst einmal gefragt, auf wessen Erlaubnis er denn
hier sei und er hatte ein PADD mit einer Berechtigung von einem Commodore von
Starfleet Command dabei. Ein seltsamer Zeitpunkt, jemandem einem solch brisanten
Projekt zuzuteilen! Ändere niemals ein gut funktionierendes System, wie
man sagt. Vielleicht bin ich nach dem Vorfall mit dem Bajoraner auch einfach
zu Paranoid.
Officer T’Aloviks hat ihm vollen Zugang zum Projekt erteilt und wer bin
ich, das anzuzweifeln. Er wird also mit uns arbeiten.
Lieutenant Lloyd ist im Laufe der Nacht ebenfalls an Bord der USS Curie gekommen.
Einige haben sich sehr gefreut, ihn wiederzusehen. Ich kenne ihn noch nicht
so gut und weiß auch nicht, weswegen er hier ist. Das wird schon seine
Gründe haben.
Der nächste Testflug soll bald starten, ich muß dann auf die Brücke.
Ich soll die OPS-Station während des zweiten Testfluges besetzen... So
kann ich immerhin beobachten, was passiert, wenn ich schon nicht direkt dabei
bin.
Computer – Eintrag Ende
Leben und arbeiten in der Sternenflotte ist eine seltsame Sache. Es geht auf
und nieder wie bei einem Atmosphäre-Flug während Gewitter... und die
Reaktionen auf die Situation erscheinen immer die falschen! Gestern noch hatten
wir einen erfolgreichen, ersten Testflug, haben mit einem neuen Antriebssystem
Geschichte geschrieben... und standen derartig unter Zeit- und Arbeitsdruck,
daß wir es nicht einmal gebührend feiern konnten.
Jetzt ist das Shuttle abgestürzt. Die Antriebsbauteile vernichtet. Das
Projekt zumindest temporär gescheitert. Ein Verräter enttarnt und
getötet... und man hält uns zu Ehren ein Bankett ab. Viele der Mannschaft
feiern und freuen sich darüber und ich bin nur... verwirrt. Was soll das
alles? Bin ich denn die einzige, die all das nicht versteht und absolut unpassend
findet? Ich beginne zu denken, daß Menschen viel fremdartiger sind, als
ich bislang vermutet hatte.
Dies ist wieder einer dieser Abende, wo ich nach getanem Dienst in meinem Quartier
sitze und mich so fremd fühle wie... Nunja, ein einzelner Andorianer unter
Menschen.
Eins nach dem anderen, allein schon um meine Gedanken zu entwirren.
Ich hatte um 12.00 Uhr Standardzeit die OPS-Station auf der Brücke der
USS Curie besetzt um Start und Flug des QWSS-Shuttles Elbe zu überwachen.
Lieutenant McCullum hatte das Kommando.
Anfangs lief alles genau nach Plan. Das Shuttle meldete optimale Werte beim
hochfahren des Reaktors und der Systeme, die Startsequenz lief glatt und ohne
Probleme. Dann trat das Shuttle in den Slipstream-Kanal ein, und ich erinnere
mich zu denken, daß es von außen viel imposanter aussah als vom
Inneren des Shuttles selbst.
Wir folgten der Flugrichtung des Shuttles, warteten die geplanten 40 Sekunden,
die der Flug dauern sollte und während der keinerlei Kommunikation möglich
war. Dann riefen wir die Elbe über die Langstreckenkommunikation... und
bekamen keine Antwort. Sie war nicht da. Auf der Brücke wurde es hektisch,
alle waren beunruhigt. Ich richtete alle Sensoren auf die Signatur, die der
Slipstream-Kanal im Subraum hinterlassen musste und wurde fündig. Offenbar
war das Shuttle durch verschiedene Ebenen des Subraums getaumelt, das Signal
wurde stärker und schwächer.
Bei Andorias Wassern!! All das liest sich so neutral, ruhig, faktisch.
Was, was nur ist in dem Shuttle geschehen? Ich kann mir nur eines erklären:
Meine Notfall-Systeme haben versagt! Das hätte nicht geschehen dürfen!
Sobald ich diese Logbücher beendet habe, werde ich zu Officer T’Aloviks
gehen und ihn bitten, mich bis auf weiteres aus dem Projekt zu entlassen. Das
passiert, wenn man einen Kadetten, dessen Training noch nicht beendet ist, an
einem so wichtigen Projekt arbeiten lässt! Ich bin noch nicht gut genug,
ich muß einen Fehler gemacht haben! Ich kann es mir momentan nicht anders
erklären.
Aber weiter, eins nach dem anderen:
Fieberhaft folgten wir der Signatur des Shuttles, liefen mehrmals Gefahr, sie
zu verlieren. Lieutenant Silok kommentierte fast Pausenlos die Hoffnungslosigkeit
unseres Unterfangens, das Shuttle zu suchen, da dieses, wie er sagte, fast überall
aus dem Subraum hätte herausfallen können und nicht nur linear innerhalb
der Flugstrecke. Immerhin gab er keine prozentuale Wahrscheinlichkeit (bzw.
Unwahrscheinlichkeit) an, sonst hätte ich glaube ich die Beherrschung verloren!
Vulkanisches Taktgefühl...
Schließlich orteten wir das Shuttle auf einem kleinen Mond, wo es abgestürzt
war, flogen den Mond an und schickten ein Außenteam hinunter. Bis dato
war es eine halbwegs normale Rettungsaktion, danach war es nurmehr Chaos!
Ich bin nicht sicher, ob ich mich an die genau Abfolge der Ereignisse erinnern
kann, für mich wurde es zu einem nicht zu entwirrenden Wust von Meldungen,
Gegenmeldungen, Computerproblemen, in dem ich nurnoch versuchte, meine Aufgaben
so effektiv wie nur möglich zu erledigen. Den allgemeinen Faden der Ereignisse
habe ich dabei nicht nur einmal verloren.
Also der Versuch, halbwegs Ordnung ins Chaos zu bringen:
Ein Ferengi-Marauder tauchte auf, feuerte irgendeine Energiedämpungswaffe
auf uns ab, die unsere wichtigsten Systeme lahm legte.
Sie schickten wohl auch ein Außenteam zu unserem Shuttle hinunter (oder
war dieses schon vor unserem Team dort?) um die Antriebstechnologie zu stehlen.
Das gelang ihnen wohl auch irgendwie. Wir trieben derweil hilflos im Raum und
bemühten uns mit Hochdruck, die USS Curie wieder weitestgehend instand
zu setzen.
Dann bekamen wir mit, daß auf dem Ferengi Marauder anscheinend ein Streit
ausbrach in dessen Folge das Schiff explodierte und mit ihm unsere Antriebsbauteile.
Zwei Rettungskapseln des Marauders konnten wir lokalisieren... von diesen war
nur eine besetzt und zwar durch eine Orionerin. Während diese auf die Medizinische
Station gebeamt wurde bemühte ich mich, Trümmerstücke zu orten
und an Bord zu beamen, die von unserem Shuttel sein konnten.
Wir beamten unser Außenteam und die Shuttlebesatzung zurück an Bord
– Lor’Vela sei Dank, niemand war getötet worden!
Lieutenant Lloyd und dieser Computerexperte Philips (weshalb eigentlich genau
diese beiden?) starteten mit einem Shuttle, wohl um nach weiteren Schiffen hinter
dem Mond ausschau zu halten, um einen weiteren Überraschungsangriff zu
vermeiden. Das war zumindest der offizielle Grund. Die Überraschung fiel
anders aus: Philips und Lloyd nutzten den Mond als Deckung um zu fliehen.
Sobald die Meldung heraus war, dachte ich nur „Verräter...“
und hätte ich ihn vor mir gehabt, ich hätte ihn wohl mit bloßen
Händen in handliche Stückchen zerlegt... oder es zumindest versucht!
Ich habe diesem Dreckskerl von Anfang an nicht getraut! Und ich dachte noch,
welch ein unpassender Moment, einen Neuen in ein so brisantes Projekt hineinzubringen!
Wir haben in mit unseren Computern herumspielen lassen, und nun bekamen wir
die Rechnung. Jemand in Starfleet Command wird einiges zu erklären haben,
wenn wir wieder zurück sind!
Wir versuchten natürlich, dem Shuttle zu folgen. Wäre auch kein Problem
gewesen wenn Herr „mit Befehl von Starfleet Command“ Philips nicht
diverse komplexe Computerviren in unseren Hauptcomputer implementiert hätte.
Leider hatte er ja aber vollen Zugriff! Bis Lieutenant Mulligan die schlimmsten
Viren isoliert und entfernt hatte, war das Shuttle außerhalb unserer Sensorenreichweiten.
Wir folgten nichtsdestotrotz seinem Kurs, fanden die Signatur wieder, hefteten
uns daran wie ein andorianischer blauer Bär, der Blut gewittert hat.
Ich fasse mich kurz: Wir holten sie ein. Die Sensoren erfassten einen Kampf
auf dem Shuttle, Mr. Philips wurde anscheinend mit einem Phaser niedergestreckt,
Lieutenant Lloyd zurückgebeamt... und, jetzt die nächste Unglaublichkeit,
mit offenen Armen empfangen! Gut, ja, ich kenne ihn nicht so lange wie der Rest
der Mannschaft. Vielleicht wurde er auch verhört und ich habe es nicht
mitbekommen. Für mich war er ein Kollaborateur eines Verräters!
Dieses Shuttle war über eine Stunde da draußen! Über eine Stunde,
in der wir es gejagt und verfolgt haben. Und Lloyd will uns weismachen, Philips
hätte ihn die ganze Zeit mit einem Phaser bedroht? Und wer hat dann das
Shuttle geflogen? Wie naiv ist das denn?? Aber mich geht das nichts an. Ich
bin Kadett in der OPS. Die da oben werden schon wissen, was sie tun. Ich für
meinen Teil werde diesem Lloyd keine Sekunde den Rücken zudrehen!
Und dann war da noch die Sache mit Lieutenant McCullum. Gerade als ich dachte,
der Tag könne nicht mehr schlimmer werden:
Er hat mich ordentlich zusammengefaltet, weil ich auf der Brücke emotional
geworden und ihm auch ins Wort gefallen bin. Ja. Das war nicht sehr gut von
mir. Ich habe mich entschuldigt. Ihm versprochen, daß so etwas nicht mehr
vorkommen wird! Und ich werde mich bemühen, mein Wort zu halten. Und das
ausgerechnet, nachdem er mich noch gelobt hatte während meines guten Abschneidens
bei den psychologischen Tests! Schätze, zwischen Tests und der Realität
gibt es doch gewaltige Unterschiede! Lieutenant Masterson versuchte, mich wieder
Aufzumuntern. Nett von ihm, eigentlich.
Ja, was noch.
Ensign Conways Probleme wurden wohl auf der Krankenstation gelöst. Hatte
irgendetwas mit der Strahlung vom Benomitreaktor zu tun... Was auch immer.
Officer T’Aloviks ist noch immer auf der Krankenstation, wo er sich von
dem Absturz erholen soll – ich werde ihn gleich besuchen gehen –
und man hat dieses Bankett gehalten. Bei dem Gedanken an das Shuttle, den Antrieb,
das Projekt, Officer T’Aloviks war ich reichlich Appetitlos. Ich hoffe,
daß ich durch meine deutlich... uneuphorische Stimmung niemandem die Feierlaune
verleidet habe. Aber ich konnte nicht anders.
Nun denn. Ich werde noch zu Officer T’Aloviks gehen und ihn bitten, mich
aus dem Projekt zu entlassen. Meine Systeme müssen versagt haben, anders
kann ich es mir nicht erklären. Ich denke, er wird das als Logisch empfinden...
Computer – Eintrag Ende
Die Menschen haben einige Märchen, die entweder mit Geistern in Flaschen
oder Feen (was immer das ist) zu tun haben, die Wünsche erfüllen.
Wenn mir so ein Wesen nun begegnen würde, und ich drei solcher Wünsche
frei hätte... ich glaube, ich würde mir drei Tage Arbeit wünschen,
an denen nichts schief geht, an denen ich abends mit dem guten Wissen in meinem
Quartier sitze, einen erfolgreichen, produktiven Tag hinter mir zu haben.
Schade eigentlich. Menschlicher Aberglaube ist etwas durchaus verführerisches,
und, wie Lieutenant Mulligan des öfteren zu sagen pflegt: Ich fühle
mich so müde...
Immerhin müde, nicht wütend. Ein echter Fortschritt!
Ich habe nicht viel Zeit. Mittagspause, dann wieder Brückendienst, die
Daten der internen Sensoren so lange filtern, sortieren und auseinanderpflücken
bis wir das Ergebnis haben, nach dem wir suchen. Und wenn ich drei Nächte
nicht schlafe, wir werden herausfinden, wohin Officer T’Aloviks entführt
worden ist!!
Lieutenant Lloyd und die Orionerin. Von dem grünen Miststück hätte
ich ja nichts anderes erwartet! Aber Lieutenant Lloyd... ein Sternenflottenoffizier
ein Entführer?? Ich kann das noch immer nicht fassen! Nein, getraut habe
ich ihm nicht, nicht nach der Geschichte mit dem Shuttle, aber daß er
Officer T’Aloviks entführt? Unfassbar! Weswegen! Und vor allem: Wohin?
Er hatte irgendeinen seltsamen, mobilen Transporter auf dem Quartier, keine
Ahnung woher... Das alles kommt mir extrem seltsam vor.
Tja, das ist nun die neueste Episode vom Auf und Nieder in meinem Dienst. Der
gestrige Abend endete eigentlich recht positiv: Officer T’Aloviks gab
meinem Drängen nicht sofort statt, aus dem Projekt entlassen zu werden.
Er meinte, man könne nicht erklären, weswegen das Shuttle abgestürzt
sei, aber es könne nicht nur an meinen Systemen gelegen haben. Dies müsse
erst einmal nachgewiesen werden. Lieutenant Mulligan war in einem separaten
Gespräch derselben Meinung.
Später am Abend eröffnete Commander Stafford der überraschten
Crew im Arboretum, daß die nächste Mission die USS Exeter für
fünf Jahre in den Delta-Quadranten führen würde und daß
sich alle Crewmitglieder entsprechend überlegen sollten, ob sie für
eine so lange Zeit fern der Heimat bleiben wollten, denn einmal an Bord gäbe
es kein Zurück für die nächsten fünf Jahre.
Ich nutzte das als Gelegenheit, noch einmal ein Gespräch mit Lieutenant
McCullum zu suchen, um in Erfahrung zu bringen, ob er mich überhaupt an
Bord haben wolle nach meiner Reaktion gestern auf der Brücke. Er schien
verwundert über meine Frage und er und Lieutenant Mulligan, der ebenfalls
beim Gespräch dabei war, ermutigten mich, auf jeden Fall an Bord zu bleiben!
Das ist doch immerhin etwas. Lieutenant McCullum scheint die Ermahnung nicht
ganz so ernst gemeint zu haben, wie sie in meinen Ohren klang... anders gesagt,
vielleicht schon ernst, aber er trägt es mir nicht nach. Im Gegenteil,
er hat lobend angemerkt, daß ich gestern etwas über 10 Stunden selbständig
Brückendienst geschoben habe, und Lieutenant Mulligan schien mit meinen
Leistungen auch zufrieden zu sein.
Ich denke, mit der Zeit könnte es durchaus funktionieren. Ich muß
lernen, mit den Menschen umzugehen und meine Vorgesetzten und Crewkameraden
müssen sich vermutlich ebenso daran gewöhnen, daß ich eben kein
blaugesichtiger Mensch sondern Andorianerin bin. Wie ich zu Lieutenant McCullum
und Lieutenant Mulligan schon gesagt habe: Sie würden von einem Vulkanier
auch nicht verlangen, ständig im Dienst zu lächeln. Genauso kann ich
erwarten, nicht mit menschlichen Maßstäben gemessen zu werden. Natürlich,
anpassen müssen wir uns alle, anders geht es nicht. Aber ich werde bestimmt
nicht meine Erziehung, mein Wesen, meine Eigenschaften über Bord werfen
um an Bord zu bleiben.
Und nun, da ich mir das alles noch einmal bewusst gemacht und neue Selbstsicherheit
gesammelt habe, wieder ab auf die Brücke, Sensorendaten filtern und durchsieben.
Wir werden Officer T’Aloviks finden! Und wenn es das letzte ist, was ich
tue!
Computer – Eintrag Ende