Storyline

Starfleet Operations Con 6

Persönliches Computerlogbuch - Lillian D'Reya Winterson

Ich bin stellvertretender Sicherheitschef! Keine Ahnung warum, aber irgendwie hört sich das um einiges imposanter an, als stellvertretender Leiter der CONN. Könnte damit zusammenhängen, dass an meinen jetzigen Posten echte Verantwortung gebunden ist. In jedem Fall hat McPhearson ziemlich dämlich geguckt, als er plötzlich hinter der Halbklingonin zurückstecken musste. Jaq war natürlich begeistert. Ob Vaughn irgend eine Meinung zu meinem Wechsel hatte, weiß ich nicht. Ich hoffe, er hat sich gefreut. Bei Wagner bin ich mir nicht sicher. Er traut meinen Fähigkeiten zur Selbstbeherrschung wohl immer noch nicht. Sollte er aber. Seit ich mein privates Training intensiviert habe, fällt es mir leichter, mein Temperament unter Kontrolle zu halten. Eigentlich ist der Trick ganz leicht. Ich nutze meine Aggressionen beim Training und dadurch behindern sie nicht meinen Alltag. Vielleicht wäre ich früher schon weniger reizbar gewesen, wenn ich mehr auf meine klingonische Seite eingegangen wäre. Aber im letzten halben Jahr habe ich das ja mehr als genug getan und immerhin hat sogar Korak mich jetzt für würdig befunden und mir mein eigenes Bath’leth überreicht. Ich bin so stolz! Dass heißt ich werde mich nicht blamieren, für den Fall, dass Captain Starkov mich jemals fragen sollte, ob wir gemeinsam trainieren. Und ich werde jetzt auch richtig mit Inoi trainieren können.

Ehrlich gesagt geht es mir im Moment richtig gut. Der Krieg ist vorbei, wir hatten kaum Verluste, ich bin in einer Abteilung, in der ich mich wohlfühle – ja, ich denke, es war richtig, zu wechseln- und ich habe einige sehr unterschiedliche, aber sehr großartige Freunde hier an Bord des Schiffes. Okay, Inoi und Jaris würden mich wahrscheinlich schräg ansehen, wenn sie wüssten, dass ich sie als Freunde bezeichne, aber dass ist nur eine Frage der Zeit. Schon merkwürdig, wie sehr mich dieses Schiff verändert hat. Vielleicht hat in der Sternenflotte wirklich jeder eine Chance und vielleicht ist auch das der Grund, weshalb ich hier bin und nicht an Bord eines klingonischen Schiffes. Ich freue mich auf unseren nächsten Einsatz. Auf meine Möglichkeit, zu beweisen, dass ich als Sicherheitsoffizier ebenso tauglich bin, wie als Navigatorin.

Ein diplomatischer Einsatz. Hurra. Ich weiß nicht, was genau ich erwartet habe, aber direkt nach dem Krieg wieder in diplomatische Gespräche verwickelt zu werden gehörte wohl nicht dazu. Das wird wohl die Stunde unserer süßen Admiralstochter Vanessa werden. Ich habe übrigens dass Gefühl, dass sie seit dem Ende des Krieges noch hübscher geworden ist. Oder hat sie einfach mehr Löckchen? In jedem Fall ein ganz anderer Typ Frau als die kleine Inoi. Letztere weiß sich gut zu verteidigen. Ich habe am Oberschenkel immer noch einen blauen Flecken, als sie mich bei ihrem letzten Kontrollverlust wirklich nur noch zur Seite gefegt hat und ich gegen die Wand geknallt bin. Das Training mit ihr ist eine Herausforderung. Zwar trainiert sie meist alleine, aber wenn sie mal Lust zu einem gemeinsamen Training hat ist es immer wieder faszinierend. Sie kämpft routiniert und gelassen, nicht so impulsiv wie ich. Vermutlich habe ich nur aufgrund ihrer mangelnden Begeisterung überhaupt eine Chance, denn im allgemeinen Training ist sie mir um Jahre voraus. Nicht zum ersten Mal bedaure ich es, in meiner Jugend so starrköpfig gewesen zu sein, kein Training zu wollen. Die fehlenden Jahre kann ich nur wieder ausgleichen, in dem ich umso härter trainiere.

Als wir an der Raumstation 123 ankamen, wurde ich zusammen mit Vaughn und Dawson als Delegation der Sicherheit entsendet. Warum kam Wagner nicht mit? Wollte er sehen, wie ich Mist baue? McPhearson stellte unseren Kontakt zur Stationssicherheit her, wir sollten uns später um die Sicherheit unserer Abordnung kümmern. Vanessa Williams befand sich noch an Bord der Exeter, bereitete sich auf ihre morgigen Aufgaben vor. Die Rasse, zu der bereits vor Jahren durch ihren Vater ein Erstkontakt durchgeführt worden war, nannte sich Khar’Sharat, war felin und hatte kriegerische Ambitionen, den Klingonen nicht unähnlich. Beim ersten Zusammentreffen hatte es wohl einen Zwischenfall gegeben, der auf keinen Fall wiederholt werden durfte. Ehrlich gesagt interessiert mich das alles nicht sonderlich. Meine Aufgabe ist die Sicherheit unserer Leute und fertig. Warum eine Katzenrasse, die sich mit Warp 2 durch die Gegend bewegt und Jahre braucht, um überhaupt an einem Treffpunkt anzukommen, interessant für die Föderation sein soll, weiß ich nicht. Aber ich werde meine Arbeit gut erledigen. Mein Chef soll schließlich nicht bereuen, mich als Untergebene zu haben.

Der Tag beginnt wie alle anderen. Leichtes Training, Dienstantritt. Dann eine Diskussion über die Direktiven. Eigentlich hatte ich McCullum bei erneuter philosophischer Diskussion beistehen wollen. Aber die Direktiven sind nun einmal nicht das, worüber ich denke philosophische Diskussionen führen zu können, denn sie sind festgelegt, während die Philosophie ein freies Feld ist. Außerdem stehe ich selbst einigen Direktiven doch eher misstrauisch gegenüber, weil sie gewissermaßen im Widerspruch zu den Idealen der Föderation stehen. Zum Beispiel Direktive 24. Irgendwie hört sie sich.... gotteslästerlich an. OK, wenn ich an etwas glaube, dann vielleicht an Kahless. Und meine Freunde. Aber irgendwer muss das Universum ja gemacht haben, oder? Und ich denke dieser jemand wäre nicht begeistert, wenn man ganze Planeten... Ehrlich gesagt will ich über solch ernste Themen gar nicht nachdenken, der Krieg war ernst genug und liegt noch nicht lange zurück. Als Vanessa an Bord der Station kommt, gibt es nicht viel genauere Informationen, auch wenn ich mir noch einiges von ihr erhofft hatte. Immerhin muss ich unsere potentiellen Gegner einstufen können. Ich denke am besten ist es, sie wie Klingonen zu behandeln. Ich hoffe unsere diplomatische Delegation tut das auch. Am liebsten würde ich mit Wagner eine Rücksprache halten. Nicht wegen der Khar’Sharat, nein, Jaq macht mir Sorgen. Was ich schon seit einiger Zeit beobachtet habe, ihre schon krankhafte Besessenheit von ihrem Vater und seiner Festnahme... es steigert sich und ich habe Angst, dass das ihre Diensttauglichkeit beeinflussen könnte. Andererseits war sie die erste, die mir an Bord dieses Schiffes vertraute, wie könnte ich ihr misstrauen? Und es ist eigentlich mehr als verständlich, dass sie sich Gedanken macht. Was habe ich mir mein Leben lang für Gedanken über meinen Vater gemacht? Und bei ihr ist die Situation noch um einiges schwerer als sie bei mir. Ich werde also abwarten. Solange sie ihren Dienst ordentlich versieht...

Das Seminar über den Slipstreamantrieb fasziniert mich. Sollte alles so funktionieren, wie unsere Wissenschaftler sich das vorstellen, dann wird er eine Revolution auf dem Gebiet der interstellaren Raumfahrt darstellen! In solchen Momenten wünsche ich mir, Navigatorin geblieben zu sein. T’Aloviks hatte mich zwar angesprochen, ob ich Interesse hätte, Testpilotin zu werden, aber das war vor meinem Abteilungswechsel. Leider kann man nicht alles haben. Dabei würde ich viel darum geben, im Prototypen zu sitzen. Aber immerhin bin ich jetzt in der Sicherheit und kann meine natürlichen Talente besser nutzen. Unser Seminar wird von der verfrühten Ankunft der Fremden überschattet. Und diese bringt, womit wohl keiner gerechnet hätte. Obwohl ich schon zuvor mit meinen Leuten gesprochen und diverse Möglichkeiten durchgegangen bin, haben wir nicht damit gerechnet, was geschah. Wen die Khar’Sharat dabei hatten.

Admiral Dawson, der sich wie ein bösartiges Geschwür durch die Geschichte der Exeter zog, dessen Schiff laut Föderationsnews seit einigen Tagen vermisst wurde... Er tauchte hier unverschämt grinsend auf, als Berater der fremden Rasse. Am liebsten wäre ich ihm an die Gurgel gegangen, aber mein allererster Gedanke gilt Jaq. Sie hat sich unter Kontrolle....scheinbar. Ihr Gesicht ist wie versteinert. Was geht in ihr vor? Rachegedanken? Hass? Oder nur die Frage wie ihr Vater all das tun konnte? Kurzzeitig flackert der Gedanke in mir auf, sie in eine Arrestzelle zu stecken und den Öffnungsmechanismus lahm zulegen. Aber der Gedanke wird sofort von einem stärkeren überzogen. Sie ist meine Freundin! Sie hat mir immer vertraut. Sie hat mir als Einzige in der Anfangszeit zugetraut mein Temperament unter Kontrolle zu halten. Muss ich ihr nicht die gleiche Ehre erweisen? Aber ich werde sie gut im Auge behalten. Habe ich erwähnt, wer noch an Bord des Schiffes war? Nicht nur zwei menschliche Sicherheitsleute, sondern auch mein Freund, der Andorianer. Der Typ, der unser Schiff und unseren Captain auf Deep Space Nine schlechtgemacht hat. Sein höhnisches Grinsen fordert meine klingonischen Gene heraus. Noch mehr die spöttische Frage, ob meine Wunden gut verheilt wären. Aber ich bin gerade zum Glück keine Klingonin, sondern Sicherheitsbeauftragte und habe anderes zu tun, als mir Sorgen über dieses hellblaue Frettchen zu machen. Was mich freut ist, dass auch Inoi ihn nicht leiden kann. Er steht im Widerspruch zu allem, was ihre andorianischen Werte sie gelehrt haben. Arme Inoi. War ich je so dienstbeflissen? Jemals so überzeugt von einer Sache? Nein, ich bin jemand, den die Charaktere, die Wesen überzeugen, aber ich bin nicht empfänglich für Sachen. Wir stellen Sicherheitseskorten an die Khar’Sharat, die durchs Schiff laufen, nicht zu vergessen die Abtrünnigen.

Leider ist unsere diplomatische Delegation – Vanessa, Thomas und Masterson - nicht wirklich überzeugend darin, die Khar’Sharat aus den Armen der Abtrünnigen zu reißen. Verdammt, warum packen sie sie nicht bei Begriffen der Ehre? Warum nehmen sie nicht Jaq hinzu, die ja Dawsons Tochter ist, wenn Familien bei den Fremden so wichtig sind? Ja, sie kommen mir wirklich ein wenig wie bepelzte Klingonen mit glatter Stirn vor. Und dass sie seit Jahren einen beinahe schon rituellen Grenzkrieg mit den Klingonen führen, verstärkt diesen Eindruck sogar noch. Wie auch immer, in meinen Augen verlaufen die Verhandlungen mehr als schleppend und ich wünsche mir, mich zu teilen, um alles überwachen zu können. Oder einfach mehr Leute zu haben. Oder einfach diesen verfluchten Admiral Dawson und seinen Andorianer...! Nein, natürlich nicht, ich habe mich unter Kontrolle und es scheint auch so, als hätte Jaq sich unter Kontrolle.

Als später Admiral von Teuffel auftaucht, ist das Chaos perfekt. Er will Admiral Dawson und die anderen in jedem Fall festnehmen lassen. Dummerweise fallen auch ihm keine Mittel ein, da die Abtrünnigen ja nach wie vor unter dem Schutz der Khar’Sharat stehen. Ich frage mich, warum die überhaupt noch überlegen, immerhin hat Vanessa schon vor einiger Zeit erklärt, dass es die Möglichkeit gibt, Dawson zum Duell nach Khar’Sharat Richtlinien herauszufordern. Der einzige Nachteil – abgesehen von Verletzungen und dem möglichen Tod - ist, dass er bei einer Niederlage unseres Kämpfers automatisch von jeder Schuld freigesprochen wird. Dennoch ist es besser, als ihn kampflos ziehen zu lassen, vor allem, da anscheinend die Verhandlungen mit den Khar’Sharat über seiner Festnahme stehen. Ich melde mich auch freiwillig und ich möchte wetten, dass ich nicht die Einzige bin. Kurze Zeit später erläutert Starkov die Vorgehensweise. Ein Hauptkämpfer duelliert sich mit Dawson. Währenddessen finden vier Nebenkämpfe statt. Jeweils einer von uns gegen einen der Abtrünnigen. Der Gewinner darf dem Gegner seines Favoriten einen schwächenden Phaserschuss verabreichen. Hört sich in meinen Ohren fair an. Nur Jaq ist dagegen. OK, ich kann sie verstehen. Zum einen wäre es eine Konfrontation der beiden Männer, die ihr am meisten bedeuten, die in ihrem Leben am wichtigsten waren. Eine Konfrontation, die gut den Tod von einem der beiden zur Folge haben könnte. Zum anderen ist ihr Vater in ihren Augen ein übermächtiger Gott gegen den keiner eine Chance hat. OK, Dawson war Chef der Sternenflottensicherheit, er hat sein Leben lang trainiert. Aber er ist einige Jahre älter als Starkov, den mein Cousin als hervorragenden Kämpfer bezeichnet.

Dann passiert mir der entscheidende Fehler. Als ich mich für einen der Nebenkämpfe melde, achte ich für Sekunden nicht auf Jaq. Als ich merke, dass sie verschwunden ist, weiß ich, dass es schief gehen wird. Egal, was mir andere dazu sagen mögen, ich wusste, wo sie hingegangen war. Doch bevor ich überhaupt reagieren kann höre ich schon den Schuss. Den schlimmsten Schuss den ich in meinem Leben gehört habe.

Ich habe kaum die Zeit, noch zu Denken, denn ich weiß, was sie getan hat. Es gibt nur eine Erklärung für diesen Schuss, dem weitere gefolgt sind... und dennoch bete ich zu allen Göttern, mich geirrt zu haben. Als ich an der Schleuse zum Schiff der Khar’Sharat ankomme, versucht Jaris bereits hinüber gebeamt zu werden. Zwei Verletzte landen auf der Krankenstation. Jaq und einer der Abtrünnigen. Die Umstehenden fragen sich, was passiert ist. Tonlos gebe ich meine Meinung der Dinge zum Besten. Dass Jaq Dawson erschossen hat und selber angeschossen wurde. Captain Starkov stimmt mir zu. Welcher andere Irrsinn hätte sich auch hier abspielen können? Meine nächste Reaktion reißt mich aus der Erstarrung. „Wenn sie das überlebt, bringe ich sie um.“ In dem Moment meine ich das so. Vielleicht, wenn ich gewusst hätte, wie all das ausging, dann hätte ich meine Worte mit mehr Bedacht gewählt. Andererseits... sie wäre mir nicht böse gewesen.

Mir fällt es schwer, die nächsten Stunden in Worte zu fassen. Der Kampf in der Krankenstation, die Verzweiflung in den Gesichtern von Jaris und Julie, als sie um Jaqs Leben kämpfen. Ich bete zu einer nicht näher benannten Entität, dass sie es schaffen soll. Auch wenn das im Gegensatz zu jeglicher klingonischen Mentalität steht. Vielleicht begreife ich erst in dem Moment, dass Jaq wie eine Schwester für mich war. JA, natürlich habe ich bereits zwei Schwestern. Aber Jaq und ich, wir waren, nein, wir sind uns ähnlich. Wir hätten viel Spaß gehabt, wären wir zusammen zur Akademie gegangen, da bin ich mir sicher...

Während die Ärzte noch kämpfen beginnen die Verhandlungen um Jaqs Leben. Die Khar’Sharat haben eine einfache Gesetzsprechung. Und da der Mord auf ihrem Boden begangen worden ist.... Wir sollen sie ausliefern. Und wenn wir das tun... wird sie sterben. Ein Leben gegen ein anderes. Als es ziemlich klar ist, dass Jaq überleben wird, will Vanessa neu verhandeln. So weit ist das in Ordnung. Aber nicht, dass sie ohne eine weitere Anweisung und ohne Schutz einfach an Bord des fremden Schiffes geht. Ich schmeiße meinen Phaser Vaughn zu, bestehe darauf, ebenfalls an Bord zu dürfen, aber die restlichen Abtrünnigen verbieten es mir mit hämischen Grinsen. Am liebsten würde ich diesem Freak die Eingeweide aus der Brust reißen. Aber das wäre bestimmt nicht gut für Vanessa. Ich beginne rumzubrüllen. Ja, ich ärgere mich lautstark über Vanessa. Und was tut unser Counselor Masterson, der gestern zum Lieutenant befördert wurde? Er brüllt mich an, warum ich denn eine Vorgesetzte beleidigen würde, ich wäre schon so schlimm wie Jaq! Das und einiges andere Unfreundliche. Jegliche freundschaftlichen Gefühle, die ich je für Masterson hatte, sind wie weggeblasen, meine Augen blitzen ihn an. Mein ganzer Hass bündelt sich auf ihn. Wie kann er es wagen, so mit mir zu sprechen, als Counselor? Wie kann er es wagen, an der dünnsten Stelle meiner Selbstbeherrschung dermaßen zu kratzen? Die zu beleidigen, die schon so gut wie tot ist? Alles, was ich den Abtrünnigen gerne in den dunkelsten teilen meines Bewusstseins angetan hätte, alles weicht zurück, vor dem, was ich Masterson jetzt, in dieser Sekunde antun möchte. Ich fühle schon fast, wie meine Hand sich um seinen Hals schließt und ihn hochhebt, fühle sein baumelndes Gewicht. Da fällt mir etwas ein. Ein Versprechen, das ich vor langer Zeit einmal einer Freundin namens Jaq gegeben habe. Dass ich niemals der Wut nachgeben soll und wenn ich jemanden schlagen will, dann solle ich lieber sie schlagen. Das geht gerade nicht. Aber dennoch wende ich mich ab und sehe Thomas, den ich noch nie so verzweifelt und so hasserfüllt gesehen habe. Und vielleicht lässt mich gerade dieser Anblick ganz ruhig werden.

Ich spüre nichts mehr, denn ich weiß, dass ich eine Pflicht zu erfüllen habe. So sehr ich Jaq auch helfen möchte, ihr Schicksal liegt nicht in meiner Hand. Als beschlossen wird, ihren Körper – den Jaris und Vanessa eigentlich vor den Khar’Sharat für tot erklärt hatten - auszuliefern, um einen Krieg zu verhindern, da verstehe ich es und habe auch damit gerechnet. Sie lebt noch, wenn auch ihr Lebenshauch nur noch schwach ist, sie hätte wieder an meiner Seite gestanden. Ich selbst trage sie auf das Schiff der Khar’Sharat und biete sie innerlich um Verzeihung. Kein Klingone hätte dies getan und meine klingonische Hälfte hasst mich für das, was ich tue. Für meine Pflichterfüllung. Während ich sie trage, spielen sich in meinem Kopf tausend Szenarien ab, wie ich sie retten könnte. Die meisten enden mit Krieg. Und unser beider Tod. Ich diene der Sternenflotte. Sie hat mir viel gegeben. Den Preis muss ich heute bezahlen.

Vanessa und Jaris brachen zusammen und weinen. Wie muss es für jemanden sein, die Auslieferung einer Untergebenen zu befehlen, egal ob dadurch ein Krieg verhindert wird, egal ob man damit den Richtlinien folgt? Wie muss es sein, ein Leben zu retten und dann zuzusehen, wie es sofort wieder ausgelöscht wird? Wie ist es, seine beste Freundin in den Tod zu tragen? Innerlich fühle ich mich tot, aber ich bin dankbar dafür. Sehr dankbar. Es hindert mich daran, den Abtrünnigen - der uns daran erinnert die Leiche von ihrem Schiff zu holen - zu schlagen. Besonders als er uns vorschlägt, uns Kittel überzuziehen, immerhin wäre es ziemlich blutig. Vaughn und ich sehen es als unsere Aufgabe. Wir lassen sie nicht beamen. Wir hüllen ihren geköpften Körper in einen Leichensack. Wir brauchen niemanden von der Krankenstation. Ich glaube nicht, dass sie das vertragen hätten. Vanessa musste zusehen. Bei dem Gedanken wird mir speiübel. Ich bin härter gesotten und für mich ist der Anblick des vollendeten Werkes schon viel, auch wenn ich mir nichts anmerken lasse. Aber wie muss es für die sensible Admiralstochter gewesen sein? Wir tragen sie auf die Krankenstation und sie wird kurze Zeit später auf das Schiff ihrer Mutter gebeamt. Nach einigen Gesprächen an Bord der Station wird es mir zu eng. Wie können sie jetzt lustige Anekdoten erzählen, ja sogar lachen? Ich beame zurück auf die Exeter und trainiere die ganze Nacht. Ich muss mich ablenken. Wie wird es ohne sie sein?

Am nächsten Tag findet die Fortsetzung des Slipstreamseminars statt. Ich finde es interessant, auch wenn ich mit meinen Gedanken die meiste Zeit woanders bin und auch der Meinung bin, dass es aufgrund der Ereignissee lieber verschoben worden wäre. Aber ich werde ja nicht gefragt. Später spreche ich mit T’Aloviks darüber, ob ich noch Testpilotin sein kann. Und ja, ich bin noch dabei, auch wenn der Wissenschaftsoffizier zunächst wohl dachte, ich hätte kein Interesse mehr am Fliegen. In den nächsten Wochen werden ich und Thomas – der neben mir Testpilot sein wird - zusammen Holodecksimulationen entwerfen. Wie schön, dann habe ich was um mich abzulenken. Ich vermeide ein Zusammentreffen mit Wagner, schreibe stattdessen einen Bericht über das unmögliche Verhalten von Masterson. Wenigstens einer, an dem ich meine Wut auslassen kann. Und das sogar gemäß Sternenflottenprotokoll. Ich nehme das Bild von Lina aus seinem Rahmen. Hinein tue ich eines von Jaq. Ich habe vor nicht allzu langer Zeit einen erschreckenden Verlust erlebt. Und bin darüber hinweggekommen. Auch dieses Mal wird es so sein. Für mich selbst hat Dawson logisch gehandelt. Und voller Ehre. Das versuche ich mir einzureden. Vielleicht hat sie sich mit ihrem Vater duelliert. Vielleicht hat er gezogen und sie hatte keine Wahl.

Ein Teil von mir weiß, dass es anders war, aber auch mein klingonisches Ich muss ihr vergeben können. Und mir selbst. Ich weine nicht. Ich schreie nicht. Wie eine Schlafwandlerin versehe ich meinen Dienst. Ich weiß, dass der Tag kommt, wo ich meine Wut über diesen Verlust hinausschreien muss, wo all meine Gefühle zu mir zurückkehren werden. Aber heute ist es so, als wäre mit Jaq auch ein Teil von mir gestorben. Vielleicht der Teil, der das Leben am leichtesten genommen hat? Mit ihr wird ein Großteil der Freude und des Spaßes, der mein Leben an Bord dieses Schiffes ausgemacht hat, verschwunden sein. Als Halbklingonin sollte ich mich freuen, dass sie kämpfend einen Weg ins Sto’vo’kor gefunden hat. Jedenfalls kann ich mir einreden, dass ihr Handeln genug Ehre dazu gehabt hat. Und ich werde sie auch als Klingonin verabschieden. Doch zunächst muss ich als Mensch von ihr Abschied nehmen. Auf ganz einfache Weise. Ich trauere um Jaqueline Dawson.

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