Storyline

Starfleet Operations Con 4

Persönliches Computerlogbuch Julie Conway

Donnerstag, den 18. August 2375

Computer, Aufzeichnung beginnen... Es ist schon merkwürdig, wie die Tage vergehen und vergangene Geschehnisse unmerklich in den Hintergrund zu treten scheinen. Ich habe das Gefühl, das Ian mir ausweicht und auch ich gehe ihm wohl unbewußt aus dem Weg. Es tut mir eben immer noch weh, was sich aufgrund seines Verhaltens ereignet hat, doch langsam realisiere ich auch - sowohl körperlich als auch geistig - das er es wirklich nur in bester Absicht getan hat, ohne jemals den Vorsatz gehabt zu haben, mich vorzuführen. Was dann daraus geworden ist, läßt sich jetzt so oder so nicht mehr ändern. Dennoch sollte ich als gute Freundin seine Entschuldigung annehmen und bemüht sein, die Freundschaft soweit als möglich wieder normal weiterlaufen zu lassen. Er war immer ein guter und hilfsbereiter Freund und das sollte ich nicht außer acht lassen.

Ich habe es für notwendig gehalten, Lillian darüber zu informieren, dass ich mit Lt. jg. Jaris über den Handbruch von vor ein paar Tagen gesprochen habe und sie nicht sonderlich begeistert darüber gewesen ist. Ich weiß auch nicht, was ich bei Lt. jg. Jaris immer wieder falsch mache. Ich achte sie und ihre Fähigkeiten wirklich sehr, doch scheinbar ist alles, was ich tue oder sage im Ansatz schon falsch. Wenn ich nur wüßte, was ich getan habe, um so eine Reaktion bei ihr auszulösen? Ich bin mir keiner Schuld bewußt. Vielleicht sollte ich einmal mit ihr offen darüber reden. So ist die Situation zumindest sehr unbefriedigend für mich. Ich kann nur inständig hoffen, dass meine Anfangseinschätzung von ihr nicht völlig falsch gewesen ist... ich werde es wohl früher oder später merken...

Wie dem auch sei – ich habe das Gespräch mit Lillian noch dazu genutzt, sie zu fragen, ob sie grundsätzlich bereit sei, mit mir ein paar Selbstverteidigungstechniken durchzugehen. Sie gab zwar zu bedenken, dass Jaqueline dazu wohl besser geeignet sei als sie, doch grundsätzlich würde nichts dagegen sprechen. Ihre Antwort hat mich, wenn ich ehrlich bin, sehr gefreut. Irgendwie habe ich seit den letzten Geschehnissen das dringende Bedürfnis, meine Fertigkeiten in dieser Hinsicht aufzufrischen und zu erweitern. Auch das Schießtraining werde ich wieder intensiver betreiben. Vielleicht kann Art mir ja dabei behilflich sein... mal sehen.

Im Gegenzug trat Lillian ebenfalls mit einer Bitte an mich heran. Sie hätte eine sehr persönliche Angelegenheit zu klären und würde hierfür meine Hilfe benötigen. Ich versicherte ihr, dass ich ihr jederzeit gerne weiterhelfen würde, sofern es mir möglich wäre. Sie offenbarte mir dann, dass sie Nachforschungen über ihre klingonische Herkunft angestellt hätte und es wohl nicht ganz abwegig wäre, dass Captain Korak - ein Klingone und Freund von Captain Starkov – mit ihr verwandt wäre und vielleicht sogar ihr Halbbruder sein könnte. Um dies jedoch sicher klären zu können, würde sie mich um einen Vergleich ihrer genetischen Erbanlagen mit denen von Korak bitten.

Grundsätzlich sprach ja nichts dagegen, ihrer Bitte zu entsprechen, aber wie sollten wir mal so eben an die Erbanlagen von Captain Korak kommen? Hierfür war wenigstens ein Haar erforderlich. Sicherlich war ein Treffen auf DS9 mit ihm geplant, aber dabei konnten wir ja auch nicht einfach so auf ihn zugehen und ihm offerieren, dass wir mal so eben ein paar Zellen, Blut oder eben ein Haar von ihm benötigen würden... Das wäre keine gute Idee. Diese Befürchtungen teilte ich Lillian auch mit. Ihre Antwort war eigentlich typisch für sie und im Grunde hätte ich wohl auch nichts anderes erwarten sollen. Sie meinte nur schlicht, dass es ihre Aufgabe wäre, an das Haar zu kommen und meine die Untersuchung vorzunehmen. Wie sie an das Haar käme, wäre ihre Sache und ich sollte mir darüber keine Gedanken machen. Nun gut – was sollte ich tun außer ihr meine Befürchtungen mitteilen und inständig zu hoffen, dass sie wußte, was sie tat?

Kaum hatte ich das Gespräch mit Lillian beendet und mein Quartier verlassen, als mir Lt. jg. Vanessa Williams auf dem Gang entgegen kam. Sie trug Zivil und machte keinen wirklich glücklichen Eindruck. Als sie mich erblickte, erschien es mir, als ob sich dieser unglückliche Gesichtsausdruck auch noch verstärken würde, wobei mir zu diesem Zeitpunkt kein ersichtlicher Grund dafür vorzuliegen schien.

Sie sprach mich mit den Worten „Ensign Conway, hätten Sie wohl ein wenig Zeit für mich? Ich würde Sie gerne in einer Angelegenheit sprechen.“ an. Ich nickte und bot ihr mein Quartier als Gesprächsort an. Sie nahm Platz, senkte den Blick und es machte auf mich den Eindruck, als ob sie nicht so recht wußte, wie sie beginnen sollte. Irgendetwas schien ihr ziemlich auf der Seele zu lasten von dem sie sich gerne befreien wollte. Nach einiger Zeit begann sie damit, sich für ihr Verhalten mir gegenüber in Bezug auf die Vorkommnisse mit der romulanischen Delegation zu entschuldigen. Sie gab zu, wohl etwas überreagiert zu haben, und dass ihr Verhalten doch rationaler hätte sein müssen. Ich versuchte ihr zu verstehen zu geben, dass ich ihr keinen Vorwurf für ihr Verhalten gemacht hatte. Ich hätte es sogar nachvollziehen können. Ich gab nur zu bedenken, dass es mich traurig gemacht hatte, dass es niemand für nötig gehalten hatte, mich einmal direkt anzusprechen und nachzufragen, wie es sich denn wirklich verhalten würde. Wenn ich so recht darüber nachdenke, dann hat es im Grunde bis heute niemand getan. Außer Adrian vielleicht... Jeder scheint sich wohl seine eigene Meinung darüber gebildet zu haben. Wie dem auch sei – ich erklärte ihr auch, dass ich Ian eigentlich keinen Vorwurf für sein Verhalten machen würde, sondern der Überzeugung wäre, dass er das, was er getan hatte, in bester Absicht tat. Dies schien sie etwas anders zu sehen. Da ich nicht weiß, wie Ian ihr mein „Problem“ erklärt hat, kann ich schwer beurteilen, ob ihre Einwände berechtigt sind oder nicht. Vielleicht hätte er wirklich etwas zurückhaltender in seinen Äußerungen sein müssen... ich weiß es nicht und maße mir somit auch keine Beurteilung an. Miss Williams gab mir jedoch darüber hinaus noch zu verstehen, dass – egal was auch immer in dieser Hinsicht gewesen sein sollte – es kein Grund dafür wäre, mich derart zurück zu ziehen, wie ich es wohl zur Zeit täte. In der Hinsicht mag sie vielleicht Recht haben, aber im Augenblick fühle ich mich ein wenig verunsichert aufgrund der vergangenen Geschehnisse und ziehe es daher lieber vor, mich nach dem Dienst größtenteils im Quartier aufzuhalten. Im Laufe des Gespräches vertraute sie mir noch ein paar private Dinge über die Entführung ihrer Schwester an, die ich hier jedoch nicht näher aufführen möchte. Wenn ich ehrlich zu mir selber bin, dann muß ich sagen, dass mir das Gespräch mit ihr sehr gut getan hat. Irgendwie habe ich so das Gefühl, dass sich dadurch etwas in mir gelöst hat, was nach den Geschehnissen mit der romulansichen Delegation aufgetreten war. Ich kann nur hoffen, dass sich Miss Williams nicht länger Vorwürfe für ihr Verhalten macht...ich zumindest mache ihr keine. Diplomatie und der Umgang mit anderen Spezies ist eben keine einfach Sache, die man mal so eben beherrscht. Ich für meinen Teil würde mich zumindest sehr freuen, wenn das nicht das letzte offene Gespräch zwischen ihr und mir gewesen ist. Ich mag sie sehr gerne und irgendwie habe ich das Gefühl, dass sie und ich uns sehr ähnlich sind...zumindest in einigen Dingen.

Nachdem Miss Williams mein Quartier verlassen hatte, blieb ich noch einen Augenblick sitzen und dachte über das Gesagte nach. Es ist doch schon manchmal sehr faszinierend, wie sich manche Dinge entwickeln...

Doch dies sollte wohl an diesem Tag nicht das letzte klärende Gespräch sein, das jemand mit mir führen wollte. Auf dem Weg vom Quartier zur Krankenstation begegnete ich Lt. jg. Jaris. Als sie mich um ein Gespräch im Zusammenhang mit meinem Zusammenbruch bei der letzten Mission bat, zog sich etwas in mir empfindlich zusammen. Vielleicht war dies auch ein Auslöser dafür, das ich das Gespräch völlig falsch aufgefaßt habe und es mehr als Anschiß und Unverstehen von Seiten Lt. jg. Jaris ausgelegt habe, als es tatsächlich gemeint war. In meinen Ohren klang es mehr danach, dass sie mich an meine Pflicht erinnern wollte und was mir einfallen würde, einfach so zusammen zu brechen. Aus diesem Grunde habe ich während der ganzen Zeit nur geschwiegen und kein Wort gesagt. Was hätte ich ihr in diesem Moment auch erklären sollen? Wer weiß, ob sie es überhaupt verstanden, geschweige denn, dass sie dafür Verständnis aufgebracht hätte...

Wenn ich allerdings jetzt mit ein wenig Abstand darüber nachdenke, dann glaube ich eher daran, dass sie mir eine helfende Hand reichen wollte und ich habe sie ausgeschlagen... Vielleicht ergibt sich ja für mich noch mal die Möglichkeit, das ganze aufzuklären... es ist eben nicht so einfach über persönliche Dinge zu reden, vorallem, wenn man das Gefühl hat, nicht verstanden zu werden...

Freitag, den 19. August 2375

Die Mannschaft der Exeter scheint jetzt wohl wieder vollständig zu sein. Zumindest sind Joran und Mr. Wagner wieder an Bord. Ich habe mich gefreut, Joran wiederzusehen. Zwischen ihm und mir scheint sich so langsam etwas wie eine Freundschaft zu entwickeln. Dass allerdings das erste Gespräch zwischen uns nach seiner Rückkehr an Bord beinahe in einem Streit ausgeartet ist, erfreut mich nicht sonderlich. Mit Kopfschütteln beschuldigte er alle, die an der letzten Mission teilgenommen hatten, wie wir es denn wohl hätten zulassen können, dass man uns den Captain wegnimmt. Ich habe ihm immer wieder versucht zu erklären, wie sich die Sache tatsächlich abgespielt hat, doch schien er einfach nur unendlich wütend zu sein und seine Wut an jemandem auslassen zu müssen. Mit der Zeit wurde er ruhiger und räumte ein, dass mich persönlich wohl keine Schuld treffen würde, aber das zumindest Lt. jg. Jaris als leitender medizinischer Offizier den Captain für unzurechnungsfähig hätte erklären müssen, als er selber entschied, zu den Breen gehen zu wollen. Ich spürte deutlich, dass die Hilflosigkeit aus ihm sprach. Er war wütend, dass er nicht selber etwas hatte unternehmen können, als der Captain seinen Endschluß gefaßt hatte. Ich versuchte ihm zu erklären, dass dies nichts genützt hätte, doch er zeigte sich meinen Argumenten gegenüber nicht aufgeschlossen genug. Was hätte ich ihm noch mehr dazu sagen sollen? Ich konnte seine Hilflosigkeit doch nur zu gut nachvollziehen. Ich hatte mich während der letzten Mission ja auch nicht wesentlich besser gefühlt. Hilflos mit ansehen zu müssen, wie sich der Captain den Breen ausliefert, war auch an mir nicht spurlos vorbeigegangen. Ansatzweise versuchte ich dies Joran, neben ein paar anderen Vorkommnissen, die während der letzten Mission passiert waren, zu erklären und es macht auf mich den Anschein, dass er mich verstand und meine Gefühle nachvollziehen konnte. In gewisser Weise war dies wie Balsam für meine Seele. Irgendwie hatte ich wohl befürchtet, daß er mich auch gleich in die Schublade „Sie tötet jeden Romulaner, der ihr vor das Laserskalpell kommt“ stecken würde, doch genau dies tat er nicht, im Gegenteil. Ich muß zugeben, dass diese Tatsache für mich sehr erleichternd gewesen ist.

Einen Augenblick später wurden wir zu einer Besprechung gebeten, auf der wir unter anderem unsere neuen Befehle als Rapid Response Team erhalten sollten. Anfangs klang der Einsatz, den uns Captain van Houten erklärte, nach einem ganz typischen „Wir sind da und überrennen alles was uns in den Weg kommt“ – Einsatz. Als sich jedoch heraus kristallisierte, dass es darum ging, unter anderem unseren Captain aus einem Gefangenenlager der Jem'Hadar zu befreien, änderte sich die ganze Sache schlagartig. Nicht dass dadurch die Angelegenheit leichter, geschweige den angenehmer geworden wäre, aber immerhin erhielt sie somit eine ganz besondere Note. Der Auftrag lautete im Grunde wie wohl fast jeder Tactical-Auftrag lautet: Schnell rein, Auftrag wie auch immer er lautet so schnell und leise wie möglich erledigen und dann wieder schnell raus. Nur gut dass wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht geahnt haben, wie sich der Auftrag dann tatsächlich entwickeln sollte... Computer Pause.

Computer fortfahren... Die Befehle von Seiten der Tacticals waren eindeutig. Jedoch erreichte uns während des Briefings eine Mitteilung von Starfleet Command, die uns unmißverständlich diesen Einsatz und somit auch die Befreiung unseres Captains verbot. Dies führte zu einer verständlichen allgemeinen Verwirrung gepaart mit Verärgerung unter den Crewmitgliedern. Viele wären am liebsten sofort trotz Verbot aufgebrochen, um ihren Captain zu befreien. Konnte man es ihnen verdenken oder gar übel nehmen, dass sie so empfanden? Ich für meinen Teil konnte es nachvollziehen, auch wenn ich ein ungutes Gefühl bei dem Auftrag hatte. Nicht etwa der Mannschaftsmitglieder wegen, nein, daran lag es sicherlich nicht. Ich kann es eben nicht ändern, dass alles, was mit den Tacticals zu tun hat im Allgemeinen und ausgearbeitete Aufträge im Besonderen einen bitteren Beigeschmack bei mir hinterlassen.

Nach kurzer Rücksprache mit Cmdr. Stafford entschieden wir uns den Befehlen von Starfleet Command zuwider zu handeln und trotz allem auf den Planeten zu gehen und den Auftrag, inklusive der Befreiung unseres Captains, auszuführen. Nach der Beendigung des Briefings wurden wir an Bord des Bird of Prays von Captain Korak gebeamt, der uns nach Velos XII bringen sollte. Auf der Brücke angekommen begrüßte uns Captain Korak und wies einen seiner Offiziere an, uns unsere Quartiere zu zeigen. Ich habe mich auf der Brücke hinter Mr. O´Kenner gestellt, um einen medizinischen Scan von Captain Korak durchführen zu können. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn dies einem der Klingonen oder Captain Korak selbst aufgefallen wäre. Eine plausible Erklärung zu finden ohne Lillians Geheimnis dabei zu verraten, wäre sicherlich nicht leicht geworden. Ich hätte es ohne Frage versucht, sofern es dazu gekommen wäre, aber ob ich eine passende Rechtfertigung für mein Verhalten gefunden hätte, wage ich doch stark zu bezweifeln. Lediglich Mr. O`Kenner fragte mich kurz, ob denn alles in Ordnung sei, was ich ihm bestätigte.

Der klingonische Offizier zeigte uns anschließend unsere Quartiere, die man wohl als „klingonisch-charmant“ bezeichnen konnte. Nicht das es mich sonderlich gestört hätte. Ich bin durchaus Schlimmeres gewohnt. Mit einem höhnischen Lachen erläuterte uns der Offizier noch, dass man extra uns zuliebe, Lattenroste in die Betten getan hätte, damit wir bequemer schlafen könnten. Im Grunde wollte er aber damit wohl eher zum Ausdruck bringen, dass es unseren verwöhnten Ärschen zuliebe getan worden war, sie als abgehärtete Kämpfer dies jedoch nicht nötig hätten. Wie dem auch sei... Nachdem wir unsere Quartiere bezogen hatten, trafen wir uns alle in der Messe des Bird of Preys. Dort wurde eine große Schale mit Blutwein „serviert“ um auf die kommende Schlacht anzustoßen. Da wir die Klingonen nicht verärgern wollten, füllten alle ihre Becher und stießen auf eine gute Schlacht an. Ich für meinen Teil habe mir nur ein paar Tropfen Blutwein eingefüllt, was zum Glück niemandem auffiel. Dies hätten die Klingonen sicherlich als Beleidigung aufgefaßt. Als ich diese paar Tropfen jedoch an Michael weitergab, beobachtete uns ein Klingone, der sofort wutschnaubend auf mich zukam. „Ob ich den dargereichten Blutwein nicht zu schätzen wüßte“, fuhr er mich an. Ich versuchte ihm zu erklären, dass ich dies durchaus wüßte, es mir jedoch einfach zu viel gewesen sein. „So hätte ich also mehr genommen, als ich vertragen könnte“, war daraufhin seine immer noch erboste Antwort. Auch dies verneinte ich. Dass ich überhaupt keinen Blutwein getrunken hatte, wollte ich ihm unter den gegebenen Umständen nun nicht gerade auf die Nase binden. Dennoch war er mit meiner Antwort immer noch nicht einverstanden. Woraufhin ich ihn mit einem „NuqneH“ anfuhr. Dass ich wirklich einmal meine paar Brocken klingonisch nutzen würde, hätte ich bis zu diesem Zeitpunkt nicht gedacht. Auf dem Gesicht des Klingonen zeichnete sich ein leichtes Lächeln – sofern man das so bezeichnen kann – ab. Er entgegnete nur, dass er es für mich inständig hoffen würde, das ich gerade im Begriff wäre, ein Paarungsritual zu beginnen. Danach drehte er sich um und ging. Ich enthielt mich einer Antwort, was unter den gegebenen Umständen wohl auch besser gewesen ist.

Lt. jg. Stark gab noch den Befehl aus, dass alle, die vom Blutwein getrunken hatten, sich bei der medizinischen Abteilung zu melden hatten, damit sie dort ein entsprechendes Mittel erhielten, das den Alkohol neutralisieren sollte.

Nach einiger Zeit kam Lillian freudestrahlend auf mich zu und drückte mir ein Haar in die Hand, das von Korak stammte. Als ich sie fragte woher sie es habe, meinte sie stolz, dass sie es sich in einem geeigneten Moment von Korak "besorgt" hätte. Ich machte mich gleich an die Untersuchung. Da ich jedoch keine Spezialistin für Klingonen bin und darüber hinaus auch nur sehr beschränkte Mittel zur Verfügung hatte, konnte ich Lillian lediglich mitteilen, daß die Wahrscheinlichkeit, dass Korak ihr Halbbruder sei, zwischen 70 und 75 % lag. Ich versprach ihr aber, dass ich eine genauere Analyse vornehmen würde, sobald mir bessere Möglichkeiten zur Verfügung stünden. Da an diesem Abend nicht mehr allzu viel zu erwarten war, begab ich mich relativ früh zu Bett, um für den anstehenden Auftrag ausgeschlafen zu sein.

Samstag, den 20. August 2375

Als ich am nächsten Morgen aufwachte, lag Lillian in dem Bett links neben mir und schlug ebenfalls gerade die Augen auf. Sie grinste mich breit an und ich meinte im Spaß, dass die Betten der Klingonen ja nicht gerade als bequem zu bezeichnen wären. Keinen Augenblick später maulte mich Lt. jg. Jaris, die in einem Bett rechts von uns lag, an, daß ich mich nicht so anstellen sollte und die Betten der Klingonen im Gegensatz zu denen in cardassianischer Gefangenschaft als durchaus luxuriös zu bezeichnen wären. Ich konnte nicht anders. Ich erwiderte entsprechend säuerlich, dass die Betten in romulanischer Gefangenschaft sicherlich nicht bequemer als die in cardassiansicher wären. Warum ich das allerdings getan habe, begreife ich im Nachhinein nicht mehr so wirklich. Vielleicht war ich einfach so ungehalten darüber, dass sie den kleinen Scherz zwischen Lillian und mir nicht einmal versuchte zu verstehen und statt dessen sofort wieder diese oberlehrerhafte Art an den Tag legen mußte, die ich an ihr so deplaziert finde.

Nach einer kurzen Vorbesprechung begaben wir uns dann auf den Planeten. Als der Transportvorgang beendet war, sahen wir, wie glühende Wrackteile vom Himmel auf die Planetenoberfläche stürzten. Da wir schon kurz vor dem Transport im Orbit, kaum dass wir die Tarnvorrichtung hatten fallen lassen, massiv angegriffen worden waren, lag die Vermutung nahe, das der Bird of Prey aufgrund der Beschädigungen auseinander gebrochen war. Inständig hoffte ich jedoch – gerade für Lillian – dass dies nicht der Fall war und Captain Korak mit seiner Mannschaft überlebt hatte. Allerdings sahen die Voraussetzungen hierfür nicht sonderlich gut aus. Wir machten uns dann auf den Weg zu der Relaisstation, die wir als erstes „ausschalten“ sollten wie es so schön hieß. Anfangs kamen wir recht schnell und unbemerkt voran. Dann jedoch explodierte eine Mine in unmittelbarer Umgebung von uns, die John Gatwick, einen der uns begleitenden Tacticals, tötete. Dass unsere Anwesenheit spätestens jetzt natürlich bekannt war, verstand sich von alleine. Selbstverständlich wurden wir jetzt vermehrt von cardassianischen Wacheinheiten angegriffen.

Bei einem dieser Angriffe wurde Lt. Tohkinen verletzt und blieb mitten in dem Minenfeld, das wir gerade versuchten unbeschadet zu durchqueren, liegen. Ich lief los, um ihm zur Hilfe zu kommen, als Art plötzlich rief „Vorsicht Mine“ und keinen Augenblick später entdecke ich die Mine nur einen Hauch breit von meinem Fuß entfernt. Hätte Art mich nicht gewarnt, dann wäre ich jetzt wohl nicht mehr am Leben. Computer Pause...

Computer fortfahren... Nachdem ich Lt. Tohkinen behandelt hatte, setzten wir unseren Weg zur Relaisstation fort. Zum Glück wurde auf dem restlichen Teilstück niemand weiteres getötet.

Die Tür zur Relaisstation war durch ein Spezialschloß gesichert, das nach einiger Mühe von Mr. T´Aloviks geöffnet werden konnte. Bei der nun folgenden Stürmung wurde Jaqueline verletzt. Als es mir sicher genug erschien, wollte ich ihr zur Hilfe kommen. Dies sah Lt. jg. Silok jedoch anders und versperrte mir den Weg. Er baute sich vor mir auf und meinte dann, dass ich zu wichtig sei und er als Wissenschaftler ersetzbar wäre. Wenn er also von Schüssen getroffen werden würde, dann wäre das ein akzeptabler Verlust. Meine Meinung zu dieser Aussage habe ich mir in diesem Moment lieber verkniffen. Sie hätte wohl so oder so nichts an der Situation geändert. Mit Lt. jg. Silok als lebendem Schutzschild vor mir, gelangte ich also ins Innere der Relaisstation und konnte mich dort um Dawson kümmern.

In dem Kontrollraum wurde nun damit begonnen, alle wissenswerten Daten aus dem Computer zu holen. Ich kann nicht mehr genau sagen, wann es auffiel, aber irgendwann stellte sich heraus, dass Lt. jg. Lloyd fehlte. Jaqueline und Mr. O'Kenner wurden beauftragt, nach Mr. Lloyd zu suchen, doch leider kamen auch sie nicht wieder. In diesem Zusammenhang sprach mich Mr. T'Aloviks an. Er schlug vor, durch einen Versuch, bei dem er seine mit meinen mentalen Fähigkeiten vereinigen wollte, unter Umständen Mr. Lloyd ausfindig machen zu können. Grundsätzlich war gegen diesen Versuch nichts einzuwenden, doch muß ich gestehen, dass ich mich bei dem Gedanken nicht sonderlich wohl fühlte. Immerhin kenne ich Mr. T´Aloviks kaum und ich bin der Meinung, daß für so eine Form der geistigen Verbindung schon eine gewisse Art von Vertrauen und vielleicht auch Vertrautheit vorhanden sein muß. So erklärte ich ihm, dass ich grundsätzlich mit dem Vorschlag einverstanden wäre, es jedoch vorziehen würde, wenn Lt. jg. Silok diesen Versuch unternehmen würde. Mr. T´Aloviks war damit einverstanden und so baten wir Lt. jg. Silok zu uns, um das Nähere zu besprechen. Leider kamen wir nicht mehr dazu, unsere Überlegung in die Tat umzusetzen, da wir die Relaisstation aufgrund von immer massiver werdendem Beschuß schnellstmöglich räumen mußten. Zu meinem Bedauern ergab sich auch später keine weitere Möglichkeit auf diese Weise die vermißten Crewmitglieder aufzuspüren. Es deutete jedoch sehr viel darauf hin, dass sowohl Lt. jg. Lloyd als auch Jaqueline und Mr. O´Kenner in Gefangenschaft geraten waren.

Da uns der Weg durch die Haupttür der Relaisstation versperrt war, schossen wir uns einen Ausgang durch eine der Außenwände frei. Im Freien wurden wir sofort unter Beschuß genommen und mußten Deckung suchen. Art konnte sich bis zu einem Baum vorarbeiten, hinter dem er jedoch massiv unter Feuer genommen und dabei auch mehrfach verletzt wurde. Ich mußte ihm einfach zur Hilfe kommen, doch das war leichter gesagt als getan. Erst durch den Feuerschutz der anderen Mitglieder des Außenteams war es mir möglich, zu ihm zu gelangen und ihn zu versorgen. Nachdem dies geschehen war, trieb uns Lt. jg. Stark erneut zur Eile an. Kaum dass wir außer Reichweite waren, explodierte auch schon die Relaisstation. Zu diesem Zeitpunkt nahm ich noch an, daß es durch einen Sicherheitsmechanismus oder etwas Ähnliches ausgelöst worden war. Wie ich später erfuhr, sollte ich mich in dieser Annahme jedoch getäuscht haben.

Durch die Explosion der Relaisstation wußten spätestens jetzt unsere Feinde, dass wir da waren und was meiner Meinung nach viel schwerer wog, wo wir waren. Dies war somit keine gute Ausgangsposition für uns und unsere Mission und so kam es dann, wie es wohl kommen mußte. Immer wieder Deckung suchend bewegten wir uns weiter vorwärts auf den nächsten Zielpunkt unseres Auftrages zu. Plötzlich ergriff mich etwas von hinten und zog mich gewaltsam an sich. Bevor ich die Besinnung verlor, konnte ich noch das Gesicht eines Jem'Hadars erkennen.

Als ich wieder zu mir kam, befand ich mich in einer Arrestzelle. Vor dem Kraftfeld saß eine Vorta und verhörte gerade Jaqueline, die sich in einer Zelle rechts von mir befand. Gemeinsam mit Dawson befand sich noch ein Jem'Hadar in der Zelle, der Jaqueline, sobald sie eine falsche Antwort in den Augen der Vorta gab oder sich nicht gebührlich genug ihr gegenüber benahm, schlug oder sie gewaltsam gegen die Wand schleuderte. Hinter der Vorta auf einem Tisch befanden sich mein Medikit, mein Tricorder und auch mein Phaser. Jaqueline sah übel zugerichtet aus und in mir krochen langsam die Erinnerungen an die Gefangenschaft bei den Romulanern hoch und in mir machte sich das unangenehme Gefühl eines grausamen Déjà-vus breit.

Irgendwann konnte ich diese Umgangsweise mit Jaqueline nicht länger ertragen und ich schrie die Vorta an, sie solle aufhören. Diese schien über meinen Ausbruch eher belustigt zu sein, doch zumindest hatte ich mein Ziel erreicht und sie und der Jem'Hadar ließen von Dawson ab. Mit einem sadistischen Lächeln auf den Lippen fuhr nun die Vorta fort, mich zu befragen, doch ich schwieg.

Einen Augenblick später kam ein weiterer Jem'Hadar herein und meinte an die Vorta gewandt, dass die Cardassianer wohl nicht wirklich mit Gefangenen umgehen könnten und der Gefangene, den sie verhört hätten, recht übel zugerichtet worden sei. Ich wußte zunächst nicht, von wem die Rede war, aber das spielte zu dem Zeitpunkt auch keine Rolle. In einer abfälligen Art unterhielten sie sich darüber, was man denn nun wohl machen sollte mit dem Gefangenen und ja keiner wirklich eine Ahnung hatte, was zu tun sei. Als dann die Vorta noch leichtfertig meinte, dass der Gefangene dann wohl sterben würde, platzte mir der Kragen. Ich fuhr sie an, dass man dann ja vielleicht mal jemanden fragen sollte, der sich damit auskennt, einen Arzt zum Beispiel. Erneut schien sie über meinen Gefühlsausbruch sehr belustigt zu sein.

"So, Sie sind also Arzt. Interessant..." führte sie das Gespräch fort. Dann stellte sie mir erneut die selben Fragen wie zuvor, doch auch diesmal schwieg ich, bis Dawson aus ihrer Zelle einwarf, ich sollte ihr besser die Fragen beantworten, da es Lloyd wohl sonst nicht überleben würde. Somit beantwortete ich ihr die Fragen, die ich beantworten konnte. Viele Informationen erhielt sie jedoch nicht von mir, abgesehen davon, dass sie auch so schon mehr als gut unterrichtet zu sein schien.

Nachdem ich zumindest ansatzweise ihre Neugierde kurzzeitig befriedigt zu haben schien, gestattete mir die Vorta, mit meiner medizinischen Ausrüstung nach den verletzten Gefangenen zu sehen. Von einem Jem'Hadar bewacht, wurde ich zu der Zelle geführt, in der Lloyd und McLane, eine der uns begleitenden Tacticals, lagen. Beide sahen noch schlimmer aus als Jaqueline, sofern das überhaupt noch möglich war.

Lloyd versuchte sich aufzurichten und stammelte irgendetwas wie „Was machen Sie denn hier“. Ich ließ die Frage unbeantwortet.

Der Jem'Hadar deutete abfällig auf McLane und meinte, ich sollte sie zuerst behandeln. Kaum hatte er das gesagt, als McLane in seine Richtung ausspuckte und nur meinte, dass sie so oder so niemals kooperieren würde. Ich wollte gerade beginnen, sie zu versorgen, als der Jem´Hadar meinte, das sie doch nicht mehr behandelt werden würde und ich mich dann um den anderen – sprich Lloyd – kümmern sollte. Ich versuchte noch, ihm zu erklären, das McLane schwerer verletzt sei und daher zuerst meine Hilfe benötigen würde, doch er meinte nur, dass ihn das nicht weiter interessiere und sie dann eben sterben würde. Dann fügte er noch hinzu, dass ich es auf keinen Fall wagen sollte, sie entgegen seiner Anweisung zu behandeln, da er mich sonst umgehend erschießen würde.

Was sollte ich nur tun? Ich hatte gerade damit begonnen, Lloyds Wunden zu versorgen, als der Jem'Hadar wissen wollte, wie lange es noch dauern würde, bis man ihn wieder verhören könnte. Ich glaubte meinen Ohren nicht trauen zu können, aber was sollte ich von so einem Wesen auch anderes erwarten. Mitgefühl und Mitleid waren für ihn Fremdworte und er war nur darauf gedrillt worden, Befehle auszuführen ohne wenn und aber. Ich sagte ihm, dass es wenigstens eine Stunde dauern würde. Seine Antwort war, dass ich dann zehn Minuten hätte, um fertig zu werden, danach würden sie mit dem Verhör fortfahren, ob ich nun fertig mit meiner Arbeit war oder nicht. Als ich einwarf, dass ich es in dieser Zeit keinesfalls schaffen würde, gestand er mir gnädigerweise weitere zehn Minuten zu. In meinem Kopf jagte ein Gedanke den nächsten. Es mußte doch irgendwie möglich sein, auch McLane zu helfen, aber wie? Ich schob meinen Tricorder unbemerkt ein Stückchen weiter nach oben, so dass ich mit meinem Oberkörper McLane verdeckte, wenn ich mich leicht nach vorne beugte um ihn abzulesen. Auf diese Weise wollte ich ihr ein Hypospray geben, ohne dass es der Jem´Hadar sehen würde. Lloyd schien meinen Plan erkannt zu haben und begann plötzlich, sich aufzurichten, um mir wohl behilflich zu sein und den Jem´Hadar abzulenken. Schnell drückte ich ihn wieder nieder, da ich befürchtete, das der Jem´Hadar ihn gleich mitnehmen würde, um ihn zum Verhör zu bringen. In dem Zustand, in dem er jedoch noch war, würde er das keine zehn Minuten durchhalten und so hatte ich wenigstens die Möglichkeit, ihn weiter zu versorgen und ihm – wenn auch nicht gerade viel – Zeit zu verschaffen. Ich gab ihm ein Hypospray und rückte meinen Tricorder erneut ein Stück weiter nach oben, so dass ich McLane ebenfalls noch eines verabreichen konnte. Mehr konnte ich leider nicht für sie tun. Danach brachte mich der Jem´Hadar wieder zurück in meine Zelle.

Als ich den Raum mit den Arrestzellen betrat, lag Jaqueline auf dem Boden und war am keuchen. Ich konnte mir zuerst nicht erklären, woran das lag, bis die Vorta schließlich sehr sarkastisch meinte, ob das Gas ihr vielleicht zu schaffen machen würde. Erst da realisierte ich, was eigentlich ablief. Am liebsten hätte ich... Computer Pause.

Computer fortfahren. Als sie von Dawson nicht abließ, schrie ich sie an, sie solle aufhören. Ich konnte es einfach nicht länger ertragen, wie sie Jaqueline quälte. Wenn sie sie doch nur in Ruhe lassen würde... Nachdem schließlich das Gas aus der Zelle gesogen worden war, befahl die Vorta einem ihrer Jem'Hadar, Jaq fortzubringen.Als ob das noch nicht ausreichen würde, entschied sich die Vorta nun auch noch zu allem Überfluß, Lloyd erneut zu verhören. Sie wies den Jem´Hadar an, ihn zu holen, damit sie ihn befragen könnte. Ich machte mir große Sorgen um ihn. Er war noch nicht wieder in der Lage, die Befragungsmethoden der Vorta und ihrer Helfershelfer längere Zeit durchzustehen. Es ist schon unfaßlich, wie hilflos man sich in solchen Situationen fühlen kann. Einfach nur mit ansehen zu müssen, was passiert ohne auch nur das Geringste dagegen unternehmen zu können. Aus mir unerfindlichen Gründen steckte die Vorta Lloyd mit in meine Zelle, gefolgt von einem bewaffneten Jem´ Hadar. Dieser zog seinen Phaser und zielte auf uns. Was sie damit beabsichtigte, sollte uns beiden ziemlich bald nur zu deutlich bewußt werden.

Sie setze ihr Verhör fort und befahl dem Jem´Hadar, bei jeder Frage, die wir nicht wunschgemäß beantworteten, entweder auf einen Arm oder ein Bein vom Lloyd oder mir zu schießen. Lloyd betonte noch, dass er der ranghöchste Offizier wäre und er somit die Verantwortung trage und sie uns anderen in Ruhe lassen sollte. Dies schien jedoch die Vorta in keiner Weise zu beeindrucken. Ganz im Gegenteil. Es brachte ihm lediglich den Erfolg ein, dass der erste Phaserschuß seinen rechten Arm traf. Trotz seiner starken mentalen Abschirmung trafen mich seine Emotionen wie ein Blitzschlag. Der Schmerz, die Angst, eben einfach alles... von seinem Schmerzensschrei ganz zu schweigen. Computer Pause.

Computer fortfahren. Wenn man bedenkt, dass die Vorta im Grunde die Antworten auf ihre Fragen zum großen Teil schon kannte, kann ich nur annehmen, das es ihr eine abartige Freude bereitet haben muß, Lloyd, Jaq und mich zu quälen. Nach Lloyds Arm, war mein linker Arm dran, dann sein Bein und so weiter. Als sie erneut auf Lloyd schießen lassen wollte, beugte ich mich zur Seite und blockierte somit die Schußlinie des Jem´Hadar. Lloyd schien dies, wenn ich seine Emotionen richtig gedeutet habe, nicht wirklich recht zu sein. Ich muß jedoch gestehen, dass ich zu diesem Zeitpunkt keine Rücksicht auf seine Wünsche nehmen konnte bzw. wollte. Ich konnte es einfach nicht zulassen, das der Jem´Hadar erneut auf ihn schoß. Sein Zustand war so oder so schon kritisch genug und außerdem...

Während sie uns folterte, ließ die Vorta noch zusätzlich unseren Captain holen und sperrte ihn in die Zelle, in der zuvor Jaq gewesen war. Vielleicht wollte sie damit unseren Willen und uns endgültig brechen, aber das vermag ich nur zu vermuten. Der Captain war jedenfalls in einem miserablen Zustand und soweit ich das vom ersten Anblick beurteilen konnte, nahm er seine Umgebung kaum noch wahr. Die Vorta meinte noch, dass es uns nicht besser ergehen würde, wenn wir nicht kooperativer werden würden und fuhr dann mit der Befragung von Lloyd und mir fort.

Ein paar Augenblicke später hörte man aus den unteren Räumen Stimmen und auch Kampfgeräusche. Dies schien die Vorta zumindest ein wenig zu verunsichern. Sie entschloß sich dann dahingehend, sich zum Captain in die Zelle zu begeben und in einem Moment der Ruhe auszurufen, das sie keinen Augenblick zögern würde, ihre Gefangen zu töten, sofern es jemand wagen sollte, die oberen Räume aufzusuchen.

Sowohl Lloyd als auch ich riefen aus, dass man auf uns keine Rücksicht nehmen sollte. Zur „Belohnung“ ließ die Vorta ihren Jem´Hadar erneut auf uns schießen. Ich möchte nicht wissen, was in diesem Moment die restlichen Crewmitglieder gedacht bzw. empfunden haben, als sie Lloyd und mich vor Schmerzen schreien hörten...

Als Art schließlich in der Tür des Raumes mit den Arrestzellen stand, war ich doch merklich erleichtert, auch wenn sein Anblick noch lange nicht bedeutete, dass wir gerettet waren. Dennoch hatte seine Anwesenheit eine durchaus beruhigende Wirkung auf mich. Er bemühte sich, die Vorta zu beruhigen und ihr gut zuzureden. Die Tatsache, dass sie mit einer Waffe in der Hand direkt vor unserem Captain stand, schien ihm gar nicht zu gefallen, aber im Augenblick konnte er daran nichts ändern.

Ein paar Momente später tauchte neben ihm Lt. jg. Stark auf. Seine Art von Diplomatie konnte ich jedoch gar nicht nachvollziehen. Hatte Art noch versucht, ruhig und beruhigend auf die Vorta einzuwirken, machte es bei Lt. jg. Stark mehr den Eindruck, als ob er sie provozieren wollte. Was er damit beabsichtigte blieb mir jedoch unverständlich.

Plötzlich ging alles sehr schnell. Aus irgendeinem Grunde – wahrscheinlich hatten unsere Techniker die Energiezufuhr unterbrochen – erloschen die Sicherheitsfelder vor den Zellen und keinen Augenblick später fielen auch schon Schüsse und die Vorta sank betäubt zu Boden. Wenn ich mich recht erinnere, dann hatte Mr. Wagner auf sie geschossen. Sie stand ihm wohl eindeutig zu dicht am Captain. Warum er dann allerdings noch ein zweites Mal auf sie geschossen hat, habe ich zu diesem Zeitpunkt nicht so ganz verstanden, aber das ist auch nicht weiter wichtig. Er wird seine Gründe dafür gehabt haben. Nach dem zweiten Betäubungsschuß wurden die Lebensfunktionen der Vorta jedoch deutlich schwächer. Dies habe ich auch den anderen Teammitgliedern mitgeteilt, doch so recht schien das niemanden in dem ganzen Durcheinander zu interessieren. Ich bin dann jedenfalls zu ihr gekrochen – gehen war ja aufgrund meiner Verletzungen nicht mehr so wirklich möglich – und habe sie untersucht. Ihre Vitalwerte waren doch ziemlich bedenklich. Als ich gerade mit der Behandlung fortfahren wollte, kam Art zu mir und meinte, dass Dawson meine Hilfe dringender benötigen würde. Ich bat ihn dann, mir zu helfen, da ich alleine nicht in der Lage war, zu gehen. Er brachte mich dann zu dem Raum, in dem Dawson lag. Ich versorgte sie, so gut es mir irgend möglich war. Ich weiß nicht mehr wirklich, wie lange es gedauert hat, aber nach einiger Zeit erschien Lt. jg. Jaris und half mir, Jaqueline zu versorgen. Danach behandelt sie mich, soweit es ihr mit den begrenzten Mitteln, die wir zur Verfügung hatten, möglich war.

Wenn ich so recht darüber nachdenke, dann habe ich bis zu dem Augenblick, als Lt. jg. Jaris die Behandlung von Jaqueline übernommen hat, meine eigenen Schmerzen kaum wahrgenommen. Als ich dann jedoch ein wenig Zeit zum durchatmen hatte, brachten sie sich wieder ziemlich deutlich in Erinnerung. Lt. jg. Jaris gab mir dann ein schmerzstillendes Mittel.

Es ist schon sehr faszinierend, was die heutige Medizin so alles möglich macht. Wenn ich bedenke, das ich eine ausgerenkte Schulter, einen angeschossenen Arm und ein angeschossenes Bein hatte und nach der Injektion nichts mehr davon gespürt habe...

Nachdem die Verletzten soweit als möglich versorgt worden waren, verließen wir das Gefängnis so schnell wie möglich. Lloyd rief noch so etwas Ähnliches wie, man solle ihn zurücklassen, doch zum Glück hörte niemand auf ihn. Die, die nicht mehr in der Lage waren aus eigener Kraft zu gehen, wurden von den anderen Crewmitgliedern getragen. Nachdem alle das Gebäude verlassen hatten, begaben wir uns umgehend in Deckung. Als wir einen Waldrand erreicht hatten, wurde kurz abgeklärt, wer noch in der Lage war, zu schießen. Da ich lediglich am linken Arm verletzt war, meldete ich mich, was mir von ein paar Teammitgliedern einen eher fragenden Blick einbrachte. Sie schienen entweder zu denken, dass ich nicht ganz Herr meine Sinne war oder aber sie haben nicht wirklich mit so einer Reaktion von mir gerechnet. Im Grunde ist es mir im Nachhinein auch egal. Ich konnte noch schießen und nur darum ging es. Wir machten uns also auf den Weg zum ausgemachten Treffpunkt.

Zwischenzeitlich stützte ich die Admiralin der Tacticals, die wir ebenfalls aus dem Gefängnis befreit hatten. Da sie Betazoidin war, bemerkt sie ziemlich schnell, dass ich nicht sonderlich gut auf die Tacticals zu sprechen war. Sie versuchte ein Gespräch in dieser Hinsicht anzufangen, das ich jedoch höflich, wenn auch ziemlich bestimmt abblockte. Die Admiralin hakte auch nicht weiter nach. Was hätte ich ihr auch sagen sollen? Dass ich von den Tacticals nicht sonderlich viel hielt? Das war ihr glaube ich auch so schon aufgefallen. Außerdem hatte ich keine Lust, dass sie oder wer auch immer noch fälschlicherweise auf den Trichter kommen würde, ich müßte nachträglich noch in psychologische Behandlung aufgrund meiner damaligen Erlebnisse.

Auf unserem Weg zum Treffpunkt machte sich Lt. jg. Stark auf einmal davon und verschwand im Wald. Warum er das auch immer tat... ich weiß es nicht. Lt. jg. Jaris folgte ihm und kaum einen Augenblick später hörte man Phaserfeuer. Die Admiralin wies uns dann darauf hin, dass beide betäubt worden wären. Sofort wollten ein paar der Crewmitglieder den beiden zur Hilfe kommen, doch dies unterband Lt. jg. Silok sofort. Er tat in dieser Situation das, was wohl am logischsten war. Kunststück... Er übernahm das Kommando und nach einer kurzen Überlegung wurden Michael und Jaq geschickt um Lt. jg. Stark und Lt. jg. Jaris zur Hilfe zu kommen. Beide aus dem Grunde, dass sie von der Sicherheit waren und über eine entsprechende Ausbildung verfügten. Michael noch aus einem weiteren Punkt. Er verfügte über eine erweiterte medizinische Grundausbildung. Ich war als verbliebene Ärztin zu wichtig, wie Lt. jg. Silok feststellte. Somit konnte ich lediglich in der Weise behilflich sein, dass ich das Hypospray entsprechend einstellte und es Michael mitgab. Der Plan ging auf und alle vier kamen unbeschadet zurück.

Nach einem weiteren kurzen Marsch erreichten wir endlich das Runabout, das uns zu einem Bird of Prey bringen sollte. Auf diesem angekommen wurde erneut eine Feier mit Blutwein abgehalten. Diesmal nahm ich mir keinen Blutwein, um nicht wieder Gefahr zu laufen, Ärger mit einem klingonischen Offizier zu bekommen, aber das angebotene Gagh und den klingonischen „Löffelkuchen“ nahm ich dankend an. Ich muß jedoch zugeben, dass es ein komisches Gefühl ist, lebendes Gagh zu sich zu nehmen, aber ich brauchte einfach eine Stärkung und da kam es mir sehr recht. Wir nahmen Kurs auf DS9 und würden wohl morgen früh dort ankommen. Ich blieb noch eine Weile in der Messe und begab mich dann zu Bett. Wenn ich so den Tag noch mal reflektiere, dann muß ich zugeben, das die Übungen mit Lt. jg. Silok schon erste, wenn auch nur sehr kleine Erfolge gezeigt haben, aber immerhin ist es ein Anfang.

Sonntag, den 21. August 2375

Am nächsten Morgen trafen wir beim Frühstück auf die restlichen Crewmitglieder der Exeter. Ian blickte mich ziemlich mitleidig an und umarmte mich zur Begrüßung. Ich kann nicht beurteilen, ob er da schon wußte, was auf der Mission auf Velos XII passiert ist. Auf jeden Fall sah es so aus, als ob er sich Sorgen um mich machen würde. Als ich Kaleb wieder sah, spürte ich, wie sich seine Ruhe und Gelassenheit – eigentlich wie fast immer – auf mich übertrugen. Ich teilte ihm mit, dass er mir gefehlt habe, was er mit einer für ihn typischen Reaktion kommentierte. Er meinte mit einem leichten Grinsen, dass es doch nur zwei Tage gewesen wären, die wir uns nicht gesehen hätten. Damit hatte er zwar Recht, aber dennoch hatte ich ihn vermißt.

Nach dem Frühstück wurden wir zu einer Nachbesprechung der Mission auf Velos XII gebeten. Nun ja – was man dann so Nachbesprechung nennt. Im Grunde war es eine verbaler Maßregelung sondergleichen. Dieser Umstand hatte natürlich auch umgehend eine entsprechende Reaktion der Missionsmitglieder zur Folge. Sogar Captain Starkov äußerte sich dazu, was diese Art mit seiner Crew umzugehen, solle. Auch Cmdr. Stafford versuchte, die aufkochenden Emotionen zu beruhigen, was ihm schließlich auch gelang. Er meinte zu uns, dass es noch eine gesonderte Nachbesprechung durch ihn mit uns geben würde und wir dann in aller Ruhe über die geschehenen Vorkommnisse reden könnten. Nach der Besprechung mit Captain Van Houten teilte man uns mit, daß die Todeslisten von dem letzten Angriff der Breen auslagen. Inständig hoffte ich, dass ich nicht zu viele bekannte Namen auf der Liste finden würde. Wenn ich jetzt im Nachhinein so darüber nachdenke, dann war jeder Name auf der Liste zuviel, egal ob ich ihn nun kannte oder nicht.

Am schlimmsten für mich persönlich war jedoch, als ich den Namen von Kyle, meinem Bruder, auf der Liste laß. Wie ich später erfuhr hatte sich die U.S.S. Mirage in der Umlaufbahn einer der Kolonien befunden, als die Breen sie angegriffen hatten. Das Schiff selber konnte schwer beschädigt entkommen, doch Kyle war bei diesen Angriff ums Leben gekommen.

Ohne auf die Leute um mich herum zu achten, rannte ich in mein Quartier. Selbst Lillian, die noch versuchte, mir zu helfen, ließ ich ohne Kommentar links liegen. Ich konnte nicht anders... ich mußte einfach allein sein. Als ich nach einiger Zeit merkte, dass ich nicht ruhiger wurde, bat ich Adrian, mir zu helfen, was er auch umgehend tat. Er versteht es einfach immer wieder, mich zu beruhigen und auch zu trösten. Dennoch war es darüber hinaus notwendig, dass er mir ein beruhigendes Mittel verabreichte. Gemeinsam sind wir dann zu der Nachbesprechung von Cmdr. Stafford gegangen.

Was dann allerdings bei dieser Nachbesprechung ans Tageslicht kam, hat mich doch ziemlich schockiert. Ich kann nicht glauben, das Lt. jg. Stark wirklich mit Vorsatz auf die Vorta geschossen hat. Warum er dann jedoch Cmdr. Stafford bewußt mehrfach angelogen hat, verstehe ich nicht. Irgendwann konnte ich dies nicht länger mit ansehen – vielleicht lag es auch einfach insgesamt an dem, was mir in den letzen Tagen widerfahren ist – ich kann es nicht mehr mit Bestimmtheit sagen... Ich bat Cmdr. Stafford noch während der Besprechung um ein Vier-Augen-Gespräch. Vielleicht hätte ich dies unter anderem Umständen nicht getan, aber ich habe es nunmal getan. Dass ich mich dabei nicht sonderlich glücklich gefühlt habe, brauche ich hier wohl nicht wirklich zu erwähnen.

Cmdr. Stafford sah mich fragend an, als wir alleine waren. Ich teilte ihm dann mit, daß Stark lügen würde. Er wüßte sehr wohl, wer auf die Vorta geschossen hätte. Seine Reaktion darauf war mehr als eindeutig. In diesem Moment habe ich mir inständig gewünscht, ich hätte ihm dies nicht angetan... Ich weiß nicht, ob es richtig war, was ich getan habe. Vielleicht ja, vielleicht nein... wer vermag das schon zu sagen. Ich weiß nur eines, ich werde nach meinem Dienst auf der Krankenstation wieder die meiste Zeit in meinem Quartier verbringen. Es reicht mir schon, dass die Mannschaft aufgrund der Vorkommnisse mit der romulanischen Delegation bei der letzten Mission sich ihre Gedanken über mich macht und diese, wenn auch nur unbewußt, zum Ausdruck bringt. Da muß ich mir nicht noch zusätzlich die Vorwürfe über mein Verhalten in Bezug auf Lt. jg. Stark machen lassen. Die mache ich mir selber schon in ausreichendem Maße...

Computer Aufzeichnung beenden und speichern

Zum Seitenanfang

[ Zurück | Storyline | Weiter ]