Es gab eine Zeit, da war ich damit zufrieden, Verhalten und Biologie von Vögeln zu studieren. Es gab eine Zeit, da konnte der Blick meiner Allerliebsten allein mich glücklich machen. Es gab eine Zeit, in der ich froh war, wenn ich mein Temperament unter Kontrolle hielt. Es gab eine Zeit, da wollte ich einfach nur ein Mensch sein. Meine Mutter erzog mich dazu, mich zu akzeptieren, wie ich war. Aber obwohl sie mich in meiner Jugend nach Qonos schickte, wusste ich doch immer, dass sie wollte, dass ich als Mensch lebte, nicht als Klingone. Sie sagte oft es wäre einfacher, wenn ich mich einfach den Menschen anpassen würde. Das ich glücklicher wäre, wenn ich auf dieser Seite meines Blutes mein Gleichgewicht fände. Vielleicht war dies einer der Gründe, warum ich nie den Namen meines Vaters erfahren habe. Vielleicht hatte sie nicht ganz unrecht, denn es war einfacher. Einfacher zu tun, als wäre ich ein ganzer Mensch, anstatt um meinen Platz auf Qonos zu kämpfen. Und eine zeitlang war ich damit zufrieden. Aber der einzige Grund, warum ich mich bemühte, ganz Mensch zu sein – obwohl sie das nie von mir verlangt hatte- war gestorben. Und vor den Ereignissen der letzten Wochen treten auch die Erinnerungen an das, was war in den Hintergrund. Bin ich Mensch oder Klingone? Diese Frage hat einen Großteil meines bisherigen Lebens bestimmt. Ich lernte von klein auf klingonisch, lernte in meiner Jugend das Schwert der Ehre zu benutzen und die klingonischen Bräuche zu respektieren. Doch ein Halbmensch auf Qonos zu sein ist schwerer, als ein Halbklingone auf der Erde. Und der Forschergeist meiner menschlichen Seite war lange zeit stärker, wahrscheinlich einfach, weil mir ein Bezug oder noch mehr, eine Bezugsperson fehlte, die mich mehr lehrte als meine Mutter, nämlich nicht meine klingonische Seite zu respektieren, sondern zu lieben. Solange meine Prinzessin noch lebte, trat dieser innere Kampf um das was ich bin in den Hintergrund. Jetzt aber ist er wieder hervorgetreten und fordert mich heraus und dieses mal werde ich mich dem Kampf stellen und siegreich daraus hervorgehen. Der Verband von Bird of Prey, der die Exeter nach Deep Space Nine begleitet hatte, weckte mein Interesse. Vermutlich hätte ich mich um andere Dinge kümmern sollen. Rumheulen, weil meine Mutter und meine Schwestern eventuell tot waren. Das war jedenfalls die Hauptbeschäftigung der restlichen Crew. Irgendwie geriet sogar der Todestag in den Hintergrund, als ich begann, Daten über die klingonische Crew aus dem Computer zu locken. Es ist nicht leicht, Informationen über Personen und Familien des Klingonischen Reiches zu bekommen, auch wenn sie nun Verbündete der Föderation sind. Deshalb war es umso wichtiger für mich, die Informationen, die ich nun durch den Kontakt mit den Bird of Prey über deren Mannschaften herausfinden konnte, auszuwerten.
Und ich fand etwas. Das erste mal seit vielen Jahren fand ich einen Hinweis auf jemanden, der mein Vater sein könnte. Der Captain des Geschwaders, Korak, geboren 2340, hatte einen Vater namens Kurn, der bis 2349 Oberhaupt seiner Familie war. 2349 jedoch, in meinem Geburtsjahr, wurde er aufgrund einer Schande als Oberhaupt der Familie verstoßen und von seinem Bruder Keros getötet. Später hat Korak dann seinen Onkel getötet und wurde selbst Familienoberhaupt. Sein gesamter Werdegang erschien mir eindrucksvoll. Und interessant, denn er war zusammen mit Captain Starkov in der Gefangenschaft der Breen gewesen und hatte möglicherweise ein Interesse daran unseren Captain zu befreien. Das Wichtigste aber war die Schande, die Kurn auf sich geladen hatte. Natürlich war darüber nichts genaues vermerkt. Eines wusste ich aber. Dass es immer noch eine Schande war, einen Bastard zu zeugen. Und dass ich ein Bastard war. Von diesem Moment an fieberte ich dem Augenblick der Zusammenkunft mit den Klingonen entgegen. Vielleicht lernte ich schon bald meinen Halbbruder kennen! Auch wenn diese Begegnung dann bereits mit der Gewissheit verbunden wäre, dass mein Vater seit dem Zeitpunkt meiner Geburt tot war, würde ich endlich wissen wie es war. Irgendwie war es merkwürdig. Meine Crewmitglieder trauerten um den Captain, den man uns gestohlen hatte und tragische Verluste, die Föderation und Verbündete erlitten hatten. Ich aber war voller Hoffnung und... ja vielleicht sogar Freude. Wir würden kämpfen, um den Captain zurückzuholen und wir würden kämpfen um die Breen zu besiegen und vielleicht würde ich nach diesem Kampf sogar wissen wer ich war. In diesen Gedankengängen kam häufiger das Wort Kampf vor, als ich es in den vergangenen fünf Jahren gedacht hatte. Ich holte meine klingonischen Schriften wieder aus dunklen Ecken meines Quartiers hervor und übte sogar ein klein wenig mit dem batlh’etlh auf dem Holodeck. Seit dem Vorfall vor fast einem Jahr wird es ohnehin eher wenig frequentiert. Egal ob Korak mein Halbbruder war oder nicht, ich hatte eine schwierige Begegnung vor mir und musste lernen, wieder auf klingonisch zu denken....und klingonisch zu handeln. Denn egal was die Mannschaft der Exeter denkt. Mein Handeln ist menschlicher, als mein Blut es zulassen dürfte.
Jeden Tag besuchte ich Dawson in ihrer Arrestzelle. Sie mag es nicht, wenn man schlecht über ihren Vater spricht, dennoch muss ich mich wundern, wie merkwürdig ein Mann sein muss, der seine eigene Tochter arrestieren lässt. Zumindest hatte sie aber einen Vater der sie einsperren konnte und aus klingonischer Sicht fand ich das Verhalten gar nicht so merkwürdig. Meine ersten Besuche bei ihr verliefen sehr kurz, da die Sicherheit die Begeisterung, mit der ich meinen Unmut über Jaqs Inhaftierung zum besten gab, nicht zu schätzen wusste. Aber die nächsten Besuche wurden länger. Auf dem Rückweg nach einem dieser Besuche lief ich Julie in die Arme. Sie informierte mich darüber, dass Jaris sich mal wieder aufgeregt hatte, diesmal über den kleinen Handbruch, den ich Julie aus Ärger über die San Francisco- Katastrophe zugefügt hatte. Pah, Ärzte. Ich mochte Ärzte nicht. Eine kleine Verletzung ist ja wohl nicht tragisch. Im Gegenteil, Schmerzen zeigen, dass wir am Leben sind. Ein gesundes Verhältnis dazu kann nicht schlecht sein, besonders da wir eine Technologie besitzen, die uns in dieser Hinsicht viel zu sehr verwöhnt. Leid tat mir nur, dass Julie meinetwegen Ärger hatte. Es zeigte sich aber, dass sie nicht nur deswegen mit mir sprechen wollte. Sie wollte, dass ich ihr grundlegende Selbstverteidigung beibrachte, für alle Fälle. Und Jaq hatte eine ähnlich Anfrage wohl abgelehnt. Ich aber fand es gut, jeder sollte sich verteidigen können, gerade eine Ärztin. Außerdem bot mir das die Gelegenheit, einen Handel abzuschließen. Bisher hatte ich für mich behalten, was ich über Captain Koraks Vater herausgefunden hatte. Aber in meinem Kopf hatten sich Szenarien abgespielt wie: "Hallo Korak! Ist ihr Vater zufällig gestorben worden, weil er einen menschlichen Bastard zeugte? Ja? Nun Hier bin ich!" Alle diese Szenarien hatten in den besten Fällen zu schweren Verletzungen und in den schlimmsten zu meinem unrühmlichen Ableben geführt. Ein Arzt auf meiner Seite, noch dazu einer, dem ich Vertrauen schenkte, verbesserte die Situation ziemlich. Ich weihte also Julie ein, wenn auch ich kein gutes Gefühl dabei hatte, irgend jemandem davon zu erzählen. Aber da es wahrscheinlich auch nicht allzu einfach sein würde, sich dem klingonischen Captain zu nähern, war es besser, noch jemanden zu haben, der danach Ausschau halten konnte. "Danach" war in dem Fall ein Haar. Ungeduldig wartete ich auf den Zeitpunkt, da wir der klingonischen Crew begegnen würden und hoffte, dass dieser Zeitpunkt wirklich eintreten würde.
Als wir auf Deep Space Nine waren, verging kaum Zeit, als wir auch schon zu einer Besprechung unter dem Kommando der Tacticals gerufen wurden. Irgendwie hatte ich mich noch nicht wirklich mit dem Gedanken auseinandergesetzt, dass wir jetzt ihnen unterstellt worden waren und zu den Rapid Response Teams gehörten. Einige Crewmitglieder hatten sich aufgeregt, aber für mich persönlich spielte es nicht wirklich eine Rolle, wenn wir nur bald eine Gelegenheit bekämen, unseren Captain zurückzuholen. Und sie kam. In der Form von Captain van Hauten, der uns den Auftrag erteilte unseren Captain Starkov, einen Admiral und mögliche Kriegsbeute von Velos XII zu holen, einem Planet unter der Besetzung von Cardassianern und Jem`Hadar. Was sofort die Frage aufwarf: Warum hatten die Breen, die unbedingt Starkov haben wollten, ihn zu einem Gefangenenlager der Cardassianer gebracht? Überfüllung der eigenen Lager? Taktik? Eine fiese Falle? Im Prinzip war es aber egal, solange wir nur etwas für Starkov tun konnten. Und wenn wir ehrenvoll dabei sterben.... Hmm. Mein klingonisches Blut scheint.... Die Besprechung artete trotz gnädig knapper Darstellung von Seiten der Tacticals in einem Hickhack von überflüssigen Fragen von Seiten der Sternenflottenoffiziere aus. Dauernd wollten sie noch mehr Material, noch mehr Karten von den Tacticals, obwohl offensichtlich war, dass sie nicht mehr hatten riskieren können, ansonsten hätten die Spionageteams den Captain direkt selbst raushauen können. Aber praktisch denken war noch nie eine Stärke des Großteils der Sternenflottenoffiziere. Der große Plan sah vor, verschiedene Einrichtungen, die für die Energie der Schilde zuständig waren, zu zerstören, zum Gefängnis zu stürmen, Captain und Admiral zu befreien und außerhalb der Reichweite der Transporter-Scrambler von den Bird of Prey wieder hochgebeamt zu werden. Ach ja, Bird of Prey würden uns nach Velos XII bringen, während die Exeter woanders ein Ablenkungsmanöver starten würde. Es sollten zwei Außenteams gebildet werden, das ganze unter Lieutenant Starks Kommando. Seit ich an Bord der Exeter gekommen bin, hat eben dieser mir nie einen Grund gegeben, ihn für mehr zu halten, als einen Schwafler. Einen äußerst fähigen Schwafler und bestimmt einen guten Diplomaten und ausgezeichneten Redner. Aber nicht gerade jemand, dessen handeln von Ehre gezeichnet ist. Nun, aber, da er dieses Kommando hatte und Stafford - den ich wirklich respektiere - ihn akzeptierte, beschloss ich, ihm noch eine Chance zu geben. Ganz unvoreingenommen an ihn heranzugehen. Als er Wagner zum zweiten Teamführer machte hoffte ich dennoch inständig, dass ich bei diesem im Team landen würde. Diese Hoffnung erfüllte sich allerdings nicht, als Sias mich bat, zu seinem alten Kumpel Wagner ins Team zu dürfen. Ich bin einfach zu weich. Ich sagte zu. Vanessa und Thomas gehörten zu denen die an Bord der Exeter bleiben und das Ablenkungsmanöver fliegen würden. Ich war froh, bald meinen ersten Außeneinsatz erleben zu dürfen. Bis zu dem Zeitpunkt, als Stark sein Team wählte und mich nicht unter Flugoffiziere sondern UndMissWintersonhilftbeimTragendermedizinischenAusrüstung aufführte. Als ich ihn darauf – höflich wie ich bin unter vier Augen – ansprach, kam nichts, keine Entschuldigung, noch nicht einmal ein MissWintersondafürhabenwirjetztkeineZeit. Ich begann mich zu fragen, wo dieser Mann sein Rückgrat hatte. Wahrscheinlich besaß er gar keins, so krumm, wie er ging. Dennoch beschloss ich ganz ruhig zu bleiben, seinen Befehlen zu gehorchen, seine Autorität nicht zu untergraben und nichts zu machen, was unsere Mission gefährden würde, egal was mir mein Temperament sagen würde. Bevor wir zum klingonischen Schiff gebeamt wurden, nahm ich Jaq zur Seite und erzählte ihr von der Möglichkeit, dass Korak mein Halbbruder war. Da sie wahrscheinlich so etwas wie eine beste Freundin für mich darstellte, war ich es ihr irgendwie schuldig.
An Bord des klingonischen Schiffes angekommen, wurden wir auf die Brücke gebracht. Und ich stand zum ersten Mal auf der Brücke eines Bird of Prey. Dunkel und nebelig, irgendwie geheimnisvoll und ganz anders als die der Exeter. Dort auf dem Sessel des Captains saß er, der er mein Halbbruder sein könnte: Korak. Von dem Moment an, wo er aufstand und sich uns zuwandte und die Stimme an uns richtete, wusste ich, dass er ein großer Mann war, ein ehrenvoller Krieger, jemand, auf dessen Respekt man Stolz sein konnte. Ich wusste, dass ich den Respekt und die Anerkennung dieses Kriegers haben wollte, egal ob sein und mein Vater der gleiche gewesen waren oder nicht. Und ich erinnerte mich daran, warum ich menschliche Frauen liebte. Aber das gehört nicht hierher. Korak lud uns in die Messe ein und hielt eine bewegende Rede über unsere Mission und über die Art der Klingonen, vor der Schlacht zu feiern und ließ Blutwein herbeischaffen. Ich habe lange nicht mehr so ausgezeichneten Blutwein getrunken. Wichtig jedoch war, dass bevor mein Blut eine allzu hohe Aufmerksamkeit erlangen konnte, ich nahe genug an Korak herankam, um ein Haar von seiner Kleidung zu fischen, welches ich sofort an Julie weitergab. Gerade noch rechtzeitig, bevor die Aufmerksamkeit des Captains sich mir zuwandte. „Du hast starkes Blut in Dir.“ Diesen ersten Satz den Captain Korak direkt an mich richtete, werde ich wohl nie vergessen. Es war der Satz eines Klingonen, der mich nicht aufgrund meines Blutes verachtete. Ich hatte bei klingonischen Freunden meiner Mutter gelebt, als ich auf Qonos war. Diese hatten mich toleriert, nicht akzeptiert. Sie hatten meine Mutter schätzen und ehren gelernt und mich nur aufgrund dessen bei sich leben lassen. Nun, da Korak mit mir gesprochen und mein Blut erwähnt hatte, wandte sich auch die Aufmerksamkeit der übrigen Klingonen mir zu. Und natürlich passierte das, was geschehen musste. Man forderte mich zum Zweikampf, um zu beweisen, dass ich meines Blutes würdig war. Beziehungsweise Frau forderte mich, denn es war die Flugoffizierin. Wahrscheinlich hätte der Sternenflottenoffizier Lillian Winterson diesen Kampf ablehnen und für immer ihre Ehre verlieren müssen. Gute, den Starfleet-Richtlinien folgende, Offiziere tun das. Aber ich war auch D’Reya und in mir floss das Blut eines Kriegers. Ich spürte dieses Blut seit Korak zu mir gesprochen hatte, durch meine Adern rasen und ich fühlte das Pochen eines Kriegerherzens in meiner Brust und hatte die Forderung angenommen, bevor irgendjemand anderes etwas sagen konnte. Ich wählte das batlh’etlh und sie zwei matlh’etlh. Es gab mehrere Möglichkeiten, wie der Kampf ausgehen konnte. A) Ich würde sterben, B) Sie würde am leben bleiben, da ich ein Starfleet Offizier war, C) Ich würde sie töten, weil mein klingonisches Temperament Oberhand gewann und darauf hin aus der Sternenflotte fliegen. Möglichkeit A) erschien mir am wahrscheinlichsten. Außer an den letzten Tagen hatte ich die vergangenen Jahre kaum diese Art des Kampfes trainiert. Und ich hatte Angst. Aber das empfand ich nicht als Schande. Im Gegenteil. Selbst die Klingonen sagen qoHpu''e' neH ghIjlu'. "Nur Narren haben keine Angst". Und was noch wichtiger ist: batlh potlh law' yIn potlh puS. Und daran hielt ich mich. Sie war stark. Stärker als Menschen mit denen ich zu Übungszwecken gekämpft hatte. Ich gewann. Wenn auch knapp und ich nicht weiß wie. Aber eines wusste ich. Wagner hatte in meinen Kampf reingeschrieen, ich solle das lassen. Als ich ihn kurz darauf sah, wie er Jaq anmachte, weil sie zuviel Blutwein trank, stellte ich mich dazwischen. Wenn er sich in meine Belange einmischte, dann konnte ich mich auch hier einmischen. Er war Ensign. Ich war Ensign. Er hatte mir nichts zu befehlen. Nicht wenn es um meine Ehre ging. Wir schrien uns gegenseitig an, sahen uns in die Augen. Ich glaube er verstand in diesem Moment. Ich wandte mich wieder dem Blutwein zu.
Habe ich schon erwähnt, dass wir Verstärkung von den Tacticals bekommen hatten? Besonders Diana McLane gefiel mir. Eine Kämpfernatur, die meinte, ich solle mich doch den Tacticals anschließen. Wichtiger aber ist, dass Captain Korak mit mir allein auf die Brücke ging. Ich war so aufgeregt..... ich glaube ich war noch nie so aufgeregt. Wie er um mich herum ging und mich beschwor, auf die klingonische Hälfte meines Blutes zu hören, dass die Bird of Prey ebenso ein Teil von mir waren wie der Kampf von Angesicht zu Angesicht. Er zeigte mir wie man sie flog. Mit geschlossenen Augen. Mein Herz raste. Und für einen Moment war ich ganz Klingonin. Oh, wie sehr ich mir wünschte, dass sein Blut auch durch meine Adern rann. Wie sehr ich mir wünschte, dass er mein Mentor sein würde, wie sehr ich mir wünschte, ihm Ehre zu erweisen! Und doch wünschte ich mir auch, ein kleiner, fast vergessener Teil von mir, dass wir nicht verwandt wären. Denn wenn ich auch nie einen menschlichen Mann geliebt hatte, so hatte ich doch einmal.... Einige andere Crewmitglieder der Exeter waren dazugekommen und beendeten diesen Moment, der nur uns gehört hatte. Ich musste auch Sias zeigen, wie man einen Bird of Prey fliegt, wenn auch sich etwas in mir sträubte. Dieser Moment gehörte mir. Und ich wusste, wenn ein Notfall eintrat und einer von uns beiden dieses Schiff fliegen sollte und Stark Sias befehlen sollte, dies zu tun... dann würde ich dafür sorgen, dass ich der einzige aufrecht stehende Flugoffizier sein würde, der einen Bird of Prey fliegen konnte. Mir fiel auf, dass die meisten bereits im Bett waren, als sich Wagner dafür entschuldigte, in meinen Kampf reingebrüllt zu habe. Ich entschuldigte mich, dass ich ihn angebrüllt habe, als er Jaq anbrüllte. Von dem Moment an verstanden wir uns wohl ganz gut. Nun, nach einer Antiblutweinbehandlung von Jaris waren wohl alle ins Bett gegangen und ich entschied mich ebenfalls ins Bett zu gehen. Aber ohne Behandlung. Allerdings hatte ich sogar ein Attest. Ich war Halbklingonin und das Fest vor der Schlacht gehörte zu mir.
Am nächsten Morgen hatten wir Velos XII erreicht. Bevor wir aufbrachen, überreichte Captain Korak mir sein batlh’etlh. Habe ich meine Verehrung für diesen Krieger schon zum Ausdruck gebracht? Mögen ihm zu Ehren viele Lieder gesungen werden! Als das Schiff sich enttarnte, um den Transportervorgang zu starten, wurden wir sofort unter Beschuss genommen. Das Schiff bebte. Auch unsere Landung verlief nicht planmäßig. Der Koffer mit der Extraausrüstung explodierte. Unsere Granaten waren weg und wir hatten die ersten leicht Verletzten. Wir hätten sofort eine Marschordnung einnehmen und festlegen sollen, wer in welche Richtung wen deckt. Das geschah nicht. Dennoch mussten wir durch feindliches Gebiet. Durch ein Minenfeld. Schlimmer fand ich die Trümmerstücke, die mit uns am Boden angelangt waren. Und die Worte der anderen, dass der Bird of Prey wohl.... Was bedeuten würde, dass.... Nein, Captain Korak lebte. Vom ersten Moment muss ich sagen, dass weder klare Befehle erfolgten, noch Informationen weitergegeben wurden. Stark war ein distanzierter Kommandeur. Was okay gewesen wäre, wenn man das Gefühl gehabt hätte, dass er wusste, was er tat. Unser Zug durchs Minenfeld war zu langsam. Die Leute bewegten sich unkoordiniert. Entweder zu weit auseinander oder zu dicht beieinander, beide Teams bunt gemischt. Ich weiß nicht warum Stark annahm, dass Menschen, die keine Krieger, sondern Ärzte, Flieger und Wissenschaftler waren, automatisch wussten, was sie in einem Kampfeinsatz wie diesem tun mussten. Aber das war nicht meine Sache. Ich würde seine Stellung nicht während einer Mission angreifen. Ich war Flugoffizier, nicht im Kommando. Ich war bloß Ensign. Meine Aufgabe war, auf Captain Koraks batlh’etlh und unsere Rückendeckung zu achten. Übrigens war das der einzige Befehl, den Stark erteilt hat. „Winterson, sie sorgen für Rückendeckung.“ Was soll das bedeuten? Soll es heißen das ich als Einzige fähig bin, einen Befehl zu befolgen oder als Einzige so blöd und undiszipliniert bin, dass ich einen Befehl brauche? Na ja, wie gesagt, wir brauchten zu lange, die Jem’Hadar und Cardassianer entdeckten uns, wir beschossen uns gegenseitig und, oh, habe ich schon erwähnt, dass einer der Tacticals fast sofort von einer dieser Subraumminen, einer sogenannten Houdini, in Fetzen gerissen wurde? Alles in allem gelangten wir relativ unbeschädigt zu unserem ersten Ziel, der Relaisstation. Ich gehörte zu den ersten, die reinstürmten, die Feinde niederschossen, das Gebäude sicherten und Essen entdeckten. Wahrscheinlich war es nicht meine Aufgabe, darauf zu achten, dass hinter uns ausreichend Wachen aufgestellt wurden. Vielleicht hätte das auch gar nichts genützt und Lloyd wäre so oder so entführt worden.
Auf jeden Fall bemerkten wir zu spät, dass wir eingesperrt waren. Die Tür, die T’Aloviks nur so schwer aufbekommen hatte, war von außen wieder verschlossen worden. Zum Glück hatten wir bei unserem Sturm ein Loch in die Decke geschossen, durch das nun O’Kenner und Jaq in die Gefangenschaft der Feinde gerieten. Es war wahrscheinlich ganz gut, nachzusehen, ob auch das Loch bewacht wurde. Aber man hätte nicht solange auf Rückmeldung von den beiden warten sollen. Wieder zwei weniger. Zum Glück konnte McLane mit ihrem Baby – einer Riesenwumme - ein Loch in die Rückwand des Hauses schießen, wodurch wir flüchteten. Als wir uns gerade verteilten, tauchte aus dem Nichts ein Jem’Hadar auf und schnappte sich unseren Traumtänzer Forrester. Damit hatte er wirklich Glück weil Forrester zwar ein guter Valkyriepilot ist, seinen Phaser aber nie dahin hält, wo er nützlich sein könnte. Nun, Forrester wurde also geschnappt, der Täter flüchtete um die Ecke der Station. Wer rannte zuerst hinterher? Richtig, die bajoranische Ärztin Jaris. Auch wenn sie beim Widerstand war: Sie ist Ärztin und kann für das Team lebenswichtig sein. Ihr Egoismus den Feind allein zu stellen ist beunruhigend. Sie ist schließlich in erster Linie Arzt und kein Krieger. Aber mir wird dauernd Disziplinlosigkeit vorgeworfen. Also rannte ich hinter Jaris her in der Hoffnung endlich mal einen Feind im Nahkampf zu erwischen. Aber diese wurde enttäuscht. Wieder nur Rumgeballere mit dem Phaser. Von der Tatsache mal abgesehen, dass es unbefriedigend ist, einen Feind zu töten ohne in seine Augen zu sehen, sind meine Fähigkeiten mit diesem Gerät nicht gerade berauschend. Erstens war es mein erster Außeneinsatz. Zweitens hatte ich während meiner Ausbildung auf der Akademie diese Seite vernachlässigt, worüber sich die neuerweckte Kriegerin in mir maßlos ärgerte, genau wie über den Umstand, nicht mehr Außenmission-Holodecksimulationen absolviert zu haben. Auf jeden Fall konnten wir Forrester retten. Dafür wurde – nachdem alle vom Alphateam sich wieder gesammelt hatten- McLane entführt. Ohne das wir es zuerst bemerkt haben. Mal wieder ein Problem der Deckung. Aber als ich Stark darauf ansprach blaffte er mich nur an, es wüsste schon jeder was er zu tun hatte, schließlich waren alle an der Akademie. Ich frage mich, an was für einer Akademie Stark war, wo man Sternenflottenoffiziere beibrachte, bei solch einem Einsatz zu riechen was sie tun sollten. Bei einem Einsatz, wo sie um ihr Leben fürchten mussten. Die meisten von ihnen haben Angst vor dem Tod. Das hatte ich noch nie. Zumindest dieser Teil meines klingonischen Selbst war schon immer stark. blHeghvlpchugh blHeghpu’. Nun wurden die beiden Teams neu aufgeteilt. Das eine sollte den Schildgenerator des Gefängnisses ausschalten, das andere das Gefängnis stürmen. Wagner sollte letzteres anführen und wählte unter anderen mich in sein Team. Es folgte wieder eine Zeit des Durchsunterholzrobben.
Als wir endlich beim Gefängnis ankamen, war der Schild noch oben, aber Mr Tohkinen hat seinen Phaser modifiziert und mit dessen Explosion das Schild zerstört. Als wir das Schloss an der Tür geknackt hatten, war auch schon das andere Team da. Das war nicht das Schlechteste, denn man konnte sich denken, dass die Wärter es uns nicht gerade leicht machen würden. Als wir reinstürmten sahen wir das schnell bestätigt, denn sie hatten sich auf einem Treppenaufgang verschanzt, was es uns unmöglich machte ohne Verluste in die oberen Stockwerke zu kommen. Als wir oben waren, befanden sich hinter einem Schutzschild zur Rechten unter anderem eine fiese Vorta, Starkov, Lloyd und Julie. Ich überließ sie Stark und Wagner und ging nach Links, wo ich hinter der ersten Tür Jaq brüllen hörte, aber leider nicht, was sie brüllte. Da die Tür nicht aufging, schoss ich sie auf und zog mich kurz zurück. Cohen sagte, dass im Raum dahinter ein Cardassianer säße. Ok. Ich hatte bemerkt, dass er genau in der Tür saß.... übrigens war es äußerst blöd, dass irgend jemand in der Zwischenzeit die Tür gegenüber aufgemacht hatte und die verletzte Admiral ins Schussfeld brachte. Allerdings interessierte mich Jaq auch zu dem Zeitpunkt mehr als ein Admiral. Ohne Verletzungen würde keiner Reinkommen, bei einem Treffer aus nächster Nähe würde jeder Mensch sofort umkippen... ich hatte eine Chance. Ich steckte den Phaser weg. Nahm das batlh’etlh und stürzte hinein, auf den Cardassianer zu. Der war wohl relativ verblüfft. Nicht aber der, der in einer Ecke saß und den der Tricorder übersehen hatte. Es folgte keiner von den anderen. Ich spürte einen scheußlichen, brennenden Schmerz in meiner Brust, der schlimmer wurde, meinen Geist umnebelte und schließlich ganz verdunkelte. Ich spürte schwach, dass jemand, mir das batlh’etlh aus der Hand ziehen wollte. Aber das war Koraks batlh’etlh und egal was passierte, ich musste es ihm zurückbringen, ich durfte nicht los lassen. Irgendwie scheinen meine Hände diesen Befehl befolgt zu haben, denn als ich zu mir kam, war es immer noch da. Auf Vaughn gestützt rannte ich aus dem Gebäude und kämpfte gegen die Übelkeit, die von der nur notdürftig versorgten Wunde ausging. Es gelang mir, meinen Geist und meinen Körper so weit zu klären, dass ich selbst laufen konnte und sah mich um. Jaq war da. Starkov auch. Ebenso Lloyd, Julie und O’Kenner. Alles schien gut zu sein. Ich hoffte nur, dass Korak es auch geschafft hatte. Wie konnte ich zweifeln, natürlich hatte er überlebt! Was sollte ich mit seinem batlh’etlh machen, wenn nicht? Ich musste es ihm wiedergeben. Das gab ich auch lautstark zum besten, als wir außerhalb der Reichweite der Transporter-Scrambler waren, die klingonischen Schiffe nicht erreichten und alle anderen zu zweifeln begannen.
Forrester, Wagner, Mulligan und T’Aloviks brachen jedenfalls auf, um den Runabout, den sie unterwegs gefunden hatten, startklar zu machen. Als die klingonischen Schiffe endlich antworteten, war das Runabout fast startklar. Wir würden es nehmen, um näher an das Klingonenschiff ranzukommen. Ausnahmsweise bekam ich von Stark mal eine ehrenvollere Aufgabe als medizinisches Gepäck zu tragen: Captain Starkov tragen. Um das ganze abzukürzen – denn ich glaube nicht, dass, wer auch immer das mal liest, nicht einmal ich in zehn Jahren, Interesse an ausgedehnten Geländebeschreibungen hat und Ausführungen, wie wunderbar es sich anfühlt, in einer klatschnassen Uniform durchs Unterholz zu klettern und darauf aufzupassen, dass der eigene hochgeschätzte Captain, denn man gerade trägt, keine Äste ins Gesicht bekommt: Wir gerieten unterwegs in einen Hinterhalt, aber der Runabout kam, bevor es wirklich gefährlich wurde, wir flogen los, wurden ausgiebig beschossen, von den Klingonen an Bord gebeamt, wieder beschossen und waren schließlich auf dem Weg nach Deep Space Nine. Die Verletzten würden durchkommen, nur McLane....sie war bereits tot. Und ein Stasisfeld und Hoffnung.... manchmal verstehe ich die Sternenflotte nicht. So sehr ich sie innerhalb eines Tages schätzen gelernt hatte. Sie war eine Kriegerin und sie war bestimmt stolz gestorben, im Angesicht des Feindes. Ihr Geist war bereits entflohen und Medizin würde nicht Diana McLane zurückbringen. Nur Captain Korak... er war zurückgeblieben um uns zu decken und eine Einheit der Tacticals wieder an Bord zu nehmen…. Über ihn war noch nichts bekannt. Aber er lebte. Das wusste ich. An Bord des klingonischen Schiffes gab es gagh! Wie lange habe ich schon kein frisches gagh mehr gegessen? Und mit den Fingern essen, abseits von Sternenflottenprotokollen! Herrlich, gerade nach so einem Tag. Zu weiteren Höhepunkten des Tages zählte, dass ich den Bird of Prey fliegen durfte. Nun, eigentlich wollte der Flugoffizier dieses Schiffes – ich scheine Ärger mit anderen Flugoffizieren anzuziehen – mich reinreißen, nachdem er selbst zweimal den Anflug auf cardassianische Schiffe vermasselt hatte. Wahrscheinlich hoffte er, dass der Bastard - ich - sich total blamieren würde. Aber das tat ich nicht. Ich flog und wir zerstörten eines der Schiffe während das andere floh. Dennoch musste ich noch einmal zuschlagen und einige Flüche loswerden, bevor der andere einlenkte und mir Blutwein einschenkte. Später saßen Mulligan, Vaughn, Wagner und ich noch mit den Klingonen zusammen und tauschten Geschichten aus. Korak scheint auch unter den Klingonen angesehen zu sein, denn die Tatsache, dass es sein batlh’etlh war, dass ich nicht aus der Hand legte, schien mein Ansehen bei ihnen zumindest ein bisschen zu heben. Ja, ich habe es von dem Moment an, in dem Korak es mir gab, nicht aus den Händen gelegt und würde es auch nicht tun, bis ich ihn wiedersah. Ein paar meiner "Kameraden" fanden es zwar merkwürdig, aber es war der einzige Weg, dieser Ehre zu entsprechen. Auch als ich mich schlafen legte, blieb meine Hand um den Griff geschlossen und man hätte meinen können, wir wären zu einer Einheit zusammen gewachsen.
Am nächsten Tag galt meiner erster Gedanke dem Überleben Captain Koraks. Wir hatten Deep Space Nine in der Nacht erreicht und trafen nun auf die Mitglieder, die mit der Exeter geflogen waren. Beim Frühstück gelang es mir, Mastersons Gefühle mal wieder zu verletzen, obwohl er nett zu mir war. Bei Gelegenheit werde ich mich entschuldigen, aber an diesem Tag gingen mir wichtigere Sachen durch den Kopf, als sein Feingefühl. Vor unserer Besprechung ging ich zu Stafford und teilte ihm mit, dass ich keinesfalls mehr in ein von Stark geleitetes Außenteam wollte. Aus oben genannten Gründen, insbesondere Ignoranz und Arroganz. Schwafelei ist zwar nervig, aber nicht immer von Nachteil für einen Sternenflottenoffizier. Stafford schien es nachvollziehen zu können. Wagner war soviel besser gewesen als Kommandant. Er war ein Krieger. Der Zeitpunkt war gekommen, uns von van Hauten anschnauzen zu lassen, was für eine miese Leistung wir abgelegt hatten. Und obwohl meine geschniegelten, weichen Sternenflottenkameraden natürlich empört über diese Rüge waren und am liebsten auf den Captain der Tacticals losgegangen wären, so war ich doch seiner Meinung. Wir hatten lediglich ein Missionsziel erreicht, keinen Sieg errungen. Und nur dank unglaublichen Glück, waren wir überhaupt noch am Leben. Auch wenn Stark einiges verschuldet hatte, so traf die Gesamtschuld doch uns alle. Wir hätten alle besser sein müssen. Das schloss mich nicht aus. Ich bin mir sicher, Dianas Tod hätte verhindert werden können. Hätte ich sie retten können, wenn ich mich wirklich nur auf die Rückendeckung konzentriert hätte und nicht auch noch auf die beiden ungedeckten Flanken?
Die anschließende Besprechung unter den Mitgliedern der Exeter war auch nicht gerade ruhmreich. Stafford verlangte einen Bericht, Stark erzählte. Einige griffen Stark an, ich wahrscheinlich am lautesten. Vielleicht zu laut für einen Offizier? Aber solange mir Stark keinen Grund gab, ihn zu respektieren, würde ich das auch nicht tun, Rang hin oder her. Und in Anbetracht dessen, was noch rauskam... werde ich das wahrscheinlich nie tun. Laut Jaris erschoss jemand die Vorta als sie bewusstlos am Boden lag. Sie hörte einen Phaserschuss und davor den Befehl zu schießen. Nur Stark und Mulligan waren da und Mulligan trug sie vom Ort des Geschehens weg. Angeblich will sie nicht gehört haben, wessen Stimme es war, die befahl, zu schießen. Aber da sie in Stark verschossen ist... wer glaubt da, dass sie seine Stimme nicht von Mulligans unterscheiden könne? Noch dazu ist sie eine verdammt schlechte Lügnerin, wie ich bereits zwei Tage zuvor feststellte, als ich sie auf ihr verschollenes Familienmitglied ansprach und sie dementierte. Außerdem trüben ihre Gefühle für Stark ihre Sicht seiner Fähigkeiten. Auch dass Julie Stafford genau da unterbrach und ihn unter vier Augen sprechen wollte, sagt mir, dass jemand lügt. Egal, ob ich Beweise habe oder nicht, ich weiß, dass Stark die Vorta erschossen hat. Hätte er dies getan, während sie ihm in die Augen sah, in einem fairen Zweikampf, so wäre sein Ansehen gestiegen. Doch jemanden zu erschießen, der am Boden liegt, wehrlos, egal, wer es ist, zeugt davon, keine Ehre zu besitzen. Wie soll ich jemals wieder einen Befehl von John Stark befolgen? Auch das Team, dass den Runabout stahl, erzählte, dass der Klon der Vorta diese Geschichte bestätigte, wenn auch ohne den Protagonisten zu nennen. Nach diesen ermüdenden Besprechungen bekam ich endlich Nachricht, dass Koraks Schiff angekommen war. Endlich! Ich wurde an Bord seines Schiffes gebeamt und nach kurzer Wartezeit konnte ich ihm sein batlh’etlh zurückgeben. Zuvor hatte ich überlegt, ob ich ihn fragen sollte, mich am Schwert der Ehre weiter zu unterrichten, solange wir alle auf Deep Space Nine waren, doch er kam mir zuvor. Als ich erwähnte, dass ich noch lange nicht gut genug sei, bot er an, mich zu unterreichten. Wahrscheinlich bin ich zum ersten Mal in meinem Leben rot geworden, so überrascht und erfreut war ich. So erfreut, dass mich nicht einmal die Verlustlisten, die mich bei meiner Rückkehr erwarteten, aus der Fassung brachten. Andere Crewmitglieder hatten Familienmitglieder verloren. Ich nicht. Und wenngleich ich hier und da wirklich bestürzt war und Trost anbot, konnte ich nicht leugnen, denn ich war glücklich. Während ich hier sitze und egoistisch wie ich bin, Julie, die gerade die Nachricht vom Tod ihres Bruders bekommen hat, antreibe, die Genanalyse des Haares nun vollständig zu machen – denn der erste Test hatte zwar eine Verwandtschaftswahrscheinlichkeit besagt, konnte aber ohne entsprechende Ausrüstung nicht genau sein – denke ich nach. In all der Trauer bin ich vermutlich die Einzige, die mal wieder positiv denkt.... und glücklich ist. Vielleicht ist Korak nicht mein Bruder, aber ich glaube, er wird mein Mentor sein. Was werde ich ihm sagen, wenn er wirklich mein Bruder ist? Ich weiß es nicht. Aber egal was passiert, ich habe in den letzten Tagen mehr gewonnen als verloren.