Storyline

Starfleet Operations Con 3

Persönliches Computerlogbuch Adrian Kaleb

06.08.2375, 02:20 Uhr

Wie schon einige Male zuvor bestätigte sich mal wieder, dass auf eine Ruhezeit viel Stress folgt; und seit unserem plötzlichen und ungewissen Aufbruch vor zwei Wochen war es ausgesprochen ruhig gewesen. Dementsprechend wird das jetzt, wieder einer dieser längeren Einträge. Computer, Raktajino, heiss. Hmm, eigentlich sollte man wohl um diese Zeit keinen trinken, aber was soll’s. Ich bin jedenfalls auf den Geschmack gekommen. Um nach all den Ereignissen noch den Durchblick zu behalten, versuche ich wohl besser mit dem Anfang zu beginnen und nicht unbedingt mit dem was mir im Moment am meisten auf dem Herzen liegt. Am Freitagabend spitzte sich die Spannung an Bord sichtlich zu. Allen war die Aufregung anzumerken. Während der Beta-Schicht rief mich McCullum auf die Brücke. Diese war nur minimal besetzt und der Hauptschirm zeigte einen ruhigen Warpflug an. Er bat mich an seiner linken Seite Platz zu nehmen und über die Hintergründe des Zwischenstopps auf Trill zu reden. Er wunderte sich schon, dass wir ohne viele der Hauptcrew los geflogen waren, aber genügend Zeit für den kleinen Umweg hatten. Es war mir schon ein wenig peinlich, da dieser Umweg ja nicht nur gemacht worden war, um ein paar Versorgungsgüter an Bord zu nehmen. Also erzählte ich ihm von meinem bevorstehenden Zhian’tara Ritual und was ein Guardian ist und tut. Es schien ihn nicht zu erfreuen, dass es rein gar nichts mit der ganzen Geheimniskrämerei unseres Auftrages zu tun hatte.

An dem Abend war auch ich total nervös. Es war schließlich mein erstes Mal und viele Gedanken schwirrten mir im Kopf herum. Ich hatte mehrfach an mir gezweifelt und fühlte mich auch bei der Sache mit dem Trelka Fieber vor einem Jahr nicht allzu wohl in meiner Haut. Shara ist früh verstorben. Sie lag schon eine Weile im Koma und man wusste nicht genau ob und wie sie sich noch erholen würde, also gab man den Symbionten weiter. Hätte sie dennoch eine Chance gehabt, ein langes und glückliches Leben zu leben? Was würde sie von jemandem denken, der derartig mit diesem großen Geschenk umgeht? Dann habe ich auch einige Dinge festgestellt, an die ich mich zwar erinnern kann, aber mir dennoch ein Rätsel sind. Ich verstehe da einiges einfach nicht. Na ja, bald schon hatte ich Gelegenheit einiges zu erfahren. Ich hatte den Kopf so voller Gedanken, dass ich nach einiger Zeit aus Übermüdung sogar die beiden Schnarchnasen überhören konnte, mit denen ich gerade mein Quartier teile. Ich bin viel früher aufgestanden, als ich hätte müssen. Ich frühstückte in aller Ruhe, aber meine Nervosität dürfte Einigen sicherlich aufgefallen sein. Ich trieb mich dann auf der Krankenstation rum, obwohl eigentlich mein Dienst erst um 13:00 Uhr beginnen sollte und ja sowieso ausgesetzt war. Mittags war es dann soweit. Die Guardian kam herein, um zu sagen, dass es nun soweit wäre. Jaris ging sich dann noch schnell umziehen. Wir entschieden uns das Ritual im Arboretum abzuhalten. Dort angekommen, sahen wir allerdings, dass es besetzt war. Ich hatte gerade Luft geholt, um die anderen zu bitten, den Raum frei zu machen, als Vinz schon aufsprang und meinte, dass sie natürlich aus dem Raum gehen würden. Verdammter Halbbetazoid. Oder er kennt mich einfach nur zu gut. Wir stellten uns einen Tisch in die Mitte des Raumes und die Guardian stellte 3 große und 5 kleine Kerzen auf. Wir stellten uns zu dritt um den Tisch herum und sie fragte uns, ob wir noch irgendwelche Fragen hätten. Sie beruhigte Jaris mit einer sanft gesprochenen Antwort, während ich mich selbst dabei ertappte meine schwitzenden Hände exzessiv zu kneten. Schließlich stellte sie sich zwischen uns, bedachte uns hinzuknien, die Augen zu schließen und uns gedanklich frei zu machen, um direkt danach die Worte zu sprechen. Ich versuchte mich so sehr fallen zu lassen, wie ich nur konnte und auf einmal fühlte ich, wie etwas mich verließ und eine große Leere hinterließ. Mir war ein wenig schwindelig, so dass mich auf den Tisch stützte als ich wieder aufstand. Auf irgendeine kaum beschreibliche Art und Weise fühlte ich mich … hmm … dumm. Ja, irgendwie dumm, denn mir fehlte das große Geschenk, das ich seit knapp 5 Jahren besitze. Ich blickte vorsichtig rüber zu Jaris. Mir kam es vor, als hätte ich ein kurzes Aufblitzen in ihren Augen gesehen. Da grüßte sie mich auf eine völlig andere Art, als wie man es von ihr gewohnt war und in ihrem Gesicht zeichnete sich etwas Neckisches ab. Das Ritual hatte eindeutig funktioniert.

Alles jetzt aufzuzählen würde zu weit führen. Aber Lachen muss ich inzwischen wenn ich an die Sache im Wissenschaftslabor denke. Ich führte Shara herum und stammelte gerade so vor mich hin, als sie begann auf der wissenschaftlichen Hauptkonsole herum zu tippen. Als ich endlich wieder neben ihr stand, und wie fast ständig während des Rituals rumstammelte, dieses Mal um mit ihr weiterzugehen, da tippte ich einfach ihren Arbeitsvorgang weg, was dazu führte, dass ich einen Löschbefehl bestätigte. Kurz darauf bekam ich auch die Rechnung dafür, als ich ein ernstes Gespräch mit Yxen und Silok führen musste. Zu meinem Glück sah der Lieutenant von einer Anzeige gegen mich ab, nachdem sich herausstellte, das ein Experiment, was gestern Abend begonnen wurde, zwar mit Wiederherstellungsalgorithmen rekonstruiert werden könnte, aber dennoch wiederholt werden müsste. Als ich mich später persönlich bei ihm entschuldigte sagte ich Silok, dass er einen großen Gefallen bei mir gut hat. Mal sehen wann es logisch genug wird, dass er wirklich mal damit auf mich zurückkommt.

Abseits vom Rumführen Sharas und durch Funkrufe unterbrochen werden, hatten wir dennoch Gelegenheit miteinander zu sprechen. Wir sprachen nur kurz über die Zeit auf der Garwin, länger allerdings vom Traum von der Sternenreise und der Beziehung zu Jon. Dabei war es seltsam die Erinnerungen Sharas nicht mehr zu haben, sondern nur noch die, die ich von Shara hatte und die Dinge, die mir über sie durch den Kopf gegangen sind. Es war ein wenig, ob mir ein Teil meiner Kindheit genommen worden wäre, aber ich sitze diesem Kind gerade gegenüber, das sich freundlich und offen mit mir auseinandersetzt. Dabei stellte ich fest, dass es gar nicht direkt Shara war, die in mir den Wunsch weckte der Sternenflotte beizutreten. Obwohl ich selbst nie Ambitionen in der Richtung hatte, so war es doch die Vereinigung, es war … Kaleb von dem es ausging. Denn von Shara erbte ich den Wunsch zu den Sternen zu reisen, aber erst mit Adrian veränderte es sich zu einer Mitgliedschaft in der Sternenflotte, um Gutes zu tun und im Universum ein wenig rumzukommen. Was aber immer noch ein Rätsel für mich ist, ist Jon. Er war ein so aufgeschlossener, offener und emphatischer Mann. Ich verstehe immer noch nicht, wie er mit solch einem kalten Gesichtsausdruck mir damals den Rücken zukehren konnte, als ich die Stelle als Pilotin antrat. Im Gespräch mit Shara entschied ich mich, entgegen den herrschenden Regeln für Vereinigte Jon eine Nachricht zu schicken. Shara ist verstorben, jetzt kann er es mir ruhig verraten, was er damals empfunden hat und warum er so handelte. Ich sprach mit Shara aber auch über all die Zweifel, die früher hatte und sich teilweise noch bis heute hielten. Der Positionswechsel und Aufgabe der Offizierslaufbahn auf der Akademie, meine Gedankenlosigkeit gegenüber dem eigenen Überwinden der Vergänglichkeit bei der Trelka-Situation und der seltsam reale Tagtraum auf Bajor. Es war ein wunderbares Gefühl, sich mit ihr darüber auszutauschen und von ihr so positiv belehrt und unterstützt zu werden. Keine Vorwürfe, nur Unterstützung für mein Leben, das ich lebe. Leider war es erforderlich, dass wir uns mit dem Ritual kurz hielten, obwohl es ursprünglich für den ganzen Tag genehmigt worden war. Als die Guardian das Ritual beendete und Sharas Geist zurück in mich führte, nahm ich auch dieses warme, bestätigende Gefühl der anderen Seite in mich auf. Ich fühlte mich einfach gut und sicher und war beinahe überwältigt von diesem Glück, dass ich zunächst keine Worte fand. Ich tauschte mit Lhasa ein paar kurze Blicke aus und dann nahmen wir uns einfach in den Arm. Sie war wohl auch ebenso eingenommen von dieser Erfahrung, wenn auch auf eine andere Art und Weise. Leider hatten wir noch nicht die Gelegenheit uns darüber zu unterhalten, aber das werden wir bestimmt noch bald nachholen. So etwas muss man ja aber auch erstmal verdauen und Revue passieren lassen, um sich allem wirklich bewusst zu werden.

Gestärkt mit wirklich festem Selbstvertrauen nahm ich meinen Dienst wieder auf. Es ist ein wahrlich schönes Gefühl mit sich selbst vollständig im Reinen zu sein, ohne die Fähigkeit zur Selbstkritik zu verlieren. Meinen neuen inneren Frieden hatte ich aber auch nötig bei dem was noch alles passieren sollte. Eine Delegation der Rihannsu sollte auf unser Schiff kommen, wegen irgendeiner diplomatischen Mission. Tatsächlich waren wir aber wohl der Mittelpunkt der Verhandlungen. So stellte sich heraus, dass die Breen uns erpressten und die Rihannsu als unsere Allierten mit von der Partie waren. Die Bedingungen: Die Kolonie Free Haven würde vernichtet gemäß dem Fall, dass sie nicht innerhalb einer viel zu kurzen Zeitspanne übergeben und evakuiert werden würde. Zudem kam noch die Auslieferung von Captain Starkov ins Spiel. Die Verhandlungen zwischen der bajoranischen Kolonie Free Haven, vertreten durch ihre Gouvaneurin, den Rihannsu, den Breen und der Föderation aus völlig irrealen Gründen vertreten durch Admiral Dawson, der auf unser Schiff kam, verliefen wohl sehr schleppend. Es wäre mehr als nur interessant gewesen dies näher zu verfolgen, aber ein Unteroffizier ist bei solchen Anlässen wohl nur sehr ungern gesehen. Wird wohl Zeit, dass ich doch noch eine Offizierslaufbahn anstrebe. Der Sitz des Beraters direkt neben dem Captains Chair ist sehr gemütlich. Aber Scherz beiseite, tatsächlich kümmerte ich mich nebenher um eine Analyse der Situation, doch ich war nicht schnell genug präsentierfähige Daten zu erhalten, da ich es wie gesagt nur nebenher betreiben konnte.

Die Sachlage änderte sich aber immer mal wieder. So kam es wohl dazu, dass sich zwei Warbirds im System enttarnten und das Kräfteverhältnis zu unseren Gunsten beeinflusste, wenn es auf einen Raumkampf hinaus gekommen wäre. Die Breen wiederum konterten mit der Belagerung von 5 schutzlosen Förderationskolonien. Selbst ohne die Free Haven Kolonie schon über 2 Millionen Personen in akuter Lebensgefahr. Der Captain tat in der Situation, auch wenn er natürlich dazu gedrängt worden ist, das einzig Richtige. Er stellte sich seinem Schicksal und lies sich ausliefern. Schande über die Verantwortlichen dieser Situation. Es erinnerte mich ein wenig an die Situation bei Trelka: Ohne Rücksicht auf sein eigenes Leben nur die Chance wahrnehmen viele andere zu retten. Dieses Opfer ist beachtenswert und Captain Starkov hat es so geschafft in meiner Achtung noch mal zu steigen, obwohl ich ihn schon vorher sehr respektierte. Bevor er ging hatten wir uns aber schon Gedanken über seine Rettung gemacht. Lhasa dachte an ein subdermales Implantat, um ihn später lokalisieren zu können. Lieutenant Tohkinen hatte noch eine weitere gute Idee: Miniaturkristalle, die in Resonanz versetzt „antworten“ würden. Das ganze als Staub getarnt, den man bei jedem Bergwerksbesuch auf der Haut hätte, wäre relativ unauffällig. Vielleicht würde die Entdeckung einer Methode die Breen sogar einlullen und nicht weiter suchen lassen, so unsere Hoffnung. So lief ich dann zwischen der Wissenschaftsabteilung und der Krankenstation hin und her, was sich lohnte. Denn dieser pfiffige Castle hat es mit ein wenig Hilfe doch tatsächlich geschafft diese Kristallstruktur wie wir sie brauchten in Rekordzeit zu replizieren, was sich zunächst als echte Herausforderung entpuppte.

Ich habe wieder einmal festgestellt, dass wir auf der Exeter wirklich effektiv sind, wenn wir abteilungsübergreifend zusammenarbeiten. Mit Leuten wie Tohkinen, T’Aloviks, Castle und natürlich meinen Kolleginnen von der Medizinischen fällt es aber auch leicht Hand in Hand zu agieren, wo wir uns doch fast jedes Mal mit Vorschlägen überschlagen. So macht arbeiten Freude.

Jemand, über den ich mir Sorgen mache ist Julie. Ihr ist gestern schon übel mitgespielt worden und gepaart mit den Schreckensnachrichten hier an Bord hat sie das alles doch sehr mitgenommen. Sie hatte wohl des öfteren Zweifel, ob die Crew sie schon wirklich integriert hat und sie als Ärztin und Person respektiert. So geschah es gestern, dass Masterson vor dem Eintreffen der Delegation Bedenken geäußert hatte, dass auf Grund eines Vorfalles in Julies Vergangenheit, sie evtl. nicht der Situation entsprechend den Romulanern begegnen würde. Daraufhin bekamen die involvierten Offiziere wohl Panik und es wurden sogar zwischendurch zwei Sicherheitsleute für sie abgestellt. Vanessa selbst sagte sogar vor der Krankenstation zu mir, dass Julie auf keinen Fall der Delegation über den Weg laufen dürfe. Dass sie dabei überhaupt nicht angesprochen wurde und einfach nur auf einen Tipp hin über ihren Kopf hinweg für sie nachteilige Entscheidungen getroffen worden sind, die nichts als Misstrauen demonstrierten, hatte sie sehr getroffen. Vor allem von Masterson war sie ziemlich enttäuscht deswegen. Als die Botschafterin und ihre Commander und Subcommander uns einen Besuch auf der Krankenstation erstatteten war sie von Caylan vorher unter einem Vorwand mit Nachdruck fortgelockt worden. So wie ich die Counselor einschätze ist sie keine Person für hinterhältige Aktionen. Sie hat bestimmt einen entsprechenden Befehl von irgendeinem Vorgesetzten bekommen. Ach ja, der Besuch der Rihannsu. Lhasa ist zwar eine korrekte und, spätestens wenn man sie ein wenig näher kennt eine sehr freundliche Person, aber eine Führung für Romulaner veranstalten ist nicht ihre Stärke. Also sprang ich in die Bresche und lenkte das stockende Gespräch in Richtung unserer Ausrüstung. So hatten wir wenigstens ein Thema, worüber wir stolz etwas erzählen konnten, um die Delegation zufrieden zu stellen. Bei den Rihannsu war es für Vanessa bestimmt nicht leicht auf sie aufzupassen. Während wir für den Captain die eben schon angesprochenen Vorbereitungen trafen kamen drei von ihnen auf die Krankenstation gestürmt, stellten Fragen nach irdischen Beeren und wollten wissen wo Lt. Williams sei. Julie nahm sich ihnen zum Glück an, während ich Vanessa auf das Problem hinwies, nachdem ich sie auf der Brücke gefunden hatte. Nun aber zurück zu Julie. Nach eben dieser Aktion sah sie noch schlechter aus und wirkte nervöser als vorher noch. Ihre Biowerte wirkten auch ziemlich bedenklich. Da erzählte sie mir, dass sie Meditationsübungen mit Lieutenant Silok durchführen würde und ich ihn doch benachrichtigen möge, wenn es schlimmer würde. Da stand ich nun und hatte die Wahl sie entweder vom Dienst zu befreien, damit sie sich in ihrem Quartier erholen könnte und sie einfach nur zu unterstützen. Da sie von der großen Enttäuschung so mitgenommen war musste ich nicht lange überlegen, um ihr beizustehen. Wenn man glaubt, es gibt niemanden, der einem vertraut, braucht man keinen Kollegen, der einen für dienstunfähig hält, sondern einen Freund und Kameraden. Leider sollte es schon bald nötig werden, Silok auf die Krankenstation zu bitten, was ich so diskret wie möglich arrangierte, wobei er gerade Brückendienst hatte. Ich hoffe sehr, dass ihre Übungen mit Silok Fortschritte machen und sie sich schnell wieder erholt. Ich hoffe sie bekommt ein dickeres Fell für solche Sachen. Eine solch dünne Haut wie sie, wie es auch immer dazu gekommen ist, dass sie so angreifbar ist, hätte als Trill bei der Symbiose-Kommission keine Chance und würde innerhalb der ersten Tage nach Hause geschickt. Jedenfalls habe ich sie gern und hoffe das Beste für sie. Vinz hat sich ja auch zusammengerafft, wie ich finde.

Gestern Abend habe ich auf der Geburtstagsfeier von Counselor Caylan Gelegenheit zu ein paar interessanten Gesprächen gehabt. Zunächst war da Masterson, der mal wieder versuchte mich zu verwirren und überhaupt die Stimmung ein kleines bisschen zu heben. Er bekam seine Quittung von mir in zweierlei Hinsicht. Vor einer vollkommen unparteiischen Jury bestehend aus äußerst kompetenten, weiblichen Crewmitgliedern hielten wir im gut abgeschirmten Maschinenraum einen Lautstärkevergleich ab. Tja, ich bin lauter als er. Nur ein wenig, aber dennoch; die Jury war sich einig. Dazu sagte ich etwas im Arboretum zu ihm, womit ich vielleicht sogar einen Schritt zu weit gegangen bin. Ich muss ihn unbedingt bei Gelegenheit darauf ansprechen. Denn ich sagte zu ihm, als er mich verwirren wollte, dass wenn ich ihn jetzt falsch verstehen wollen würde, ihm sagen würde, dass ich schon weitaus attraktivere Männer als ihn im Bett hatte. Abseits davon hatte ich auch ein sehr aufschlussreiches Gespräch mit Lieutenant Tohkinen gehabt. Er ist nicht nur ein netter Mensch und kompetenter Techniker, sondern stammt auch aus einer höchst interessanten Kultur. Im Gespräch stellte ich fest, dass unsere Weltansichten auf den ersten Blick vollkommen unterschiedlich zu sein scheinen, es jedoch durchaus sehr passende Parallelen gibt. Ich möchte mich mit ihm gerne weiter austauschen, wenn sich die Chance ergibt.

Danach habe ich mich mit Vinz und dem Geburtstagskind eine ganze Weile auf der Brücke unterhalten. Auch das war sehr aufschlussreich. Wir ließen uns die letzten beiden Tage mal durch den Kopf gehen und redeten über die verschiedensten Dinge, womit wir einen langen Tag langsam ausklingen ließen. Nachdem der Captain eine mitreißende Rede vor versammelter Mannschaft abgehalten hatte und fort war, bekam Commander O’Reardon das Kommando. Es war der logische Schritt und ich war, im Gegensatz zu vielen anderen froh darüber, dass er es war. Man kann über diesen Mann denken was man will, aber er ist definitiv ein korrekter Offizier, mit seiner ganz eigenen Art von Engagement. Zudem hatte er eine faszinierende Rede gehalten als er das Kommando übernommen hatte, die deutlich zeigte, dass die ganze Situation auch ihn voll erfasst hatte. Als er vergeblich versuchte Haltung zu bewahren zeigte er uns allen deutlich, dass auch er die gleichen Ziele verfolgt wie wir: Captain Starkov zu befreien und für den Frieden im Alpha-Quadranten zu kämpfen. Deswegen bedauere ich es, dass er schon wenige Stunden später auf die Erde abkommandiert wurde und Stafford, der zum Commander befördert wurde, als neuer kommandierender Offizier eingesetzt wurde. Stafford ist vielleicht nur zu sehr im Geiste der ungekrönte Verbindungsoffizier der Exeter, aber mal schauen, ob ich mich an ihn als Captain gewöhnen kann. Er ist jemand der Verantwortung übernehmen kann und stets konstruktive Kritik übt, aber ein Captain muss noch mehr Qualitäten aufweisen. Starkov hat diese Qualitäten.

In dieser Nacht ist es mit meinen Quartierkameraden zuviel geworden. Kaum lag ich im Bett, haben sie es doch tatsächlich geschafft so laut wie nie und dazu noch perfekt asynchron zueinander zu schnarchen, so dass es keinen Augenblick der Stille gab. Nach absoluter Müdigkeit war ich 30 Minuten später hellwach, nahm mein Bettzeug und ging auf die Krankenstation. Mit traurigem Blick, meinem Kissen unter dem Arm und meiner Decke über der Schulter hatten die Gammas soviel Mitleid mit mir, dass ich mich auf ein Biobett legen konnte. Deren leise Gespräche waren weitaus weniger ablenkend und störend für meinen Schlaf und so verbrachte ich dort doch noch eine erholsame Nacht. Es soll niemand was gegen die Biobetten sagen. Die sind eigentlich ziemlich gemütlich. Ich habe sie ja nun auch mal ausgiebiger getestet. Vaughn nahm es zum Glück mit der nötigen Prise Humor auf, als er mich schlafend auf der Krankenstation erblickte, nachdem er mich und mein Bettzeug nach dem Aufstehen vermisst hatte. Aber weder er noch O’Kenner möchten sich chirurgisch behandeln lassen und wir müssen im Moment nun mal zusammen auskommen. Also fliehe ich lieber, bevor wir nicht nur ein Problem haben, sondern sogar einen Streit.

Am Morgen noch vor meinem Dienstantritt kam dann eine ganz besonders schreckliche Meldung. Die Breen sind doch noch in den Krieg auf Seiten des Dominion beigetreten. Sie überfielen Free Haven, die fünf Förderationskolonien und überwanden sogar die Erdverteidigung wobei sie einige der größten Städte verwüsteten. Die Kommunikationsnetze sind natürlich total überlastet, daher vermeide ich es auch noch eine Nachricht zur Erde ins System zu stellen und warte auf Nachricht. Wenn die Verlustlisten erstellt wurden oder sich meine Eltern melden werde ich erst Gewissheit haben. Die Anderen waren sehr mitgenommen davon. Sie dachten wohl, dass Starkovs Opfer umsonst gewesen wäre. Einen solchen Zweifel hatte ich nicht einen Moment. Kurze Zeit später wurde ich auf die Brücke gerufen, da es O’Kenner nicht gut ging. Dort angekommen bat er mich um ein Beruhigungsmittel, um weiter konzentriert arbeiten zu können. Nach kurzer Überlegung und Betrachten der Tricorderwerte gab ich ihm auch ein entsprechendes Mittel, gab aber noch zusätzlich an, dass es notwendig wäre, dass er auf die Krankenstation käme. Das Mittel hätte sicherlich ausgereicht, aber ich empfand es als wichtig, dass er kurz aus dem Zwielicht der Brücke und der harten Arbeit rauskommt, um kurz etwas "frische Luft" zu schnappen und für einen Moment durch zu atmen. Ich wollte ihn auch nicht beamen. So stützte ich ihn auf dem Weg zum Turbolift und redete mit ihm ruhig und sachlich. Auf der Station legte er sich dann auf ein Bett und erklärte Lhasa meine Diagnose und Behandlung. Sie unterstützte mich dabei voll und ganz. Diese Frau ist als Kollegin und Vorgesetzte einfach spitze. Als wir bei der angesteuerten Sternbasis auf einen Dominionverband trafen entließen wir ihn.

Tja, nun ist es Abend. Es herrscht eine ganz seltsame Stimmung an Bord. Die einen offenbaren Galgenhumor, die Messe ist besucht wie selten, und die anderen kehren in sich ein und versuchen alles für sich zu verarbeiten. Und ich? Dank der Wärme des Rituals in mir stehe ich irgendwie über all dem. Ich beobachte die anderen und ihre Reaktionen, hoffe das Beste und erinnere mich an bessere Zeiten, auf das es sie so wieder geben möge.

Computer, Eintrag speichern und Nebengeräusche entfernen.

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