Wir befinden uns auf dem Weg nach Deep Space Nine. Die Föderation befindet sich nicht nur im Krieg mit dem Dominion, sondern auch mit den Breen. Dahlia befindet sich vielleicht an der Schwelle zum Tod. Und meine Welt sich im Aufruhr. Tja Lina, wer hätte noch vor einem Jahr gedacht, dass es so kommen würde? Das Krieg war habe ich erst gemerkt, als Du gestorben bist. An dem tag, an dem meine Welt zerbrach und nur noch Dein Traum vom befehlen eines Sternenschiffes blieb. Ich hatte diesen Traum nie, Du warst mein Traum und ich hätte alles getan, um diesem Traum nahe zu bleiben. Doch die Zeit und das Universum hatten andere Pläne. Pläne, die mich in einer Weise veränderten, die ich nie für möglich gehalten hätte.
Vielleicht sollte ich dort beginnen, wo die Exeter in die Ereignisse, die niemand von uns vorausahnen konnte, verwickelt wurde. Es begann mit einem plötzlichen Aufbruch, ohne Erklärung. Wir hatten nicht einmal Zeit, auf den teil der Besatzung zu warten, der sich nicht an Bord befand. Zu einer geheimen Mission, über die wir nicht informiert wurden. Umso komischer, dass wir noch Zeit hatten, einen Zwischenstop auf Trill einzulegen, um drei Sicherheitsoffiziere und einen Trill für irgendein Ritual von Kaleb an Bord zu nehmen. Aber das geht mich natürlich nichts an. Oder ging mich nicht, zu einem Zeitpunkt, an dem ich nur meine Arbeit tat und das Schiff flog, da ich der einzige offizielle Flugoffizier an Bord war. Um ehrlich zu sein, trotz der Freunde, die ich an Bord gewonnen hatte, lebte ich die meiste Zeit immer noch in der Vergangenheit, im Gedanken an Lina. Und das obwohl, die reizende Offizierin ein Quartier mit mir bezogen hatte. Halblanges, rotbraunes Haar, entzückende Rehaugen und das Gesicht und Auftreten einer Prinzessin. Kommandooffizierin. Ist es ein Zufall, dass sie mich manchmal an Lina erinnert, auch wenn sich beide nicht wirklich ähneln? Obwohl Vanessa Williams noch mehr Wert auf Erfüllung ihrer Pflichten legt als Lina es tat. Jaq dagegen ist meine Freundin. Hatte ich je eine Freundin wie sie? Wir prügeln uns, wir lachen miteinander, wir passen aufeinander auf. Irgendwie bedaure ich es, nicht wie sie zur Sicherheit zu gehören. Wie auch immer... Wir befanden uns also auf geheimer Mission, und nach unserem Stop auf Trill wurden alle noch unruhiger. Denn die Sicherheitsoffizierin schien nur aus einem Grund an Bord zu sein: bisschen Überprüfung unseres Captains. Wie auch immer, als alle anderen sich am Abend entspannen wollten, wurde ich traurig und wütend und gereizt. Der Grund dafür fiel mir ein, als die Nacht den neuen Tag berührte. Lina war vor genau einem Jahr gefallen, am 6. August.
Gut, dass Jaq mich kannte. Wir machten gerade mal wieder ein 1:1 Mensch:Halbklingonin Besäufnis, und da sie merkte, dass ich schlecht drauf war, erzählte ich es ihr. Es war nicht der Alkohol, sondern das Vertrauen zu ihr, dass es mich erzählen ließ. Außerdem war Lina irgendwie ein Teil von mir und ich konnte nicht ewig verbergen, was ein wichtiger Teil meiner Vergangenheit war. Sie reagierte wie alle, die es erfuhren. Verblüfft, einen Moment sprachlos und beteuerte dann, dass sie nie was mit einer Frau haben würde. Das entlockte mir das erste Lächeln dieses Abends und ich hätte sie gerne umarmt, wenn das in ihr nicht mit Sicherheit eine falsche Vermutung ausgelöst hätte. Sie war für mich eine Freundin, ein Kumpel mit dem man Pferde...was auch immer, stehlen konnte. Und das sagte ich ihr auch. Ich fühlte mich besser, wenn auch nicht viel. Als Dawson zum Dienst gerufen wurde, setzte ich mich allein in eine Ecke. Ich war nicht lange allein, da gesellte sich der bajoranische Sicherheitsoffizier Yxen zu mir. Auch er gehörte zu den Leuten, die ich mochte. Irgendwie kam ich mit der Sicherheit am besten aus. Neben den Leuten von der Flugkontrolle natürlich. Das brachte mich wieder einmal zu dem Gedanken, dass ich vielleicht der falschen Abteilung angehörte. Yxen und ich führten ein sehr interessantes Gespräch über Glauben und Toleranz, von dem ich hoffe, dass wir es bei Gelegenheit fortsetzen können. Im Verlaufe dieses Gespräches offenbarte ich auch ihm mein Geheimnis. Person Nr. 2 die es wusste. Im Verlaufe des Abends stießen Mulligan und Stark zu uns, die besorgt wegen des neuen Sicherheitschefs waren und den Captain gegen sie unterstützen wollten. Das war das erste Mal wo mir Stark, den ich sonst nur als arroganten „Ich-weiß-was“-Offizier kannte, beinahe sympathisch wurde. Mulligan, der täglich neben mir an der Konsole saß, war mir ohnehin bekannt. Hätten wir gewusst, was uns am nächsten Tag erwarten würde, hätten wir uns mit Sicherheit auf was anderes konzentriert, als paranoide Antiverschwörungspläne zu machen. Als ich spät in der Nacht zu Bett ging, lag Vanessa Williams bereits in ihre Decke gekuschelt auf dem Lager. Sie hatte das friedliche Gesicht eines Engels, was den Schmerz in meinem Herzen irgendwie etwas beruhigte. Dann schlief auch ich ein.
Der nächste Morgen verlief nicht so angenehm. Nun, was mich wunderte ist, dass zu einem kritischen Zeitpunkt voller Personalmangel Commander O’Reardon nichts anderes zu tun hatte, als mich zum Gespräch zu bitten. Ich hasse Gespräche mit höhergestellten Offizieren. Okay, ich war wahrscheinlich nicht ganz unschuldig. An jenem Tag jährte sich der Tod von Lina zum ersten Mal. Und O`Kenner hatte nichts besseres zu tun, als Witze über den Krieg zu reißen. War es ein Wunder dass sich meine schlechte Laune über ihn entlud? War es ein Wunder, dass ich ein bisschen laut wurde?
Dumm war nur, dass gerade O’Reardon in den Raum kam und ich kurze Zeit später in seinem Büro saß und zur Rede gestellt wurde. Was sollte ich nun tun? Schweigen und gegebenenfalls eine Strafe hinnehmen? Oder darauf vertrauen, dass O’Reardon toleranter war, als die restliche Crew ihn einstufte? Ich wäre nicht ich, wenn ich in einem solchen Fall nicht das Risiko wählen würde und der Ehrlichkeit den Vorzug geben würde. Der immer so gefasste Commander sah einen Moment so aus, als würde ihm dass Gebiss aus dem Mund fallen, als ich ihm erzählte, dass an diesem Tag der Todestag meiner Frau sei. Aber er fasste sich erstaunlich schnell wieder. Und der Vorfall mit O`Kenner wurde mir vergeben. Person Nr 3 die über mich Bescheid wusste. Eine Person kann verschwiegen sein. Zwei Personen haben vielleicht nicht die Gelegenheit zu reden, aber mit dreien wird sich meine Geschichte höchstwahrscheinlich bald an Bord herumgesprochen haben. Ich durfte also gespannt sein. Dann begann eine entlose angespannte Langeweile.
Wir trafen nahe des Breen Territoriums mit den Romulanern zusammen, die zu Verhandlungen an Bord kamen. Aber mich interessierte nichts. Nicht was wir hier taten, nichts was die Leute um mich herum bewegte. In Gedanken war ich bei der Frau, die vor einem Jahr gestorben war. Und dass ich nicht wirklich etwas zu tun hatte, machte es mir umso leichter, mich auf meinen Schmerz zu konzentrieren. Von Stunde zu Stunde wurde ich angespannter, fühlte in mir nur noch den Wunsch zu schreien. Bis ich es nicht mehr aushielt und von der Brücke rannte und mich in einen stillen Winkel des Schiffes verkroch. Es suchte nicht einmal jemand nach mir, keiner der sich wunderte. Nur eine weitere verrückte Aktion der übergeschnappten Halbklingonin, oder? Ihnen war es allen egal. Was tat ich überhaupt hier? Ich hatte nie an Bord eines Raumschiffes gewollt, geschweige denn eines fliegen wollen. Ich hatte nur bei Lina sein wollen und sie war tot. Tot. TOT! Und nichts würde sie je zurückbringen, auch nicht wenn ich selbst eines Tages ein Kommando haben sollte, nichts würde diese unerträgliche Leere in meinem Inneren füllen können. Nichts. Gar NICHTS! Ich wünschte, ich hätte diesen blöden Ausbilder erschlagen, als er sich über uns lustig machte. Ich wünschte ich hätte O’Kenner gegen die Wand geschmettert und ihm das Rückgrat zertrümmert. Diesen elenden Stark, der so gefühllos war und sich selbst so wichtig nahm einfach bei der letzten dummen Bemerkung erdrosselt. Wahrscheinlich saß der gerade an meiner Konsole und kam sich unheimlich wichtig vor. Großmaul.
Ich gehörte nicht hierher. Ich fühlte mich nicht zu dem berufen und ich war leer. Selbst die paar Freunde die ich hatte, kannten mich nach fast einem Jahr an Bord nicht, wussten nicht was mich bewegte! Und Jaq? Sie gehörte ebenso wenig hierher wie ich, sie stieß genauso oft mit Offizieren zusammen, nur dass sie keiner war und sich daher weniger erlauben durfte als ich. Verdammt. Ich kauerte mich zusammen, schlang die Arme um meine Knie und versuchte verzweifelt gegen meine Tränen anzukämpfen. Ich hatte die Erde geliebt. Mit all ihren Geschöpfen. Warum hatte ich mein Zoologiestudium nicht zu Ende gebracht? Ich hatte sogar meinen Papagei, der lange vor Lina zu meinem Leben gehört hatte meiner Schwester Dahlia gegeben, um Lina zu Starfleet folgen zu können. Armer Nunjo. Wie es ihm wohl nun ging? Aber es war zu spät. Ich hatte nur falsche Entscheidungen getroffen. Oh Lina, warum hast Du mich verlassen? Verfluchter Krieg. Wir könnten jetzt zusammen sein.... ja, vielleicht wäre alles anders gekommen, wenn ich gar nicht erst zu Starfleet gegangen, sondern wirklich Ornithologin geworden wäre. Dann hätte sie vielleicht Urlaub gehabt, um mich besuchen zu können, während ich die Vögel des Vulkans studierte. Vielleicht wäre alles anders gekommen. Vielleicht...
Ich weiß nicht, wie lange ich dort so kauerte, allein, verlassen und voller Selbstmitleid. Minuten? Stunden? Tage? Irgendwann aber meldete sich das bisschen Pflichtgefühl, dass Lina wohl in mir gesät hatte und trieb mich zurück zur Brücke. Natürlich. Dieser Idiot Stark saß an meiner Konsole. Während ich ihn böse anguckte und wieder meinen Platz an der Flugkontrolle einnahm, überlegte ich mir hundert verschiedene Möglichkeiten, ihn zu foltern. Ich hatte einiges verpasst, als ich so in Selbstmitleid gebettet fort war. Die Breen hatten fünf mit der Föderation verbundene Kolonien in der Randzone umzingelt und verlangten die Herausgabe des Captains und würden anderenfalls die fünf Kolonien zerstören. Unseres Captains? Was wollten sie mit Captain Starkov? Ein Gespräch mit Mulligan eröffnete mir, dass der Captain einmal auf dem Heimatplaneten der Breen gefangengesetzt worden war und bei seiner Flucht einen hochrangigen Breen getötet hatte. Nun wollten die Breen ihn haben und ihrem Gericht überantworten. Die verschiedenen Abteilungen des Schiffes überwarfen sich gegenseitig mit Ideen, wie man den Captain von Bord schmuggeln, ihn vor den Transportern der Breen schützen, die Breen überlisten könnte und andere, noch verzweifeltere Pläne. Allerdings gab es niemanden, der danach fragte, was denn der Captain selbst wollte, der sich zum Nachdenken zurückgezogen hatte und den Ablauf des natürlich von den Breen gestellten Ultimatums abwarten wollte. Ich verstand nicht, warum sich so viele den Kopf darüber zerbrachen. Es war die Entscheidung des Captains und ich würde mich nicht darin einmischen. Vor allem da das Wohl von fünf Kolonien ebenfalls auf der Waagschale lag. Obwohl ich natürlich nicht daran glaubte, dass die Breen diese verschonen würden, wenn wir ihnen den Captain übergaben. Andererseits bestand da immerhin eine Chance, und die hatten wir nicht, wenn wir und die paar verbündeten Schiffe versuchten, die Breen im Kampf zu besiegen. Das sollte eigentlich selbst der Heißsporn McCullum wissen, der auf der Brücke zum Kampf für den Captain aufrief und gerade eben noch von Stark zum Schweigen gebracht wurde. Und obwohl ich wie schon erwähnt nicht viele Sympathien für Stark hatte, musste ich ihm doch Recht geben. Schließlich war auch keiner verwundert, als der Captain die Brücke betrat und seine Entscheidung verkündete, sich den Breen auszuliefern. Was in diesem Moment mit mir geschah, war in Anbetracht der vorherigen Leere und Verzweiflung mehr als erstaunlich. Als Captain Starkov seine Abschiedsrede hielt und seinen Stolz über die Crew verkündete und über den Sinn von Starfleet, da öffnete sich ein Teil meines Herzens, der seit einem Jahr verschlossen gewesen war.
Die Rede des Captains ließ in mir Euphorie erwachen, Begeisterung für die Sache, die ich tat. Ich hatte das Gefühl, zum ersten Mal zu verstehen, wozu Starfleet da war und zum ersten mal hatte ich das Gefühl, an Bord dieses Schiffes zu gehören und nicht in einen Naturpark. Als die Gestalt des Captains vom Transporter der Breen erfasst wurde und er sich flackernd in Nichts auflöste, hatte ich nicht nur das Gefühl, etwas verloren, sondern vor allem etwas gewonnen zu haben, was ich vor einem Jahr verloren hatte. Einen Grund zu leben und zu kämpfen. Der Rest der Crew sah es vor allem als sinnlos an und einige mussten sich Tränen aus den Augen wischen. Wahrscheinlich lag es auch an der Umstrukturierung der Befehlsebene, denn kaum einer wollte O’Reardon als Captain haben. Doch wenigstens hatte sich das Opfer gelohnt. Die Breen zogen ihre Schiffe ab. Der Rest des Tages verlief relativ ereignislos. Bis auf ein kleines Gefecht, aus dem wir einen cardassianischen Frachterkapitän befreiten und ich meine Manövrierfähigkeiten unter Beweis stellen konnte. Einige an Bord setzten in diesen Händler – oder was immer er ist - nicht nur Misstrauen sondern auch die Hoffnung, dass er uns vielleicht helfen könnte, den Captain ausfindig zu machen. Auch setzt wohl unsere Doktorin Lhasa Jaris in ihn die Hoffnung, etwas über den Verbleib eines Familienmitglieds zu wissen.. Das war eigentlich nicht für meine Ohren bestimmt, aber O’Kenner an der Nachbarkonsole flüstert doch lauter, als normale Leute, die ein Geheimnis bewahren wollen. Ich hoffe sie findet den oder die Verschollene.
Wer könnte es besser verstehen als ich, die ich ein Leben lang auf der Suche nach meinem Vater war, wie es ist, nach jemanden zu suchen, ohne zu wissen, ob er noch lebt? Vielleicht werde ich sie bei Gelegenheit mal darauf ansprechen. Am Abend tranken wir auf den Captain und Jaq versuchte mich diesmal im Verhältnis 2:1 im Trinken zu besiegen, was unser neuer Erster, Stafford mit einem Lachen abtat, sie solle es lieber mit 3:1 versuchen. Auch wenn die Stimmung halbwegs fröhlich war, konnte man die unterschwellige Spannung merken. Allen war klar, dass irgendwas nicht stimmte. Hatte wirklich jemand daran geglaubt, dass die Breen nach Erhalt des Captains einfach abzogen? Oder war das nur eine verzweifelte Hoffnung gewesen, die sich nun wie ein Märchen erfüllt hatte? Dennoch dachte wohl keiner von uns daran, wie sich das ungute Gefühl letztendlich bewahrheiten würde. Nach dem Jaq und ich letztlich genug getrunken hatten und ich tatsächlich etwas von der Wirkung des Alkohols spürte, aber einiges hinzuschauspielerte, stützten wir uns gegenseitig, um zu Bett zu gelangen. Mit dem Besuch von ihrem Vater und seiner offenkundigen Aggressivität gegen sie war ihre Laune zu Beginn des Abends relativ geknickt gewesen, was ich nur allzu gut verstehen konnte.
Wie war wohl mein Vater? Der unbekannte Klingone, aus dem meine Mutter immer noch ein Geheimnis machte. Würde ich je erfahren wer er war und welchem Haus er angehörte? In der Nacht lag ich noch lange wach. Nicht nur die Gedanken über meinen Vater gingen mir durch den Kopf, sondern auch Lina. Nun, nachdem ich in einem einzigen Tag mehr Vertrauen in Starfleet bekommen hatte, als in meiner gesamten Ausbildung, begann ich mich zu fragen, ob es nicht an der Zeit wäre, loszulassen. Nicht zu vergessen, aber Linas Geist gehen zu lassen. Ich hatte ein Jahr lang getrauert, ein Jahr voller Ziellosigkeit hinter mir. Nun war ein Neues in mein Leben getreten. Vielleicht war es wirklich an der Zeit. Mit diesem Gedanken schlief ich ein.
Der nächste Morgen begann mit einem ausgedehnten Frühstück und vielen Plänen zur Befreiung Starkovs. Ich hatte noch keinen Brückendienst, also unterhielt ich mich mit einigen anderen. Bis der rote Alarm ausgelöst wurde. Kopflos rannten wir zur Brücke. Was war geschehen? Ich löste Vanessa an der Konsole ab und befand mich plötzlich im Gefecht. Erstaunlich wie ruhig ich die befohlenen Manöver ausführen konnte, trotz der Unruhe in meinem Herzen. An der Station, wo wir mit den klingonischen Schiffe, mit denen wir zum nächsten Missionsziel – DS9 - fliegen sollten, zusammentrafen, waren auch einige Dominionschiffe. Der unerwartete Kampf verlief besser, als ich zu Anfang erwartet hatte. Unsere Seite verlor nur ein Schiff. Ich war der Meinung, dass dies allein die schlechte Nachricht des Tages sein würde. Aber ich hatte mich geirrt, denn kurz danach traf die Nachricht ein, die mich endgültig einem Ziel unterwarf. Die Breen hatten der Föderation den Krieg erklärt. Und nicht nur das. Zum Beweis dieser Erklärung hatten sie nicht nur die fünf von ihnen am gestrigen Tag bedrohten Kolonien zerstört, sondern auch die Erde angegriffen. Mehrere Städte waren angegriffen worden. Und als die Bilder dieses Infernos über den Bildschirm flackerten und jeder glaubte, in einen Albtraum geraten zu sein, rutschte eine Erkenntnis in meinen Hinterkopf.
Unter den zerstörten Städten war San Francisco. Natürlich hatte ich gehört, wie die Städte verlesen wurden, aber ich hatte nicht zugehört. Angst schnürte mein Herz zu. San Francisco war die Stadt in der meine kleine Schwester Dahlia und mein Papagei Nunjo lebten. Meine Mutter und meine Schwester Margaret waren sehr oft dort zu Besuch. Auch Linas Familie lebte dort, wenn auch ihr Vater, Admiral Akira Yume, mitten im Krieg sicherlich woanders war und ihre Mutter Sachiko, oft woanders war. Aber meine Dahlia hatte dort ihren Arbeitsplatz, arbeitete als Chefköchin in einem Nobelhotel. Und meine Familie war oft dort. Tränen liefen mir die Wange hinab und ich wollte schreien, aber konnte nicht. Durch einen Nebelschleier nahm ich die Reaktionen der anderen war. Die Wut, die Trauer, die pure Verzweiflung. Die Angst um geliebte Angehörige und Freunde. Wie in Trance verließ ich meinen Platz und nahm kaum war, dass Williams sich wieder hinsetzte. Ich schrie und weinte und schlug gegen Schiffswände obwohl ich wusste, dass die gute Exeter nichts dafür konnte. Ich nahm nicht wahr, dass O’Reardon abberufen und Stafford zum Commander der Exeter wurde. Ich nahm nicht wahr, dass sich die gesamte Befehlsstruktur der Exeter zum zweiten Mal innerhalb von 24 Stunden änderte. Auch die Ironie der Situation wurde mir nicht bewusst. Ich spürte nur die unbändige Wut meines klingonischen Erbes und die Verzweiflung meiner Menschlichkeit. Julie lief mir über den Weg, die mich in die Arme nahm und tröstete und mir sagte, ich solle ihre Hand nehmen. Ich nahm sie, sie drückte und ich erwiderte den Druck. Ich brach ihr die Hand, aber sie lächelte und tröstete mich weiter. Ihre Ruhe übertrug sich zumindest teilweise auf mich. Immerhin war sie Halbbetazoidin. Sie war jemand, dem man in Momenten der Not vertrauen konnte und ich war ihr dankbar. Sehr dankbar. Ich beruhigte mich ein wenig, doch nicht genug.
Jaq und ich gingen aufs Holodeck und prügelten uns bis zur Erschöpfung. Ich muss ihr neidlos zugestehen, dass ihre Technik herausragend ist und ich wohl ohne meinen Kraftvorteil keine Chance hätte. Anschließend gingen wir zu Julie auf die Krankenstation, deren Hand inzwischen geheilt war und die sich nun den nächsten von mir zugefügten Verletzungen widmen durfte. Mit einer derart verständnisvollen Krankenstation hatten Jaq und ich wirklich Glück. Später, als ich wieder an meiner Konsole saß, als ich Staffords Stimme hörte, der seinen Platz nun einnahm und O’Reardon, der sich verabschiedete, da nahm ein Teil von mir endgültig Abschied. Abschied von meiner wunderschönen Prinzessin, die zu den ersten Opfern gehörte, die dieser Krieg bereits gefordert hatte. Dies wird der letzte Tagebucheintrag sein, der ihr gewidmet ist, denn obwohl ich sie nie vergessen und wohl immer lieben werde, ist es an der Zeit, etwas neues zu beginnen und eine neue Verantwortung zu tragen. Ich will kein Kommando. Niemals. Ich will ein Schiff fliegen und vielleicht einmal leitender Offizier der Flugkontrolle werden. Starfleet und seine Idee werden ein Teil von mir sein und ich werde für die Hoffnung dahinter kämpfen. Ich werde diese Welt, dieses Universum zusammen mit allen anderen, die auch an Starfleet und die Föderation glauben, wieder sicher machen, einen Ort, an dem Familien sicher sind und in Frieden leben können. Vielleicht werde ich eines Tages erfahren, wer mein Vater ist... oder war. Aber das wichtigste ist jetzt erst einmal bereit zu sein, unseren Captain zu retten und die Hoffnung zu behalten, dass meine Familie immer noch lebt. Noch drei tage bis Deep Space Nine...