Storyline

Starfleet Operations Con 3

Persönliches Computerlogbuch Ens. Julie Conway

Computer, Aufzeichnung beginnen. Wo soll ich nur anfangen? Ich bin immer noch völlig durcheinander und wenn ich an die Geschehnisse der letzen Tage zurück denke, dann dreht sich mir der Magen erneut um. Am besten könnte man die vergangen Tage wohl mit ”Tage der Enttäuschung” beschreiben. Ich bin enttäuscht worden und habe wohl auch viele enttäuscht, was für mich viel schwerwiegender ist, als alles andere. Die Leute, die mir ihr Vertrauen geschenkt haben, habe ich... Computer Pause.

Computer fortfahren. Ich sollte mich bemühen das ganze ein wenig in der Reihenfolge für mich aufzuarbeiten. Vielleicht hilft mir das über das Gewesene hinwegzukommen und meinen Blick wieder nach vorne und nicht länger zurück zu richten. Was gewesen ist, ist gewesen, auch wenn es noch so schmerzhaft gewesen ist.

Im Grunde fing wohl alles mit unserer übereilten Abreise von Vulkan an. Wir hatte noch nicht einmal die Zeit, unsere von Bord gegangenen Crewmitglieder wieder an Bord zu nehmen. Der Befehl war wohl sehr eindeutig gewesen und so hieß es nur sofortiger Aufbruch ohne jegliche weitere Verzögerungen. Natürlich hinterließ das bei der an Bord gebliebenen Crew ein gewisses Gefühl des Unbehagens und der Verwirrung. Zumindest war dies bei einigen recht deutlich zu spüren. Doch was änderte es an der Tatsache als solches? Gar nichts. Befehl war nun mal Befehl und somit führten wir ihn aus.

Mit Warp neun waren wir dann über eine Woche unterwegs gewesen, ohne dass wir auch nur annähernd in Erfahrung hätten bringen können, wohin es überhaupt ging. Die Unsicherheit bei der Crew wuchs von Tag und zu Tag und ich muss gestehen, ich konnte mich dieses Gefühlsansturms nur bedingt erwehren. Gerade einige Personen der Crew haben eine sehr starke Persönlichkeit und somit waren ihre Emotionen auch entsprechen stark ausgeprägt. Ich muß unbedingt wieder mehr Zeit auf das mentale Training verwenden. In der letzen Zeit ist es mir aber auch einfach so gut wie unmöglich gewesen, die Lehren meiner Großmutter zu beherzigen und somit muß ich mir wohl für das Geschehen größtenteils selber die Schuld geben.

Nach einem kurzen Zwischenstopp auf Trill, wo wir eine Guardian an Bord genommen haben, sind wir dann weitergeflogen in das Free Haven-System. Wenn ich Adrian richtig verstanden habe, dann soll sie ihm dabei behilflich sein, Kontakt zu seinem früheren Wirt aufzunehmen. Irgendwie schon eine faszinierende Angelegenheit. Lt. jg. Jaris hatte sich bereit erklärt, ihm dabei als ”Hülle” für seinen früheren Wirt zur Verfügung zu stehen.

Freitag, den 05.August 2375

Wie dem auch sei, am Freitagabend teilte mir Lt. jg. Jaris mit, daß Lt. jg. Silok wohl auf der Krankenstation gewesen sei und nach mir gefragt habe. Er wollte mich sprechen. Ich habe mir nichts weiter dabei gedacht. Es wunderte mich nur ein wenig, ohne dass ich jedoch geahnt hätte, was er direkt von mir wollte. So entschloß ich mich, ihn aufzusuchen und nach dem Grund zu fragen. Ich traf ihn dann vor der Krankenstation, wo er wohl auf mich gewartet hatte. Er blickte mich ernst an und ich merkte deutlich, das ich mich irgendwie unwohl ihm gegenüber fühlte, ohne dass ich jedoch hätte sagen können warum. Er teilte mir mit, dass er in der letzen Zeit verstärkt bemerkt habe, dass ich recht nervös wirken würde und daher des öfteren Plexing betrieben habe. Gemäß seinen Informationen wäre dies eine Methode, um sowohl allgemeinen Streß als auch speziell mentale Anspannung abzubauen. Vulkanier haben schon eine ziemlich direkte Art, einem Dinge mitzuteilen, jedoch ist es immer noch anders, als bei Betazoiden. Sicherlich hatte er Recht mit dem, was er sagte, dennoch traf es mich ziemlich direkt. Es war mir eben einfach ziemlich unangenehm, dass es ihm so deutlich aufgefallen war, dass ich angespannt war. Lt. jg. Silok fragte mich dann, ob seine Beobachtungen in der Hinsicht richtig seien. Mit gesenktem Kopf mußte ich ihm dann offenlegen, dass es so sei und es mir auch ziemlich peinlich wäre, dass dies so deutlich zum Vorschein gekommen sei. Lt. jg. Silok bot mir dann seinerseits an, er könne mir vielleicht mit einigen vulkanischen Meditationstechniken weiterhelfen, sofern ich Interesse daran hätte. Dies bejahte ich, da ich doch inständig hoffe, damit meine mentale Abschirmung verbessern zu können, was ja nach dem, was geschehen ist, wohl mehr als erforderlich ist. Er fragte dann, ob ich die Zeit hätte, gleich eine erste Unterrichtseinheit in Angriff zu nehmen um zu erforschen, wie weit ich bereits in dieser Hinsicht ausgebildet wäre. Diesem Vorschlag stimmte ich gerne zu, auch wenn dabei ein gewisses Gefühl des Unwohlseins entstand wie ich zugeben muss. Ich bin es eben einfach nicht gewohnt, mich Personen anzuvertrauen, die ich erst so kurz kenne. Nachdem, was jedoch gewesen ist, werde ich mich wohl besser niemandem mehr anvertrauen. Computer Pause.

Computer fortfahren. Zunächst suchten Lt. jg. Silok und ich einen ruhigen Raum, in dem wir mit der Meditation beginnen wollten. Da das Arboretum besetzt war, entschied Lt. jg. Silok sich für das wissenschaftliche Labor. Zu dieser Zeit sei dort wohl niemand anzutreffen und somit wäre es der beste Ort. Nachdem wir einige grundsätzliche Dinge über Meditation und Sitzhaltung durchgesprochen hatten, begann eine erste Einführung durch Lt. jg. Silok. Er forderte mich auf, mich so entspannt wie möglich hinzusetzen und meine Augen zu schließen. Für einen kurzen Augenblick merkte ich deutlich, wie sich mein Herzschlag erhöhte, doch dann schob ich die aufkommenden Gefühle von "ausgeliefert sein" beiseite, da sie absolut unangebracht und auch unangemessen waren. Es ist schon mehr als traurig, wie einen die Geschehnisse der Vergangenheit prägen. Mit ruhiger und einfühlsamer Stimme begann Lt. jg. Silok dann mir von dem ”Ort der Ruhe” zu erzählen. Dies sei ein Ort, an den ich mich immer dann zurückziehen könnte, wenn es mir beliebte. Ein Ort, der mir ganz alleine ”gehören” würde und wo mich niemand stören könne, außer ich würde dies so wünschen. Einen Ort eben, den ich immer wieder aufsuchen konne, um meine innere Ruhe zu finden. Diesen Ort sollte ich mir vor meinem geistigen Auge vorstellen. Ich brauchte nicht lange zu überlegen, wo mein ”Ort der Ruhe” war. Es war ein großer See mit Wasserfall auf Betazed, der nicht weit entfernt von dem Haus meiner Großmutter in einem schönen Wald lag. Früher bin ich oft dorthin gegangen, um alleine zu sein und meinen Gedanken und Gefühlen nachzuhängen. Oftmals hatte ich dort Stunden zugebracht und einfach nur den Wasserfall zugesehen, wie er sich in den See ergoß. Dort hatte ich mich immer frei und ungezwungen gefühlt. Wie sehr ich diesen Ort wirklich vermisse, habe ich wohl erst durch die wieder wach gerufenen Erinnerung daran festgestellt. Wer weiß, ob ich ihn überhaupt jemals wiedersehen werde. Computer Pause.

Computer fortfahren. Lt. jg. Silok fuhr mit seinen Ausführungen fort. Ich muss gestehen, dass ich mich während dieser ”Vormeditation” so möchte ich es einfach einmal nennen, schon sehr entspannen konnte. Ich weiß nicht genau wie Lt. jg. Silok es geschafft hat, aber auf jeden Fall vernahm ich die Gefühle der anderen Crewmitglieder nur noch teilweise und dann auch nur als ein leichtes Echo in der Ferne. Es tat mir schon sehr gut, diese Emotionen zumindest für eine kurze Zeit abstreifen zu können und mich zu entspannen. Nachdem wir uns noch über einige Dinge unterhalten hatten, beendeten wir diese erste Übung und ich kehrte zurück auf die Krankenstation. Ich bat Lt. jg. Silok jedoch vorher noch darum, er möge diese Übungen sehr diskret behandeln, das es mir doch recht unangenehm wäre, wenn die Mannschaft davon Wind bekäme. Abgesehen davon, dass es eine rein persönliche Angelegenheit ist. Er gab mir sein Versprechen, es als vertraulich zu behandeln. Über alles, worüber wir gesprochen hatten und noch sprechen würden, würde er Stillschweigen bewahren.

Neben ein paar anderen neuen Crewmitglieder war auch zwischenzeitlich unsere neue Sicherheitschefin an Bord bekommen. Es ist schon ziemlich verwunderlich, auf unsere eigenen Crewmitglieder konnten wir bei unserem überhasteten Aufbruch von Vulkan nicht warten, aber die Zeit für ein Rendez-Vous-Treffen, um sie an Bord nehmen zu können, hatten wir. Dieser Umstand war es dann wohl auch zu verdanken, dass die ganze Crew noch verunsicherter wurde, als sie es ohnehin schon war. Als sie dann auch noch völlig neue Sicherheitscodes auf Befehl von Starfleet einführte, war die Verwirrung komplett.

Lt. jg. Jaris war über diesen Umstand überhaupt nicht begeistert. Sie nahm es sich heraus, die neue Sicherheitschefin zu einer Routineuntersuchung am nächsten Tag zu beordern. Man merkte ihr deutlich ihre Verärgerung über diese ungeklärten Umstände an. Ich entschloß mich, ihr dabei zu helfen, auch wenn mein Dienst erst offiziell zwei Stunden später anfing.

Samstag, den 06. August 2375

Als ich wach wurde, war Lt. jg. Jaris schon aufgestanden. Jaqueline hingegen hatte wohl am Abend zuvor mit Lilian Winterson mehr getrunken, als ihr gut bekommen war. Sie schlief noch. Ich bemühte mich, so leise wie möglich aufzustehen, um sie nicht zu wecken. Als ich jedoch den Computer anwies, das Lichtniveau ein wenig zu erhöhen, fauchte mich etwas aus Richtung Dawsons Bett an. Es klang so ähnlich wie ”Conway, brennst du oder was?” Etwas mehr als verschlafen wühlte sich Jaqueline aus ihrer Decke und blinzelte mich müde an. Nachdem Lt. jg. Jaris das Quartier verlassen hatte, unterhielt ich mich mit Jaqueline noch über ein paar Dinge. Ich weiß gar nicht mehr genau, wie wir auf das Thema eigentlich gekommen sind, irgendwann waren wir jedoch bei Geschehnissen in unserer Vergangenheit angelangt. Ich glaube, es ging im Vorfeld irgendwie um Ihren Vater oder so ähnlich. Da ich jedoch auf die Krankenstation wollte, beendete ich meinen kurzen Ausflug in meine Vergangenheit mit dem Satz, ich würde ihr darüber beizeiten vielleicht mal mehr erzählen. Kurz bevor ich das Quartier verließ, entgegnete sie nur kurz, dass sie das ja schon mal von mir gehört hätte. Ich ging hinaus und blieb einen Moment vor der Tür stehen. Sie hatte Recht. Als wir das Bodentraining auf dem Holodeck gehabt hatten, hatte ich schon mal in der Hinsicht etwas Ähnliches zu ihr gesagt. Ich drehte mich also um und betrat erneut das Quartier. Ich hatte mich entschieden, mich ihr anzuvertrauen und ihr meine Erlebnisse mit den Romulanern während meiner Zeit bei den Tacticals zu erzählen. Sie hörte sich alles in Ruhe an, bemerkte jedoch wohl auch, dass mir das ganze noch ziemlich zu schaffen machte. Ich teilte ihr ebenfalls mit, das mich die Gefühle der Crewmitglieder hinsichtlich unseres übereilten Aufbruchs und der neue Sicherheitschefin beunruhigten, ich aber in der Hinsicht schon Lt. jg. Silok um Hilfe gebeten hatte um meine mentale Abschirmung zu verstärken. Ich bat sie inständig, mein Geheimnis bitte für sich zu behalten. Sie versprach mir, darüber nichts zu verraten und ich konnte spüren, dass ich mir in der Hinsicht keine Sorgen zu machen hatte. Nach dieser kleinen Beichte meinerseits begab ich mich auf die Krankenstation, da es nur noch wenige Minuten bis zur Routineuntersuchung von Lt. Cmdr. Colt waren.

Pünktlich wie nicht anders zu erwarten erschien Lt. Cmdr. Colt auf der Krankenstation und ließ die Prozedur der Untersuchung über sich ergehen. Die Untersuchung ergab nichts Besonderes, außer vielleicht einem leicht erhöhten Wert der Streßhormone, was jedoch unter den gegebenen Umständen nicht sonderlich verwunderlich war. Sie war sowohl körperlich als auch geistig in Topform, das musste man ihr lassen. Da wird leider nichts weiter gefunden hatten, was uns berechtigt hätte, sie länger auf der Krankenstation zu behalten, wurde sie von Lt. jg. Jaris entlassen.

Nur ein paar Augenblicke später tauchte zur allgemeinen Verwunderung Lt. jg. Mulligan freiwillig auf der Krankenstation auf und bat um seine wohl schon bereits mehrfach verschobenen Routineuntersuchung. Auch diese Untersuchung verlief ohne nennenswerte Besonderheiten und wir konnten den Lt. jg. entlassen.

Scheinbar sollten die ungewöhnlichen Vorkommnisse, wenn man sie einmal so nennen will, an diesem Tag nicht enden. Auf einmal stand Ian in der Tür und bat um ein Beruhigungsmittel. Ich hätte ja mit vielem an diesem Tag gerechnet, aber nicht, dass er seinen Weg freiwillig zur Krankenstation finden würde. Es musste ihm wohl wirklich sehr schlecht gegangen sein, da ich es nicht unbedingt von ihm gewohnt war und bin, dass er sich unaufgefordert in die Nähe eines Arztes begibt, ohne dass ein absolut zwingender Grund dafür vorliegt. Ich fragte ihn nach dem Auslöser und er murmelte irgendetwas von Geschehnissen auf der Brücke, die ihn beschäftigt hatten. Ich frage nicht weiter nach. Bei Ian habe ich schon früh festgestellt, dass er nur dann wirklich redet, wenn er selber möchte und es wenig Sinn macht, ihn zum Reden zu animieren, wenn er nicht dazu bereit ist, sich mitzuteilen. Sicherlich macht das den Umgang mit ihm nicht immer wirklich einfacher, aber ich habe es akzeptieren müssen, dass es besser ist, diesem Wunsch zu entsprechen. In Zukunft werden sich jedoch wohl unsere Gespräche – sofern sie überhaupt noch stattfinden - nur noch auf dienstliche Belange reduzieren, da ich nicht wirklich weiß, ob ich ihn nochmals vertrauen können werde, so wie ich es bisher tat. Computer Pause.

Computer fortfahren. Als die Guardian auf die Krankenstation kam, war mir klar, das nun die Zeit für das Zhian´tara Ritual gekommen sein mußte. Für Adrian freute mich dieser Umstand sehr, da er schon im Vorfeld mit soviel Freude von dem bevorstehenden Ablauf erzählt hatte. Beinahe wie ein Kind vor dem Auspacken der Weihnachtsgeschenke. Lt. jg. Jaris hatte sich entschieden, das Ritual in Privatkleidung durchzuführen, da sie der Meinung war, daß dies in Uniform wohl nicht angemessen sei und es so unter Umständen zu Verwechslungen kommen könnte. Ich machte mir wenig Gedanken darüber, dass ich der Lage nicht gewachsen sein würde für die Abwesenheit von ihr und Adrian auf der Krankenstation zurecht zu kommen. Es war mir durchaus bewußt, das es Lt. jg. Jaris jederzeit möglich sein würde, den Geist von Shara im Notfall zur Seite zu schieben und wieder sie selber zu sein. Ich konnte mir jedoch keinen wirklichen Notfall vorstellen, wo dies von Nöten sein würde, außer sicherlich, wir würden in Kampfhandlungen verwickelt. Lt. jg. Jaris und Adrian verließen gemeinsam mit der Guardian die Krankenstation, um alle notwendigen Vorbereitungen für das Ritual treffen zu können.

Als Adrian dann zusammen mit Lt. jg. Jaris, oder sollte ich besser sagen in diesem Moment schon Shara, wieder auf die Krankenstation zurück kam, war ich schon ein wenig verblüfft über das offene Verhalten von Shara. Sie war so ganz anders als Lt. jg. Jaris und das, obwohl es von außen gesehen ja dieselbe Person zu sein schien. Adrian stellte mich vor, während Shara das für sich selber übernahm. Mit den Worten ”Ich bin Shara” reichte sie mir die Hand. Es war schon ein merkwürdiger Umstand. Adrian führte Shara noch ein wenig auf der Krankenstation herum und erklärte ein paar Dinge. Man sah es ihm an, daß er sehr glücklich war, sie wieder getroffen zu haben, wenn man das so ausdrücken kann.

In diesem Augenblick kam ein medizinischer Notruf vom Holodeck herein. Ich nahm das Medikit und ging auf das Holodeck, um dort nach dem Rechten zu sehen. Dort traf ich neben Cmdr. O´Reardon, Lt. Cmdr. Colt, Ens, Yxen, Jaqueline und Michael Vaughn. Während des Kampftrainings war wohl ein Unfall passiert, und Ens. Yxen hatte Jaqueline dabei unglücklicherweise den Arm gebrochen. Ich glaube für das, was in diesem Moment passiert ist, werde ich mich noch lange Zeit hassen. In der Hinsicht habe ich wohl schon mehrfach meine betazoidische Seite verflucht. Etwas zu denken ist etwas ganz anderes, als es zu sagen. Nun ja – ich dachte an das, was Lt. jg. Jaris und Jaqueline im Quartier angedeutet hatten. Jaqueline wollte sich mit Absicht den Arm brechen lassen. Aus welchen Gründen auch immer – denn diese sind in der Hinsicht wirklich absolut irrelevant – dachte ich nicht nur, das es sich um das abgesprochene handelte, sondern sprach es auch aus, was natürlich sofort Lt. Cmdr. Colt auf den Plan rief und sie hakte nach. Hätte Michael Vaughn nicht versucht, die ganze Sache zu entschärfen, hätte ich wohl mehr als diese Frage von der Sicherheitschefin um die Ohren bekommen. Die Gefühle, die ich in der Hinsicht von allen Beteiligten – insbesondere natürlich Jaqueline – wahrnahm, waren wie Schläge für mich. Sie hatten Recht, und ob sie es mir nun glaubten oder nicht, ich hätte mich am liebsten selber dafür zur Rechenschaft gezogen, doch leider war es passiert und ich musste versuchen, die Situation so gut es mir eben noch möglich war, zu retten.

Ich entschied, dass Jaqueline auf die Krankenstation musste, um den Armbruch dort zu behandeln. Nach der Behandlung teilte ich Lt. Cmdr. Colt mit, daß sie für wenigstens zwei Stunden nicht einsatzfähig wäre. Ich konnte mir nur zu lebhaft vorstellen, dass mein Verhalten auf dem Holodeck noch ein Nachspiel haben würde. Als wir endlich alleine waren, bemühte ich mich, Jaqueline die Situation zu erklären. Ich weiß jedoch nicht, ob sie mir das so schnell verzeihen wird. Ich könnte es verstehen, wenn sie es nicht täte.

Lt. Cmdr. Colt kam mit Cmdr. O´Reardon erneut auf die Krankenstation und sprach mich – wie sollte es auch anders sein – natürlich auf den Vorfall auf dem Holodeck an. Ich bemühte mich, so gut es mir eben möglich war, zu beteuern, dass ich wirklich nur von dem abgesprochenen Training gesprochen hatte. Natürlich wollte mir Lt. Cmdr. Colt dies nicht glauben. Ich bin nun mal nicht sonderlich gut im Lügen, was wohl auch ein wenig an meiner betazoidischen Abstammung liegt.

Zum Glück – so merkwürdig das jetzt auch klingen mag – kam mir Cmdr. O´Reardon zur Hilfe. Er sprach mich darauf an, dass es doch wohl Zeit für das alljährliche Personalgespräch sei, und ob ich dafür jetzt Zeit hätte. Vielleicht wollte er mich aber auch nur von der Krankenstation lotsen, damit Lt. Cmdr. Colt mit Jaqueline alleine sprechen konnte, ich weiß es nicht. Auf jeden Fall habe ich jetzt mein Personalgespräch mit dem Cmdr. hinter mir und so schlimm, wie ich es mir anfangs vorgestellt hatte, wurde es gar nicht. Die Befürchtung, auch er würde mich zu dem Vorfall auf dem Holodeck erneut befragen, bestätigte sich zum Glück nicht. Er fragte lediglich allgemeine Dinge, wie und ob ich mich mit meinen Kollegen gut verstehen würde, ob ich mit meiner Vorgesetzen zurecht käme und ähnliche Dinge, die man eben bei einem Personalgespräch so fragt.

Auf dem Rückweg zur Krankenstation begegnete ich Lt. jg. Silok. Ich entschied mich, ihn zu fragen, ob es grundsätzlich möglich sein, mit seiner Hilfe – sofern es notwendig werden würde – meine innere Ruhe wieder herzustellen, sofern ich dazu selber nicht mehr in der Lage sein würde. Er bejahte dies. Es gäbe dort durchaus entsprechende vulkanische Techniken, die er dann einsetzen könnte. Er wüßte jedoch nicht, ob diese so einfach auf Betazoiden zu übertragen wären. Er versicherte mir jedoch, dass er hierzu grundsätzlich bereit wäre und ich ihn im Notfall kontaktieren solle. Dies gab mir zumindest ein wenig Auftrieb und eine gewisse Form der Sicherheit, da ich für den Fall der Fälle – der hoffentlich nie eintreten würde - vorbereitet war. Leider sollte ich mich bei dem Gedanken dahingehend, dass ich seine Hilfe so schnell wohl sicherlich nicht benötigen würde, gründlich geirrt haben. Manchmal überschätzt man wohl doch die eigene Belastbarkeit um einiges.

Über das COMM-System wurden alle Abteilungsleiter auf die Brücke beordert. Da Lt. jg. Jaris und Adrian noch mit dem Ritual beschäftigt waren, war es für mich völlig selbstverständlich, diesem Aufruf als stellvertretende Ärztin Folge zu leisten. Als ich auf die Brücke kam, war Cmdr. O'Reardon davon wohl nicht sonderlich begeistert. Zumindest fuhr er mich relativ unfreundlich an und fragte, wo sich Lt. jg. Jaris befände. Ein wenig verwirrte mich diese Frage seinerseits schon, da er doch genau über das Ritual informiert worden war und es ebenfalls genehmigt hatte. Ich versuchte es ihm zu erklären, erhielt jedoch nur barsch die Antwort, dass dies nur für eine Stunde genehmigt worden sei. Ich antwortete ihm darauf lediglich, dass mir dies nicht bekannt sei und ich ihm somit darüber auch keine Informationen geben könnte, was ja auch der Tatsache entsprach. Adrian hatte mir gesagt, dass für das Ritual keine zeitliche Begrenzung angesetzt worden sei und es gab für mich auch keinen Grund, dies auch nur für einen Moment anzuzweifeln. Vielleicht war es dem ersten Offizier einfach nur entfallen. Dennoch fand ich sein Auftreten mir gegenüber ziemlich unpassend. Doch dies trat relativ schnell in den Hintergrund, nachdem ich gehört hatte, was er uns mitzuteilen hatte. Neben ein paar anderen Dinge, die ich jetzt hier weglassen werde, teilte er uns auch mit, dass eine Delegation Romulaner an Bord kommen sollte. Kaum hatte er das Wort ausgesprochen, als es beinahe wie in einer Endlosschleife in meinem Kopf widerhallte. Romulaner. Ausgerechnet Romulaner. Den kritischen Blick, den Ian mir in diesem Augenblick zuwarf, nahm ich nur teilweise war, sonst hätte ich mich wohl etwas mehr zusammen gerissen. Im selben Augenblick spürte ich, wie meine rechte Hand fast schon automatisch in Richtung Hals wanderte und dort erneut mit Plexing anfing. Es half jedoch nur bedingt. Ich hoffe, dass ich irgendwann über diese schwarze Stelle in meiner Vergangenheit hinwegkommen werde, ohne solche Reaktionen dabei zu haben.

Anscheinend hielt es Ian auf Grund meiner Reaktion wohl für notwendig, sich neben mich zu stellen und ein prüfendes Auge auf mich zu haben. Nachdem der Cmdr. geendet hatte, vergaß er wohl uns wegtreten zu lassen. Somit blieben wir also stehen und warteten ab. Ein paar Augenblicke später meldete sich Ian zu Wort und stellte fest, dass Counseling und Medizin sich abmelden würden. Ich war zwar ein wenig verblüfft darüber, dass er für mich sprach, doch was sollte ich machen? Gemeinsam mit ihm verließ ich die Brücke und frage ihn auf dem Weg, was ihm denn eingefallen wäre, so zu handeln. Er meinte, er müsse wohl mal mit mir reden. Wir nahmen Platz und ich blickte ihn fragend an. Er lächelte mich an und meinte, wenn er erlernt hätte, mit Klingonen zu leben, dann würde ich es doch wohl auch schaffen, mit Romulanern klar zu kommen. Ich versicherte ihm, dass ich kein Problem mit Romulanern hätte. Dies schien er mir nicht ganz glauben zu wollen. Er schaute mir tief in die Augen und sprach mich seit langer Zeit mal wieder mit meinem Vornamen an, was mir das Gefühl gab, diesmal mit einem Freund und nicht wie zuvor noch mit einem Counselor gesprochen zu haben. Er deutete an, dass mein Plexing ja wohl doch auf etwas anderes hinweisen würde. Ich beteuerte ihm erneut, dass ich kein Problem mit Romulanern hätte, doch diesmal betonte ich dies bewusst mehr als zuvor. Er nickte nur kurz, fügte jedoch noch hinzu, dass ich jederzeit mit ihm, Lt. Caylan oder sicher auch mit meiner Vorgesetzen reden könnte, falls es doch anders wäre, als ich es ihm gerade mitgeteilt hätte. Ich nahm mir zu diesem Zeitpunkt vor, ihn aufzusuchen, falls ich aus welchen Gründen auch immer, wirklich nicht mit der Anwesenheit der Romulaner zurecht kommen würde. Ich begab mich zurück zur Krankenstation, um meine Kollegen über das Gesagte zu informieren.

Es dauerte wiederum nicht lange und Lt. jg. Williams betrat die Krankenstation und wollte mich sprechen. Irgendwie hatte ich als ich ihr in die Augen sah ein dumpfes Gefühl in der Magengegend. Sie wirkte verunsichert auf mich, und ich konnte mir zu dem Zeitpunkt noch nicht wirklich erklären, was sie so Dringendes von mir wollte. Sicherlich hatte ich auf der Brücke mitbekommen, dass sie für die Delegation der Romulaner zuständig sein würde, aber was hatte das als solches mit mir zu tun? Sie wusste nichts von meiner Vergangenheit und ich war mir sicher, dass weder Lt. jg. Silok noch Jaqueline etwas über mein kleines Geheimnis gesagt haben würden, abgesehen davon, das ich Ian in der Hinsicht ebenfalls absolut und uneingeschränkt vertraute. Wenn ich nur geahnt hätte, wie sehr ich mich in der Hinsicht getäuscht haben sollte. Warum hat er es nur nicht einmal für nötig gehalten, mich direkt zu fragen, wie es mir wirklich geht? Hat er denn überhaupt kein Vertrauen mehr zu mir? Ist es denn so schwer, nach nicht einmal einem Jahr, in dem wir uns nicht gesehen haben, mit mir so offen zu sprechen, wie wir es während der Akademiezeit getan haben? Muss er sofort, trotz meiner Zusicherung, dass ich mit der Anwesenheit der Romulaner zurecht käme, zu Lt. jg. Williams und zu seiner Vorgesetzten gehen und ihnen von meinen Problemen erzählen? Ich verstehe es nicht, nein, es will mir einfach nicht in den Kopf. Computer Pause.

Computer fortfahren. Lt. jg. Williams wies mich an, die Krankenstation während der Anwesenheit der Romulaner nicht zu verlassen, da ihr zu Ohren gekommen sei, bzw. man ihr im Vertrauen gesagt hätte, dass ich wohl etwas ”ungehalten” auf deren Anwesenheit reagieren könnte. Man hätte ihr Gesagtes wohl auch als einen in eine Bitte verpackten Befehl deuten können. Zumindest erschien es mir so. Genauso gut hätte sie aber auch gleich sagen können, Mr. Masterson ist zur mir gekommen und deshalb weiß ich, dass sie ein Problem mit Romulanern haben.

Komisch nur, dass jeder andere zu wissen schien, dass ich ein Problem mit Romulanern habe, nur ich selber nicht. Was erwartete man denn, was ich tun würde, sobald ich einem Romulaner auf dem Flur begegnen würde? Das ich ihn beschimpfe, ihn angreife oder was weiß ich nicht noch? Hatte ich nicht bereits entsprechende Absicherungsmaßnahmen über Lt. jg. Silok ergriffen? Kam es denn wirklich niemandem in den Sinn, dass ich mich soweit zusammenreißen konnte, um die Crew und unsere Mission nicht zu gefährden? Wohl nicht...und scheinbar schon gar nicht Ian, und ich dachte immer, er hätte mehr Vertrauen zu mir und würde zu mir stehen, so wie ich zu ihm als es um die Geschichte mit dem verrückten Holodeck ging. Ich habe keinen Augenblick gezögert, ihn vor Cmdr. O´Reardon zu verteidigen und was macht er? Nun... sei es wie es ist. Es lässt sich nicht mehr ändern. Im Grunde weiß ich wohl auch, dass er es nur gut gemeint hat und mir helfen wollte. Er hatte sich große Sorgen um mich gemacht und wollte mich schützen. Dennoch schmerzt mich der Umstand, dass er mein Geheimnis ausgeplaudert hat einfach sehr. Ich empfinde es als Vertrauensbruch sowohl meines Counselors als auch – was für mich viel schwerwiegender ist – meines Freundes.

Die einzigen, die zu mir zu stehen schienen in diesem ganzen Schlamassel und mir nach wie vor vertrauten – neben Silok und Jaqueline natürlich - waren Adrian und – auch wenn mich der Umstand als solches verwirrte - Lt. jg. Jaris. Irgendwie doch ein beruhigendes Gefühl, wenn ich ehrlich sein soll. Sicherlich mag ich meine Schwierigkeiten mit meiner Vorgesetzen haben, aber für dieses Gefühl des Vertrauens bin ich ihr noch jetzt sehr dankbar. Es war wie eine vertraute Hand, die sich auf meine Schulter legte und mir versicherte, nicht alleine in der Situation zu stehen.

Ich entschied mich, Ian zu suchen und ihn auf das Geschehene anszusprechen, doch leider fand ich ihn nicht. Da ich nicht zulange von der Krankenstation fort bleiben wollte, um nicht noch mehr Unruhe zu verursachen, kehrte ich umgehend zurück. Was mich jedoch dort erwartete, war schon fast nicht mehr zu glauben. Neben Jaqueline war noch Ens. Yxen dort um "auf mich Acht zu geben". Jaqueline teilte mir gleich vertraulich mit, dass es eine Anweisung von oben sei und sie nichts dagegen hätten tun können. Es tat mir unendlich gut, dass sie mir den Vorfall auf dem Holodeck scheinbar nicht mehr übel nahm und mir dennoch weiterhin vertraute. Wenn man es sich genau überlegte, wäre es wohl einfacher gewesen, mich für die Zeit, in dem die Romulaner an Bord waren, entweder in mein Quartier einzusperren und zwei Sicherheitsposten davor zu stellen oder aber – um ganz sicher zu gehen und das ohnehin schon reduzierte Sicherheitspersonal für wichtigere Aufgaben zur Verfügung zu haben – mich mit Hilfe von entsprechenden Medikamenten bewußtlos zu halten.

Ich ertrug diesen Umstand des Misstrauens der Crew einfach nicht mehr länger und so entschloß ich mich dazu, Lt. Caylan aufzusuchen und hoffentlich mit ihrer Hilfe dem ganzen Spuk ein Ende zu bereiten. Nach einigem Suchen fand ich sie und bat sie um ein persönliches Gespräch, dem sie auch sogleich entsprach. Wir gingen in ihr Quartier und sie bat mich freundlich, Platz zu nehmen. Irgendwie erschien mir ihr Blick schon so wissend, dass ich mir ernsthaft überlegte, ob ich überhaupt das Gespräch beginnen sollte, da ich mir nicht sicher war, ob sie wirklich unvoreingenommen sein würde. Nach einem Augenblick entschied ich mich jedoch, sie zumindest soweit ins Vertrauen zu ziehen, wie ich es für richtig erachtete. Über mein ”Problem” schien sie ja wohl dank Ian ebenfalls schon informiert zu sein. Nachdem ich ihr den Umstand meines Kommens geschilderte hatte, versicherte ich ihr, dass ich durchaus in der Lage wäre, mit der Anwesenheit der Romulaner klar zu kommen. Des Weiteren würde von meiner Seite aus keine Gefahr ausgehen, so wie es momentan wohl jeder denken würde. Ich hätte mich durchaus im Griff und hätte meinerseits selber schon für entsprechende Maßnahmen gesorgt, falls ich doch gefühlsmäßig nicht zurecht käme. Auf jeden Fall würde ich die Mission nicht gefährden. Ich ersuchte sie deshalb, die angesetzten Sicherheitsmaßnahmen wieder aufzuheben, da sie absolut überflüssig und auch übertrieben seien. Lt. Caylan versicherte mir, dass sie mit den verantwortlichen Personen sprechen wollte und ihr Bestes unternehmen würde, um die Situation wieder zu entschärfen. Sie bot mir jedoch ebenfalls nochmals an, dass ich jederzeit zu ihr kommen könnte, falls es notwendig werden sollte. Ebenfalls stellte sie des Weiteren fest, dass es ihrer Meinung nach notwendig sein würde, ein Gespräch gemeinsam mit ihr und Ian durchzuführen, um die Unstimmigkeiten, die durch Ians Verhalten entstanden seien, zu klären. In der Hinsicht bat ich sie um Verständnis, dass dies für mich eine persönliche Sache darstellen würde, die ich mit Ian alleine zu klären hätte, da es nur ihn und mich etwas anginge. Abgesehen davon, dass ich zur Zeit dazu auch noch nicht in der Lage wäre, da ich das Ganze erst einmal verdauen müsse. Sie behaarte jedoch darauf, da durch diese Angelegenheit ja auch eine Fehleinschätzung ihrerseits über meine Person entstanden sei und dies eindeutig der Klärung bedurfte. Vielleicht mag sie da Recht haben, aber ich ziehe es eben immer noch vor, persönliche Dinge auch im persönlichen Rahmen zu klären, sprich mit der betreffenden Person zusammen. Nachdem das Gespräch mit Lt. Caylan beendet war, kehrte ich wieder auf die Krankenstation zurück.

Dort waren tatsächlich schon entsprechende Veränderung vorgenommen worden, daß heißt, das Sicherheitspersonal war abkommandiert worden. Wenn ich ganz ehrlich bin, beruhigte mich das Ganze ein wenig, auch wenn ich dem Frieden noch nicht so recht trauen wollte. Darüber hinaus merkte ich immer stärker, wie die ganzen Umstände mich doch merklich mitgenommen hatten. Meine ohnehin schon geschwächte mentale Abschirmung ließ immer mehr nach und die Gefühle der Crew überfluteten mich und belasteten mich so immer stärker und stärker. Wenn ich nicht bald etwas Ruhe in der Hinsicht bekommen würde, um mich wieder zu sammeln und zu konzentrieren, so würde ich wohl erneut Lt. jg. Siloks Hilfe in Anspruch nehmen müssen. Für den Bruchteil einer Sekunde überlegte ich mir, selber den Vorschlag zu machen, mich einfach mit Hilfe von Medikamenten ruhig zu stellen, aber diesen Gedanken verwarf ich genauso schnell wieder, wie er gekommen war. Ich durfte mich solchen destruktiven Gedanken nicht hingeben.

Ich weiß gar nicht mehr, wer als erstes mit dem Thema “Die romulanische Delegation möchte das Schiff besichtigen” anfing. Auf jeden Fall schwirrte irgendwann diese Aussage durch den Raum und ich machte mich darauf gefasst, mit ihnen zusammen zutreffen. Ich würde schon damit zurechtkommen ermunterte ich mich selber immer wieder. So schlimm würde es schon nicht werden. Schließlich konnte man nicht alle Romulaner über einen Kamm scheren. Bei dieser Aussage schüttelte ich selber ein wenig den Kopf über mich. Es war schon sehr skurril, wie ich selber für mich die Romulaner verteidigte, obwohl sie mir so viel Schmerzliches angetan hatten.

Während ich so meinen Gedanken nachhing und mich auf das Erscheinen der Romulaner auf der Krankenstation vorbereitete, erschien Lt. Caylan in der Tür. Sie schaute sich suchend um und als ihr Blick mich streifte, schien sie wohl gefunden zu haben, wonach sie suchte. Sie setzte ein Lächeln auf und trat auf mich zu. In diesem Augenblick vernahm man über ihren Kommunikator die Stimme von Cmdr. O'Reardon. Sinngemäß wiedergegeben waren seinen Worte in etwa “...ist das Problem Conway geklärt?” Ich spürte einen deutlichen Stich in meinem Magen und wußte nicht, wie ich reagieren sollte. Als Problem wurde ich jetzt schon bezeichnet und dabei war ich bis zu diesem Zeitpunkt der Überzeugung gewesen, das alles geklärt worden sei, doch scheinbar sah der Erste Offizier das definitiv anders. Lt. Caylan blickte mich mit einem etwas gemischtem Blick an. Irgendwie schien ihr die Situation beinahe peinlich zu sein. Nach einem kurzen Moment lächelte sie mich jedoch erneut an und bat mich darum, sie doch zu dem Gespräch mit ihr und Ian zu begleiten, da es sich jetzt zeitlich passen würde. Ich weiß nicht wirklich, ob sie mich für so dumm hielt, dass ich ihr das Gesagte glaubte. Ich versuchte ihr erneut zu erklären, dass ich den Zeitpunkt nicht für richtig hielt und das Gespräch mit Ian gerne alleine unter vier Augen führen würde. Sie bestand jedoch mehr oder weniger auf einem Drei-Augen-Gespräch. Was blieb mir also anders übrig, als ihr zu folgen. Mir war durchaus bewusst, dass ich eigentlich von der Krankenstation gelotst werden sollte, damit unseren romulanischen Gäste von meiner Seite aus bei ihrem Besuch hier keine Gefahr drohte. Wie ich mich in diesem Augenblick gefühlt habe, vermag ich kaum zu beschreiben. Wie ein Unschuldiger über den im Vorfeld schon das Urteil gesprochen worden war, ohne ihn überhaupt selbst dazu angehört zu haben. Wie konnten sie bei ihrem Urteil, das sie über mich fällten, nur so verdammt sicher sein? Computer Pause.

Computer fortfahren. Im Quartier von Lt. Caylan angekommen, setze ich mich auf einen Stuhl, während Ian mir gegenüber Platz nahm. Die Counselor selber blieb stehen. Niemand sagte ein Wort. Schließlich beendete Lt. Caylan das Schweigen und meinte, ich sollte doch Ian sagen, was ich zu sagen hätte, damit es ausgesprochen sein. Ich betonte nochmals, dass ich dies unter vier Augen zu tun gedächte. In diesem Moment blickte Ian auf und sein Blick hätte mich fast durchbohrt. Ich solle sagen, was ich zu sagen hätte, da er nicht soviel Zeit hätte. Wie nett von ihm. Als ob es meine Schuld war, das wir jetzt hier waren und uns quasi gezwungen unterhalten mußten, obwohl jeder der Anwesenden nur zu gut wusste, dass dies nicht der Grund für das Gespräch war. Da es so oder so klar war, dass ich erst dann wieder gehen konnte, wenn ich gesagt hatte, was ich Ian vorwarf, tat ich es eben, auch wenn es mir absolut nicht passte. Ich meinte mit so ruhiger Stimme wie es mir eben möglich war, dass ich es als einen Vertrauensbruch seinerseits ansah, dass er mein Geheimnis verraten hatte. Er hätte mich damit sowohl als Counselor als auch als Freund sehr enttäuscht. Seine Reaktion war relativ nichtssagend. Er zuckte mit den Schultern, so als ob er sagen wollte, nun, ändern kann ich es ja nun auch nicht mehr, womit er sicherlich nicht einmal so falsch lag. Nachdem ich Lt. Caylan um die Erlaubnis zu gehen ersucht hatte, verließ ich ihr Quartier ohne ein weiteres Wort. Wie sehr mir dieses Gespräch im Grunde zugesetzt hatte, bemerkte ich allerdings erst, als ich auf die Krankenstation zurückkehrte.

Dort ankam, entschied ich mich, Adrian zu bitten, meine Psilosyninwerte zu überprüfen. Sie waren doch bedenklich hoch und der Blick, den Adrian mir in diesem Zusammenhang zuwarf schien soviel zu bedeuten, wie, na – das sieht aber recht bedenklich aus, Julie. Natürlich hatte er damit Recht, aber dennoch war ich der Meinung, dass sich das alles wieder einpendeln würde. Zur Sicherheit bat ich ihn jedoch inständig, falls ich anfangen sollte, wirr zu reden oder ich mich anderweitig unnormal verhalten würde, bitte umgehend Lt. jg. Silok zu kontaktieren und ihn auf die Krankenstation zu bitten. Er wisse bereits Bescheid. Adrian versprach mir in seiner typischen ruhigen Art, dass ich mir keine Sorgen machen solle und er sich um alles Entsprechende kümmern würde. Abgesehen davon, dass ja alles gar nicht so schlimm wäre und ich mir mal keine weiteren Gedanken machen solle. Ich weiß nicht, wie er es immer wieder schafft, aber diese Ruhe, die er ausstrahlt, tut mir immer wieder unendlich gut. In dieser Situation natürlich noch mehr als ohnehin schon. Nachdem ich mich ihm in gewisser Hinsicht anvertraut hatte, merkte ich, wie ich mich ein wenig entspannte. Ich war irgendwie erleichtert. Leider hielt dies nur einen Augenblick an, dann spürte ich eine erneut Welle von Gefühlen wie Wut, Verärgerung und Angst, die mich hinfort zuspülen drohte.

Mit Mühe konnte ich mich an ein Biobett lehnen. Ich bat Adrian umgehen, Lt. jg. Silok zu informieren. Adrian kam meiner Aufforderung sofort nach. Als jedoch Lt. jg. Silok nachfragte, ob es sich um einen Notfall handele, verneinte ich dies. Sicherlich ging es mir nicht sonderlich gut – höflich ausgedrückt – aber als Notfall hätte ich mich zu diesem Zeitpunkt dennoch nicht bezeichnet. Vielleicht hätte ich aber genau dies tun sollen. Somit setzte ich mich lediglich auf ein Biobett und versuchte, mich auf das zu konzentrieren, was Lt. jg. Silok mir gestern beigebracht hatte.

Während ich versuchte, meinen “Ort der Ruhe” zu erreichen, betrat Ian die Krankenstation, trat zu mir, umarmte mich und flüsterte mir dabei ins Ohr, das es ihm sehr leid täte, was gewesen sei. Danach verließ er die Krankenstation wieder umgehend. Ich konnte spüren, dass es ihm sehr ernst mit dem Gesagten war und er mit Schuldgefühlen zu kämpfen hatte. Ich kann jetzt noch nicht absehen, wie ich mich ihm gegenüber in Zukunft verhalten werden. Dazu herrscht noch zuviel Durcheinander in mir aufgrund der Geschehnisse.

Lt. jg. Jaris teilte uns nach einer Besprechung der Abteilungsleiter mit, daß die Breen, die sich im Orbit um Free Haven befanden, die Übergabe dieser bajoranischen Kolonie sowie die Auslieferung unseres Captains forderten. Die Breen offerierten eine Woche um Free Haven zu evakuieren. Die Gouverneurin der Kolonie kam an Bord um über die entsprechenden Vorgehensmaßnahmen zu beraten. Sie lehnte jedoch eine Evakuierung der Kolonie kategorisch ab, obwohl die Breen die Vernichtung der Kolonie angekündigt haben, falls ihre Forderungen nicht erfüllt werden sollten.

Lt. jg. Jaris stellte sehr deutlich fest, dass sie alles unternehmen würde, um die Auslieferung des Captains unter allen Umständen zu verhindern. Es müsste alles unternommen werden, um den Captain vor den Breen zu retten. Sie bat um Vorschläge, was wir machen könnten. Da wir jedoch alle befürchteten, dass der Captain sich selber dazu entschließen würde, um die Kolonie zu retten, sich den Breen auszuliefern, entschieden wir uns, ihn so zu “markieren”, dass wir ihn mit den Sensoren wiederfinden konnte. Wir überlegten zunächst, ein Sub-Dermal-Implantat einzusetzen. Später wurde noch ein Vorschlag hinsichtlich einer Verabreichung von Mikrokristallen, die eine eigene Frequenz hatten, in Erwägung gezogen. Diese Kristalle konnten genauso gut bei einem Besuch eines Bergwerks oder Ähnlichem aufgenommen worden sein und würden so nicht unbedingt die Aufmerksamkeit der Breen erregen, so hofften wir zumindest. Endgültig entschieden wir uns für beide Methoden, um absolut sicher zu gehen. Wir baten den Captain auf die Krankenstation und bereiteten ihn entsprechend vor. Unsere Techniker hatten ihn bereits mit einem Gerät versehen, das ein ungewolltes Beamen des Captains an Bord eines Breen-Schiffes verhindern sollte.

Leider kamen während unserer Vorbereitungen zu diesem Unterfangen einige Mitglieder der romulanischen Delegation auf die Krankenstation um sich über verschiedene Nahrungsmittel und deren Zubereitung zu unterhalten. Dies war natürlich der denkbar ungünstigste Zeitpunkt, die man sich vorstellen kann. Sie mußten von der Krankenstation, so schnell wie möglich. Ich entschloss mich, trotz großer Bedenken, da ich immer noch Lt. jg. Williams “Bitte” im Hinterkopf hatte, die Romulaner irgendwie abzulenken und bot mich als Begleiter an. Ich schlug vor, dass es doch sinnvoller wäre, an einem anderen Ort über ihre Fragen zu philosophieren. Sie willigten ein und gemeinsam verließen wir die Krankenstation. In dem Quartier der Romulaner stand ich ihnen dann Rede und Antwort für alle Fragen die sie hatten. Ich merkte wie mein Kopf immer mehr zu kreisen begann, doch bemühte ich mich, Haltung zu bewahren. Ich durfte jetzt keine Schwäche zeigen. Nachdem alle Fragen beantwortet waren, verließ ich das Gästequartier. Mir war so schwindelig, dass ich einige Male auf dem Weg zurück zur Krankenstation auf dem Gang anhalten musste, um meinen Gleichgewichtssinn wiederzufinden. Nur gut, dass mir kaum jemand von der Crew auf dem Gang begegnet ist. Zurück auf der Krankenstation erfolgte dann wie gesagt die Markierung des Captains.

Wie von mehreren befürchtet entschied sich der Captain wirklich, zu den Breen zu gehen. Die Breen hatten angeboten, die Kolonie Free Haven zu verschonen, wenn sie den Captain bekommen würden. So recht schienen dieses jedoch nur wenige Crewmitglieder wirklich zu glauben. Den Breen konnte man einfach nicht vertrauen. Wir wurden alle auf die Brücke gerufen und der Captain teilte uns seinen – so wie er sagte – freiwilligen Entschluß mit. Er bat ebenfalls darum, dass wir als Crew Cmdr. O´Reardon als kommandierenden Offizier weiterhin so dienen sollten, wie wir es bisher auch unter seinem Kommando getan hatten. Meine Knie wurden merklich weicher. Ich konnte mich nur noch mit Hilfe von Adrians Hilfe aufrecht halten. Dies machte er so geschickt, dass niemand auf der Brücke es bemerkte. Ich bemühte mich, so gerade wie möglich zu stehen, da ich auf keinen Fall auf der Brücke zusammenbrechen wollte.

Ich muß mir im nachhinein wohl eingestehen, das die Flut der Emotionen, die in der letzen Zeit auf mich eingestürmt sind, verbunden mit der Geschichte, die ich mit Ian erlebt habe, eindeutig zu viel für mich gewesen sind. Ich habe mir eindeutig zuviel zugemutet und zuwenig dagegen getan und so kam es eben, wie es kommen musste. Nachdem der Captain auf das Breen-Schiff gebeamt worden war, ließ uns Cmdr. O´Reardon wegtreten. Auf dem Weg zurück passierte es dann. In meinem Kopf begann es sich zu drehen, vor meinen Augen wurde es schwarz und meine Beine versagten ihren Dienst. Ich griff im Reflex nach Adrians Arm und stammelte noch so etwas wie, ich kann nicht mehr oder so... genau kann ich es nicht mehr mit Bestimmtheit sagen. Ich meine mich noch zu erinnern, dass Adrian einen Notfalltransport initialisierte und dann wurde es endgültig schwarz um mich. Ich kam in der Krankenstation auf einem Biobett liegend wieder zu mir. Die Blicke von Lt. jg. Jaris und Adrian sprachen doch eine ziemlich deutliche Sprache. Adrian kontaktiere umgehend Lt. jg. Silok und bat ihn auf die Krankenstation. Wie er es tat schien jedoch Lt. jg. Jaris nicht deutlich genug zu sein und so gab sie Lt. jg. Silok mit Nachdruck zu verstehen, das es sich um einen Notfall handele und er umgehend zur Krankenstation kommen solle.

Irgendwann danach muß Ian auf die Krankenstation gekommen sein. Genau kann ich es nicht mehr sagen, doch auf einmal stand er neben mir und sah mich mit mehr als besorgten Augen an. Er kniete sich neben das Biobett und ergriff, ja fast könnte man sagen umklammerte mit beiden Händen meinen Unterarm. Seine Augen schienen unablässig zu fragen, was ist nur passiert und die Besorgnis und Angst, die er meinetwegen empfand, war mehr als deutlich zu spüren. Ich bemühte mich, ihn zu beruhigen. Ich versuchte auszudrücken, dass es alles nicht so schlimm wäre, wie es vielleicht für ihn gerade den Anschein hätte. Dies schien mir jedoch mehr schlecht als recht zu gelingen. Fast flehentlich wandte er seinen Blick Lt. jg. Jaris zu und bat sie inständig, ihm mitzuteilen, wenn sich mein Genesungszustand verändern würde. Lt. jg. Jaris versprach es ihm. Danach erhob er sich, bedachte mich noch mit einem kurzen Blick und verließ dann die Krankenstation ohne ein weiteres Wort.

Einen Augenblick später – zumindest empfand ich es wie einen Augenblick, es kann aber durchaus auch länger gedauert haben – erschien Lt. jg. Silok auf der Krankenstation. Ein Blick in meine Richtung schien ihm genug gesagt zu haben. Auf meine ausdrückliche Bitte hin begaben wir uns in mein Quartier, beziehungsweise in das von Lt. jg. Jaris. Ich war der festen Überzeugung mich dort am besten entspannen zu können. Nachdem ich Lt. jr. Jaris ausdrücklich versichert hatte, das ich mich durchaus dazu in der Lage sah, diesen Weg in Begleitung von Lt. jr. Silok zu bewältigen, gab sie ihre Einwilligung dazu und ich verließ die Krankenstation.

Im Quartier angekommen setzte ich mich auf das Sofa und Lt. jg. Silok kniete sich vor mich. Erst jetzt, wo ich langsam etwas zur Ruhe kam, bemerkte ich, wie durcheinander ich im Grunde wirklich war. Die verschiedensten Bilder und Gefühle jagten abwechselnd durch meinen Kopf, jedoch dauert nichts davon länger als ein paar Sekunden um dann wieder von etwas neuem abgelöst zu werden. Erst die Romulaner, dann Ian, dann Lt. jg. Williams auf der Krankenstation, vielmehr nur ihr Gesicht umgeben von einem nebelhaften Hintergrund, dann wieder Ian, dann Dawsons Augen mit vorwurfsvollem Blick und so weiter und so weiter. Ein einziges Durcheinander eben. Meine Atemfrequenz hatte sich doch merklich erhöht. Das wurde mir jedoch erst hier in der Stille des Quartiers vollauf bewußt. Lt. jr. Silok bat mich mit ruhiger Stimme ihm meine Hände zu geben. Wenn ich es mir recht überlege bin ich dieser Aufforderung wohl mehr im Reflex als wirklich bewusst nachgekommen. Er behielt meine Hände ein paar Augenblicke in den seinen. Ich vermute mal, dass er auf diese Weise versucht hat, mich zu beruhigen bzw. mir zu verstehen zu geben, dass ich ihm vertrauen durfte. Ganz vorsichtig berührte er dann mit seinen Fingern mein Gesicht.

Was dann passierte ist doch recht schwer zu beschreiben. Es lässt sich wohl am besten mit einer Art Traum vergleichen, der vor meinem geistigen Augen ablief. Ich befand mich auf einer Ebene, die von grünen Bäumen umrahmt war. Als ich meinen Blick nach rechts wandte, stand dort Lt. jr. Silok und gab mir zu verstehen, ihm zu folgen. Gemeinsam gingen wir eine steinerne Rampe empor zu einem aus Ziegeln gebauten Raum, sofern man das so nennen konnte. Kaum hatten wir die Schwelle überschritten, herrschte eine mich völlig einnehmende Ruhe und Ausgeglichenheit. Ich begriff recht bald, das es sich hierbei um Siloks Ort der Ruhe handelte bzw. um eine Art Sinnbild desselben. Er erklärte mir, dass auch ich in der Lage wäre, so einen Ort selber und zu jeder gewünschten Zeit zu errichten. Er würde mir bei dem Errichten behilflich sein, und ich sollte keine Angst davor haben. Er würde mich nicht alleine lassen und gemeinsam würden wir diesen Ort der Ruhe für mich erbauen. Als wir das Gebäude verließen, kam ein mächtiger Sturm auf, der mich hinfort zutragen drohte. Gemäß Siloks Erklärung seien dies die Gefühle, die mich belasteten und zu ersticken drohten. Ich solle mich nicht dem Wind entgegenstellen, sondern ihn um mich herum lenken. Dies sei ganz einfach und ich müßte es mir nur vorstellen, als ob der Wind Wasser wäre, welches um mich herumfließt. Es sei nicht der Sinn, sich der Kraft entgegen zustellen, sondern sie zu nutzen und entsprechend umzulenken, um nicht umgeworfen zu werden. Ich streckte meine Hände empor um den Wind umzuleiten. Silok hatte Recht. Es war nicht so schwer, wie ich es anfangs noch befürchtet hatte. Mit der Zeit verebbte der Sturm. Silok ergriff meine Hand und deutete mir an, dass es nun Zeit wäre, meinen Ort der Ruhe zu errichten. Zunächst begannen wir mit dem Fundament. Hierauf zogen wir die Mauern hoch und als diese fertig waren, konnte man hören, wie der Sturm erneut aufbrauste. Einen kurzen Augenblick befürchtete ich, dass er das Gebäude einreißen würde, doch die Mauern hielten stand. Silok gab mir zu verstehen, dass ich jederzeit in der Lage wäre, den Sturm, sprich die Gefühle an mich heran zu lassen, wenn ich es wünschte, genauso wäre es mir aber auch möglich, sie wie den Sturm auszusperren. Wir verweilten noch ein paar Augenblicke schweigend, dann löste Lt. jr. Silok langsam die Geistverschmelzung.

Das erste, was ich feststellte und was mich merklich irritierte war, dass ich keine empathischen Eindrücke mehr empfangen konnte. Ich führte das zunächst auf die Tatsache der Geistverschmelzung zurück. Als ich Lt. jg. Silok darauf ansprach, bestätigte er mir, das ich für den Zeitraum von ungefähr einer Woche nicht mehr in der Lage sein würde, empathische Eindrücke wahrzunehmen. Danach würde sich dies langsam wieder normalisieren. Ich muss gestehen, dass es für mich doch recht befremdlich ist, die Personen in meinem näheren Umfeld nicht mehr in ihrer Ganzheit, also mit Gefühlen und so weiter wahrzunehmen. Ein Umstand, an den ich mich wohl erst gewöhnen muss. Auf eine gewisse Art und Weise macht mich das unsicher, doch ich werde wohl damit leben müssen.

Nachdem sich meine Verwirrung, die ich nach der Geistverschmelzung ebenfalls empfand, gelegt hatte, kehrte ich auf die Krankenstation zurück um meinen Dienst wieder aufzunehmen.

Es hat erneute Befehle von Starfleet Command gegeben. Cmdr. O´Reardon wurde zurück zur Erde versetzt und Cmdr. Stafford ist jetzt der kommandierende Offizier der Exeter. Was jedoch für mich viel entscheidender ist – um nicht zu sagen, was mich viel mehr beschäftigt und mich an vergangene Geschehnisse mit Schrecken denken lässt - ist die Tatsache, dass wir jetzt dem Tactical Command als Rapid Response Team unterstellt sind. Immerhin bleibt mir die Hoffnung, dass es solche über alle Maßen ehrgeizigen Personen wie General MacAlistor nur recht selten gibt. Ich kann nur inständig hoffen, dass sich die Zustände seit dieser Zeit dort mittlerweile drastisch geändert haben. Zu unser aller Wohl kann ich dies nur aus tiefstem Herzen hoffen.

Nach Dienstschluß gab Cmdr. Stafford, als nunmehr kommandierender Offizier, den Befehl, dass sich die Crewmitglieder im Arboretum einzufinden hätten zu einem Umtrunk. Ich versuchte zunächst, diesem "Befehl" zu entkommen, indem ich mich auf die Krankenstation zurückzog und arbeitete, doch leider entging dies Lt. jg. Mulligan nicht. Er rief mir zu, dass es doch ein Befehl des Captains sei und ich "gefälligst" mitkommen sollte. An seinem Tonfall konnte ich schon entnehmen, das es sich um einen Scherz handelte, doch im Grunde war mir nicht nach großen Menschenansammlungen. Dennoch gab ich nach und entschied mich, zumindest ein paar Minuten mit ins Arboretum zu kommen. Dort wurde der Geburtstag von Lt. Caylan gefeiert. Ich gratulierte ihr, zog mich jedoch dann bewußt zurück. Nach einiger Zeit verließ ich in Begleitung von Lt. jg. Silok das Arboretum. Wir gingen gemeinsam auf die Krankenstation zurück, da ich noch etwas zu erledigen hatte und unterhielten uns noch ein paar Minuten. Danach ging ich zu Bett.

Sonntag, den 07. August 2375

Es ist schon ein merkwürdiges Gefühl eine Nacht so ganz ohne jegliche Emotionen zu erleben. Dieser Umstand verwirrt mich immer noch ziemlich. Sonst nehme ich zumindest unterbewusst im Schlaf Gefühle war, doch diese Nacht war in der Hinsicht so leer wie eine Nacht mit einem sternenlosen Himmel.

Ich begab mich zu meinem Dienst ohne auch nur ansatzweise zu ahnen, was uns in Kürze mitgeteilt werden sollte. Zunächst würden alle Abteilungsleiter und Stellvertreter auf die Brücke beordert. Was uns dort mitgeteilt wurde, verschlug mir den Atem. Die Breen waren auf der Seite des Dominion in den Krieg eingetreten und hatten mehrere Kolonien und Städte auf der Erde – unter anderem San Francisco und somit auch die Akademie, Paris und Peking – angegriffen. Als auf dem Hauptschirm das zerstörte Gelände der Akademie zu sehen war, war ich das erste Mal froh, in diesem Augenblick keine Emotionen empfinden zu können. Ich glaube, dieser Umstand hätte mich... Computer Pause.

Computer fortfahren. Allen auf der Brücke war mehr als anzusehen, wie sie empfanden. Ich spürte nur, wie sich mein Magen umdrehte und überlegte für einen kurzen Augenblick, die Nähe von Lt. jg. Silok zu suchen, doch diesen Gedanken verwarf ich auch gleich wieder. Ich wußte überhaupt nicht mehr, was ich tun oder besser lassen sollte. Ich wandte meinen Blick vom Hauptschirm ab, nur um ihn ein paar Augenblicke später wieder dorthin zurichten. Es ist einfach unfasslich und so wirklich kann oder will ich es noch nicht wahrhaben. Dennoch entspricht es leider der bitteren Wahrheit, dass es so geschehen ist, ob ich es nun akzeptieren will oder nicht.

Nachdem wir die Brücke verlassen hatten, habe ich mich um Lillian gekümmert. Soweit ich es mitbekommen habe, ist ein Teil ihrer Familie zur Zeit des Angriffes in San Francisco gewesen. Ich habe mich bemüht, ihr so gut es mir eben ohne Empathie möglich ist, beizustehen. Da sie ihrer aufsteigenden Wut nicht anders Herr werden konnte, sind wir gemeinsam aufs Holodeck gegangen und sie hat dort ca. 20 holografische Stühle zerschlagen. Danach schien er ihr zumindest ein wenig besser zu gehen. Fast beneide ich sie um ihre Wut. Irgendwie komme ich mir zurzeit vor, wie ein seelenloses, gefühlskaltes Wesen ohne Emotionen. Ich scheine nur noch zu funktionieren und alles andere tritt in den Hintergrund.

Nach unserem Holodeckbesuch entschieden Lillian und ich uns, das Arboretum aufzusuchen. Wir haben uns gesetzt und ich habe ihre Hand ergriffen um ihr zu zeigen, dass ich bei ihr bin und sie nicht mit ihren Gefühlen alleine lassen werde. Nach einiger Zeit setzte sich Lt. Caylan zu uns und war bemüht, Lillian gut zu zusprechen. Dies schien ihr jedoch nur bedingt zu gelingen. Lillians klingonischer Erbteil sprach einfach eine zu deutliche Sprache, der sie sich nicht wirklich widersetzen konnte. Hätte ich in diesem Augenblick meine empathischen Fähigkeiten nutzen können, hätte ich sicherlich den Anstieg von Wut und Haß bei ihr wahrnehmen können. So hingegen wurde mir dieser Umstand erst gegenwärtig, als es bereits zu spät war. Mit einem reflexartigen, kräftigen Druck ihrer linken Hand brach sie mir meine rechte Hand.

Unter den gegebenen Umständen blieb mir nichts anderes übrig, als Lillian in der Obhut von Lt. Caylan zurück zu lassen und auf die Krankenstation zu gehen um dort meine Hand zu behandeln. Das es keine Absicht von Lillian gewesen ist, ist mir durchaus bewußt. Ich hoffe nur, sie macht sich diesbezüglich keine Vorwürfe. Ich für meinen Teil jedenfalls mache ihr auf keinen Fall welche.

Nun – was soll ich noch großartig über die vergangenen Tag erzählen? Im Grunde bin ich nach wie vor bemüht, meinem gefühlsmäßigen Durcheinander Herr zu werden und mich mit den neuen Gegebenheiten anzufreunden, sofern das überhaupt möglich ist. Ich gehe meinem Dienst so gut es mir eben möglich ist nach und mehr kann unter den gegebenen Umständen wohl niemand von mir verlangen. Ich muss mir nur noch darüber klar werden, wie ich in Zukunft mit Ian umgehen werde. Sicherlich hat er mich schwer enttäuscht, doch ich muss ihm auch zu gute halten, dass er es in ausschließlich guter Absicht getan hat und mich vor Schlimmerem schützen wollte. Kann ich ihm somit also wirklich einen Vorwurf für sein Verhalten machen? Wenn ich das doch nur schon selber für mich wüsste. Computer Aufzeichnung beenden und speichern

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