Storyline

Starfleet Operations Con 3

Persönliches Computerlogbuch Jaris Lhasa

Sternzeit 51894.2 (23. Dezember 2374)

Heute ist mir wirklich etwas Überraschendes passiert. Ich war nach dem Dienst ausnahmsweise 'mal wieder im Casino, da ich ein wenig Abwechslung brauchte. Während ich an meinem Tisch noch über den Ergebnissen von Adrians und meiner letzten Versuchsreihe an den Trelka-Viren grübelte setzte sich tatsächlich Ens. Wagner zu mir und lud mich auf einen Drink ein. Er war der Letzte, von dem ich so eine Einladung erwartet hätte, aber es hat mich wirklich riesig gefreut. Zunächst haben wir ein wenig über unseren Gründe zur Sternenflotte zu gehen und über unseren Werdegang dort geplaudert. Wagners Karriere war ein wenig unorthodoxer als meine, aber wirklich interessant. Und es kam natürlich, wie es kommen musste, wir kamen auch auf die Ereignisse damals auf Trelka IV zu sprechen. Eigentlich hat Wagner es nur am Rande erwähnt, aber da ich sowieso noch mit ihm über seinen Ausraster während des Holodecktrainings sprechen wollte, habe ich die Gelegenheit ergriffen, ihn darauf anzusprechen. Bei den Propheten, ich habe mich wirklich bemüht, es nett und neutral zu sagen, aber Diplomatie ist wirklich nicht meine Stärke und das Üben von konstruktiver Kritik wohl auch nicht. Ich sollte wirklich dringend Kurse in Führungspsychologie belegen; aufgrund des Krieges ist Cmdr. Stafford leider nie dazu gekommen, mir Unterricht darin zu erteilen. Aber ich schweife ab und von daher zurück zum Thema. Ich habe Wagner direkt heraus gesagt, dass ich seine impulsive Art, beim Wissen, dass Gul Balor dort draußen ist, einfach loszustürmen in einer realen Situation für sehr bedenklich halte. Das so etwas das Außenteam, die Mission und u. U. auch die Crew und das Schiff gefährden könne. Natürlich hat Wagner zuerst geglaubt, ich hielte ihn für einen kompletten Idioten und wolle ihn zum Schiffscounselor schicken. Aber das tue ich nicht. Ich bin im Gegenteil stets froh, wenn er mein Außenteam als Sicherheitsoffzier begleitet. Und das habe ich ihm auch genau so gesagt. Und dann kam das wirklich Verblüffende. Das Schlimmste für ihn an der Holofigur Gul Balor war nicht, das Trel ihn in das Programm hineingeschrieben hat, sondern dass Stafford die Figur autorisiert hatte. Was er mir dann offenbart hat, war ein wirklicher Vertrauensbeweis. Er hat mir gestanden, dass er im Verhör während seiner Gefangennahme durch die Cardassianer auf Trelka tatsächlich gestanden hat, und zwar wohl so ziemlich alles. Und dass er sich dafür gehasst hat, und dass er sich nachher das Leben nehmen wollte und noch viel mehr. Propheten steht uns bei, das hat mich wirklich umgehauen. Ich konnte mit ihm fühlen. Er ist, wie hat er es formuliert, auf einem Eisblock aufgeschlagen. Und es stimmt wohl. Kein Training im Universum kann einen jemals auf den Ernstfall vorbereiten. Und Wagner hatte nie die Möglichkeit, auf weniger gefährlichen Einsätzen Erfahrung zu sammeln. Manchmal denke ich, die Erfahrungen, die ich in den Jahren beim Widerstand gesammelt habe, werden mir irgendwann noch von Nutzen sein, aber ich bete, dass es nie dazu kommen möge. Und dann kam die Frage, mit der Wagner dann den Finger auf eine offene Wunde gelegt hat. Ob ich die Cardassianer hassen würde. Nein, natürlich nicht, wie kommt er darauf? Aber jetzt im Ernst, er war zuvor vollkommen offen zu mir und von daher hatte auch er das Recht auf eine ehrliche Antwort. Natürlich hasse ich sie, was sonst? Sie haben meine Mutter getötet, da war ich noch ein kleines Kind, sie haben meinen Vater verschleppt, Tirel war jahrelang in einem ihrer mehr als berüchtigten Gefangenenlager, sie haben unseren Planeten zerstört, sind wie die Heuschrecken über Bajor hergefallen, haben Flüsse vergiftet, Land öde und unfruchtbar zurückgelassen, die Bevölkerung versklavt und auch vor Massenmord nicht zurückgeschreckt. Mein ganzes Leben habe ich gegen sie gekämpft und wie es aussieht, werde ich es auch weiterhin tun.

Wie sollte ich einem Atheisten wie Wagner meine Glauben an die Propheten erklären? Wagner hat niemals eine Drehkörpererfahrung gemacht und es wohl auch nie erlebt, wie es ist, wenn man nach einem Zwiegespräch mit ihnen die eigenen Dinge klarer sieht, sich seines Weges und seiner Ziele wieder bewusster ist, man zu einer Entscheidung gelangt. Es sind meistens keine offensichtlichen Zeichen, die ich erhalte, aber wenn ich nach einem Gebet klarer sehe, dann habe ich eine Antwort von den Propheten erhalten, einen Hinweis, sie haben mir wieder ein Stück des Weges gezeigt. Viele verstehen das nicht, aber für mich ist es unendlich wichtig. Gerade in diesen schwierigen Zeiten. Natürlich würde ich niemals versuche, jemanden zu bekehren, ich erwarte aber, dass man meinen Glauben respektiert. Aber das tut Wagner wirklich. Er konnte meine Einstellung sogar verstehen, auch wenn er selber ein Atheist zu sein scheint. Aber so wie ich den Glauben anderer respektiere, erwarte ich auch, dass andere meinen Glauben respektieren. Und ich respektiere auch, wenn jemand an gar nichts glaubt.

Sternzeit 51979.1 (24. Dezember 2374)

Das Weihnachtsfest der Terraner fiel ruhig aus. Ich habe gearbeitet und mich dann in mein Quartier zurückgezogen.

Sternzeit 51989.8 (27. Dezember 2374)

Die Föderation hat ihre Taktik der reinen Verteidigung aufgegeben und ist zum Angriff auf Gebiete der Cardassianer übergegangen. Nach heftigen Gefechten gelang es, das Chin'toka-System zu erobern. Besonders hervorzuheben ist dabei die Leistung der Crew der USS Defiant, der es gelang, den Energiefeldgenerator, der das orbitale Verteidigungssystem als einzige Quelle mit Energie versorgte, außer Kraft zu setzen und so die Eroberung erst möglich machte.

Sternzeit 52008.1 (3. Januar 2374)

Jaqueline hat mich gebeten, zwei Gewebeproben zu analysieren, ob ihre Eltern wirklich ihre Eltern sind oder ob es sich bspw. um Klone handelt. Aufgrund des vollkommen veränderten Verhaltens ihres Vaters ist sie misstrauisch und will Gewissheit. Ich werde eine DNA-Analyse durchführen und die DNA mit der in den Datenbanken gespeicherten vergleichen. Ist kein großer Aufwand, aber ich befürchte, ich werde Jaqueline enttäuschen müssen. Seit ihrem Verweis ist sie sehr kleinlaut. Sie war nur kurz auf der Krankenstation, um die Probe abzugeben, erzählte etwas von Doppelschichten, Dienst und Arbeiten und war auch schon wieder weg.

Sternzeit 52010.4 (4. Januar 2375)

Die Analyse der Gewebeproben und ein Vergleich mit den Angaben der Datenbanken haben ergeben, dass die Dawsons wirklich die Dawsons sind. Die DNA stimmt überein. Auch ist die Probe von Jaqueline eindeutig als Probe eines Kindes der elterlichen Proben identifiziert. Sie ist eindeutig die leibliche Tochter von Adm. Dawson und Cpt. Duboit. Auch sind ihre Eltern weder geklont noch sonst wie ausgetauscht worden. Aber das war ja eigentlich von vornherein klar.

Sternzeit 52017.2 (6. Januar 2375)

Die Streitkräfte des Dominion haben versucht, die Föderation aus dem Chin'toka-System zu vertreiben, aber das ist ihnen nicht gelungen. Den Berichten zufolge ist das System ein einziges Trümmerfeld.

Sternzeit 52019.6 (7. Januar 2375)

Crewman Vaughn hat darum gebeten, eine Zusatzausbildung in Erstversorgung im Felde machen zu dürfen. Ein entsprechendes Gesucht hat Ens. Wagner heute weitergeleitet. Ich halte das für eine gute Sache. Ein Team kann getrennt oder der Teamdoc verletzt werden. Dann kann es nie schaden, wenn weitere Teammitglieder in der Lage sind, erste Hilfemaßnahmen einzuleiten.

Sternzeit 52034.6 (13. Januar 2375)

Den Klingonen ist es gelungen, die Monac Schiffswerften zu zerstören.

Sternzeit 52044.7 (16. Januar 2375)

Die Klingonen fliegen weitere Angriffe im cardassianischen Raumgebiet. Hoffentlich bleiben sie erfolgreich.

Sternzeit 52142.7 (21. Februar 2375)

Den Propheten sei Dank, der Allianz ist es gelungen, Benzar zurückzuerobern! Also ist das Dominion nicht so unbesiegbar, wie es manchmal scheint.

Sternzeit 52515.4 (7. Juli 2375)

Adrian hat mich heute gefragt, ob ich ihn beim Zhian'tara Ritual unterstützen würde, indem ich mich als Träger für den Geist von Shara zur Verfügung stelle. Bei den Propheten, das hat mich wirklich umgehauen. Wir haben zwar ein enges Verhältnis, aber dass er mir so weit vertraut, hatte ich doch nicht erwartet. Ich habe zugestimmt, ich bin wirklich gerührt.

Sternzeit (25. Juli 2375)

Unser Aufbruch zu nächsten Mission war mehr als hektisch. Es blieb anscheinend nicht einmal mehr die Zeit, die zur Zeit nicht anwesenden Crewmitglieder wieder an Bord zu nehmen. Das Ziel unserer Mission hat uns der Captain nicht mitgeteilt oder nicht mitteilen können. Seltsam ist auch, dass wir nicht mehr das Flagschiff der 6. Flotte sind. Schon wirklich eine seltsame Mission. Und ich habe kein gutes Gefühl bei der Sache. Propheten steht uns bei!

Sternzeit 52564.9 (1. August 2375)

Wir sind seit einer Woche ununterbrochen mit Warp 9 unterwegs. Unsere Techniker haben wirklich wahre Wunder vollbracht bisher. Wie Tohkinen und T'Aloviks das immer wieder schaffen, begreife ich nicht. Unser Ziel ist immer noch unbekannt und die Führungscrew äußert sich nicht wirklich dazu. Mein ungutes Gefühl ist weiter gewachsen. Starfleet Command war ab und an schon mal nicht sehr großzügig mit Informationen, aber die Informationen für diese Mission sind mehr als spärlich und so eine Informationspolitik habe ich bisher noch nicht erlebt.

Nach einem kurzen Stopp ist heute ist die Guardian an Bord gekommen. Ich habe sie kurz auf dem Gang gesehen, werde sie aber wohl erst am Tag des Zhian'tara Rituals kennen lernen. Die Crew hat keine Ahnung von dem Ritual und grübelt natürlich über den Grund des Zwischenhalts nach. Zumal wir alle nichts über das Ziel unserer Mission kennen, nicht einmal die Zeit blieb, den Rest der Crew einzusammeln, aber offensichtlich Zeit für einen Zwischenstopp bei Trill war. Die Gerüchteküche brodelt und Adrian und ich tun unser Bestes, die Crewmitglieder zu beruhigen, dass unser Gast von Trill nichts mit dem Ziel unserer Mission zu tun hat.

Sternzeit 52600.5 (7. August 2375)

Was, was soll ich sagen, wie anfangen? (Hier folgt eine lange Pause.) Das waren die – ich finde keine Worte – wohl die schlimmsten? – katastrophalsten? – traurigsten? - Tage meines Lebens. Propheten helft mir. Wie soll es weitergehen? Unser Captain in der Hand der Breen, der Angriff der Breen auf das Sol-System, die Zerstörung, die sie hinterlassen haben, so viele Hoffnungen zunichte. Unser schwerster Rückschlag im Krieg seit der Rückeroberung von DS 9.

Hass, Wut, Rache, Zorn bestimmen meine Gedanken und Gefühle. Alles Positive tritt zurück. Die Freundschaft zu Jaqueline, die seit dem Zhian'tara Ritual noch engere Verbindung zu Adrian, meine Liebe für John. Es ist wie damals auf Bajor zur Hoch-Zeit des Widerstandes und die alten Erinnerungen, Gefühle und Verhaltensweisen kommen zurück. Noch immer gehe ich über die Flure und hoffe, dass die Ereignisse der letzten Tage nur ein böser Alptraum waren. Aber dann treffe ich andere Crewmitglieder, sehe die Trauer, die Wut und bei manchen auch die Verzweiflung in ihrem Gesichtern und weiß, ich werde nicht aufwachen. Es ist passiert und wir alle werden damit klarkommen müssen. Eigentlich funktionieren wir zur Zeit nur. Alles ist irgendwie – nicht real.

Cmdr. Stafford hat wohl nie auf diese Art Kommandierender Offizier auf einem Raumschiff werden wollen. Und schon gar nicht auf Starkovs. Glückwünsche waren nur fehl am Platz. Aber John traf es ziemlich gut: "Nicht jeder bekommt, was er will, aber jeder das, was er verdient." Aber nicht zu diesem Preis. Nicht zu diesem! Ja, der Preis für den Frieden ist hoch, verdammt hoch, viel zu hoch. Erst recht, wenn es dann auch noch keinen Frieden gibt. Frieden ist nicht käuflich. Und wird es niemals sein.

Cmdr. O'Reardon tut mir wirklich leid. "Captain für drei Stunden", hat er zu mir gesagt und ja, so war es. Auch er wollte wohl nie aufgrund des (hoffentlich nur vorübergehenden) Verlusts von Cpt. Starkov einen Posten als Captain erhalten, aber dass er nur wenige Stunden nach Starkovs Opfer nach Terra abkommandiert werden würde, hatte keiner erwartet. Er selbst wohl am wenigsten.

Unter anderen Umständen hätten wir auch die Beförderung von Thomas zum Lieutenant (jg) und seine Ernennung zum neuen Flightcommander gefeiert. Genau so Lloyds Ernennung zum leitenden Taktischen Offizier, Siloks Ernennung zum neuen Wissenschaftschef und meine zum leitenden Medizinischen Offizier. Aber so? Aufgrund des Krieges wurde ein Teil unserer Führungscrew von Bord abkommandiert und einige von uns sind nachgerückt. Mehr war es nicht. Eine kurze Mitteilung von Cmdr. Stafford, sonst nichts Es ist schon seltsam. Eigentlich hätten viele von uns jetzt erst ihren Akademieabschluss gemacht und würden ruhig als Ensigns unter einer erfahrenen Führungscrew Dienst tun. Aber im Krieg herrschen andere Gesetze und so müssen wir viel früher Verantwortung übernehmen als es vielleicht für uns gut ist. Eigentlich tue ich jetzt nur offiziell das, was ich in den vergangenen Monaten (Propheten es ist schon über ein Jahr) während der Abwesenheit von Cmdr. Caine auch schon getan habe. Aber jetzt trage ich offiziell die Verantwortung und es ist nicht nur eine vorübergehende Episode. Ich habe gemischte Gefühle bei der Sache. Aber Krieg halt.

Es herrscht eine seltsame Stimmung an Bord. Jedes Geräusch klingt wie durch Watte, jede Bewegung erscheint wie in Zeitlupe, die Sicht wie durch einen Nebel. Alles wirkt irgendwie gedämpft, langsam, so unwirklich. Eine Mischung zwischen Trauer und überdrehter Heiterkeit hat die Crew erfasst. In einem Moment machen sie vollkommen blöde Witze und hecken die dümmsten Ideen aus, besonders was die Befreiung unseres Captains angeht, im nächsten Moment verfallen sie in bedrücktes Schweigen. Aber es herrscht auch ein tiefes Verständnis zwischen den Crewmitgliedern, dass sich mit Worten einfach nicht beschreiben lässt.

Wir alle vermissen Starkov. Es gab wohl niemanden an Bord, der für unseren Captain nicht die höchste Achtung hatte. Wenn ich denjenigen erwische, der unseren Captain an die Breen verkauft hat, dann gnaden ihm die Propheten.

Computer Pause. -------------- Computer weiter.

Aber fangen wir von vorne an.

Ich weiß nicht mehr, wie es wirklich begann. Nachdem wir zwei Wochen mit fast maximaler Geschwindigkeit geflogen waren, näherten wir uns wohl unserem Ziel, immer noch ohne zu wissen, was uns dort erwarten würde. Trotz aller Eile, nahmen wir eine Kursänderung vor, um noch drei weitere Mitglieder an Bord zu nehmen. Es handelte sich um zwei Mitglieder der Sicherheit, Lt. Cmdr. Colt und Crwm. – keine Ahnung wie die Frau in Colts Begleitung hieß - sowie um ein neues Crewmitglied der Wissenschaft, Ens. Cowen. Jaquelines und Trels Befürchtungen waren sofort, dass Cmdr. Colt zur Inspektion der Sicherheit an Bord war (oder schlimmer, sie sei ein Spitzel von wem auch immer), und besonders Jaqueline machte sich große Sorgen. Sie wollte die Sicherheit der Exeter auf keinen Fall in Verruf bringen, und daher plante sie, sich während des nächsten Trainings so zu verletzen, dass sie während der Inspektion auf der Krankenstation bleiben musste, um Cmdr. Colt keinen Anlass zur Rüge zu geben. Aber noch war es nicht so weit. Die Nacht verbrachten wir wieder auf Kurs zu unserem unbekannten Ziel.

Unser Alpha Wing flog immer noch hinter uns her, aber wir hatten keine Zeit bekommen, sie wieder an Bord zu nehmen. Nach einem Gefecht, in das der Alpha Wing verwickelt wurde, verloren wir zudem noch den Kontakt. Den Propheten sei Dank, kehrten die Piloten und Cmdr. Stafford jedoch im Verlauf der Mission mit nur geringen Verlusten wieder an Bord der Exeter zurück.

Es war wohl nach der Drehkörperbegegnung die interessanteste Erfahrung, die ich bisher in meinem Leben gemacht habe. Gestern Morgen kam die Guardian zu uns auf die Krankenstation, um Adrian und mich abzuholen. Was hatte ich erwartet? Ich weiß es nicht, vermutlich Alles und Nichts. Es gibt nichts, was einen auf die Erfahrungen während eines Zhian'tara-Rituals vorbereiten kann, egal wie viel man vorher liest oder erfragt. In einem Moment ist man noch bei vollem Bewusstsein, hört wie die Guardian die rituellen Worte spricht und im nächsten Augenblick tritt man wie hinter einen Spiegel seiner eigenen Persönlichkeit zurück. Man muss es erlebt haben, wenn ein fremder Geist die Kontrolle über den eigenen Körper übernimmt. Man steht daneben, sieht alles, hört alles, kann mit seinem geistigen Gast sogar reden, aber ist nicht fähig selbst zu handeln. Und Shara kam wie eine Lawine. Nicht langsam und leise, vorsichtig, nein sie hat mich einfach überrollt. Mit allem. Plötzlich war sie da. Fröhlich, aufgeregt, total überdreht, neugierig auf Alles, aber auch ein bisschen unsicher. Die Trennung von ihrem Wirt machte ihr doch zu schaffen. Aber es war faszinierend mitzuerleben, wie sie die neue Umgebung aufnahm, alles wollte sie sehen, alles anfassen, alles wissen. Technikerin. Ich betrete den Maschinenraum ja nur, wenn es sich um einen medizinischen Notfall handelt, aber sie wollte/wir wollten dort am liebsten gleich jede Konsole erklärt haben. Leider befanden sich Lt. Tohkinen und Officer T'Aloviks gerade mit Lt. Silok und Officer Castle in einer Besprechung über ein Projekt, so dass Shara/wir zu wenig erfuhr(en). Mussten wir (wir klingt dumm, aber anders kann ich den Zustand nicht beschreiben) dafür im Wissenschaftslabor einfach auf der Konsole herumtippen? Es kam wie es kommen musste: die von der Wissenschaft zuvor ermittelten Daten wurden gelöscht. Eigentlich hätte Adrian sehen müssen, dass er den Vorgang nur hätte abbrechen müssen, dann wäre nichts passiert, aber er hat nicht geguckt, sondern wahllos eine Taste gedrückt und dann war's passiert. Den Propheten sei Dank hielt sich der Ärger anschließend in Grenzen, nur durften Shara und ich nichts mehr anfassen.

Leider wurden unsere Gespräche immer wieder durch Notfälle unterbrochen. Als Jaqueline sich beim Training wie zuvor mit Trel und der Krankenstation abgesprochen, den Arm brach, musste Adrian unterstützend bei Conway eingreifen. Wir haben ihn begleitet, schließlich waren wir beide neugierig, wenn auch aus unterschiedlichen Beweggründen heraus. Wir kamen also auf die Krankenstation und die Sicherheit war ebenfalls da. Ich hatte wirklich ein Déjà-vu, als Cmdr. Colt Ens. Conway fragte, was mit ihrer Aussage "Ach, ist es das, was sie geplant haben?" beim Eintreffen am Unfallort denn genau gemeint habe. Bei den Propheten, war ich wütend. Fast hätte ich Sharas Geist einfach an die Seite geschoben, um Conway so richtig abzusauen. Klar war die Aktion abgesprochen, Jaqueline wollte nicht, dass die Sicherheit wegen ihr bei Colts Untersuchung Schwierigkeiten bekommt und sich durch eine Verletzung aus der Untersuchung ausklinken. Natürlich war es abgesprochen, aber gerade deshalb darf man das nicht gleich im erstmöglichen Moment herausschreien. Ich höre Anderson wieder in der Kneipe in den Badlands reden: "Wir machen Urlaub von der Sternenflotte." Genau dasselbe. Conway hat versucht, sich herauszureden, irgendetwas von wegen "das geplante Training", aber ich glaube, Cmdr. Colt hat ihr nicht ein Wort geglaubt. Verständlich, ich hätte es auch nicht. Shara und ich sind dann gegangen, wir konnten es nicht mehr mit ansehen. Jaqueline tat mir leid. Sie hatte wegen Conway das Gegenteil von dem erreicht, was sie wollte. Colt war jetzt erst recht aufmerksam.

Letztendlich hatten Adrian und wir doch noch Zeit für ein ruhiges Gespräch. Über Jon, unsere Reise zum Pupurmeer, und die ungeklärte Frage, warum er Shara damals verlassen hat. Über Sharas Wunsch, zur Sternenflotte zu gehen, der sich für sie nie erfüllt hat, den Adrian aber dann wahr werden ließ und über Adrians Kollegen. Da es aber eine private Sache zwischen Adrian und Shara ist, lasse ich die Details hier weg. Aber ich verstehe jetzt viele von Adrians Handlungen besser; zum Glück hat er nicht Sharas Überdrehtheit "geerbt" (wenn man das so sagen kann), sondern seine ruhige Art behalten. Aber vielleicht braucht er das auch, bei so einer vorherigen Wirtin?

Während Adrians zwischenzeitlichen Abwesenheiten konnten Shara und ich uns dafür unterhalten. Sie ist wirklich das krasse Gegenteil von mir und es hat eine Weile gedauert, bis wir wirklich ins Gespräch gekommen sind. Ihre fröhliche, offene Natur passt so gar nicht zu mir, aber sie kam mit meiner verschlossenen Art auch nicht klar.

In der Zwischenzeit war die erwartete Ankunft einer romulanischen Delegation an Bord der Exeter bekannt gegeben worden. Was sie genau wollten, ist mir bis heute ein Rätsel. Es kamen Gerüchte auf, sie wollten Verhandlungen mit den Tzenkethi an Bord der Exeter führen, die sich jedoch nie bestätigt haben. Aufgrund der Ereignisse entschied die Guardian, dass es jetzt wohl Zeit für einen Abschied sei. Es fiel Shara schwer zu gehen, aber sie freute sich auch, auf die Wiedervereinigung mit ihrem Symbionten. So plötzlich wie sie gekommen war, so langsam ging sie. Es dauerte einen Moment, bis ich realisiert hatte, dass ich wieder alleine war. Für viele Worte zwischen Adrian und mir bleib keine Zeit, aber die hätten uns beiden in dem Moment sowieso gefehlt. Eine kurze Umarmung sagte einfach alles. Ich bin den Propheten sehr dankbar für diese Erfahrung.

Als ich wieder auf der Krankenstation eingetroffen war, habe ich mir erst mal Ens. Conway vorgenommen. Ich war immer noch mehr als erbost über ihre mehr als unbedachte Äußerung in Gegenwart von Cmdr. Colt. Anderson hat uns damals mit seinem dummen Spruch fast in Lebensgefahr und Conway hatte die Sicherheit und insbesondere Jaqueline in Bedrängnis gebracht. So etwas darf nie wieder vorkommen, sonst bleibt sie in Zukunft bei solchen Sachen uneingeweiht. Sicherheitslücken kann ich nicht riskieren. Aber mir macht der Vorfall noch aus einem anderen Grunde sorgen. Wir befinden uns im Krieg und ich muss mich auf meine Abteilung zweihundertprozentig verlassen können. Wenn es schon an solchen Kleinigkeiten scheitert, möchte ich Conway nicht im Ernstfall einer Schlacht erleben.

Inzwischen war die romulanische Delegation an Bord der Exeter eingetroffen. Lt. Williams als Diplomatin war ihnen offensichtlich als Verbindungsoffizier zugeteilt worden. Da der Besprechungsraum der Sicherheit jetzt der Delegation als Aufenthaltsraum zugeteilt war und die Lebenserhaltungssysteme bei der Hälfte des Schiffes immer noch abgeschaltet waren, bezog die Sicherheit zwischenzeitlich Posten auf der Krankenstation. Cmdr. O'Reardon kündigte eine Schiffsbesichtigung durch die Romulaner an und wir bereiteten uns bestmöglich auf die "Invasion" derselben auf unserer Station vor. Im Vorfeld kam es dann noch zu einem kleinen Zwischenfall. Ens. Masterson hatte wohl Lt. Caylan und Lt. Williams darüber informiert, dass Ens. Conway von früher ein Problem mit Romulanern habe. Darauf hin wurde – ohne Ens. Conway zu der Sache überhaupt anzuhören – die Anweisung erlassen, dass Ens. Conway nicht auf die Romulaner treffen dürfe. Nach meinen Gesprächen mit Ens. Conway bin ich allerdings zu der Ansicht gekommen, dass Ens. Conways Problem mit den Romulanern wohl bei weitem nicht so groß ist, wie mein Problem mit den Cardassianern und ich schieße inzwischen auch nicht mehr gleich jeden Cardassianer über den Haufen, dem ich begegne. Auch ist noch niemand auf die Idee gekommen, mir den Umgang mit Cardassianern zu verbieten, obwohl dazu vielleicht viel eher Anlass besteht, als Conway das Zusammentreffen mit Romulanern zu untersagen. Aber ich vermute das war mal wieder "Fettnäpfchen Masterson". Überreaktion. Der lernt es einfach nicht. Hinzu kam ein Fehler von Lt. Williams, die zumindest Ens. Conway im Vorfeld ihrer Entscheidung zu den – na ja – Vorwürfen hätte anhören müssen. Aber es war eine schwierige Situation und wir alle machen Fehler.

So war Ens. Conway dann auch nicht anwesend, als die romulanische Botschafterin mit ihren Begleitern auf der Krankenstation eintraf. Der Verlauf lief glimpflich ab, wir erklärten ihnen die Funktion eines Biobettes und konnten sie beruhigen, dass wir auch sehr gut in der Lage sein würden, bei Verletzungen mit der romulanischen Physiologie klarzukommen, falls dies notwendig sein sollte. Ich war wirklich froh, dass Adrian mir in dieser Situation unterstützend zur Seite stand. Als die Romulaner die Krankenstation wieder verlassen hatten, waren wir beide sehr erleichtert. Wenn ich gewusst hätte, was uns im Laufe der nächsten Stunden noch erwarten würde, hätte ich lieber noch 20 Besuche ausländischer Delegationen auf der Krankenstation empfangen (auch Cardassianer) als das zu erleben, was uns noch bevorstand.

Computer, Pause. ----------- Computer, weiter.

Eine Überraschung erlebten Trel und ich dann im Verlauf des Nachmittags mit Cmdr. Colt. Sie bat Trel und mich um ein paar offene Worte. Sie erzählte uns, dass sie mit der Anweisung, sich hundertprozentig an die Vorschriften zu halten, an Bord der Exeter geschickt worden sei. Aber sie habe festgestellt, dass dies bei der Crew der Exeter nicht immer ganz möglich sei. Sie wolle aber die Effizienz der Sicherheit nicht gefährden und sich auch nicht gegen die Crew stellen. Ich war überrascht von ihrer Ehrlichkeit und ihrer Offenheit und beschloss, ebenso offen zu ihr zu sein. Von daher habe ich ihr gesagt, die Effizienz der Exeter-Crew beruhe zum Teil darauf, dass wir manchmal die Regeln nicht immer zweihundertprozentig genau nehmen. Wenn sie diese Effizienz nicht gefährden wolle, dann solle sie versuchen, darüber hinwegzusehen, oder sich anzupassen, ansonsten habe sie bald die Crew gegen sich. Trel stimmte mir zu. Entgegen unseren Erwartungen, verstand die Commander unsere Ausführungen und war mit unserem Vorschlag einverstanden. Von da an besserte sich das Verhältnis der Sicherheitscrew zu Cmdr. Colt (und umgekehrt). Sie wird jetzt als neue Sicherheitschefin an Bord bleiben. Ich bin wirklich gespannt, wie Wagner das aufnehmen wird.

Als wir Free Haven dann erreichten, überschlugen sich die Ereignisse. Zunächst beamte die Gouverneurin von Free Haven an Bord, kurz danach dann der Abgesandte der Föderation. Dieser entpuppte sich, was hatte ich eigentlich anderes erwartet, bei meinem nächsten Brückenbesuch als Adm. Dawson. Wieso ausgerechnet Adm. Dawson? Immer wieder Adm. Dawson. Hat die Föderation nicht fähigere Diplomaten, als dass sie den Leiter der Sternenflottensicherheit schickt? Gerade in so einer heiklen diplomatischen Angelegenheit? Es sei denn, Dawson hatte von Beginn an, etwas mit diesem ganzen, ja ich bin geneigt es Komplott zu nennen, zu tun. Zumal seine Anwesenheit hier bestimmt kein Zufall war. Nach allem, was geschehen war, konnte es kein Zufall sein. Ich ging kurz zu Jaqueline, aber die hatte schon von der Ankunft ihres Vaters an Bord erfahren. Sie tat mir leid, schon wieder auf ihren Vater treffen zu müssen.

Soviel Anwesenheit auf der Brücke wie auf dieser Mission hatte ich noch nie. Zunächst rief der Captain die Führungsoffiziere zusammen, um uns die Lage um Free Haven zu erläutern. Ein Blick auf den Hauptbildschirm sagte schon fast alles. Im Orbit befanden sich neben der Exeter und drei weiteren Föderationsschiffen vier Schlachtkreuzer der Breen. Jetzt also auch noch Breen. Der Bericht des Captains gab dann auch keinen Anlass zur Hoffnung. Die Breen forderten die Übergabe von Free Haven und den Rückzug der Föderationsschiffe, ansonsten würden sie die Kolonie zerstören. Für die Evakuierung wollten sie uns Zeit einräumen, die jedoch niemals ausreichen würde, die gesamte Bevölkerung dort zu retten. Darüber entbrannte ein Streit zwischen Adm. Dawson und der bajoranischen Gouvaneurin (Propheten war das eine Zicke!), ob die Sterneflotte überhaupt zur Hilfe verpflichtet sei, da Bajor schließlich kein Mitglied der Föderation sei. Und dann ging mein Talent wieder mit mir durch; es mag auch daran gelegen haben, dass ich Adm. Dawson auf den Tod nicht ausstehen kann, jedenfalls hab ich ihm an den Kopf geknallt, es sei ja auch besser, dass Bajor neutral und nicht Mitglied der Föderation sei. Propheten, das konnte er gar nicht gut hören. Wie ich als Offizier der Sternenflotte so eine Meinung vertreten könne? Der Mann hat keine Ahnung. Meine Mitgliedschaft in der Sternenflotte bedeutet ja noch lange nicht, dass mir das Wohl meiner Heimat jetzt vollkommen egal ist. Und unter den derzeitigen Bedingungen ist eine Neutralität Bajors das einzig Richtige, sonst stünden wir jetzt wieder unter cardassianischer Besetzung anstatt einen Nichtangriffsvertrag mit ihnen zu haben. Aber so was begreifen diese Sesselsitzer alle nicht! Auf jeden Fall ging es dann eine Weile zwischen der Gouvaneurin und Dawson hin und her: Aber es gäbe da eine Regel zum Schutz unbeteiligter Planeten usw. Mir wurde das Ganze zu blöd, also legte ich mich erneut mit Dawson an: Ein Streit würde hier wohl keinen weiterbringen, er würde nur Zeit verschwenden und die hätten wir sowieso viel zu wenig. Erstaunlicherweise hat mir der Admiral da zugestimmt.

Aber es kam noch besser: War zuerst nur von der Übergabe der Kolonie Free Haven die Rede, stellte sich bald heraus, dass die Breen zudem die Auslieferung von Cpt. Starkov forderten. Und Adm. Dawson hatte es vorher gewusst. Ich frage mich: Wieviel vorher? Erst als er hier im System eingetroffen war oder schon, bevor man uns auf dieses Himmelfahrtskommando geschickt hat? Niemals, dachte ich nur, wird Starkov ausgeliefert. Der Mann weiß zu viel und wer weiß, wozu diese Kühlkammern das Instrument in Starkovs Kopf noch alles nutzen konnten, außer zur Folter. Das konnten wir nicht zulassen. Also fingen die Technik, die Wissenschaft und die Medizin der Exeter zunächst an, Möglichkeiten auszuarbeiten, wie man möglichst viele Bewohner von Free Haven retten konnte. Aber die Kommandanten sowohl der Breen als auch der Starfleet hatten andere Pläne.

Zunächst konnte Adm. Dawson die romulanische Botschafterin davon überzeugen, ihre zwei Warbirds in den Orbit von Free Haven zu beordern. Als diese sich enttarnten, verschob sich das Kräfteverhältnis zu Gunsten der Allianz, aber die Breen hatten noch ein Ass in der Hinterhand. Als wir glaubten, wir hätten zumindest Zeit gewonnen, die Kolonie zu evakuieren, erklärte uns der Führer der Breen, Toth Ragorth, dass die Breen ihre Schlachtschiffe vor einigen Föderationskolonien in Stellung gebracht hätten, und bereit seien, diese umgehend zu zerstören, sollte Starkov sich nicht an die Breen ausliefern. Je weiter die "Verhandlungen" gingen, je mehr Adm. Dawson selbstgefällig in Starkovs Stuhl (ja es ist seiner!) saß, desto mehr fragte ich mich, wie viel Dawson von der ganzen Sache bereits im Vorfeld gewusst hatte. Und wer noch davon wusste. Und vor allem: Dass wir auf die Breen treffen würden, muss schon vor unserem Abflug von Vulkan zumindest denjenigen bekannt gewesen sein, die uns auf diese verdammte Mission geschickt haben. Und der Befehl, die Exeter des Postens als Flaggschiff der 6. Flotte zu entheben, um sie hierher zu schicken, muss von ganz weit oben gekommen sein. Irgendwer hat uns verraten und wollte Starkov an die Breen verkaufen. Aber für was? Wieso? Wofür? Und das Schlimmste: Derjenige sollte auch noch Erfolg haben.

Noch stand nicht fest, ob der Captain tatsächlich an Bord des Breen-Kreuzers beamen würde und so bauten unsere Techniker zunächst ein Gerät, welches sie dem Captain anhefteten, das verhinderte, dass Starkov einfach von den Breen zu ihnen hinübergebeamt werden konnte. Cmdr. O'Reardon (und nein, ich habe den Mann noch nie so besorgt gesehen) bat mich, eine Möglichkeit zu finden, den Captain zu "markieren", damit wir ihn später per Scan aufspüren konnten, und so begann die Medizincrew damit, eine Möglichkeit auszuarbeiten, dem Captain einen Sender oder Ähnliches zu implantieren, der ein Signal ausstrahlte, von den Breen nicht gefunden werden durfte und uns die Möglichkeit geben sollte, Starkov später zu orten, wenn wir nach ihm suchen würden. Zunächst kamen wir auf ein Sub-Dermal-Implantat, das man entweder unter die Haut oder ins Muskelgewebe implantiert. Aber ich hielt noch Rücksprache mit Lt. Tohkinen, weil ich wissen wollte, ob er noch eine Möglichkeit sah, das Implantat gegen einen Scan der Breen unsichtbar zu machen, oder ob ihm noch etwas anderes einfallen würde. Einen absoluten Schutz gegen einen Scan konnten wir nicht herstellen, aber Tohkinen und T'Aloviks kamen mit der Idee auf, man könne dem Captain Mikrokristalle verabreichen, wie nach einem Besuch in einem Bergwerk, die eine eigene Strahlung auf einer bestimmten Frequenz aussenden. Doppelt hält besser und wenn die Breen eins von beiden finden sollten, bestand eine reelle Chance, dass sie nicht weiter suchen würden. So hoffen wir zumindest immer noch. Officer Castle fand auch tatsächlich eine Möglichkeit, in sehr kurzer Zeit eine ausreichende Menge der benötigten Kristalle herzustellen. Der Mann ist fantastisch! Und so konnten wir dem Captain die Kristalle und das Isotop verabreichen. Erstaunlicherweise hat er sich nicht mal dagegen gesträubt, aber als ich ihn behandelte, wusste ich ohne Worte, dass Starkov sich auf jeden Fall opfern (ja, bei den Propheten, eine andere Bezeichnung finde ich nicht) würde, um die Kolonien zu retten, zumal die Breen inzwischen zugesagt hatten, Free Haven zu verschonen, wenn sie Starkov erhalten würden. Lügner, alles Lügner! Und ich glaube auch, der Captain wusste, dass ich seine Pläne kannte und akzeptierte. Wie hat er es damals auf Bajor in jener Nacht gesagt: "Ich bin lange genug dabei und erkenne einen Krieger, wenn ich ihn sehe." Ist das wirklich schon über ein Jahr her? Es war ein stilles Verständnis. Mir war ganz schlecht bei Vorstellung, was danach kommen sollte, aber es war nicht mehr zu ändern; der Entschluss des Captains stand fest, auch wenn das der übrigen Crew zu diesem Zeitpunkt wohl noch nicht klar war.

Die Bestätigung für meine Vermutung erhielt ich dann in Form eines Befehls von Cpt. Starkov, McCullum außer Gefecht zu setzen, der angekündigt hatte, ein Ausliefern des Captains an die Breen mit allen Mitteln zu verhindern. Das Letzte, was Starkov jedoch wollte, war, dass jemand wegen seines Entschlusses seine Karriere aufs Spiel setzen würde. Ich respektierte diesen Wunsch und beorderte McCullum auf die Krankenstation. Ich hasse es, einen Freund zu verraten, aber genau so kam ich mir vor in diesem Moment vor: wie ein Verräter. Aber ich fand keinen Mittelweg. Entweder ich würde Starkov verraten, wenn ich seinem letzten Wunsch nicht nachkommen würde, oder ich riskierte meine Freundschaft zu Thomas. Es fiel mir nicht leicht, aber ich hoffe, Thomas wird es irgendwann verstehen und mir die Sache verzeihen. Wir haben ihm ein Betäubungsmittel verabreicht und bevor er wieder wach wurde, war Starkov weg.

Computer erneut Pause. -------------- Weiter.

Ja, er hat sich an die Breen ausgeliefert und über das, was ihn dort erwartet, möchte ich gar nicht nachdenken. Seine Abschiedsrede war – typisch für unseren Captain. Ich habe sie für Thomas mit dem Tricorder aufgezeichnet, damit er sie sich wenigstens im Nachhinein anhören kann, wenn er schon nicht auf der Brücke dabei sein konnte. Die Situation war surreal und sehr emotionsgeladen. Starkov schien stolz auf seine Crew zu sein und ich glaube, vieles, was er sagen wollte, konnte auch er nicht in Worte fassen. Lt. Williams liefen die Tränen übers Gesicht und ich habe versucht sie zu trösten. Auch anderen Crewmitgliedern standen die Tränen in den Augen. Weinen? Ich hätte es in dieser Situation (oder zumindest nachher) auch gerne getan, aber ich konnte nicht. Ich habe aufgehört zu weinen, als mein Vater von den Cardassianern verschleppt wurde. Tränen gibt es für mich nicht mehr. Ein großer Mann ist gegangen, aber wir werden ihn befreien. Unsere letzten Worte an unseren Captain waren einstimmig: "Wir sehen uns wieder." Und im Namen aller Propheten, das werden wir! So wahr ich jetzt hier stehe. Niemals werden wir Starkov diesen Kreaturen überlassen, niemals! Keiner war fähig, sich zu rühren, als der Captain die Exeter verlassen und auf das Breenschiff gebeamt hatte. Jeder schien sich zu weigern, das Geschehene zu begreifen, an akzeptieren war nicht zu denken.

Cmdr. O'Reardon war der erste, der wieder Worte fand. Seine Ansprache an die Crew war wirklich emotional und ergreifend und mehr als einmal musste der Commander schlucken und ihm drohte die Stimme zu versagen. Endlich war es ihm gelungen, die Mauern um ihn herum ein wenig einzureißen und uns etwas von dem wahren Menschen dahinter zu zeigen. Er war wirklich tief getroffen und die Besorgnis, die aus seinen Worten sprach, werde ich wohl nie vergessen. Ich hoffte, dass unser neuer Captain jetzt der Mannschaft gegenüber ein wenig offener werden würde. Sonst würde er als Captain einen schweren Stand haben und er trat bei Starkov sowieso ein schweres Erbe an.

Dann erhob sich Adm. Dawson selbstgefällig und sicherte uns jede erdenkliche Hilfe bei der Rettung von Starkov zu. Soll er seine Hilfe behalten, ich will sie nicht. Soll er auf seine tolle Sovereign Class zurückkehren und bleiben wo der Pfeffer wächst. Ich brauche ihn nicht! Je mehr ich von diesem Mann erlebe, desto mehr tut mir Jaqueline leid, diesen Mann zum Vater haben zu müssen. Als ich die Brücke verließ, hörte ich noch, wie sie bereits wieder mit ihrem Vater stritt. Ich bin auf die Krankenstation zurückgekehrt und habe Thomas geweckt. Natürlich war er mir böse wegen der Aktion, aber ich hoffe, er wird es irgendwann verstehen. Ich habe ihm die Tricorderdaten auf ein PADD überspielt und ihn dann damit allein gelassen.

Wir waren nicht lange mit unseren Gedanken alleine. Schon nach kurzer Zeit rief uns Cmdr. O'Reardon für eine kurze Ansprache auf die Brücke. Was der anschließende Anschiss von Cmdr. Stafford über das chaotische Benehmen und das chaotische Verhalten der Crew sollte, habe ich nicht verstanden. Ich werde ihn später danach fragen, auf der Brücke hielt ich den Moment einfach für unpassend.

War es Glück oder eine verpasste Gelegenheit, dass O'Reardon bei mir das persönliche Gespräch, das er ansonsten mit allen Abteilungsleitern bzw. kommissarischen Abteilungsleitern geführt hat, vergessen hat? Ich hatte mich schon gewundert, warum er im Vorbeigehen meinte, mit mir wolle er später auch noch reden, bis Lt. Williams mir erklärte, O'Reardon wolle wohl von allen Abteilungsleitern ihre persönliche Meinung über ihn hören und ob sie zu ihm als neuen Captain stehen würden. Zuerst war ich ein wenig geschockt, ich wusste nicht, wie ich auf so eine Frage reagieren würde, beschloss dann aber, wenn es so weit wäre, dem Commander die Wahrheit zu sagen. Dass er jetzt eine Chance habe, der Crew etwas von dem Menschen hinter der Mauer zu zeigen, den ich bisher leider nur zweimal erleben durfte, dass er vielleicht ein Fenster in der Mauer öffnen könne, dass er Vertrauen nur erwarten könne, wenn auch er selbst bereit sei, der Crew Vertrauen zu schenken, dass Vertrauen aber nur durch ein gewisses Maß an Offenheit zu erreichen sei. Eben all das, was mir schon immer im Kopf herumging. Aber dazu kam es nie. Als wir uns erneut auf der Brücke versammelten, um die neuen Befehle vom Oberkommando entgegenzunehmen, hatte O'Reardon mit allen Abeilungen gesprochen, nur mit der medizinischen nicht. Ich war mehr als verwundert.

We've got new orders. Die neuen Befehle, die von Starfleet Command kamen, waren für uns alle wohl mehr als überraschend. Commander O'Reardon wurde in den Stab nach Terra zurückbefohlen. Lt. Commander Stafford wurde zum Commander befördert und zum kommandierenden Offizier der Exeter ernannt. Aber das war bei Weitem noch nicht alles. Die Exeter wurde Tactical Command unterstellt und dient ab jetzt als Rapid Response Team (Ship passt wohl besser). Einigen schien das gar nicht zu gefallen. Wir stehen jetzt immer auf Abruf bereit und sind für die Missionen ausersehen, die sonst kein anderer macht. Immer da, wo es am gefährlichsten ist, die Drecksarbeit, die machen wir. Aber mir gefällt der Gedanke. Ja, es wird gefährlich, aber es eröffnet uns auch die Möglichkeit für ein gewisses Maß an eigenständigem und unabhängigem Handeln. Und es erinnert an alte Zeiten. Es könnte spannend werden.

Aber auch unser Rückflug nach Sternbasis 251 verlief nicht ohne Kampfhandlungen. Wir trafen auf einige cardassianische Schiffe, die gerade einen ihrer eigenen Frachter unter Beschuss hatten. Es gelang uns den Captain des Frachters an Bord zu nehmen, aber für sein Schiff konnten wir nichts mehr tun. Der Mann – ein Halbcardassianer – hatte keine schwereren Verletzungen und nur eine leichte Kühlmittelvergiftung. Nach einer kurzen Behandlung auf der Krankenstation konnte er diese bereits wieder verlassen. Trel und John erhielten den Auftrag, den Mann, sein Name war Belgor Rol, zu befragen, während ich dabei bleiben sollte, um seinen Gesundheitszustand zu überwachen. Die Befragung ergab zumindest, dass Rol nicht gut auf die Cardassianer zu sprechen war. Angeblich war er Händler, aber in den Datenbanken fanden sich auch Einträge wegen Diebstahls über ihn. Er war viel im cardassianischen Raumgebiet herumgekommen und hatte zwischenzeitlich wohl auch mit den Breen gehandelt, selbst wen er nichts von Letzteren hielt. Ich weiß nicht, wie es Trel während des Gesprächs ging, aber ich musste mich in der Gegenwart des Mannes stark zusammen nehmen. Vermutlich war es bei Trel nicht viel anders. Aber wir sind Offiziere der Sterneflotte und das müssen persönliche Gefühle zurückstehen. Die Pflicht geht vor, Abreagieren können wir nachher im Privatbereich. Immerhin konnte ich so noch die Gelegenheit nutzen, Rol nach Cylriha 3 und Dr. Sharyk zu fragen. Was ich erfuhr gab wieder keinen Anlass zur Hoffnung, war aber nicht unbedeutend. Anscheinend war Sharyk bei den Cardassianern in Ungnade gefallen und hatte seinen Planeten verlassen müssen. Jetzt befand er sich mit seinem Labor und den Versuchstieren, die er noch bei sich hatte, auf einem Schiff und durchquerte die Galaxie. Gut zu wissen, dass wir nicht mehr nach Cylriha 3 fliegen brauchen. Auch hinterlässt ein Schiff mehr Spuren. Es braucht Reparaturen, Ersatzteile und muss immer wieder Häfen und Raumbasen anlaufen. Wir werden ihn finden und dann wird er bezahlen!

Abends wollte Lt. Caylan ihren Geburtstag feiern, aber mir war nicht nach einer Party zumute. Ehrlich gestanden kann ich auch jetzt noch nicht nachvollziehen, wie die anderen feiern konnten, aber das ist deren Sache. Ich zog mich zurück und versuchte ein wenig zu meditieren. Und wer setzte sich als erster zu mir? Cmdr. O'Reardon! Ich war mehr als überrascht, aber die Unterhaltung war sehr angenehm. Ich habe ihn im Verlauf des Gesprächs auch gefragt, warum er mit allen Abteilungsleitern gesprochen habe, außer der Medizin. Was soll ich sagen? Er hatte es vergessen! Das hatte ich nicht erwartet. Ich konnte die Sorge aus seinen Worten hören, auch darüber, wie es ihm auf Terra ergehen würde. Es war schon seltsam, den Commander in Zivilkleidung zu sehen. Ich hätte es nie gedacht, dass ich es bedauern würde, dass er von Bord geht, aber so ist es. Wir verlieren einen fähigen Offizier und die Crew kann jetzt nicht noch mehr Instabilität gebrauchen. Ich habe ihm viel Glück auf der Erde gewünscht.

Viel Ruhe war mir nicht vergönnt, aber ich habe mich wirklich gefreut, dass John sich zu mir setzte. Wir haben über alles und jedes geredet. Darüber, wer uns auf diese verdammte Mission geschickt hatte, wer ein Interesse daran haben könnte, unseren Captain an die Breen auszuliefern und auch, diese ganzen verfluchten Intrigen. Ist dieser beschissene Krieg nicht schon schlimm genug? Müssen wir uns auch noch innerhalb der eigenen Reihen zerfetzen? So hat es das Dominion noch leichter, den Alpha-Quadranten zu erobern. Warum machen wir es uns unnötig schwer? Ob es eine Bedeutung für ihn hatte, dass John im Verlauf des Abends den Arm um mich legte? Ich wünsche es, aber am nächsten Morgen war davon keine Rede mehr.

Aber wenn wir geglaubt hatten, das Schlimmste hätten wir jetzt hinter uns, hatten wir uns alle geirrt. Die Nachrichten am nächsten Morgen übertrafen unsere dunkelsten Erwartungen. Die Breen sind entgegen ihrer Zusage auf der Seite des Dominion in den Krieg eingetreten. Sie haben die bajoranische Kolonie auf Free Haven, die Föderationskolonien und Deep Space 3 zerstört. Aber das war noch nicht alles. Gleichzeitig sind sie nach Terra weitergeflogen, haben die Marsverteidigung überrannt und die Städte San Francisco, New York, Paris und Peking angegriffen. Dabei wurden das Sternenflottenhauptquartier und die Sterneflottenakademie vollkommen zerstört. Die Verluste gehen in die Millionen. Captain Starkovs Opfer war vollkommen umsonst! Der Gedanke lässt mich fast verzweifeln. Aber nur fast! Ich starrte auf das Bild des zerstörten San Francisco auf dem Hauptbildschirm und hatte nur einen Gedanken: Rache!!! O'Kenner hat geweint, auch vielen anderen Crewmitgliedern standen die Tränen in den Augen. In mir macht sich so langsam wieder die Kälte breit.

Der Schock sitzt tief bei allen Crewmitgliedern. So viele haben Verwandte auf Terra und wissen nicht, wie es ihnen geht, oder ob sie noch leben. Das Schicksal meiner Kameraden von der Akademie ist ebenfalls unklar, aber ich weiß, ich werde viele von ihnen nicht wiedersehen. Cmdr. Stafford hat angeordnet, von Anfragen nach Terra abzusehen; die Netze sind vollkommen überlastet. Der Commander wirkt um Jahre gealtert. Wir werden die offiziellen Verlustlisten abwarten müssen, bis wir Näheres über Verwandte und Freunde erfahren können. Die Ungewissheit macht uns allen wohl am meisten zu schaffen.

So, das war's, jetzt gehe ich joggen, ich muss mich abreagieren, sonst zerschlage ich noch etwas oder werfe in der Messe Geschirr gegen die Wand. Oder sonst was. Computer, Aufzeichnung speichern.

Computer, Nachtrag: Ich mache mir Gedanken um Ens. Conway. Einerseits hat sie sich vorbildlich verhalten, als die Romulaner unangemeldet und ohne die Begleitung von Lt. Williams oder zumindest eines Mitglieds der Sicherheit mitten im unpassendsten Moment auf der Krankenstation auftauchten und Fragen über terranische Früchte beantwortet haben wollten. Conway hat sich sofort um die Delegation gekümmert, diese von der Krankenstation begleitet und sich deren Fragen gestellt. Selbst wenn sie ein Problem mit Romulanern haben sollte, wie Ens. Masterson behauptet hat, dann hat sie sich zumindest in der Hinsicht vollkommen unter Kontrolle. Allerdings ist sie während der letzten Mission zusammengebrochen. Nach einer Untersuchung konnte ich körperliche Ursachen bisher ausschließen. Es scheint sich eher um eine Reaktion auf emotionalen Stress zu handeln, wofür auch ihre Spezies als Halbbetazoidin spricht. Lt. Silok führt wohl Meditationstechniken mit ihr durch, um das Problem zu beheben. Trotzdem werde ich mit ihr darüber reden müssen. Wir werden vermutlich noch schlimmere Missionen durchführen als die letzte, und ich muss darauf zählen können, dass meine Leute stets vollständig einsatzfähig sind.

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