Puhhh, was für ein Scheißtag. Ich verzichte darauf, alle Ereignisse nochmals wiederzugeben, da sie mir wohl ewig in Erinnerung bleiben werden. Nur soviel: Ich sitze auf dem Stuhl eines großen Mannes und komme mir so unendlich klein und fehl am Platz vor. Ein Schiff voller Erinnerungen und leerer Räume und ich bin der Kommandant. Ein Kommando, dass ich nie wollte und ein neuer goldener Pin am Kragen, den ich nie angestrebt habe. Wohin soll das alles führen? Ein Platoon Tacticals zu kommandieren oder eine Jagdstaffel zu leiten ist eine Sache, aber ein ganzes Schiff mit 500 Mann Besatzung eine andere. Wo sind meine Freunde hin? Die Räder des Systems haben sich schneller gedreht, als ich je gedacht hätte. Ich musste personelle Entscheidungen bezüglich der Führungscrew treffen und diese anhand von Personalakten. Einzig Janara und Larissa sind noch da und Janara ist die Einzige, bei der ich leicht und aus Überzeugung entscheiden konnte. Was mit Lt. Commander Colt ist, werde ich noch sehen. Wenn ich jetzt durch die Gänge von Sergejs Schiff gehe, spüre ich deutlich, dass es so wie es ist nicht richtig ist. Es ist nicht mein Schiff und das wird und sollte es auch nie sein. Ich habe sein Quartier versiegeln lassen. Niemand hat einen Anspruch darauf und es soll so bleiben wie er es zurückgelassen hat. Aber ab jetzt muss ich die Entscheidungen treffen. Ich kann ihn nicht mehr um Rat fragen. Verdammtes Schicksal.
Doch überall gibt es Lichtblicke, zumindest an Bord dieses Schiffes. In den Lieutenants Stark und Mulligan sehe ich die Zunkunft. Besonnene und hochqualifizierte junge Offiziere, die mit ihren Fähigkeiten dem sie einschränkenden Rang weit voraus sind. Offiziere, die bestimmt einmal gute Kommandanten oder Führungsoffiziere werden. Auch was die anderen Abteilungsleiter angeht habe ich große Hoffnungen. Sie sind sehr jung an Rang oder Jahren, auf Positionen, die sie über das eigentlich zumutbare beanspruchen und sie machen ihre Arbeit bemerkenswert. Aber eine weitere Frage stellt sich mir die ganze Zeit: vertrauen mir diese Leute auch oder fürchten sie, dass das Schiff jetzt in die Hand eines zügellosen und schießwütigen Cowboys geraten ist? Ich weiß es nicht. Nun ja, ein teuflisches Spiel auf Zeit hat begonnen, doch ich will verdammt sein wenn wir es verlieren.
NIEMAND schnappt sich meinen Kommandanten und kommt damit durch und ich denke seine Crew sieht das genauso. Und wenn wir durch die Feuer der Hölle gehen müssen! Wir werden ihn retten, sobald der Befehl kommt. Ich bin überzeugt davon, dass ihn dieser Breen nicht sofort getötet hat, denn dafür war sein Aufwand und Risiko zu groß und er wird den Tag bereuen an dem er sich mit der USS Exeter angelegt hat, denn jetzt ist es auch für uns eine persönliche Sache. Die Breen sollen bezahlen für jedes einzelne ausgelöschte Leben und sie sollen dafür bezahlen Hand an Sergej Starkov gelegt zu haben. Gott möge uns beistehen und mir meine Gedanken verzeihen.
So, Janara hat Brückendienst und ich gehe jetzt zu Larissa. Ich muss über vieles reden, denn sonst drehe ich noch durch. Computer, speichern und Ende.