Storyline

Starfleet Operations Con 2

Persönliches Computerlogbuch - Jaris Lhasa

Sternzeit 51591 (4. August 2374)

Tirel ist wieder vollkommen gesund, den Propheten sei Dank! Er wurde heute seinem neuen Team zugeteilt und zur Sternenbasis 364 gebracht. Jetzt kann ihn nichts mehr davon abhalten, weiter nach dem Verbleib von Vater zu forschen. Er tut so, als ob ihn die Nachrichten, die ich ihm mitgeteilt habe, nicht schocken könnten und alles am Ende wieder gut werden würde. Das hat er auch nach dem Tod seiner Teammitglieder getan. Stets gut drauf, alles halb so schlimm, stets am Lächeln, nur keine traurigen Gefühle zeigen. Ich mag es nicht, wenn er mir Theater vorspielt und heute hab ich es nicht mehr ausgehalten. Ich hab ihm einfach gesagt, er brauche sich vor mir nicht zu verstellen, schließlich sei ich seine Schwester. Und trösten und beschützen müsse er mich auch nicht mehr ständig, dass könne ich inzwischen auch sehr gut selber. Ich bin nicht mehr das kleine Mädchen von damals, als Dad verschwand, auf das man achten und von dem man alles Üble möglichst fern halten musste. Tirel hat mir stets eine kleine heile Welt geboten und dafür bin ich ihm unendlich dankbar. Aber die Realität ist anders und das kann er nicht mehr vor mir verstecken. Schlagartig verschwand das Lächeln aus seinem Gesicht und er wurde sehr ernst. Dann hat er endlich erzählt, wie schlimm die Sache war und dass er sich die Schuld für den Tod seiner Teammitglieder gebe. Was sollte ich sagen? Wir haben sehr lange geredet, aber das will ich hier nicht alles wiederholen. Ich stehe ihm vielleicht sogar zu nah, als dass ich ihm in Allem eine Hilfe sein könnte. Ich habe ihm tatsächlich (ja habe ich getan) den Rat gegeben, einmal mit einem Counselor über die Sache zu sprechen, auch wenn er das kategorisch ablehnt. Klar, hab ich bis zum Besuch auf Bajor auch stets getan, aber da hab ich halt gemerkt, dass es manchmal helfen kann (was ich Tirel auch so gesagt habe). Vielleicht hilft es ihm ja auch – vorausgesetzt er redet tatsächlich mit jemandem. Muss ja auch nicht unbedingt ein Counselor sein.

Wir haben noch lange geredet und ich hab ihm das erste Mal gegenüber zugegeben, dass ich als Kind immer versucht habe, so gut wie er zu sein. So gut rennen zu können wie er, so gut kämpfen zu können wie er, seine taktischen Überlegungen, seine Ideen, seine Pläne im Widerstand, seine Fähigkeiten, Sprengsätze zu bauen und was nicht noch Alles. Natürlich war ich nie so gut wie er, wie sehr ich auch übte. Konnte ich auch nicht, meine Fähigkeiten liegen ganz woanders; aber das konnte ich damals noch nicht wissen. Stets wollte ich dadurch seine Anerkennung – auch wenn ich die so stets hatte. Ich wollte immer so sein wie er. Ich glaube, meinen eigenen Weg konnte ich erst finden, als Tirel in cardassianischer Kriegsgefangenschaft war. Da hatte ich den großen Bruder nicht immer direkt vor Augen und ich entdeckte meine eigenen Fähigkeiten. Ist schon seltsam, wie sich die Dinge manchmal fügen, wenn man sie rückwärtig betrachtet.

Sternzeit 51610 (11. August 2374)

Diese Lernerei scheint kein Ende zu nehmen. Ich weiß nicht, wie ich das Alles bis Ende September schaffen soll. Ich glaube, das wird so nie was. Von den Doppelschichten bin ich auch noch nicht runter. Propheten steht mir bei!

Sternzeit 51627 (17. August 2374)

Als wenn wir nicht im Krieg wären und wir angesichts des geringen medizinischen Personals nicht schon genug Arbeit hätten. Nein, die Sicherheit muss sich beim Training auch noch gegenseitig die Zähne ausschlagen. Und das im wahrsten Sinne des Wortes! Heute erschien ein Mitglied der Sicherheit auf der Krankenstation, weil ihm ein Partner beim Trainingskampf einen Zahn ausgeschlagen hatte. Großartig! Ich war nicht sehr begeistert. Gut, das eine Mal geht in Ordnung, aber ich bin zzt. für den Gesundheitszustand der Crew verantwortlich und habe ihm daher gesagt, das nächste Mal sollen sie gefälligst vorsichtiger sein. Wir können jederzeit in Kriegshandlungen verwickelt werden, und da muss die Crew einhundertprozentig einsatzfähig sein. Es kann nicht angehen, dass Crewmitglieder ausfallen, weil sie beim Training verletzt wurden, nur weil jemand zu unvorsichtig oder zu übereifrig war. Ens. Wagner sollte darauf achten.

Sternzeit 51641 (22. August 2374)

Jaqueline hat es jetzt tatsächlich in die Nachrichten geschafft. Aber warum musste sie auch in aller Öffentlichkeit in Gegenwart ihrer Eltern so einen Ausraster kriegen? Glaubt sie denn wirklich es würde ihrer Mutter Spaß bereiten, einen auf "gutes Wetter" mit ihrem (Noch-)Ehemann zu machen? Kann ich mir nicht vorstellen, nachdem ich sie näher kennen gelernt habe. Im Gegenteil, sie würde Adm. Dawson wahrscheinlich lieber heute als morgen durch die nächstbeste Schleuse ins All befördern. Aber das kann sie nicht. Ich vermute, sie macht "gute Mine zum bösen Spiel" um Leute, die ihr nahe stehen, zu schützen, damit sie ihrem Mann keine Angriffspunkte für diese Personen liefert (insbesondere bei ihrer Tochter). Gleiches gilt vermutlich für die Crew der Exeter, die Adm. Dawson sowieso schon "auf dem Kieker hat", wie die Terraner sagen. Vielleicht rede ich 'mal mit Jaqueline über die Sache. Mit ihrer Rebellion und ihrem öffentlichen Protest tut sie niemandem einen Gefallen – sich selbst nicht (was ihr aber vermutlich vollkommen egal ist) und auch ihrer Mutter nicht. Und Starkov und seiner Crew erst recht nicht, da der Captain jetzt um den Schein zu wahren, disziplinarische Maßnahmen ergreifen muss, obwohl er Jaqueline wahrscheinlich lieber beipflichten würde. Allerdings verstehe ich Cmdr. Duboit auch nicht, warum sie Jaqueline nicht die Wahrheit sagt. Die ist schließlich alt genug, hat mehr als genug unter ihrem Vater gelitten und eine fairere Behandlung durch ihre Mutter verdient.

Habe Jaqueline heute Abend in Ihrem Quartier besucht. Und irgendwie ist dieses Gespräch so ganz anders verlaufen, als ich es mir vorgestellt habe. Ich mag sie wirklich, aber manchmal habe ich noch echt Schwierigkeiten mit ihrer Art klarzukommen. Alles fing eigentlich ganz harmlos an. Aber schon bei den üblichen Höflichkeitsfloskeln kam es zum Streit. Ich wollte ihr nicht glauben, dass es ihr, wie sie selbst sagte, gut ging und sie meinte gleich, ich wolle ein Psychogespräch mit ihr führen. Ich bin doch kein Counselor, und es sollte wirklich nur ein Freundschaftsbesuch sein. War das so schwer zu verstehen? Habe ich ihr auch gesagt. Aber es kam noch besser. Adrian hat einen von mir gefertigten Akteneintrag auf Jaquelines Bitte hin wohl wieder gelöscht. Wieso, das muss ich noch klären. Schon nicht gut, dass sie Adrian überhaupt beim Ausfüllen der Akten zusehen konnte, aber zuerst habe ich geglaubt, sie hätte sich in Akten gehackt und den Eintrag selbst entfernt. Nun ja, was soll ich sagen, ich hätte es ihr wohl zumindest zugetraut. So ging das eine ganze Weile weiter, sie wütend, ich wütend – klasse, dabei sollte es ein ruhiger Abend werden. Irgendwie – bei den Propheten ich weiß wirklich nicht wie – haben wir uns dann doch wieder beruhigt. Ich hatte zwischendurch wirklich befürchtet, wir würden uns in Jaquelines Quartier prügeln oder ich würde es wutentbrannt verlassen und anschließend kein Wort mehr mit ihr wechseln oder so etwas in der Art. Wäre nicht verwunderlich gewesen Wir haben dann über mehr oder weniger belanglose Dinge geredet, Tirel, Christine, Bordeaux und Frankreich, Ramon (einem alten Bekannten von Jaqueline), über Admiräle als Vater und lästige Paparazzi sowie Offizierstee. Schön, jetzt weiß ich wenigstens, warum immer alle so grinsen, wenn das Wort fällt. Das Wort Party hätte ich dann wohl besser nicht in den Mund genommen, es hat sie tatsächlich wieder auf dumme Ideen gebracht. Obwohl ich von der Idee "Jail-Party" auch ziemlich angetan war. Also haben wir ein paar Leute eingeladen und uns einen lustigen Abend gemacht. Ich glaube, Jaqueline hatte Recht, dass mir eine kleine Pause beim Lernen nicht schaden könne. Nun gut, die Party letztendlich war klasse. Fast alle waren gekommen, die Leute von der Sicherheit, Adrian, Stark und O'Kenner, Trel und ich weiß nicht wer noch alles. Ich hatte ein wenig den Eindruck, sie alle konnten ein wenig Spaß in diesem ganzen Kriegselend gebrauchen.

Sternzeit 51665 (31. August 2374)

Heute ist mein Geburtstag. Aber da offensichtlich niemand von der Crew davon weiß hat keine davon Notiz genommen oder gratuliert. Ehrlich gestanden war mir auch gar nicht nach feiern zumute. Tirel hat mir natürlich gratuliert. Mal sehen, ob er wieder schafft, mir ein Päckchen zukommen zu lassen.

Aus der Freistellung von den Doppelschichten, die Cmdr. Stafford mir zugesagt hatte, wird nichts. Cmdr. Caine wird weiterhin in einem Forschungsprojekt festgehalten und die Personalsituation auf der Krankenstation erlaub keine Einschränkung meines Dienstes auf einfache Schichten. Wie ich die Prüfungsvorbereitung unter diesen Bedingungen schaffen soll, ist mir ein Rätsel. Mögen die Propheten mir beistehen.

Sternzeit 51687 (8.September 2374)

Von Dad gibt es keine neuen Nachrichten. Tirel hat versucht, Informationen zu erhalten, aber bisher ohne Erfolg; alle Spuren scheinen im Sande zu verlaufen.

Sternzeit 51690 (9. September 2374)

Der Lernstoff frisst mich auf. Ich bin immer noch auf Doppelschicht und danach muss ich noch lernen. Ich versuche so viel Lernstoff wie möglich während der Dienstzeit zu erarbeiten, aber mehr als drei bis vier Stunden Schlaf bekomme ich momentan nie pro Nacht. Ich weiß nicht, wie lange ich das noch durchhalte. Kaleb entlastet mich, wo er nur kann, aber er ist nur Sanitäter und kann halt nicht alle Aufgaben eines Arztes übernehmen. Zudem ist Cmdr. Caine immer noch nicht auf die Exeter zurückgekehrt. Und es sind nur noch etwas über zwei Wochen bis zur Prüfung.

Sternzeit 51698 (12. September 2374)

Der Krieg geht mit aller Härte weiter. Das Domion hat die die Neutrale Zone erreicht. Wie hoch die Verluste sind, kann ich nicht sagen, aber die USS Cairo wurde dabei zerstört.

Sternzeit 51706 (15. September 2374)

Bei den Propheten, ein Hoffnungsschimmer. Legat Damar hat tatsächlich um Friedensverhandlungen gebeten! Ob der Krieg jetzt endlich bald ein Ende hat? Ich bete dafür. Der Föderationsrat muss den Verhandlungen allerdings noch zustimmen.

Sternzeit 51709 (16. September 2374)

Noch gut eine Woche bis zur Abschlussprüfung und ich kann keinen klaren Gedanken fassen. Ich lese eine Zeile x-mal und weiß anschließend immer noch nicht, was drinsteht. Ich tue nichts anderes mehr als Lernen und Dienst. Kein Joggen, kein Training mit Trel, Lt. Stark habe ich auch schon sein ein paar Wochen nicht mehr gesehen (hoffentlich denkt er jetzt nicht wieder, ich ginge ihm aus dem Weg). Heute Abend ist es mir einfach zu viel geworden. Ich habe den Lernkram in die Ecke geschmissen (ja nicht ganz so wörtlich) und bin in die Turnhalle gegangen. Dort habe ich bestimmt zwei Stunden auf einen Sandsack eingeprügelt, bis ich meinen Frust einigermaßen los war, und meinen Kopf wieder freibekommen hatte. Anschließend wollte ich auf meinem Quartier wieder weiterlernen, aber ich bin einfach nur noch ins Bett gefallen und habe bis zum Dienstbeginn geschlafen. Okay, ich werde die Zeit vermutlich bereuen, da sie mir zum Lernen fehlt, aber das kann ich jetzt nicht mehr ändern.

Sternzeit 51715 (18. September 2374)

Alle Hoffnung zunichte. Ich kann es nicht glauben, aber der Föderationsrat hat das Angebot zu Friedensverhandlungen heute abgelehnt. Kein Frieden, der Krieg geht weiter. Nun ja, vielleicht war das Angebot wirklich nur eine Hinhaltetaktik des Dominion wie der Rat behauptet hat – zu trauen ist dem Dominion und seinen Verbündeten ja nicht wirklich.

Sternzeit 51720 (20. September 2374)

Komische Wende, aber nun sind tatsächlich auch die Romulaner in den Krieg eingetreten. Wie es heißt, hat es einen Anschlag auf einen ihrer Senatoren gegeben, den sie auf das Dominion zurückführen. Zudem ist das Romulanische Imperium der Allianz aus Föderation und Klingonischem Reich beigetreten. Unterstützung im Kampf können wir derzeit wirklich gut gebrauchen. Abwarten, was daraus wird.

Sternzeit 51734 (25. September 2374)

Die Romulaner haben wohl heftig in den Krieg eingegriffen. Den Gerüchten nach haben sie mehrere Basen entlang der cardassianischen Grenze angegriffen.

Sternzeit 51736 (26. September 2374)

Dienstfrei! Super, aber nur um heute mit der Prüfung zu beginnen. Was soll ich sagen? Ich bin jetzt noch vollkommen fertig, und wenn ich auch nur einen Teil heute bestanden haben sollte, haben die Propheten ein Wunder geschehen lassen. Was war heute dran? Erst mal die allgemeinen Grundlagen: Biologie und Xenobiologie, Chemie, Diagnostik in allen Facetten und natürlich mein liebstes Fach: Elektronic Ops Medizinische Geräte, Lebenserhaltung und Sensoren – klasse! Diagnostik war immer noch das einfachste, aber da hab ich auch die größte Erfahrung drin.

Sternzeit 51739 (27. September 2374)

Und weiter ging's. Heute mit Anatomie, Physiologie inkl. Xenophysiologie, Anästhesie und Chirurgie. Was soll ich sagen? Eigentlich will ich gar nicht darüber reden. Mit niemandem. Es war der totale Reinfall. Ich frage mich, was mich geritten hat, die Prüfung jetzt schon zu machen. Mein Ehrgeiz, was sonst. Hätte ich eigentlich besser wissen müssen, aber jetzt ist es zu spät.

Sternzeit 51742 (28. September 2374)

Letzter Tag. Ich hab's geschafft. Ging noch mal richtig rund heute: Pathologie, Pharmazie und zuletzt mein Zusatzfach Psychologie. Bei den Propheten, ich war mehr als schlecht. Bestanden habe ich niemals. Ich wäre besser gar nicht erst angetreten, das hätte mir eine Blamage erspart. Na gut, bis zur Ergebnisbekanntgabe habe ich dafür erst 'mal lernfrei und ein wenig mehr Freizeit. Gibt's das überhaupt in diesem Krieg? Wohl eher weniger, aber für ein kurzes Treffen mit Lt. Stark wird's reichen. Hoffe ich.

Sternzeit 51750 (1. Oktober 2374)

Die Suche nach Dad bleibt weiter erfolglos. Die einzige Chance, die uns noch bleibt, wäre mitten ins cardassianische Raumgebiet zu fliegen und dort weiterzusuchen. Tirel würde genau das am liebsten tun, aber leider können wir aufgrund des Krieges nicht einfach nach Chilyrha 3 fliegen und dort nach Dad, diesem Dr. Sharyk und seinen weiteren Opfern forschen. Aber die Propheten haben mir schon einmal einen Hinweis gesandt, sie werden mich auch weiterhin begleiten.

Sternzeit 51758 (4. Oktober 2374)

Es ist zum Verzweifeln. Nachdem wir durch den Kriegseintritt der Romulaner neue Hoffnung geschöpft hatten, scheinen wir von einem Sieg, ja nur von einem Kriegsende, weiter entfernt zu sein denn je. Das Dominion ist bis nach Betazed vorgedrungen. Bereits beim ersten Angriff wurden fast 30% der verteidigenden 10. Flotte vernichtet. Die Flotte hat ausgehalten bis zum letzten Schiff, aber sie wurden alle zerstört. Die Sternenflotte konnte Betazed nicht verteidigen und dem Dominion ist es gelungen, Betazed zu besetzen. Die Verluste dieser Schlacht sind unendlich hoch und es ist für alle hier an Bord der Exeter ein tiefer Schlag. An Bord ist das natürlich Gesprächsthema Nummer eins. Wenn ich es richtig mitbekomme habe, hat Ens. Wagner sogar Doppelschichten bei der Sicherheit angeordnet, falls es an Bord zu Zwischenfällen deswegen kommen sollte. Die betazoiden Mitglieder der Besatzung leiden besonders – ich kann es in ihren Augen sehen. Insbesondere Lt. Lloyd bemüht sich, sich nichts anmerken zu lassen, aber er ist beunruhigt und aufgeregt. Crwm. Pelothel ist merklich schockiert. Mögen die Propheten allen – den Lebenden und den Toten – beistehen.

Sternzeit 51761 (5. Oktober 2374)

Die Exeter wurde zusammen mit der 6. Flotte von der Front abgezogen. Wir haben jetzt die Aufgabe, Vulkan zu schützen. Aufgrund des Verlustes von Betazed ist anscheinend die Sicherheit der Kernwelten der Föderation nicht mehr gewährleistet.

Die Suche nach meinen Vater hat angesichts der schlimmen Ereignisse im Moment ein wenig an Bedeutung für mich verloren. Nichtsdestotrotz versuchen Tirel und ich weiterhin, Informationen zu sammeln.

Sternzeit 51767 (7. Oktober 2374)

Es ist zum verzweifeln. Je länger die Prüfung her ist, desto mehr Dinge fallen mir ein, die ich falsch gemacht habe. Jetzt kann mir wirklich nur noch ein Wunder helfen.

Sternzeit 51772 (9. Oktober 2374)

Wir sind im Vulkanischen Raumgebiet angekommen. Es ist alles ruhig, der Dienst ist die übliche Routine. Ich bin sogar ein wenig froh darüber.

Sternzeit 51780 (12. Oktober 2374)

Weiterhin keine guten Nachrichten von der Front. Obwohl die Klingonen die Nachschublinien des Dominion angreifen, konnte dieses seine Position auf Betazed weiter festigen. Meine Gedanken sind bei den Besetzten – ich hoffe und bete, dass sie ihre Freiheit bald wieder erlangen mögen. Kein Planet sollte jemals wieder von einer fremden Rasse besetzt werden. Mein Volk kann dies wohl sehr gut nachvollziehen.

Sternzeit 51791 (16. Oktober 2374)

Eine weitere Schlacht bei Vulkan. Und wir mittendrin. Jedenfalls fast. Wie durch ein Wunder blieb die Exeter so gut wie unbeschädigt und es gab nur Leichtverletzte bei der Crew. Den offiziellen Berichten zu Folge war die Schlacht mehr als nur sehr heftig. Die Streitkräfte des Dominion konnten zurückgeschlagen werden, aber zu welchem Preis? Man sagt, der Sieg sei entscheidend für die Sicherheit der Föderation, doch wir haben 37.000 Leben verloren. Wann hört das Töten endlich auf?

Sternzeit 51802 (20. Oktober 2374)

Adrian und ich haben unsere Idee, an cartalianischen Fieberviren zu forschen, zunächst auf Eis gelegt. Es gab bisher keine Möglichkeit an die Erreger zu kommen und sobald wird sich auch keine ergeben. Stattdessen versuchen wir, die Erforschung der Trelkaviren voranzutreiben. Zwar gibt es einen Impfstoff dagegen, aber das Virus ist so stark mutagen, dass ich befürchte, es könne sich irgendwann eine Form entwickeln, gegen welche die Trill vielleicht keine Antikörper mehr besitzen. Da die Cardassianer das Virus erschaffen haben, bleibt auch ihnen die hohe Mutationsrate nicht verborgen und wahrscheinlich arbeiten sie schon an weiteren Formen des Virus. Inzwischen dürften sie nämlich wissen, dass wir über ein Gegenmittel verfügen; wir sollten auf Alles vorbereitet sein. Zur Zeit versuchen wir, den Gencode des Virus vollständig zu entschlüsseln, um dort vielleicht einen Anhaltspunkt zu finden, warum das Virus so stark und so häufig mutiert. Es ist eine mühevolle Arbeit und sie wird sicherlich Wochen dauern, aber es macht Adrian und mir auch viel Spaß. Zudem werde ich meine Doktorarbeit über das Trelkavirus schreiben, so dass jeder Fortschritt auch ein Fortschritt dieser Arbeit ist.

Sternzeit 51827 (29. Oktober 2374)

Meine Prüfungsergebnisse müssten längst da sein, aber bisher habe ich noch nichts von der Akademie gehört. Nun gut, warte ich halt noch.

Sternzeit 51830 (30.Oktober 2374)

Der Krieg wird immer schlimmer. Das Dominion hat die 11. Flotte bei Benzar vernichtend geschlagen und das System eingenommen. Alle Versuche der 14. Flotte, das System zurückzuerobern schlugen fehl. Wieder gab es unzählige Tote und ich frage mich, wie lange uns das Glück noch hold ist, bis es auch in unserer Crew wieder Verluste zu beklagen geben wird. Ich bete zu den Propheten, sie mögen diesen Krieg beenden.

Sternzeit 51857 (9. November 2374)

Jetzt bin ich seit einem Jahr auf der Exeter. Schon komisch, wie viel in dieser Zeit passiert ist – nicht, dass mein Leben jemals ereignislos verlaufen wäre. Gut, die zwei Jahre auf der Akademie waren ruhig, aber sonst? Mir war der Tag eigentlich egal, aber wenn ich an die letzen zwölf Monate denke, und die Veränderungen, die ich in dieser Zeit erfahren haben, an das, was die Crew durchgestanden hat, an neue Freundschaften und neue Feinde, dann komme ich schon ins Grübeln. Unser Schiff hatte bisher so wahnsinnig viel Glück – aus den Schlachten, in die wir verwickelt waren, sind wir immer noch einigermaßen unversehrt wieder herausgekommen, ohne zu große Verluste. Wir hätten auch als eines der Schiffe enden könne, die nicht mehr von einem Einsatz zurückgekehrt sind. Ein weiteres von vielen auf den langen Verlustlisten. Ich mag nicht darüber nachdenken. Mögen die Propheten weiterhin ihre schützenden Hände über uns halten.

Sternzeit 51873 (15. November 2374)

Die Akademie hat immer noch nichts von sich hören lassen. So langsam werde ich ungeduldig. Auf eine Nachfrage meinerseits meinte der zuständige Officer nur, es habe einige Verzögerungen im letzten Termin gegeben, ich solle mich noch ein wenig gedulden. Super, wie lange denn noch?

Sternzeit 51884 (19.November 2373)

Noch mehr Schlachten. Die Infos kommen nur spärlich und sind nicht immer bestätigt, aber Gerüchte verbreiten sich ja bekanntlich immer am schnellsten. Beim Tibor-Nebel hat die Föderation wohl versucht, den Aufbau einer Nachschublinie des Dominion zu verhindern. Ob es geglückt ist? Keine Ahnung, es sieht eher nicht so aus. Nur vier Schiffe sind aus der Schlacht zurückgekehrt, über die genauen Verluste ist noch nichts bekannt.

Sternzeit 51898 (24. November 2374)

Adm. Salok ist es tatsächlich gelungen, die Streitkräfte des Dominion in eine Falle bei der oortschen Wolke zu locken. Was man so hört, war es eine taktische Meisterleistung. Hätte er keinen Erfolg gehabt, wäre wohl jetzt auch Vulkan an das Dominion verloren, aber noch können wir siegen, noch gibt es Hoffnung.

Sternzeit 51901 (25. November 2374)

Lt. Darrim wurde heute von der Anklage der Meuterei freigesprochen. Angeblich hat Adm. von Teuffel neue Beweise für Lt. Darrims Unschuld und für die ihres Mannes gefunden. Von Teuffel? Kann ich nicht glauben, niemals, der nicht. Egal, Darrim ist rehabilitiert und gut.

Sternzeit 51915 (30. November 2374)

Weitere Erfolge. Wir konnten nach einer Offensive Gefechte im Sybaron- und im Dorala-System gewinnen. Auch die Klingonen verbuchten Erfolge im Kepla-Sektor. Wir sollten das feiern. Eventuell. Unter Umständen. Na ja, vielleicht sehe ich Lt. Stark heute Abend noch im Casino.

Sternzeit 51926 (4. Dezember 2374)

Die Offensive geht weiter. Den Klingonen gelang die Befeiung zweier Systeme im Kepla-Sektor, die Romulaner konnten ihre Angriffe an der Grenze zum cardassianischen Raumgebiet fortsetzen.

Sternzeit 51934 (7. Dezember 2374)

Ich habe heute nochmals bei der Akademie angefragt. Diesmal waren sie zumindest in der Auskunft etwas präziser. Es gäbe wohl speziell bei meinen Prüfungsergebnissen noch einige Probleme. Sobald die Ergebnisse endgültig feststünden, würde man sie an meinen zuständigen Personaloffizier weiterleiten, der mich dann umgehend darüber informieren werde. Klasse, ich darf also von Cmdr. O'Reardon persönlich erfahren, dass ich durchgefallen bin. Propheten helft mir, wie soll ich dass den durchstehen? Obwohl, vielleicht besser als zu ihm hingehen zu müssen, um ihm zu sagen, dass ich nicht bestanden habe, oder? Egal, passen tut mir beides nicht und die Warterei macht mich langsam irre!

Sternzeit 51956 (15. Dezember 2374)

Betazed bleibt besetzt. Mehrere Versuche der Föderation, den Planeten zu befreien, sind gescheitert. Das Domion konnte seine Position dort bedauerlicherweise festigen.

Sternzeit 51964 (18. Dezember 2374)

Wieder sind weitere Versuche, Betazed zu befreien, gescheitert. Ich kann die Ängste der betazoidischen Besatzungsmitglieder schon fast selber spüren, ich kenne das Gefühl nur zu gut. Diese Ungewissheit, keine Nachrichten, ständiges Schwanken zwischen Hoffen und Bangen. Als Tirel damals in cardassianischer Gefangenschaft war, ging es mir wohl ähnlich.

Weiterhin haben wir neues medizinisches Personal bekommen: Ensign Julie Conway. Verstärkung in der Medizincrew können wir wirklich gut gebrauchen. Wann Cmdr. Caine zurückkehren wird ist immer noch nicht bekannt. Cmdr. O'Reardon brachte sie persönlich auf die Krankenstation, um sie vorzustellen. Was soll ich sagen? Sie war sehr bemüht, sich gleich in die Arbeit einzubringen. Adrian hat ihr erst mal die Station gezeigt und ich bin sehr froh, dass er diese Aufgabe übernommen hat. So hatte ich in der Zwischenzeit die Möglichkeit, die Dienstpläne für die nächste Woche zu erstellen. Morgen beginnen die Raum- und Bodenkampfübungen auf dem Holodeck und da geplant ist, dass die teilnehmenden Crewmitglieder auch die erforderlichen Ruhepausen dort verbringen sollen, wird ein Teil der Crew die nächsten beiden Tage keinen regulären Dienst versehen können. Von daher ist eine Neueinteilung des Personals auf die Schichten erforderlich.

Sternzeit 51972 (21. Dezember 2374)

Ich bin durch! Ich hab's geschafft! Bestanden! Die Propheten haben ein Wunder geschehen lassen! Wir haben heute früher Dienstschluss und überhaupt… Bei den Propheten, die letzten Tage waren wirklich mehr als chaotisch. Aber am Besten der Reihe nach: Fangen wir mit Sternzeit 51967 (19. Dezember) an. Es war bereits gegen Abend, wenn man das hier draußen überhaupt sagen kann, als sich die zum Holodecktraining abkommandierten Crewmitglieder auf Holodeck 2 einfanden. Auch zwei neue Crewmitglieder befanden sich darunter. Joran Sias, ein Trill im Rang eines Ensign, der wohl, wie ich erfuhr, zur Flugkontrolle gehört und Lillian Winterson, eine Halbklingonin, ebenfalls Ensign und wohl auch Mitglied der Flugkontrolle. Zudem hatten wir noch einen Gast an Bord. Eine Andorianerin namens Inoi Jedatha, noch im Rang eines Kadetten. Cmdr. O'Reardon begrüßte die Anwesenden kurz und teilte die Crew dann entweder für das Raum- oder für das Bodenkampftraining ein. Ich habe nur gebetet, der Gruppe für den Bodenkampf zugeteilt zu werden, da ich vom Brückendienst nicht den blassesten Schimmer habe. Meine Gebete wurden erhört, ich durfte am Bodenkampftraining teilnehmen. Lag wohl auch daran, dass die medizinische Abteilung keine Konsole auf der Brücke hat, daher macht Raumkampfsimulation für uns nicht so wirklich viel Sinn. Bodenkampf hingegen schon, da i. d. R. stets ein Mediziner den Bodenteams zugeteilt wird. Warum Cmdr. Stafford, der die Ausbildung im Bodenkampf durchführte, aber gerade mich als Teamleiter für die erste Übung auswählte, war mir ein Rätsel. Egal, ich musste mich der Aufgabe (die mir eher wie eine persönliche Prüfung vorkam) stellen, die darin bestand, ein Team von drei Personen, das mit einem Shuttle auf einem Klasse M Planeten, hügeliges, bewaldetes Terrain, abgestürzt war, zu bergen. Viel mehr Informationen bekamen wir eigentlich nicht. Ich stellte ein Team zusammen, bestehend aus drei Mann Sicherheit (Wagner, Vaughnn und Pelothel), einem Mann OPS (Mulligan), einem Techniker (T'Aloviks), einem Wissenschaftler (Castle) und einem weiteren Mediziner, das war Adrian. Es war dunkel draußen und regnerisch. Beste Konditionen also für einen Außeneinsatz. Von den angeforderten Ausrüstungsgegenständen bekamen wir auch nicht mal die Hälfte, z. B. keine Granaten (die sind auf Befehl verboten, wieso auch immer). Zum Glück sollte das Beamen auf dem Planeten einwandfrei funktionieren, so dass wir keine Transporterverstärker brauchten. Die nehme ich sowieso nur ungern mit, sie sind groß, unhandlich und erschweren das Vorwärtskommen besonders in bewaldetem Gelände.

Wir beamten (in Simulation natürlich nur) runter und formierten uns. Unsere Tricorder zeigten uns bald, dass das abgestürzte Team sich ca. 1 – 1,5 km entfernt auf dem vor uns liegenden Hügel befand. Leider befand sich zwischen uns und dem Team ein Trupp Cardassianer. Wieso eigentlich immer Cardassianer? Können die nicht mal andere Feinde simulieren? Okay, wir sind im Krieg gegen die, da bietet es sich an. Aber Jem'Hadar wären doch mal eine Alternative, oder? Gegen die führen wir ja wohl auch Krieg. Nun gut, dem Weg auf den Hügel konnten wir nicht folgen, dann wären wir den Cardassianern direkt in die Hände gelaufen. Also haben wir versucht, uns neben dem Weg durchs Unterholz zu schlagen. Eine Weile ging das auch ganz gut. Wagner und Vaughn sicherten vorweg, wir rückten nach. Bis auf Pelothel und Adrian, der bei dem Crewman war. Auch Castle ist nicht wirklich das Bewegungsgenie im Wald, aber das konnte ich ja auf Trelka schon feststellen. Wie oft ich den Befehl zum Nachrücken gegeben habe, allein damit wir den Anschluss an die Vorhut nicht verlieren, kann ich nicht mehr sagen. So was darf nicht vorkommen, die Leute müssen das einfach selbständig hinkriegen. Gut, irgendwann fiel der erste Schuss und wir waren mal wieder mitten im Gefecht. Wagner und Vaughnn leisteten ganze Arbeit, aber irgendwann erwischte es sie. Unsere Kommunikation funktionierte nicht richtig und durch den Wald brüllen konnten wir auch nicht, so dass ich nie sagen konnte, wer von meinem Team noch stand und wer nicht. Ob unser Ablenkungsmanöver mit dem überladenen Phaser funktionierte oder nicht, weiß ich nicht, auf jeden Fall verschwanden die Cardassianer irgendwann. Wir erklommen den Hügel und fanden das Team. Der Kommandant war offensichtlich schwer verletzt, die beiden übrigen Mitglieder unverletzt. Adrian und ich nahmen nur eine Notstabilisierung vor Ort vor und ich ließ beide Teams sofort an Bord zurückbeamen, um den Schwerverletzten auf der Krankenstation ordentlich versorgen zu können. Damit war die Übung beendet. In der anschließenden Nachbesprechung gab es natürlich Kritik, aber wir hatten zumindest für alle unsere Handlungen eine gute Erklärung, so dass die abschießende Beurteilung nicht zu negativ ausfiel. Wieso Trel aber jetzt neuerdings den Moraloffizier der Exeter spielt, kann ich nicht nachvollziehen. Erst spricht er sich gegen Granaten aus und dann macht er uns Vorwürfe, wie wir es wagen könnten, überladene Phaser zu benutzen. Schließlich seien wir die Sternenflotte. Ich war so perplex über seine Ausführungen, dass es mir die Sprache verschlug. Gerade Trel, der früher so ziemlich alles in die Luft gesprengt hat (oder sprengen wollte), was ihm in den Weg kam. Gut wir sind Mitglieder der Starfleet, okay, aber es herrscht Krieg da draußen, falls er das vergessen haben sollte. Wenn ein Gegner zwischen mir und meine Missionsziel steht, oder Mitglieder meines Teams bedroht, muss ich mich doch wehren können. Überladene Phaser sind vielleicht manchmal etwas hart, weil sie immer tödlich wirken, aber Blend- oder Betäubungsgranaten? Aus dem Weg schaffen muss ich meine Gegner so oder so, ob ich jeden Einzelnen mit Phaserbeschuss betäube oder eine Granate einsetze, wo ist der Unterschied? Die Cardassianer machen da auch keinen Unterschied, die töten eigentlich gleich. Und meine Aufgabe muss es doch wohl sein, mein Team möglichst wenig zu gefährden und je länger ein Gefecht dauert, desto mehr Crewmitglieder gefährde ich. Also dann lieber kurzen Prozess, finde ich. Meine Leute sind da doch wohl wichtiger. Das hätte ich ihm gleich an dem Abend sagen sollen, aber mir fiel auf seine Worte hin einfach nichts mehr ein. Eins bemerkte ich wie damals auf Trelka auch: Wir sind zu langsam. Entscheidungen dauern zu lange, wir zögern zu häufig, die Teams sind nicht gut aufeinander eingespielt, alles braucht zu viel Zeit. Irgendwann kann uns das den Kopf kosten, wir müssen unbedingt daran arbeiten.

Für diesen Abend war Freizeit angesagt, aber dann kam Cmdr. O'Reardon auf mich zu und bat mich zu einer Besprechung. Ich befürchtete das Schlimmste, aber es kam noch viel schlimmer. Zuerst erklärte er mir, meine Ergebnisse der Akademieprüfung seien noch nicht gekommen, weil noch eine Note fehlen würde. Wie die verloren gegangen sein konnte, war mir ein Rätsel, aber was blieb mir übrig, als den fehlenden Test zu wiederholen, wie der Commander mir anbot. Da saß ich nun, vollkommen unvorbereitet und die Fragen waren mehr als schwer. Ich habe mich bemüht, aber mir war klar, bestehen konnte ich diese Prüfung nicht. Irgendwann habe ich abgegeben und nur gehofft, dass die Ergebnisse der übrigen Prüfungen so gut sein würden, dass es für einen Ausgleich reichte. Draußen traf ich dann ausgerechnet auf Lt. Stark. Der hat natürlich gemerkt, dass es mir nicht gut ging, aber ich hatte keine Lust, über die Ereignisse zu sprechen. Aber Ablenken könne er mich doch wohl, oder? Klar und als dann noch O'Kenner dazukam, klappte das mit der Ablenkung auch ganz gut. Manchmal ist die Quasselstrippe O'Kenner doch wirklich nützlich. Und er sollte sich noch weiter als nützlich erweisen, aber dazu später. Dann bat Cmdr. O'Reardon mich wieder zu sich. Ich betrat den Raum und da war sie versammelt, die gesamte Führungscrew. Der Captain, Cmdr. O'Reardon, Lt. Cmdr. Stafford und Lt. Cmdr. Darrim waren anwesend. Alle sahen vollkommen ernst aus und ich sah meinen persönlichen Abgrund schon vor mir. O'Reardon eröffnete mir glatt heraus, ich habe in dem Test 45% erreicht. "Nicht bestanden", schoss es mir durch den Kopf, das war's dann. Und die Ansprache des Captains tat ein Übriges zu meinen Befürchtungen hinzu. Ganz kriege ich das, was er gesagt hat, nicht mehr zusammen, aber ich versuche es mal. Zuerst hat er mir erklärt, an meiner praktischen Arbeit habe er nichts auszusetzen, und wenn es danach ginge, gäbe es keine Probleme. Aber manchmal gäbe es eben einen großen Unterschied zwischen Theorie und Praxis. Bei den Propheten, der Abgrund kam näher und konnte nichts tun als da zu stehen und dem Captain weiter zuhören. Ich habe es nicht gewagt ihn anzuschauen und die anderen Offiziere schon gar nicht. Ich hatte weiche Knie und mein Herz raste. Aber das war noch nicht alles. Captain Starkov führte weiter aus, als Adm. Williams im Januar beschlossen habe, mich zum Ensign z. F. zu befördern, habe er diese Entscheidung voll und ganz unterstützt. Aber die Entscheidungen von Führungsoffizieren seien manchmal etwas voreilig getroffen, die Akademie habe ihre Vorschriften und so sei es nun an ihm, die Entscheidung von Adm. Williams von damals zu korrigieren. Korrigieren? Korrigieren? Jetzt war der Abgrund da. Gleich würde ich fallen. Gleich würde Capt. Starkov mich wieder in den Rang eines Kadetten degradieren und fast war ich versucht, den goldenen Pin an meinem Kragen selbst zu entfernen und dem Captain in die Hand zu drücken. Mein Ergeiz war zu meinem Fallstrick geworden. Kein Zurück, meine Blamage war perfekt. Zum Glück war außer der Führungscrew niemand in meiner dunkelsten Stunde anwesend. Der Captain trat an mich heran und dann kippte mein Welt um. Sein Worte kamen wie durch eine Nebel, den Anfang hatte ich gar nicht richtig mitbekommen, irgendwas von Leistung, gute Beurteilung durch Cmdr. Caine und Cpt. Duboit und was weiß ich noch alles, ich erinnere mich nur noch an "und befördere sie hiermit in den Rang eines Lieutenant Junior Grade". Der Abgrund verschwand. Offiziersprüfung bestanden. Ich wollte Haltung bewahren, insbesondere in Cmdr. O'Reardons Gegenwart, aber ich konnte nur noch strahlen. Die Erleichterung war unbeschreiblich. Starkov steckte mir den Pin an, Stafford zwinkerte mir zu und Darrim lächelte aufmunternd. Dafür hatte ich jetzt erst recht weich Knie. Und, Computer, ob du's glaubst, oder nicht, O'Reardon war tatsächlich deshalb so fürsorglich, dass er meinte, ich solle mich erst mal setzten, das könne ich wohl gebrauchen. Hätte ich ihm nie zugetraut, aber er hatte noch mehr Überraschungen auf Lager. Der letzte Test sei nicht Bestandteil meiner Akademieprüfung gewesen, ich habe ihn gar nicht bestehen können und ich solle ihn als meinen persönlichen Kobayashi Maru-Test betrachten. Er solle mich an zwei Dinge erinnern: Erstens, es gäbe noch viel zu lernen. Das wisse ich, konnte ich nur antworten. Und zweitens: Wenn ich Problem hätte, könne ich zur Führungscrew kommen, sie würden helfen, dafür seien sie da. Mehr als 'Danke' habe ich nicht mehr raus gebracht. Ich war gerade von O'Reardons letzten Worten vollkommen überrascht. Okay, die üblichen Glückwünsche gab es natürlich auch noch, aber als der Erste mir die Hand reichte hat er, ja er hat leicht mit den Mundwinkeln gezuckt, aber das es sich um O'Reardon handelt und das Lächeln auch seine Augen erreicht hat, kann ich es nicht anders formulieren, als: Er hat mir aufmunternd zugelächelt. Jetzt habe ich wenigstens ansatzweise etwas von der Seite gesehen, die Terron an ihm kennt und kann sie verstehen.

Der Rest des Abends ging in einer Party auf. Ich habe meine bestandene Prüfung und meine Beförderung gefeiert. Lt. Mulligan hat als erster den zweiten Pin an meinem Kragen bemerkt und meinte nur herzlich: "Willkommen im Club". Jaqueline bat mich darum, ob sie mein PADD zerschießen dürfe, jetzt wo die Lernerei vorbei sei. Ich hab's ihr erlaubt, keine Ahnung, was mich geritten hat. Ich glaube, sie hat einen destruktiven Einfluss auf mich. Egal, sie ist meine Freundin und ich gönn's ihr. Mir wird schon eine Erklärung für die Materialausgabe einfallen, warum ich ein neues PADD brauche.

Okay, Computer, kommen wir zu Sternzeit 51969 (20. Dezember), das war, ach, ich finde kein Worte für diesen Tag. Morgens beim Frühstück fing Ens. Masterson zuerst an, die Rollen für sein Theaterstück "Wilhelm Tell" zu besetzen. Riesendiskussion, wer spielt was, ich will aber lieber und ich weiß nicht, was noch. Wir haben Krieg und die spielen Theater! Wenn sie den Cardassianern auch nur halb so gut etwas vorspielen, wenn sie bei denen in Gefangenschaft geraten, dann würden wir keine Probleme kriegen. Ich habe versucht, mich dem Ganzen zu entziehen, aber überall fingen die beteiligten Crewmitglieder an, den Text für ihre Rolle zu proben und insbesondere Officer O'Kenner war nicht zu überhören. Ich war wirklich froh, als das Bodenkampftraining wieder begann.

Das erste Szenario sah vor, eine gekidnappte Wissenschaftlerin aus den Händen der Orioner befreien, da nur diese über ein Gegenmittel gegen eine tödliche Krankheit verfügte. Erschwerend für uns kam hinzu, dass wir nur über eine begrenzte Anzahl von Energieeinheiten sowohl für Waffen als auch als Tauschmittel verfügten. Diesmal war Lt. Mulligan der Teamleiter. Zunächst lief alles nach Plan. Wir errichteten ein Basislager, lokalisierten die Orioner und eine menschliche Lebensform und machten uns mit drei Mann (Mulligan, Wagner und ich, der Rest sicherte das Basislager) auf den Weg. Bei den Orionern angekommen, die auch tatsächlich die Wissenschaftlerin bei sich hatten, begann Mulligan mit den Verhandlungen. Und dann kam es zum ersten Zwischenfall. Mulligan hatte statt 50 Energieeinheiten 500 verstanden (über die wir natürlich nicht verfügten) und begann mit den Orionern über einen niedrigeren Preis für die Auslieferung der Wissenschaftlerin zu verhandeln. Als ich den Cardassianer auf dem Hügel hinter den Orionern entdeckte, war es bereits zu spät. Es kam zum Schusswechsel, Mulligan und ich wurden getroffen und das Programm transportierte uns augenblicklich zum Basiscamp zurück. Inzwischen wurde unsere verbleibende Zeit knapp. Wir verließen das Camp mit dem gesamten Team und begaben uns zu der Stelle, wo wir die Orioner zuletzt gesehen hatte. Da kam der zweite Zwischenfall. Ich weiß nicht, was Trel sich dabei gedacht hat, Gul Balor in das Programm hineinzuschreiben, aber er tat es und Gul Balor verlangte natürlich nach Ens. Wagner. Wagner rastete aus und war zunächst nicht mehr zu stoppen; auch durch einen klaren Befehl nicht. In der Zwischenzeit versuchte Mulligan der Holofigur Gul Balor zu erklären, dass er keinen Ens. Wagner kenne. Ich muss sagen, Mulligan ist kein schlechter Diplomat. Zum Glück beruhigte sich Wagner wieder, aber wir konnten die Übung wegen Zeitüberschreitung nicht mehr beenden.

Zurück im Besprechungsraum, baute sich Wagner zunächst vor Cmdr. Stafford auf, und verlangte zu wissen, wer die Holofiguren programmiert habe. Die Auskunft verweigerte dieser natürlich, aber Trel gab zu, dass sie von ihm waren. Daraufhin verschwanden Wagner und Trel vor der Tür, aber draußen wurde es laut und heftig. Warum regt Wagner sich eigentlich so auf? Glaubt er vielleicht, er sei der Einzige, der Probleme mit den Cardassianern habe? Okay, bei ihm ist es eine persönliche Angelegenheit zwischen ihm und Gul Balor, aber bei anderen Crewmitgliedern kann man wohl von einer persönlichen Angelegenheit zwischen ihnen und den Cardassianern allgemein ausgehen. Die rasten auch nicht aus, wenn wir auf Cardassianer als Gegner treffen, egal ob in einem Holoprogramm oder in der Realität. Ich hatte gedacht, Wagner wäre stark genug und die Cardassianer hätten ihm nichts anhaben können, aber da habe ich mich wohl getäuscht. Wenn er tatsächlich einen persönlichen Rachefeldzug gegen Gul Balor im Sinn hat, haben die Cardassianer mehr erreicht, als uns lieb sein kann. Wagner ist ein guter Sicherheitsoffizier, ich bin immer froh, wenn ich ihn in einem Außenteam dabei habe, zumal er auch ein netter Kamerad ist, aber es darf nie wieder passieren, dass er sich so gehen lässt. In einer realen Situation kann er damit nicht nur das Außenteam und die Außenmission in Gefahr bringen (was schon schlimm genug wäre), sondern auch das Schiff und die gesamte Crew. Und das darf unter keine Umständen geschehen. Persönliche Gefühle haben stets hinter der Sicherheit und dem Überleben des Teams zurückstehen. Vielleicht rede ich mal mit Wagner darüber. Und ja, ich war wütend über Wagner, aber das gab mir nicht das Recht, mich vor den anderen Crewmitgliedern gehen zu lassen. Cmdr. Terron war mehr als erbost darüber – und das zu Recht. Ich habe mich entschuldig und gut. Und was Terron betrifft, frage ich mich angesichts der Distanz die sie zu mir aufbaut und hält, warum sie mir damals auf Adrians Geburtstagsfeier überhaupt das "Du" angeboten hat. Für mich wird sie aufgrund ihres Verhaltens vorerst dienstlich wie auch privat "Commander Terron" bleiben.

Nachdem sich alle Wogen wieder geglättet hatten, gab es noch eine zweite Übung für uns. Die Wissenschaftlerin wurde inzwischen leider von den Orionern getötet. Im Wald lagen vier Probencontainer mit dem Gegenmittel verstreut. Diese sowie einen dazugehörigen Koffer mit Informationen galt es zu finden. Zudem mussten wir in Verhandlung von den Orionern ein PADD mit Daten der Wissenschaftlerin bekommen. Mulligan und Adrian übernahmen die Verhandlungen und im Austausch gegen einen Techniker, der bei der Reparatur ihres Schiffes behilflich sein sollte, sowie einiger Energiezellen, waren sie bereit, uns das PADD auszuhändigen. Officer T'Aloviks erhielt den Auftrag, die Orioner zu ihrem Schiff zu begleiten. Aber anstelle von Reparaturen sollte er versuchen, mit Hilfe einer modifizierten Energiezelle, den Antrieb der Orioner außer Gefecht zu setzen, sobald diese nach Abschluss unseres "Geschäfts" mit ihnen gestartet waren. Zudem sollte er bei der "Reparatur" möglichst viele Energiezellen unbrauchbar machen. Wenn er kein Vulkanier wäre, würde ich aufgrund seines anschließenden Berichts über seine Zeit bei den Orionern fast sagen, er hatte Spaß an der Sache. In der Zwischenzeit suchten wir im Wald nach den Containern. Mulligan verließ das Team, um mit einer Orionerin das PADD zu holen, während der Rest warten sollte. Leider kamen wir um ein kurzes Gefecht mit den Cardassianern nicht herum, aber bis auf zwei betäubte Teammitglieder kam es zu keine weiteren Verletzungen. Da die Zeit mal wieder knapp wurde, Mulligan nicht zurückkehrte, der Funk mal wieder ausgefallen war, beschloss ich mit den restlichen Teammitgliedern weiter nach den noch fehlenden Containern zu suchen. Wir hatten insgesamt drei Stück gefunden, als Mulligan sich wieder meldete. Er hatte das PADD, den Koffer, den vierten Container und zwei orionische Gefangene. Klasse! Wir kehrten zum Basislager zurück, Mission erfolgreich. Die Abschlusskritik von Cmdr. Stafford fiel dann auch endlich einmal positiv aus.

Aber wenn wir auf einen ruhigen Abend gehofft hatten, sollten wir alle getäuscht werden, denn jetzt ging das Chaos auf dem Holodeck erst richtig los. Im Anschluss an die Raum- und Bodenkampfübungen wollte Ens. Masterson noch ein öffentliches Vorsprechen für die Rollenvergabe in Wilhelm Tell veranstalten. Lt. Stark und ich hatten jedoch keine Lust, an dieser öffentlichen Theaterprobe teilzunehmen und zogen uns in einen Nebenraum zurück. Wir waren alleine, mit Stark alleine, ich hatte Schmetterlinge im Bauch, eine Chance mit ihm darüber zu reden und… es passierte nichts. Wirklich klasse Lhasa, da hast mal die Gelegenheit, bist alleine mit dem Mann deiner Träume (und das im wahrsten Sinne des Wortes) und was tust du? Unterhältst dich mit ihm über belangloses Zeug. Propheten steht mir bei, manchmal bin ich wirklich zu dumm! Das belanglose Gerede hörte jedoch auf, als Lt. Silok erschien und uns mitteilte, dass Cmdr. O'Reardon das Holodeck verlassen habe. Da Cmdr. Stafford und der Captain auch nicht mehr anwesend war, befand sich kein Führungsoffizier mehr auf dem Holodeck, der über eine Kontrolle über die Programme verfügte, um sie zu beenden. Mich beschlich ein komisches Gefühl und Stark ging es ähnlich. Es hatte zuvor schon einige Schwierigkeiten mit dem Programm gegeben, als bspw. das Wetter, das Cmdr. Stafford auf sonnig, 20°C programmiert hatte, sich als etwa 0°C und regnerisch herausstellte. Und unsere Ahnung sollten bestätigt werden.

Zuerst hörten wir Lärm aus dem Nachbarraum. Die genauen Worte konnten wir nicht verstehen, aber es war schnell klar, dass es wohl ein Problem gab. Stark und ich sahen uns an und in unseren beiden Gesichtern stand nur ein Satz: "Als wenn wir es nicht geahnt hätten!" Wir verließen den Raum, begaben uns zu unseren Quartieren, um noch ein paar Ausrüstungsgegenstände aufzunehmen. Leider war uns danach der Weg aus dem oberen Stockwerk nach unten versperrt. Eine Gruppe vollkommen wild zusammen gewürfelter Holofiguren stand im untern Flur vor der Treppe. Einige Figuren trugen Kleidung, wie sie nach meiner Datenbankrecherche wohl im 14. bis 16. Jahrhundert oder sogar noch früher auf Terra Mode gewesen war. Bewaffnet waren sie mit Schwertern und einem Gerät, das man wohl Armbrust nennt. Ferner befanden sich dort Leute in Uniform aus dem, wie die Terraner ihn nennen, Amerikanischen Bürgerkrieg im 19. Jahrhundert sowie ein Cardassianer in einer Uniform aus dem Zweiten Weltkrieg im 20. Jahrhundert. Stark und ich begriffen bald, was los war, Die Holofiguren forderten die Crew zum Verlassen des Hauses auf und zwar mit Nachdruck. Dabei setzen sie auch ihre Waffen ein und ich stellte (doch ein wenig mit Schrecken fest), dass die Sicherheitsprotokolle des Holodecks außer Funktion waren, denn die Waffen verursachten realen Schaden, und zwar den maximalen. Keine Sicherheitsprotokolle, ein offenbar außer Kontrolle geratenes Holoprogramm? Wir mussten uns schnellstens etwas einfallen lassen. In diesem Moment erschienen Tohkinen und T'Aloviks im oberen Stockwerk, auf der Suche nach einem Terminal hinter den Wandpaneelen, von dem aus sie Zugriff auf die Kontrollen des Holodecks nehmen konnten. Leider schlugen alle Versuche, das Programm zu beenden fehl. Weder die Zugangscodes von Lt. Tohkinen noch von Lt. Stark wurden vom Computer akzeptiert. Daher versuchten Tohkinen, T'Aloviks und Stark einen Hilferuf nach außen zu senden, indem sie die Energiefluktuation in einer aus dem Holodeck hinausführenden Energieleitung in bestimmten Abständen unterbrachen, um so mittels eines Morsecodes eine Nachricht nach draußen zu schicken. Wir hofften, jemand von der OPS oder der Technik oder sonst wer würde die Nachricht bemerken und Hilfe schicken. Inzwischen setzten uns die Holofiguren (die Schergen des Königs, wie sie genannt wurden) immer weiter zu. Ens. Wagner hatte zwar aus einem Tisch eine Barrikade errichtet, aber irgendwann brach er verletzt zusammen und die Barrikade fiel. Da Stark inzwischen auch getroffen worden war und die Techniker noch keine Lösung gefunden hatten, blieb uns nichts anderes übrig, als uns zu ergeben und das Haus zu verlassen. Draußen war es natürlich immer noch regnerisch und kalt und wo der Rest der Crew stecke, wussten wir auch nicht. Zudem hatte ich keine Gelegenheit mehr gehabt, mein Medikit zu holen, so dass ich die Verletzten nur notdürftig versorgen konnte. Was jetzt kommt, klingt vielleicht verwirrend, aber da wir das Programm zunächst durchspielen mussten, halte ich mich, was die Umgebungsbeschreibung angeht, an die Vorgaben des Programms.

Auf einer Lichtung trafen wir auf den Rest der Crew, der zuvor aus dem Gebäude geflohen war. Diese Gruppe hat bereits eine Führerin gefunden: Eine Elfe (natürlich eine Holofigur). Den Propheten sei Dank hatte Adrian mein Medikit mitgenommen und so konnten wir erst einmal die Verletzten ordentlich versorgen. Da es immer noch keine Möglichkeit gab, das Programm zu beenden, beschloss die Crew, das Programm durchzuspielen, in der Hoffnung, nach dessen Abschluss würde es sich selbst beenden. Angesichts des starken Regens, mussten wir zunächst eine Unterkunft finden. Die Elfe brachte uns in eine Höhle, wo sich der sogenannte "geheime Widerstand" organisiert hatte. Dabei handelte es sich um eine wiederum vollkommen wild zusammen gestellte Gruppe von Leuten, die gegen der Herrscher der Holowelt, King George I., kämpften. Führer dieser Gruppe war ein blinder Ork, den sie alle "den Borg" nannten. Dieser "Bork" stand wohl ziemlich auf den "Groove" (eine Art von Musik wir ich später herausfand). Da diese Figur schnell aggressiv wurde, wenn man ihrer Aufforderung zum Singen nicht nachkam, hatte Officer O'Kenner die Möglichkeit seine Gesangs- und Unterhaltungstalente endlich einmal an der richtigen Stelle anbringen konnte. Es war glaube ich das erste Mal, dass ich froh darüber war.

Langsam wurde klar, dass es sich bei dem Programm wohl um eine Mischung aus den verschiedensten Programmen, die im Holospeicher abgelegt waren, handelte, denn viele Crewmitglieder erkannten Figuren aus ihren eigenen Holoprogrammen wieder. Unter den Figuren war auch ein durchgeknallter Heiler, der "Drogen" verkaufte. Zumindest hatten die Pillen dieselbe Wirkung wie Drogen, aber sie heilten auch die Wunden der Verletzten. Trotzdem versuchte ich so weit wie möglich zu verhindern, dass die Crew die Dinger schluckte. Wir wussten nicht was noch auf uns zukommen würde, und ich wollte, dass alle einen möglichst klaren Kopf behielten. Aus den Gesprächen mit den Anhängern des "geheimen Widerstands" wurde nach und nach klar, was wir zu tun hatten. Wir mussten die Prinzessin, die den Auserwählten heiraten sollte, aus den Händen des schwarzen Magiers befreien und King Georg I. stürzen. Als Auserwählter entpuppte sich hinterher Lt. Mulligan, der sich aber sehr gut mit seiner neuen Rolle abfand. Da es nicht einfach sein würde, den schwarzen Magier zu besiegen und aufgrund der Gefahr schwerer Verletzungen, berieten wir was zu tun sein. Lloyd, der in der Besprechung die Führung übernahm, passte sich sehr schnell an die Redensweise der Holofiguren an. Er sprach nicht nur diese sondern, auch die Crew mit "Ihr" und "Euch" an. Sein bester Satz war allerdings, dass wir warten mussten, "bis die Magier mit ihrem Ritual fertig" seien. Propheten steht mir bei, der Mann hat wohl zu viele Fantasyromane auf dem Holodeck gespielt. Was er meinte war folgendes: Die Holofiguren fügten uns mit ihren Waffen schwere Verletzungen zu. Um eine Chance auf den Sieg gegen den schwarzen Magier zu haben, entwickelten unsere Techniker ein Programm, mit dem es möglich sein sollte, die Figuren für ca. 10 Sekunden einzufrieren, um sie dann zu besiegen. Diese Prozedur dauerte eine Weile und da wir den Fantasyfiguren schlecht etwas von Tricordermodifikation erklären konnten, kam halt die Aussage auf: Die Magier machen ein Ritual. Okay, wir mussten improvisieren. Als die Techniker fertig waren, machten wir uns auf, um gegen den Magier zu kämpfen. Oh man, ich klinge selbst schon wie in einem Fantasyroman, aber wie soll ich es anders beschreiben? Also weiter: Leider konnten wir nicht so einfach in den Turm des Magiers gelangen, da dieser stark befestigt war und gut verteidigt wurden. Daher mussten wir einen Zwerg (der das Aussehen und Verhalten eines Ferengi hatte), um Hilfe bitten, denn nur er kannte einen geheimen Eingang in den Turm. Allerdings wollte der Ferengizwerg natürlich eine Gegenleistung haben. Was auch sonst? Wir sollten von den Amazonen sein magisches Auge wiederbeschaffen, das diese ihm entwendet hatten. Ach ja, hatte ich erwähnt, das die Amazonen dort wie Bajoraner aussahen, weshalb sich alle sehr über Ens. Torwin gewundert haben? Egal, die weiblichen Crewmitglieder machten sich also zu den Amazonen auf. Dort angekommen, haben wir erst mal über die Herausgabe des magischen Auges verhandelt. Ergebnis war, wir sollten die Amazonen im Kampf besiegen. Jaqueline freute sich schon, bis sich herausstellte, was die Amazonen unter "Kampf" verstanden: Bonbons aus einer gewissen Entfernung in eine Schale werfen. Wer die meisten Treffer hatte, sollte das magische Auge bekommen. Die Enttäuschung bei Jaqueline war perfekt. Dank Ens. Winterson gewannen wir das Spiel (das ist wohl der treffendste Ausdruck) und erhielten das magische Auge. Und wenn ich gedacht hatte, schlimmer könne es nicht mehr kommen, es gibt immer noch etwas Schlimmeres. Als der Ferengizwerg sein magisches Auge wiederhatte, wollte er, um sich bei seinem "Ritual" besser konzentrieren zu können, an den Ohren gekrault werden. Schweigen. Ich sah mich um, aber keine Frau schien das auf sich nehmen zu wollen. Konnte ich gut verstehen, ich wollte es auch nicht tun! Aber einer musste es tun und von daher... Computer Pause.

Computer weiter. Ja, ich habe dem Ferengizwerg die Ohren gekrault! Aber nur, um der Crew zu helfen und wegen nichts Anderem! Für seinen anschließenden dummen Spruch hab ich ihm dann den Ellenbogen durchs Gesicht gezogen, aber was hat er denn von einer Amazone erwartet, heh? Wenn ich den erwische, der einen Ferengi in sein Holoprogramm geschrieben hat, dann soll der sich warm anziehen! Der Zwerg (seit wann sind Zwerge magiebegabt?) öffnete dann einen Teleporter. So muss man es wohl bezeichnen, nachdem was meine Recherche in den Datenbanken über Fantasyliteratur insbesondere des späten 20. und frühen 21. Jahrhunderts ergeben hat. Teleporter – dem Beamen war die Prozedur nicht unähnlich und die Plattform des Teleporters sah natürlich aus wie eine Transporterplattform. Über diesen Teleporter gelangte die Crew in den Turm des Magiers. Leider konnten die Crewmitglieder nur einzeln in gewissen Abständen teleportiert werden, so dass wir nur nach und nach bei dem Magier ankamen. Als ich in den Turm gelangte, war bereits ein heftiger Kampf im Gang. Überall lagen Verletzte und Stark behagte sich heftig mit dem Magier. Dieser schleuderte Flammenkugeln aus seinen Händen, die wirklich üble Verbrennungen verursachten. Dann erfuhr ich auch noch, dass das Programm unserer Techniker anscheinend wirkungslos war. Zumindest auf eine größere Distanz. Daher wollte ich versuchen, möglichst nahe an den Magier heranzukommen, und das Programm, das in meinem Tricorder gespeichert war, zu aktivieren. Während Stark den Magier beschäftigte, gelang es mir tatsächlich bis auf einen halben Meter an diesen heranzukommen. Und das Programm funktionierte. Unsere Leute von der Technik sind manchmal einfach wirklich genial! Der Magier war besiegt und wir konnten die Prinzessin befreien. Es stand nur noch der Kampf gegen King George I. an. Irgendwer brachte die Idee auf, er könne wohl das Aussehen von Adm. Dawson haben (was er dann auch wirklich hatte) und bei der Crew gab es kein Halten mehr. Sie schien ganz heiß auf einen Kampf gegen King George zu sein. Jaqueline war einfach nur fassungslos. Ist auch wirklich nicht einfach mit anzusehen, wie die Crew quasi gegen den eigenen Vater kämpft, auch wenn es nur eine Holofigur ist. Ich kann nur erahnen, was in diesem Moment in ihr vorgegangen ist, aber es muss schrecklich gewesen sein. Ob ich gekämpft hätte? Ich weiß es nicht. Es wäre nur eine Projektion, und um die Crew zu retten würde ich es vermutlich tun. Aber das sage ich jetzt, nur die Propheten wissen, wie ich in so einer Situation tatsächlich handeln würde.

Der Kampf gegen King George war äußerst heftig, aber am Ende floh er einfach. Es gab viele Verletzte und auch ich wurde durch einen Treffer durch eine Wurfaxt schwer verletzt. Die Axt hat mir wohl die Hauptschlagader durchtrennt, wie ich später erfuhr. Zunächst versuchte ich die Wunde zu ignorieren und mich um die Verletzten zu kümmern. Da Conway und Adrian jedoch mein Medikit hatten, konnte ich nicht viel tun, außer die Leute notdürftig zu versorgen. Doch dann kam mir die Holofigur der Prinzessin zu Hilfe. Ich verstehe bis heute nicht, was da passiert ist und habe auch trotz intensiver Nachforschung bisher keine Erklärung gefunden. Sie hat die Leute geheilt. Magisch muss ich wohl sagen. Keine Ahnung wie es funktioniert hat, aber die Wunden der Verletzten schlossen sich unglaublich schnell, schneller als es auf jeder Krankenstation möglich wäre. So eine Fähigkeit hätte ich auch gerne, würde die Arbeit sehr erleichtern. Ach, Computer, vergiss das. Dies ist die Realität und das andere war nur Fiktion.

Nach dem Sieg über King George organisierte der "geheime Widerstand" ein Festmahl. Aber mir war absolut nicht nach feiern. Wir steckten noch immer in diesem Programm fest und hatten keine Ahnung, ob wir es beenden konnten oder ob inzwischen auch von außen Besatzungsmitglieder an dem Problem arbeiteten. Da war es wieder mein Talent, sich stets für alle anderen verantwortlich zu fühlen. Ich konnte nicht feiern, ich wollte einfach nur, dass die Crew unversehrt das Holodeck verlassen konnte. Ich nahm mir nur etwas zu Essen und zog mich in einen Nebenraum zurück. Ich brauchte Ruhe und mir war überhaupt nicht nach lautem Reden, Singen und Feiern zumute. Ens. Conway begleitete mich. Wohl einerseits, weil sich mich nach der schweren Verletzung und dem hohen Blutverlust nicht alleine lassen wollte, andererseits konnte ich mich aber des Eindrucks nicht erwehren, dass es ihr ähnlich wie mir ging und auch sie Ruhe und Abstand vom Lärm der der Feier brauchte. Stress hatten wir genug in den letzten Stunden gehabt. Ich war ganz froh über ihre Gesellschaft, da war ich nicht ganz allein. Eigentlich macht sie auch einen netten Eindruck, eine fähige Ärztin ist sie, das hat sie in den letzten Stunden mehrfach unter Beweis gestellt. Ich bin froh, sie im Team zu haben und auch Adrian scheint sich sehr gut mit ihr zu verstehen (aber mit wem versteht der sich eigentlich nicht gut?). Beide haben auf jeden Fall sehr ordentliche Arbeit geleistet, das werde ich ihnen auch noch einmal sagen. Während wir uns noch unterhielten, verschwand plötzlich der Raum um uns herum und die Gitter des Holodecks wurden sichtbar. Das Programm war beendet, den Propheten sein dank.

Warum Cmdr. O'Reardon dann aber Ens. Masterson die Schuld am Außerkontrollegeraten des Holodecks gab, habe ich nicht mehr verstanden. Nur weil es bei Wilhelm Tell geschah und weil es Mastersons Programm war? Solange die offizielle Untersuchung nicht abgeschlossen ist, sollte man über den Vorfall gar kein Urteil abgeben, finde ich. Da war er wieder: O'Reardon wie wir ihn alle kannten. Kann er es eigentlich nicht lassen, den positiven Eindruck, den man gerade noch von ihm gewonnen hatte, mit einem Satz wieder zu zerstören? Aber so ist der Brite halt. Die Crew stand jedenfalls voll hinter Masterson. Wie war der Tenor: "Egal was er (O'Reardon) gesagt hat, wir stehen hinter ihnen." Trotzdem hat Masterson den Beleidigten gespielt. "Lassen sie mich in Ruhe, ich muss meinen Bericht fertig machen." Was will er denn noch mehr, als dass alle zu ihm halten? Und dann wollte er in Bezug auf seine Theaterinszenierung auch noch das Handtuch werfen. "Ohne das, wäre es gar nicht zu der Fehlfunktion gekommen." Nicht? Weiß er das so genau? Kein Kampfgeist der Mann, nur Jammern und am Meckern. Wenn er sich jedes Mal von kleinen Rückschlägen so aufhalten lässt, dass er gleich aufgibt, wird er nie etwas erreichen. Sollte er als Psychologe aber auch eigentlich wissen. Den Rest des Abends verbrachten wir mit gemütlichen Gesprächen. O'Kenner musste natürlich die Geschichte mit mir und den Ferengiohren erzählen. Auch wenn er lobend meinte, ich habe mich vorbildlich verhalten, habe ich ihm gesagt, er solle die Klappe halten. Diese Geschichte muss wirklich nicht die Runde im Schiff machen, obwohl ich befürchte, genau das wird sich nicht verhindern lassen. Also mir war nicht mehr nach Reden zumute war, daher zog ich mich zurück.

Heute standen dann noch eine Übung in Deeskalation (Jaqueline und Trel haben uns wirklich eine gute Show geliefert) und im Umgang mit dem Phasergewehr auf dem Programm. Dabei ist es dann auch passiert. Jaqueline demonstrierte gerade die Einsatzmöglichkeiten eines Phasergewehrs zur Verteidigung im Nahkampf, wobei Cmdr. Stafford korrigierend eingriff. Jaqueline passten seine Einwände nicht so ganz und es kam bald zu einem etwas heftigeren Wortgefecht. Leider sind ihr die Dinge dann aus der Hand geglitten, oder besser gesagt, sie konnte ihre Zunge nicht im Zaum oder ihr loses Mundwerk nicht halten. Jedenfalls hat sie Stafford angeschnauzt, er habe ja keine Ahnung wovon er reden würde. Da war es aus. Was Stafford ihr draußen noch gesagt hat, will ich gar nicht wissen. Vermutlich hat Jaqueline das aber nicht sehr beeindruckt. Vielmehr getroffen hat sie wohl der offizielle Verweis, den sie vor der versammelten Crew von Cpt. Starkov erhalten hat. Weiteres Holodeckverbot (Jaqueline hatte ja auch gerade ihre Holodeckzeit wieder und wollte diese in einen Pokerspiel einsetzen), ein Eintrag in ihrer Akte, das macht ihr nichts aus. Auch das Streichen von Privilegien kennt sie schon, nur nimmt ihr das die Möglichkeit an der Theateraufführung teilzunehmen und das trifft sie schon. Und dass die Rüge diesmal vom Captain selbst kam, das macht sie, glaube ich, wirklich betroffen.

So jetzt ist erst mal Schluss, ich muss Tirel ja schließlich noch von den ganzen Ereignissen hier berichten.

Nachtrag: Habe gerade mit Tirel gesprochen. Er war überrascht, hat sich aber unheimlich für mich gefreut. Die Geschichte mit der Holodeckfehlfunktion hat er mir zuerst nicht geglaubt. Kann ich ihm nicht verübeln, ich finde die Sache ja auch noch mehr als seltsam. Wie ich das in meinem Bericht für den Captain erläutern soll, ist mir noch ein Rätsel. Am Besten, ich schildere alles so, wie es passiert ist, egal ob es nun glaubhaft klingt oder nicht. Computer, speichern, ich muss jetzt noch den Bericht für den Captain anfertigen.

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