Computer Aufzeichnung. Ich bin der neue stellvertretende Chef der Sicherheit an Bord der USS. Exeter. Hurra, was für ein Glück! Nachdem Yxen mehr oder weniger auf die bajoranische Art gekündigt hat - o.k., er hat nicht wirklich gekündigt, aber den ersten Offizier aus seinem Quartier in die Messe zu beamen kommt einer Kündigung schon recht nahe – ist er seines Postens enthoben worden und Glückskind Wagner ist Chef geworden. Meine Begeisterung ist kaum zu beschreiben, oder doch, halt: Mist! Ich hab gerade so gerafft, wie man sich als Sicherheitsoffizier zu benehmen hat und welche Anforderungen man wirklich erfüllen sollte, da finde ich mich auf einem Posten wieder, von dem aus man das anderen erzählen soll. Eigentlich eine Traumkarriere in der Sternenflotte ... wenn Karrieren bei dem Massaker, daß das Dominion mit uns anstellt, noch irgendeine Bedeutung hätten! Naja, wenn ich schon mal auf dem Eisblock aufgeschlagen bin, soll sich das ganze ja auch lohnen. Ich weiß nicht, ich habe immer noch das Gefühl, das mir die Ereignisse einen Schritt voraus sind. Bleibt die Frage, wie ich mich jetzt Yxen gegenüber verhalte. Immerhin war das sein Posten, er ist kompetenter als ich und da soll ich ihm Befehle erteilen? Naja, wird schon klappen. Es muß klappen, Versagen ist nicht mehr drin. Und hey, Stellvertretender Chef der Sicherheit hat schon 'nen tollen Beiklang. Das muß ich Joran in der nächsten Mail unbedingt mitteilen! Warum sollte er der einzige sein, dessen geistige Kapazitäten von seinem Glück weit übertroffen werden? Kriegt er tatsächlich einen Symbionten. Ich tu mir immer noch schwer, ihn jetzt als eine Person zu betrachten und nicht als Joran und den Symbionten. Schon komisch, bei Kaleb habe ich keine Probleme in der Art. Allerdings kannte ich auch Kaleb nicht vor seiner Vereinigung, vielleicht liegt es daran. Wäre mal ein Gespräch mit dem Counsellor wert. So, Dienstantritt. Computer Ende
Computer Aufzeichnung. Ich hatte eben mein Dienstgespräch. O'Reardon und ich haben munter über meine Zukunft geplauscht und ... nein, vergiß es, eigentlich weder munter, noch geplauscht. Das ganze ging eher ein wenig in Richtung Verhör. Nicht, daß O'Reardon mir irgendeinen Anlass gegeben hätte, mich verhört zu fühlen, aber der Brite ist dermaßen unnahbar, ich hab noch nie einen so kalten - nein, nicht kalt - so verschlossenen Menschen getroffen. Nicht mal Yxen. Gut, der ist auch kein Mensch, sondern Bajoraner. Also das Gespräch: Es ging um meine Zukunft in der Sternenflotte und wie ich mir meine Karriere vorstelle. Meine Antwort war darauf, daß ich mir angesichts des Krieges eigentlich als allerletztes Gedanken um meine Karriere mache. Wenn der Krieg vorbei und wir alle noch am Leben sind, dann würde ich mich gerne zum Sicherheitsspezialisten für Kontakte mit anderen Spezies ausbilden lassen. Erstkontaktspezialist, klar, aber auch für andere diplomatische Anlässe kann man sich schulen lassen. Welches Volk erwartet welche Behandlung, welche Sicherheitsprozeduren werden erwartet, welche als Beleidigung empfunden, wie groß muß ein Sicherheitsmann sein, um von einem Klingonen bei diplomatischen Anlässen nicht verhöhnt zu werden und so weiter. Die ganze Zeit hat O'Reardon munter auf seinem Computer getippt. Keine Ahnung, was. Schlimmstenfalls so was wie "mangelnder Ergeiz", "mangelnder Antrieb", "keine Perspektive" oder ähnliches. Vielleicht aber auch nur die Fakten. Ich denke, O'Reardon würde so etwas nicht heimlich eintippen, sondern offen zur Sprache bringen. Ich halte ihn nicht für hinterhältig und glaube auch, daß er meistens gute Absichten hat. Er hat mir außerdem meine Äußerung bestätigt, daß ich meiner Meinung nach nur zufällig auf dem Posten des Stellvertreters gelandet bin und nicht aufgrund meiner Kompetenzen. Das war aber nicht überraschend. Egal, Posten ist Posten. Computer Ende
Computer Aufzeichnung. Es hat mal wieder gute Nachrichten! Einem Team der Föderation ist die Sabotage einer cardassianischen Raumstation im Vuldok – System gelungen. Den Gerüchten nach – woher wissen Barkeeper so was immer? – sind die Leute durch eine Luftschleuse in die Station, haben den Computer sabotiert und sind dann gerade so mit ihrem Shuttle davongekommen. Wow! Die Jungs müssen so richtig gut sein. Oder Glück haben. Glück braucht man anscheinend in diese Krieg 'ne ganze Menge. Ich hoffe, ich hab mein Glück nicht schon aufgebraucht. So, kollektives Nahkampftraining ist mal wieder angesagt. Hoffentlich schlägt diesmal niemand seinem Übungspartner einen Zahn aus wie das letzte mal. Ens. Jaris war sehr ungehalten und das ist noch milde ausgedrückt. Dazu kommt immer noch ein Bericht. Ich hätte nicht gedacht, daß man als Sicherheitschef so viel Verwaltungskram am Hals hat. Und dann das ständige Genörgel an den Dienstplänen und Dienstzeiten. Allmählich weiß ich, warum Yxen gekündigt hat. Vaughn und Masterson haben heute Abend Holodeckzeit mit Mastersons Conan – Programm, mal sehen. Ich bin eingeladen worden und will mir das auch mal ansehen. Conan ....? Computer Ende
Ich habe heute in meiner Funktion als Sicherheitschef meinen ersten Untergebenen wegen einer disziplinarischen Beschwerde zu mir zitiert. Richtig, natürlich Dawson. Warum nur bin ich nicht überrascht. Blödes Gefühl, hinter einem Schreibtisch zu sitzen – das heißt, was man vom Schreibtisch noch erkennen konnte unter den Padds und Stapeln von Akten. Jawohl, Akten, Yxen hatte eine Vorliebe für Papier, das muß er noch vom Widerstand haben – wo war ich? Ach ja, hinter einem Schreibtisch zu sitzen und jemand zu sich zu zitieren und zusammenzupfeifen, mit dem man schon Seite an Seite gegen Cardassianer gekämpft hat. Das ist so, als würde man seine Akademiekumpels zusammenstauchen, weil sie in der letzten Prüfung abgeschrieben haben. Ich werde das nicht mögen, das weiß ich jetzt schon. Naja, was als Anpfiff begonnen hatte, endete in einer Verschwörungstheorie. Die macht den Tag erst richtig interessant und hat auch in keinen Aufzeichnungen was zu suchen. Sicher ist sicher. Zurück zu Dawson: Sie hat also nach einem kurzen Streit auf DS 9 mit ihren Eltern einen Materialbehälter zwischen die beiden auf den Boden geschleudert und sich weiter aufgeführt, bis sie schließlich von der Sicherheit abgeführt und in ihrem Quartier an Bord unter Stubenarrest gestellt wurde. Nebenbei hat sie auch noch alle anwesenden Reporter übelst beschimpft. Das geht zumindest aus dem Bericht von Constable Odo hervor, der mir ausgehändigt wurde. Ich bin froh, daß ich ihn nicht treffen mußte, es reicht, daß wir gegen die Gründer kämpfen, ich muß da nicht auch noch mit einem persönlich reden. Ich halte ihn eigentlich für ein Sicherheitsrisiko, denn wenn er ausgetauscht wird, also von einem anderen Gründer, wird es nie einer merken und wir haben einen Maulwurf auf DS 9. Naja, nicht mein Problem, außerdem ist die Exeter allem Anschein nach schwierig genug zu beschützen. Ich bin nicht gut in Verschwörungen, das war noch nie mein Stil. Ich komme schon wieder vom Thema ab, ich sollte ins Bett. Nach der ganzen Verschwörungsgeschichte und auch dem ganze Drama mit ihrem Vater konnte ich Dawsons Reaktion ganz gut verstehen und hab die Sache im wesentlichen auf sich beruhen lassen. O'Reardon hat mir im Verlauf meines Dienstgespräches noch extra nahegelegt, daß ich Dawson trotz des Ranges ihres Vaters wie jedes anderen Crewmitglied behandeln sollte. Das tue ich auch gerade. Wie man mit seinen Eltern umgeht, ist Privatsache, nicht Sache der Sternenflotte. Deswegen gab es für Dawson keinen Eintrag, lediglich eine Anordnung zum Zusatztraining auf dem Holodeck, an dem ich mich auch beteilige. Wir können beide die Übung brauchen und Dawson ist am Phasergewehr einfach noch nicht gut genug. Der letzte Außeneinsatz hat gezeigt, daß man sich nicht immer auf Handphaser verlassen kann. Die Dinger sind auf lange Distanz einfach zu ungenau. Klar, ich habe meine Bedenken wegen der ganzen Verschwörungstheorie. Zum einen könnten es Hirngespinste sein, was ich aber nicht glaube, denn die Fakten sprechen für sich. Allein die Tatsache, daß die Cardassianer nach 8 Jahren genau dann im Trelka-System auftauchen, wenn wir das auch tun, ist sehr seltsam. Zum anderen könnte sich Dawson das ganze nur ausgedacht haben, um ihren Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Das glaube ich aber auch nicht. Die Sache klang ernst. Ich habe da so ein Gefühl, als ob Dawson sicher die Wahrheit sagt. Als momentaner Sicherheitschef gehört das wohl auch dazu. Verschwörungen aufdecken, meine ich. Oh Mann, warum kann nicht einmal was ganz einfach ablaufen? Computer, Ende.
Computer Aufzeichnung. Die Föderation hat das Friedensangebot, das ein paar Tage vorher unterbreitet wurde, abgelehnt. Die Begründung lautete, daß Legat Damar das Friedensangebot nur gestellt hätte, um Zeit zu schinden. Mir wäre auch nicht wohl gewesen und so wie der Krieg verläuft, hätte das Dominion es auch nicht wirklich nötig gehabt. Eine Hinhaltetaktik. Auch wenn niemand an Bord so recht daran geglaubt hat, gab es doch ein paar Tage einfach die Hoffnung auf Frieden. Man klammert sich an solche Hoffnungen, selbst wenn sie enttäuscht werden, denn ich frage mich immer noch, ob wir nicht eine Chance vertan haben. Das Sterben geht also weiter und ich weiß nicht, wann ich an der Reihe bin. Ich, oder einer der Leute an Bord, die mir mittlerweile so ans Herz gewachsen sind. Ich hätte das nie gedacht, aber die Exeter ist zu meinem Zuhause geworden. Computer Ende
Computer Aufzeichnung. Die Romulaner haben dem Dominion den Krieg erklärt. Nachdem es einen ihrer Senatoren bei einem Anschlag erwischt hat und sie das Dominion als Drahtzieher vermuten, sind sie der Allianz beigetreten. Auch wenn ich meine Zweifel habe, daß das Dominion so unüberlegt handelt, denn so eine Reaktion von den Romulanern war vorauszusehen, bin sehr froh, daß wir die Romulaner auf unserer Seite haben. Vielleicht haben wir doch eine Chance. Computer Ende
Gestern hat es die USS Bremen erwischt. Zerstört in einem Geplänkel an der Front. Keine Überlebenden. Ich habe meinen ersten Dienst an Bord eines Raumschiffes auf der Bremen geleistet, damals, im zweiten Jahr an der Akademie. Und jetzt ist sie nur noch ein Trümmerfeld im All. Captain Dickson, Commander Sullivan und Lt. O'Hara waren immer noch auf der Bremen stationiert, als sie zerstört wurden und jetzt stehen sie auf der Verlustliste. O'Hara hat mich damals an Bord unter die Fittiche genommen und mit den einen oder anderen nützlichen Trick gezeigt. Er meinte immer, sollte ich mal wie er Chef der Bordsicherheit werden, könnte ich die brauchen. Ich kann ihm jetzt leider nicht mehr sagen, daß er wohl recht hatte. Schon komisch. Nach der Zeit an Bord verabschiedet man sich von allen und rechnet auch nicht damit, die Leute noch mal wieder zu treffen, aber zumindest gibt es sie noch. Jetzt nicht mehr. Soweit ich das den taktischen Berichten entnehmen kann, erleiden die Schiffe der New Orleans – Klasse schwerste Verluste gegen das Dominion. Aber ich habe immer gehofft, daß die Bremen den Krieg übersteht. Ob wohl auch mal in einem taktischen Bericht zu lesen ist, daß eine weitere Akira, die USS Exeter, zerstört wurde und alle Besatzungsmitglieder dabei ums Leben kamen? Ja, willkommen im Krieg. Computer Ende
Computer Aufzeichnung. Eben kam die Nachricht rein, daß das Dominion Betazed besetzt hat. An Bord herrscht beinahe schon Panik und ich habe doppelte Schichten bei der Sicherheit angeordnet, falls jemand durchdreht. Macht eh keinen Unterschied, denn momentan schläft an Bord keiner mehr. Egal, ob man Verwandte dort hat oder nicht, alle sind geschockt. Niemand hätte gedacht, daß das Dominion so weit vorstoßen kann und Betazed besetzten. Die 10. Flotte hat einen verzweifelten Kampf geliefert und ist ausgelöscht worden. Bis zum letzten Schiff. Sie haben die Stellung wirklich bis zum letzten Schiff gehalten. Ob Starkov so einen Befehl auch befolgen würde? Würde ich so einen Befehl befolgen? Wenn ich in einem Gefecht keine Wahl hätte, würde ich meinen Leuten befehlen, eine Stellung zu halten, selbst wenn es den sicheren Tod für sie bedeutet? Hoffentlich muß ich das nie tun. Ich geh wieder raus, ich hab Dienst, außerdem kann ich gerade nicht allein sein. Computer Ende
Computer Aufzeichnung. Ich habe die Doppelschichten wieder aufgehoben, die Lage hat sich beruhigt. Außerdem haben wir heute unseren Marschbefehl erhalten; die 6. Flotte ist zum Vulkan beordert worden, um die 5., 13. und 21. bei der Verteidigung zu unterstützen und die Exeter als Flaggschiff ist natürlich dabei. Das heißt weg von der Front und vielleicht mal ein paar Tage Ruhe. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal durchgeschlafen habe. Entweder gab es roten Alarm oder ich hatte Albträume. Alle möglichen. Ich mindestens der Hälfte hat Gul Balor die Hauptrolle gespielt. Ich hoffe jeden Tag mehr, daß er noch lebt und ich ihn irgendwann in die Finger kriege. Das macht die Träume aber nur schlimmer. Ich sollte mit dem Counsellor reden, aber ich bring's einfach nicht. Ich kann mit keinem an Bord darüber reden. Ein paar mal bin ich sogar aufgewacht, weil ich geträumt habe, es gäbe Alarm. Ich werde allmählich porös. Der restlichen Besatzung geht es wohl ähnlich. Zumindest beim Training fallen mir immer mehr Fehler auf, die vorher nicht passiert sind. Die Leute schießen beim Phasertraining plötzlich daneben, vergessen im Gruppenkampftraining die wichtigsten taktischen Grundlagen und ich habe mir heute in blaues Ohr eingehandelt, weil ich die Deckung im Nahkampftraining an der völlig falschen Position hatte. Hat mir 'ne Stange blöder Sprüche eingebracht. Wir könnten alle Ruhe brauchen. Das Negative an der Versetzung ist allerdings, daß es kein gutes Zeichen ist, wenn man Flotten in die Heimatgebiete zur Verteidigung abzeiht. Vielleicht haben wir aber mal Glück und es kommt zu keinem Angriff auf Vulkan. Computer Ende
Computer Aufzeichnung. Hat sich was mit hoffentlich keine Angriffe auf Vulkan. Das Dominion hat heute den Vulkan angegriffen. Galor, Jem'Hadar Angriffskreuzer, Jäger, Keldon, einfach mit allem. Aber wir haben gewonnen. Mir fielen die berühmten Worte eines britischen Premierministers ein, Churchill war, glaube ich, sein Name. "Ich kann Euch nicht mehr versprechen als Blut, Schweiß und Tränen." 250 Schiffe und das Leben von 37.000 Männern und Frauen hat der Sieg gekostet. Ich hab versucht, mir die Verlustlisten durchzusehen, aber bei 37.000 Namen verliert man den Überblick. Es waren sicher Leute darunter, die ich noch von meiner Akademiezeit kannte. Joran müßte jetzt dann seinen Abschluß machen und auch auf ein Schiff versetzt werden. Einer mehr, um den ich mir Sorgen machen muß. Wenigstens meine Eltern sollten in Sicherheit sein, als ziviles Personal werden sie hoffentlich von Deep Space 7 abgezogen, bevor es ernst wird. Das versuche ich mir zumindest einzureden, aber es klappt nicht so richtig. Die Taktik von Admiral Salok war brillant. Er hat sehr geschickt und vor allem riskant taktiert. Damit ist das Dominion nicht fertig geworden. Die Exeter hat sich, zusammen mit weiteren Akiras und einigen Steamrunnern, erst um die Jäger gekümmert und als diese erledigt waren, die Großschiffe angegriffen. Ich hatte diesmal Dienst auf der Brücke, aber wir wurden nicht geentert. Wir haben das Gefecht recht intakt überstanden, es gab keine Verluste an Bord. Glück gehabt. Wieder mal. Und wieder das dumpfe Gefühl in der hintersten Ecke des Bewußtseins, daß sich Glück mit der Zeit verbraucht. Computer Ende
Computer, persönliche Nachricht an Sias, Joran, Akademie der Sternenflotte, San Fransisco, Erde
Hi Joran!
Ich würde Dir jetzt gerne schreiben, daß es mir die Tage gut geht und alles wunderbar
ist, aber das wäre gelogen. Es ist furchtbar hier draußen, mitten in einem
wahnsinnigen Krieg. Jeden Tag neue Verlustmeldungen und neue Niederlagen. Schiffe,
mit deren Besatzung Du Dich am Vortag noch abends auf 'nen Drink getroffen hast,
erwischt es am nächsten Tag direkt in Sichtweite neben unserem Schiff in einer
Raumschlacht, die so chaotisch ist, daß es genauso gut die Exeter hätte erwischen
können. Alles läuft ab wie im Trideo. So surreal. Wenn alles vorbei ist, bist du nur
noch dankbar, am Leben zu sein und fragst Dich, wann Du dran bist. Auch wenn ich
weiß, wie wichtig es für die Föderation und für alle Völker ist, daß wir das Dominion
besiegen, frage ich mich, was ich davon habe, wenn ich nicht mehr am Leben bin. Bin
ich wirklich bereit, für die Ideale der Sternenflotte zu sterben? Ich glaube ja. Ich
weiß es nicht. Ich werde es erst in dem Moment sicher wissen, in dem ich von der
großen Bühne des Lebens abgehe. Noch dazu treffe ich diese Entscheidungen nicht mehr
für mich allein. Nachdem ich immer noch kommissarisch die Sicherheit leite, hab ich
für 45 Männer und Frauen die Verantwortung. Ich möchte nicht in der Haut des Captains
stecken. Die Akademie bereitet einen nicht auf so was vor. In keinster Weise. Ich
sage Dir das lieber gleich.
Tut mir leid, daß ich Dir so einen Brief schicke, aber ich kann das unmöglich Mom und
Dad schreiben, sie würden sterben vor Sorge.
Gut, jetzt geht's mir besser.
Mal vom Krieg abgesehen, ganz abgesehen, der Dienst auf einem Raumschiff ist große
Klasse! Ich war schon immer lieber im All als auf festen Boden, immerhin bin ich auf
'ner Raumstation geboren, aber ein Raumschiff ist was ganz anderes. Allein das
Gefühl, wenn die Exeter auf Warp geht. Oder Kampfmanöver in Raumschlachten. Man spürt
das Schiff. Gerade Du als Pilot wirst es lieben! Hast Du schon eine Ahnung, wohin Du
versetzt wirst? Du müßtest doch demnächst Deinen Abschluß machen, oder? Paß bloß auf,
die heben sich das beste echt für den Schluß auf. Naja, Du warst schon immer
ehrgeiziger als ich und wenn ich die Sache packe, dann schaffst Du sie allemal! Sonst
gibt es hier nicht viel neues, die Besatzung hat immer noch ihre einzigartige Dynamik
beibehalten und ich habe immer seltener den Wunsch, bestimmte Besatzungsmitglieder zu
erwürgen. Ein gutes Zeichen. Nur Spaß. Ach ja, ich bin der Theatergruppe an Bord
beigetreten, wir wollen Wilhelm Tell aufführen, ein Stück über so 'nen
armbrustschießenden Schweizer. Ens. Masterson organisiert das, es wird bestimmt ganz
lustig.
Mann, gerade fällt mir ein, wie ich die Akademie vermisse. Vor allem die Feten an der
Akademie. Ich war schon zu lange nicht mehr betrunken und gefeiert hab ich auch schon
lange nicht mehr. Wenn das alles hier mal vorbei ist, nehmen wir uns 'ne Woche
Urlaub, kehren auf die Erde zurück und starten die längste Kneipentour in der
Geschichte der Sternenflotte. Gib bescheid, wenn Du weißt, wo Du landest. Mail vor
allem zurück und pack ein Stück Leben an der Akademie mit ein. Ich kann's brauchen.
Halt die Ohren steif, ich tu's auch!
Bruce
P.S.: Ich habe ganz vergessen, einen blöden Witz zum Thema Symbiont zu reißen: Auch viele Menschen treffen ihre Entscheidungen aus dem Bauch raus! Gut, was?
Computer Aufzeichnung. Das Dominon hat Benzar eingenommen und die 11. Flotte dabei beinahe ausgelöscht. Der verspätete Angriff der 14. Flotte hat auch nicht mehr wirklich was gebracht. Wieder geht eine Runde an die Gründer. Macht dann ungefähr 500 : 10 gegen uns.
Computer Aufzeichung. Joran hat mir geantwortet, ich speichere die Mail mal hier ab, da finde ich sie zumindest wieder. Anscheinend war meine Nachricht an Joran sehr düster. Ich hab sie mir noch mal durchgelesen und ja, sie war in der Tat ziemlich finster. Von Joran zu hören hat mich aber wieder etwas aufgemuntert, außerdem freue ich mich, dass er auch auf die Exeter versetzt wurde. Das erspart mir nebenbei die Sorge, ob Joran auch im Krieg fallen wird, denn wenn er es als Conn-Offizier der Exeter tut, bin ich ziemlich sicher auch nicht mehr am Leben.
Hallo Bruce!
Laß Dir das jetzt nicht allzu sehr zu Kopf steigen, aber ich bin wirklich froh von
Dir zu hören. Es ist hier schon fast zu einer Art Ritual geworden - wenn auch ein
sehr, sehr trauriges - die neuesten Verlustmeldungen durchzusehen, nur um dann doch
trotz aller Hoffnung wieder bekannte Namen zu Gesicht zu bekommen (dass ich in diesen
Momenten meist stark gegen den Drang ankämpfen muß, ein lautes "Amazing Grace" zum
Besten zu geben, macht's kein bißchen besser). Dass es der Exeter bisher so gut
ergangen ist, freut mich nicht nur weil Du an Bord bist, sondern auch weil sie -
tadaaa!!! - mein neues Schiff ist.
Jepp, Du hast richtig gelesen: ich habe bereits meinen Abschluss (und keine Panik
weil Du vergessen hast zu gratulieren, auf der Abschlussfeier hab ich mir erlaubt in
Deinem Namen eine Lokalrunde zu geben - der Barkeeper wird Dich während Deines
nächsten Heimaturlaubs kontaktieren), und ich wurde als Conn-Offizier auf die Exeter
versetzt. Ihr habt wohl noch weniger davon als alle anderen Schiffe oder so ähnlich -
der zuständige Personal-Offizier war da nicht ganz verständlich. Aber Spaß beiseite:
Dass es da draußen furchtbar ist, ist uns allen hier inzwischen auch klargeworden.
Und ich muss ganz ehrlich sagen, ich bin heilfroh, dass ich noch die reguläre
Ausbildung durchlaufen konnte, denn diese beschleunigte Art, die die neuen Rekruten
jetzt mitmachen, nur um möglichst schnell halbwegs raumtauglich zu sein, ist schon
eine zwiespältige Sache - wieviel von dem, was ihnen nun nicht beigebracht wird,
könnte ihnen unter Umständen in nicht allzu ferner Zukunft das Leben retten? Und ist
es wirklich zu verantworten, ihnen in erster Linie alles fürs Töten relevante
beizubringen und den Rest deutlich zu vernachlässigen, obwohl gerade dieser "Rest"
das ist, was die Sternenflotte eigentlich ausmacht? Ich weiß, das es gerade das
Dominion ist, das uns nicht friedlich forschen lassen will. Trotzdem war ich vor
nicht allzu langer Zeit drauf und dran alles hinzuschmeißen, denn die gewaltsame
Verteidigung unserer Ideale macht uns nicht besser als das Dominion oder die
Cardassianer. Aber wenn mir durch die Berichte von der Front und die nicht enden
wollenden Verlustlisten eines klar geworden ist, dann dieses: Wir kämpfen inzwischen
nicht mehr nur für eine Sache, nicht mehr für irgendwelche Ideale, wir kämpfen um
unser aller Überleben. Und davor kann und will ich mich nicht drücken. Naja,
zumindest denke ich das hier in meinem doch recht sicheren Quartier auf der Erde. Wie
die Situation von der Conn-Station der Exeter aussieht, werd ich wohl erst noch
erfahren. In knapp sechs Wochen ist es soweit, dann werde ich zu Euch stoßen - bis
dahin wird ich mich weiter den Stärken und vor allem Schwächen der Dominion-Schiffe
widmen und versuchen, das ein oder andere Manöver zu finden, um unser Schiff und vor
allem uns am Leben zu halten – soweit mir das halt möglich ist. Aber genug davon.
Das mit Eurer Theatergruppe finde ich gut, der Krieg allein darf nicht das ganze
Leben ausmachen. Ich hab mich inzwischen mal schlaugemacht, was das mit diesem Tell
für eine Geschichte war, und kann nur sagen: Ich hoffe, Du hast nicht die Hauptrolle.
Ich weiß, Du bist inzwischen ein leidlicher Schütze, aber ich erinnere mich da an
unseren Urlaub auf Risa nach den Zwischenprüfungen und an diesen Zwischenfall mit den
Dartpfeilen und den an O'Riley befestigten Luftballons - wenn die heutzutage nicht
alles mögliche replizieren und klonen könnten, wäre das wohl echt übel ausgegangen.
Ich weiß nicht, ob Du das noch mitbekommen hast, aber er hat nach seinem Verlassen
der Akademie recht bald geheiratet und hat inzwischen sogar einen Sohn, es scheint
also wirklich alles repariert worden zu sein. Nun ja, das kann ich Dir ja dann bald
alles persönlich erzählen, das mit den Nachrichten von hier ist nicht mehr so wie es
mal war - es wird alles überprüft, um sicherzugehen dass keiner von uns ein
Wechselbalg ist und Geheimnisse ausplaudert. Also, bis demnächst und paß auf Dich
auf, o.k.?
Joran
P.S. Achja, Dein blöder Witz. Wie war der noch? "Auch viele Menschen treffen ihre Entscheidungen aus dem Bauch raus!" Lustig wie immer. Demzufolge müsstest Du ja fürs Kommandieren wie geschaffen sein, soviel Entscheidungskapazitäten hat bestimmt keiner - ach was, ich lach' drüber, wenn Du das nächste Mal eine Jeffries-Röhre persönlich kontrollieren mußt, ok?