Storyline

Besuch auf Bajor

Persönliches Computerlogbuch T'Aloviks

9.8.2374 und 10.8.2374

Nach der Ankunft auf dem Planeten Bajor wurden wir in einer Niederlassung der Föderation von Cmdr. Wingers begrüßt. Sie wies uns in die physischen, lokalgeografischen und biologischen Besonderheiten des Planeten ein. Im Anschluss wurde den anwesenden Crewmitgliedern der USS Exeter NCC 76988 ein freizeitliches Verhalten befohlen. Abgesehen von mehreren persönlichen Ereignissen mit hoher Tragweite ereignete sich während des weiteren Tagesverlaufs nichts global Relevantes. Diverse Konversationen mit unterschiedlichem Inhalt gestalteten sich als Gelegenheit, nicht-vulkanisches, emotionales Verhalten besser zu verstehen. Grundsätzlich bin ich der Ansicht, bereits einen relativ intensiven Einblick in die meisten humanoiden Denkstrukturen zu haben. Dies ermöglicht mir beispielsweise die Extrapolation der Bedeutung von Metaphern und das logische Verständnis – sollte es grundsätzlich möglich sein – von Konversationen und Vorgängen, die mit Humor zu tun haben. Grundsätzlich ließ sich im Verlauf des Wochenendes eine bereits häufig durchgeführte Beobachtung verifizieren. Nicht-vulkanische Spezies gehen grundsätzlich nach der Äußerung einer witzigen Äußerung davon aus, dass vulkanische Personen diese nicht verstanden haben. Dies ist jedoch nicht unbedingt der Fall. Tatsächlich können geübte Vulkanier die Intention einer humoristischen Äußerung verstehen, teilen jedoch nicht die Reaktion auf selbige. Dies führt dann meist zu dem Bedürfnis, den Witz oder die Situation erklären zu müssen, was jedoch nicht nötig ist. Möglicherweise aufgrund dieser Tatsache werden unbewusst humorvolle Äußerungen durch Vulkanier häufig als unerwartete Ereignisse beurteilt, die von anderen Spezies meist als absichtliche Witzäußerungen fehlinterpretiert werden und diese zu dem Schluss führen lassen, dass selbige vulkanische Person entgegen dem allgemeinen Verständnis Emotionen empfinden können. Demnach sehen Nichtvulkanier Emotionsempfindung als höherwertig als die Freiheit von Emotion. Aus vulkanischer Sicht ist dieser Vorgang jedoch invertiert. Für Vulkanier ist die Befreiung von allen emotionalen Zuständen ein höherwertiges Ziel als die Empfindung von Emotionen. Dass diese Sichtweise vom vulkanischen Volk absichtlich so gewählt wurde und kein gesellschaftliches Defizit ist, liegt offensichtlich außerhalb des Verständnisvermögens vieler Spezies. Ähnliche Überlegungen spielten bei einer Konversation im Aufenthaltsraum eine Rolle. Hier ging es um das allgemeine Verständnis der offensichtlich humoristischen Äußerung „betrunken zu sein“, welche mehrfach aufgrund einer mit H2O emittierenden Waffen durchgeführten strategischen Gefechtsübung geäußert wurde, in dessen Rahmen einige der Crewmitglieder der USS Exeter NCC 76988 mit wasserdurchtränkten Uniformen den Aufenthaltsraum betraten. Erst nach einigen Erläuterungen dieses humoristischen Umstands und einigen fehlgeschlagenen Versuchen meinerseits, die These, dass einige Crewmitglieder der USS Exeter NCC 76988 tatsächlich ethanolhaltige Getränke zu sich genommen haben, zu verifizieren war es mir möglich, den Einwurf "betrunken zu sein", als übertriebene Äußerung im Sinne eines hyperbolischen Stilmittels einzuordnen. Hierbei handelte es sich offensichtlich um eine aufwändige witzige Äußerung, weswegen mir der humoristische Inhalt nicht sofort verständlich war. Meine Analyseversuche wurden von den anwesenden Crewmitgliedern als humorvoll angesehen, was nicht in meiner Absicht lag. Besonders die Nachfrage bei Lt. (jg.) Yxen Trelim, der motorisch nicht in der Lage war, ein Glasgefäß korrekt über einem größeren mit Nachspeise gefüllten Glasgefäß zu positionieren, was eine Reposition des Glasgefäßes in der Hand in das mit Nachspeise gefüllte Gefäß zur Folge hatte, ob er getrunken habe führte zu Gelächter. Ens. Ian Masterson erläuterte mir diese Situation als Situationskomik, welche sich mir konzeptuell noch nicht vollständig erschlossen hat. Obwohl ich definiert habe, dass Vulkaniern die logische Grundlage eines Witzes klar ist, habe ich offensichtlich dennoch Probleme, was komplexere humoristische Situationen betrifft.

Im Zusammenhang dieser Konversation entwickelte sich eine Unterhaltung über die Bewältigung von belastenden Situationen. Ich erklärte eine vulkanische Meditationstechnik, während sich einige der anderen Offiziere für einen Abbau von Stresssymptomen durch den Verzehr von ethanolhaltigen Getränken aussprachen. Nach einigen kontroversen Unterhaltungen über dieses Thema schlug ich einen gegenseitigen kulturellen Austausch mit dem Ziel der gegenseitigen Erfahrung der Methoden zum Stressabbau vor. Als interessierter Partner konnte Ens. Thomas McCullum gewonnenen werden, der zusicherte, zeitnah einen ausreichenden Ethanolvorrat zu beschaffen, um einen derartigen Versuch vornehmen zu können. Meine Erkundigungen bei Petty Officer Adrian Kaleb, die Wirkung Ethanols auf den vulkanischen Metabolismus betreffend, ergaben eine medizinisch nicht bedenkliche Bewertung. Eine weitere Konversation wurde geführt mit Lt. (jg.) Eljas Tohkinen bezüglich der Probleme mit den bioneuralen Gelpacks, meiner Persönlichkeitseinschätzung Ens. Frank Parkers und der Verbesserung der Kommunikationsstruktur der technischen Abteilung der USS Exeter NCC 76988 mit dem diensthabenden Techniker auf der Brücke.

Im weiteren Verlauf des Tages ereignete sich eine Begebenheit, deren persönliche Tragweite ich als sehr groß einstufe. Eine bajoranische religiöse Führerin, Vedek Alena, begleitete Ens. Jaris Lhasa bei einer religiösen Erfahrung mit einem als Drehkörper bezeichneten Phänomen, welches vermutlich durch die vom bajoranischen Volk als Götter verehrten Lebewesen im bajoranischen Wurmloch hervorgerufen wird. Wie nachträgliche Forschungen ergaben, handelte es sich um die erste Erscheinung eines solchen Drehkörpers, bei der Humanoide vom Planeten Vulkan anwesend waren. Auf eine nach wie vor nicht bekannte Weise, die auch durch intensive Gespräche mit Vedek Alena nicht geklärt werden konnte, war es der Erscheinung möglich, meine ausgeübte Kontrolle über alle Emotionen derartig zu beeinflussen, dass ein Kolinahr-ähnlicher Zustand ohne Emotionen nicht mehr gewährleistet werden konnte und temporal begrenzt emotionale Ausbrüche durch meine Person und Lt (jg.) Silok, der in gleicher Weise betroffen war, geäußert wurden. Ein bevorstehender Verlust der mentalen Disziplin kündigte sich vorher nicht an und äußerte sich durch eine starke Ansammlung mehrerer Gefühle, von denen eines verbal geäußert wurde. Konkret war es zu einem gewissen Zeitpunkt nicht möglich, die Kontrolle über meine Emotionen behalten zu können, was ein Auftreten von S’at zufolge hatte. Gleichzeitig mit dem Auftreten dieses Phänomens gestaltete sich die temporale Näherung dem inneren Gleichgewicht als mental fordernd. In Zeitperioden, die nicht von einem Kontrollverlust geprägt waren, konnte das Kolinahr zufriedenstellend wiederhergestellt werden. Für das Sternenflottenpersonal, welches sich während eines Kontrollverlustes in der unmittelbaren Umgebung aufhielt, schien dieser Zustand unerwartet und ungewohnt zu sein, was aufgrund der regulär bekannten Eigenschaft des vulkanischen Volkes logisch scheint.

Die erste durch den Einfluss des bajoranischen Drehkörpers hervorgerufene Emotion ereignete sich während einer Besprechung einiger taktischer Offiziere über die abgeschlossene Mission im Trelka-System. Das erste wahrgenommene Gefühl definiere ich als Nervosität. Vermutlich wurde dieser emotionale Zustand durch die steigende Anspannung ausgelöst, da mir offenkundig war, dass ich nicht in der Lage war, S’at vollständig zu kontrollieren. Die nächste Emotion, die auch für die anwesenden Crewmitglieder registrierbar zu sein schien, kann als Übermut definiert werden. Die aktuelle Situation veranlasste mich, eine übertriebe und extrem beiläufige Bemerkung zum Drehkörper zu machen. Der Verlust meiner inneren Kontrolle ereignete sich spontan, so dass keine präventiven Maßnahmen getroffen werden konnten. Zeitgleich mit der ersten auftretenden Emotion registrierten die anwesenden Crewmitglieder die Drehkörper-Erscheinung. Eine weitere von mir nicht zu unterdrückende Bemerkung führte bei den anwesenden Personen offensichtlich zur Schlussfolgerung, keine Kontrolle über meine Emotionen zu besitzen, was ein sofortiges Gespräch mit Ens. Masterson und mir sowie Lt. Larissa Caylan und Lt. (jg.) Silok zur Folge hatte. Mir wurde im Verlauf dieses Gesprächs, welches auf die Ablenkung von Stresssymptomen bei Humanoiden ausgelegt war, eine sofortige intensive Meditation angeordnet. Nach der Durchführung dieser konnte keine relevante Verbesserung der Situation erreicht werden. Als einzige logische Schlussfolgerung dieses nicht analysierbaren Ereignisses ließ ich mich von Ens. Ian Masterson vom Dienst suspendieren. Ich führte weitere intensive Meditationsübungen durch, war jedoch nicht in der Lage, das Kolinahr zu erreichen.

Folgende emotionale Zustände wurden von mir im Verlauf des Tages wahrgenommen:

In der Gesamtheit kann die Reaktion der Crewmitglieder auf emotionale Zustände von Lt. (jg.) Silok und mir als irritiert beschrieben werden. Eine Ausnahme bildet hier Petty Officer David Drinkmann, der interessanterweise in gewohnter Form auf meine Person reagierte. Als negativ in diesem Zusammenhang muss die Tatsache erwähnt werden, dass das jährliche Personalgespräch mit Cmdr. Michael O’Reardon in dieser emotional instabilen Periode durchgeführt wurde, was eine extreme Konzentration forderte und dennoch nicht ohne plötzlich auftretende Emotionen durchgeführt werden konnte, die zweifelsohne Einfluss auf meine Aussagen hatten und meinen offiziellen Unterlagen hinzugefügt wurden. Dennoch kann zusammengefasst werden, dass der Verlauf des Personalgesprächs deutlich positiver einzustufen ist als die erste Unterredung dieser Art mit Cmdr. O'Reardon während der Sternenflottenweiterbildung auf der Erde vor 11 Monaten.

Im Laufe des weiteren Tages unternahm ich mehrere Versuche, meinen Geist dem Kolinahr zu nähern. Über mehrere Stunden blieben diese Versuche jedoch erfolglos und führten erst durch die Einnahme eines Emotionsblockers zu Erfolg. Weiterhin ergründete ich in intensiven Gesprächen die Ursache des Verlustes meiner Geisteskontrolle. An diesen Gesprächen waren hauptsächlich Lt. (jg.) Silok, Vedek Alena und Ens. Ian Masterson beteiligt. Folgende Schlussfolgerungen formuliere ich als mögliche Ursache meines Kontrollverlustes:

  1. Die Lebensformen im bajoranischen Wurmloch planten und beabsichtigen eine Ausschaltung meiner und Lt. (jg.) Siloks emotionalen Kontrollfähigkeit. Deshalb ließen sie die als Drehkörper bekannte Erscheinung in nächster Nähe auftreten und waren so im Stande, unsere geistigen Kontrollfunktionen zeitweise zu unterdrücken.
  2. Die Lebewesen im bajoranischen Wurmloch übertrugen die Charaktereigenschaften des bajoranischen Volkes, dass nach Aussage von Vedek Alena als sehr emotional eingestuft werden kann, auf vulkanische Personen. Aufgrund fehlender Kenntnis über nicht-bajoranische Völker könnten die Lebensformen im Wurmloch falsch geschlussfolgert haben, dass es sich bei vulkanischen Personen um Bajoraner handelt, die eine geistige Schwäche aufweisen und keine Emotionen ausdrücken können. Somit wurden Lt (jg.) Silok und ich unserer Kontrollfähigkeit beraubt, was dem falschen Schluss nach logischerweise eine geistesgesundheitliche Besserung bedeuten würde. Konkret kann zusammengefasst werden, dass die Wurmlochlebewesen uns Emotionen geschenkt haben, die wir ihrer Ansicht nach zu haben wünschten.
  3. Die Lebensformen im bajoranischen Wurmloch handelten aus Notwehr aufgrund eines Schadens, den Lt. (jg.) Silok und ich den Wesen zugefügt haben, was somit als Maßnahme zur Gegenwehr angesehen werden kann.
  4. Die Lebewesen im bajoranischen Wurmloch waren sich nicht des Effekts bewusst, die eine Erscheinung eines Drehkörperphänomens auf Vulkanier hat. Die Lebewesen waren sich während der Erscheinung zwar über die Auswirkungen der Drehkörpererscheinung im klaren, sahen sich jedoch nicht in der Lage, diesen Konsequenzen konstruktiv entgegenzuwirken und den Effekt auf uns zu beenden.
  5. Die Lebewesen im bajoranischen Wurmloch waren sich nicht des Effekts bewusst, der eine Erscheinung des Drehkörperphänomens auf Vulkanier hat. Weiterhin waren sich die Lebewesen auch nicht während der Erscheinung des Drehkörpers über die Folgen für Lt. (jg.) Silok und mich im klaren.

Diese sechs mögliche Ursachen führen nach meinen Überlegungen sowie umfangreichen Unterredungen mit Vedek Alena, Lt. (jg.) Silok und anderen Personen zu unterschiedlichen Folgen, Schlussfolgerungen und Beschuldigungen.

  1. Handelt es sich um eine absichtlich herbeigeführte Situation mit dem Ziel, Lt. (jg.) Silok und mir Schaden zuzufügen, muss diese Tat als Verbrechen eingestuft werden. Das gewaltsame Eindringen in den Geist einer anderen Person und eine mutwillige Manipulation dessen wird bei vielen telepathischen Spezies, darunter die Betazoiden, Vulkanier und Ullianer als geistige Vergewaltigung geahndet und schwer bestraft. Das genaue Motiv für diese Vergewaltigung ist unklar. Gespräche mit Vedek Alena ergaben, dass die vom bajoranischen Volk Propheten genannten Lebewesen im Wurmloch noch nie eine derartige Tat vollbracht haben und bis zu diesem Zeitpunkt ausschließlich gut, gewaltfrei und nicht kriminell gehandelt haben. Weiterhin ist es aufgrund der Art dieser Lebensformen nur schwer möglich, diese vor einem neutralen Gericht zu verklagen und bei einem möglichen Schuldspruch zu bestrafen. Ich halte diese Schlussfolgerung für unwahrscheinlich.
  2. Die Begründung dieser möglichen Ursache basiert auf einer häufig gemachten Beobachtung der meisten emotionalen Völker. Viele Lebensformen, die Emotionen empfinden, definieren dies als normal. Lebensformen, die sich bewusst für die Emotionsfreiheit entschieden haben weichen daher vom Normal ab. Die Konsequenz daraus ist, dass grundsätzlich versucht wird, Vulkaniern Emotionen beizubringen, diese zum Lachen zu bewegen oder eine Äußerung zu verlangen, die Emotionen voraussetzt. In diesem konkreten Fall sahen die Lebewesen im Wurmloch Emotionen als normal an und versuchten, Lt. (jg.) Silok und mich ebenfalls mit Emotionen auszustatten, obwohl dies von uns bewusst nicht gewünscht wurde. Bei vielen Humanoiden kann ein ähnliches Verhalten beobachtet werden und muss als nicht tolerant eingestuft werden. Der häufig beobachtete Versuch, einen Vulkanier zum Lachen zu bringen ist ein Beispiel dafür. In diesem Fall würde es sich ebenfalls um eine mutwillige geistige Vergewaltigung handeln, deren Beweggründe jedoch als nicht böswillig angesehen werden müssen, obwohl sie auf einer falschen Schlussfolgerung basieren. Dieser Ursache für unseren Kontrollverlust räume ich eine erhöhte Wahrscheinlichkeit ein.
  3. Diese Ursache ist theoretisch ebenfalls möglich. Allerdings ist mir nicht bewusst, einen Tatbestand begangen zu haben, der den Lebewesen im Wurmloch Schaden hätte zufügen können. Dennoch ist es möglich, dass es sich um eine Tat handelt, die mir selbst in keiner Weise als aggressiver Akt gegen die Wurmlochwesen klar ist. Dieser Ursache räume ich eine Wahrscheinlichkeit nahe Null ein.
  4. In diesem Fall kann den Lebewesen im Wurmloch keine direkte Schuld zugesprochen werden. Sie waren sich zwar bewusst, dass die Drehkörpererscheinung zu einem Effekt auf Lt. (jg.) Silok und mich führte, waren jedoch nicht in der Lage, diese Effekt zu stoppen. Dies wäre insofern denkbar, da es sich um die erste Anwesenheit von Vulkaniern bei Drehkörpererscheinungen handelte. Bei dieser Ursache handelt es sich demnach um einen unerwünschten Effekt, der jedoch nachträglich nicht unterbunden werden konnte. Positiv hervorzuheben ist, dass sich die Wurmlochlebewesen ab jetzt über den negativen Effekt der Drehkörpererscheinungen bewusst sind und ab jetzt möglicherweise auf derartige Erscheinungen in der Anwesenheit von Vulkaniern verzichten. Dieser Ursache räume ich eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit ein. Vedek Alena ist sich über diese Ursache für unseren Kontrollverlust sicher.
  5. Auch in diesem Fall kann den Wurmlochlebewesen keine Schuld zugesprochen werden. In diesem Szenario sind sich die Lebensformen jedoch nicht über den negativen Effekt auf Vulkanier im klaren, was bedeutet, dass jederzeit wieder eine Drehkörpererscheinung vulkanische Personen unabsichtlich beeinflussen könnte. Auch diese Ursache ist möglich.

Auf Einladung von Cmdr. Wingers entschied ich mich, trotz des Risikos einer weiteren Beeinflussung durch die Lebensformen zwei weitere Tage auf Bajor zu verbringen. Diese werde ich intensiv nutzen, um nach Wirkungsende des Emotionsblockers meinen Geist an das Kolinahr zu führen. Zusammenfassend bewerte ich den Verlust meiner Kontrollfähigkeit als negatives Ereignis. Dieser Verlust ähnelte einem Zustand, den Vulkanier regelmäßig zu durchleben gezwungen sind und in dieser Situation vorzugsweise allein sind. Da mir nicht vor der Empfindung einer Emotion diese bewusst war, konnte ich mich nicht schnell genug zurückziehen. Dies hatte zur Folge, dass viele Mitglieder der USS Exeter NCC 76988 einige meiner Emotionen kennen, was eine extrem negative Tatsache darstellt. Ich vermute, noch mehrmals auf dieses Ereignis angesprochen zu werden, was sich als äußert unzufriedenstellend darstellt. Demnach sehe ich mich gezwungen, mich dieser unglücklichen Situation zu stellen, was als Herausforderung betrachtet werden kann. Möglicherweise sollte ich Überlegungen anstellen, die USS Exeter NCC 76988 zu verlassen und meinen aktiven Dienst dort zu beenden.

Weiterhin trat Lt. (jg.) Vinzenz Lloyd an mich heran und bat mich um Unterstützung bei meditativen Übungen, die er durchführen möchte, um seine telepathischen Fähigkeiten unter Kontrolle zu bringen. Ich vermute, dass Counselor Caylan ihm derartiges nahegelegt hatte. Nach Erlangung meines Kolinahrs sicherte ich Lt. (jg.) Lloyd Unterstützung zu. Nach Petty Officer Enomis Rendlim ist Lt. (jg.) Vinzenz Lloyd bereits das zweite Crewmitglied, das mit einer derartigen Bitte an mich herantritt. Dies scheint ein deutliches Zeichen dafür zu sein, dass vulkanische Meditationstechniken zumindest bei teiltelepathischen Spezies als sinnvolle Übung angesehen werden, ausreichend Kontrolle über diese Fähigkeit ausüben zu können. Sollte weitergehendes Interesse an derartigen Übungen bestehen, sollte ich in Erwägung ziehen, derartige Übungen für Gruppen offiziell anzubieten.

Da die medizinische Abteilung der USS Exeter NCC 76988 auch während des Aufenthaltes auf Bajor Untersuchungen an der Crew vornahm, meldete ich mich bei Ens. Jaris Lhasa bezüglich der Behandlung meiner Wunden. Im derzeitigen Stadium konzentrierte sich die Behandlung auf die Verhinderung von dauerhaft sichtbaren Merkmalen der Verletzung. Zudem konnte Ens. Jaris Lhasa mir erste Ergebnisse mitteilen, was den Grund des Nichtansprechens meiner Haut auf normale hautregenerative Maßnahmen betrifft. Sie diagnostizierte einen genetischen Defekt meiner DNA, der möglicherweise vererbt wurde. Zwar musste sie aus medizinischer Sicht meine Dienstfähigkeit nicht einschränken, äußerte jedoch die Vermutung, dass möglicherweise dauerhaft Probleme bei der Regeneration von Haut, Gewebe und Organverletzungen auftreten könnten. Ich beschloss, diesen genetischen Defekt nicht öffentlich zu verlautbaren. Dieser Entschluss basiert auf einer Unterhaltung mit Petty Officer Steven Castle, dem ich von meinem genetischen Defekt berichtete. Er äußerte, dass er in einer ähnlichen Situation schockiert reagieren würde. Hauptsächlich befragte ich ihn nach einer möglichen Reaktion der Crew auf eine derartige Diagnose. Er vermutete, dass mir möglicherweise Anteilnahme und Mitgefühl entgegengebracht werden könnte. Meinen Schlussfolgerungen nach könnte dies dazu führen, in kritischen Situationen nicht als vollständig einsatzfähiges Crewmitglied betrachtet zu werden, da meine Person vorrangig vor Verletzungen geschützt werden müsste. Um diese dienstliche Einschränkung sowie zu erwartende Konversationen über dieses Problem zu vermeiden, entschloss ich mich noch während des Gesprächs mit Petty Officer Steven Castle, den medizinischen Befund nicht zu verlautbaren. Ich bin sicher, dass Mr. Castle sich auch in dieser Hinsicht diskret verhalten wird.

Vor der Abreise der gesamten Crew fanden drei Beförderungen statt, im Rahmen derer auch Petty Officer Steven Castle in den Rang eines Petty Officer 1st class befördert wurde. In Bezug auf meine meditativen Übungen gratulierte ich Officer Castle mit einem Händedruck.

Im Anschluss reiste die Crew der USS Exeter NCC 76988 von Bajor ab. Ich zog mich während des restlichen Tages auf eine der Wiesen zurück und studierte die Lehren Suraks, bevor ich versuchte, mich in meditativen Übungen dem Kolinahr zu nähern. Um den meditativen Effekt zu verstärken, plante ich für die nächsten beiden Tage auf den Verzehr von Nahrung sowie auf Schlaf zu verzichten.

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