Bajor, welch ein toller Planet mit einer tollen Sternenflottenpsychoranch. Wenn ich jetzt maulen würde, dass es mir nicht gefallen hat müsste ich allerdings lügen, aber Dads Strandhaus wäre besser gewesen. Ich fasse mal die Ereignisse ein wenig zusammen. Das Wichtigste ist wohl, dass ich mich mit Michael wieder einigermaßen gut verstehe. Er scheint ein wenig zu sich selbst gefunden zu haben. Prima. Er hat dann auch Janara indirekt geholfen, dass die Sache mit ihrem Prozess wieder ins Rollen kommt. Er kann doch wenn er will. Ich bin froh, dass ich ihn nicht komplett abgeschrieben hatte. Kommen wir zu Janara. Die Sache mit der USS Dilligent scheint sie wirklich fertig zu machen. So wie auf Bajor habe ich sie noch nie erlebt. Es scheint nicht viel von der harten aber lebenslustigen Pilotin übrig geblieben zu sein. Ich denke, wenn man mich zu unrecht beschuldigen würde ginge es mir ähnlich. Ich wüsste nur zu gern, was dort vorgefallen ist. Als sie dann noch anfing die Vulkanier zu therapieren, die sich aufgrund einer Drehkörpererscheinung merkwürdig verhielten, musste ich eingreifen. Nun, ich habe mir dann mal erlaubt ein wenig Seelenklempner zu spielen und habe einen Tisch im "Quark's" reserviert. Admiral Ross und sein Stab, sowie reichlich andere Admiräle sind ja zur Zeit auf DS9. Ich werde mal mit dem Captain reden und, wenn er zustimmt, danach mit Admiral Ross. Ich bin mir sicher, dass es mir gelingt Janara und Berry einen schönen Abend und eine gemeinsame Nacht zu bescheren und wenn ich dafür Berrys Schichten übernehmen muss. Jetzt kommt das Beste - Computer, das behältst Du aber für Dich - ich habe durch Zufall ein Bild von Janaras Schwester gesehen. Meine Güte, hätte fast einen Nottransport auf die Krankenstation gebraucht. Natürlich habe ich mir nichts anmerken lassen und ganz beiläufig mal gefragt, ob ich sie nicht mal kennen lernen kann. Janara hat das gar nicht richtig mitbekommen und einfach zugestimmt. Ha, gut für mich. So, abschließend wäre noch zu sagen, dass ich mich die ganze Zeit in der Küche versuchen konnte. Zusammen mit einem Chief, Stefanie hieß sie glaube ich, habe ich für die ganze Rasselbande gekocht. Sogar der Captain und Michael haben es gegessen. Na ja, alles ist besser als Replikatorfutter. Jetzt gehe ich mal zum Captain und schaue was ich tun kann. Ende.
Wir fliegen nach DS 9! Bei den Propheten, vielleicht bleibt uns ja sogar Zeit für einen Besuch auf Bajor? Ich bin jetzt fast drei Jahre lang nicht mehr zu Hause gewesen und erst jetzt merke ich, wie sehr ich es doch vermisst habe. Aber die Ereignisse der letzten Zeit, der Dienst und die viele Lernerei zudem haben einfach kaum einen Gedanken an meine Heimat aufkommen lassen.
Die Nachbesprechung hat für mich nicht viel ergeben. Die Technik und die Wissenschaft haben versucht, die Ursache der Verseuchung zu finden und ich frage mich jetzt noch immer, was die medizinische Abteilung eigentlich dabei sollte. Das Beste war dann noch Ens. Parker, der die ganze Zeit mit irgendwelchen technischen Fachbegriffen und Kürzeln um sich geschmissen hat. Ist er wirklich so ein Fachidiot oder wollte er als Neuling einfach nur Eindruck schinden? Er sollte sich besser ein Beispiel an Officer T'Aloviks und Cmdr. Terron nehmen. Die können ihre Fachmaterie wenigsten auch für nicht so fachkundige Anwesende verständlich ausdrücken.
Heute habe ich Nachrichten von Christine erhalten. Die USS Auckland war ebenfalls in die Schlacht von Coridan verwickelt. Sie selbst blieb unverletzt, aber auch einige ihrer Crewmitglieder werden nicht mehr lebend nach Hause kommen. Mögen die Propheten sie leiten. Als Technikerin hatte sie mit ihren Kollegen anschließend genug zu tun, den Warpantrieb wieder funktionstüchtig zu bekommen. Leider ist die Auckland nach der Reparatur sofort nach Sternbasis 251 abkommandiert worden, so dass uns keine Zeit für ein Wiedersehen bleibt. Schade, es wäre schön gewesen, mit ihr über DS 9 zu schlendern, aber ich danke den Propheten, dass es ihr gut geht. Wenn der Krieg vorbei ist, werden wir uns wieder sehen, das weiß ich sicher.
Tirel erholt sich gut. Ich glaube, er ist schon wieder so ungeduldig, zurück zu seinem Team auf ein Schiff zu kommen, dass es seine Ärzte schwer haben, ihn ruhig zu halten, um eine ordentliche Genesung zu gewährleisten. Ich habe ihm von unserer letzten Mission erzählt – er meinte nur, er wäre zu gerne dabei gewesen. Die Details wie die – ich nenne sie mal 'Dawson-Privataffäre' – habe ich ausgelassen. Sonst hätte er unter Garantie Nachforschungen darüber angestellt, wer Captain Duboit (ich weigere mich, sie Dawson zu nennen) die falsche Todesnachricht von Jaqueline untergeschoben und sie anschließend nach Trelka versetzt hat (falls es da einen Zusammenhang geben sollte). Und in seinem Zustand muss er sich noch schonen – sagen jedenfalls seine betreuenden Ärzte, auch wenn Tirel selbst das natürlich ganz anders sieht.
Wir werden Bajor besuchen! Bei den Propheten, ich kann es immer noch nicht glauben. Damit hatte ich wirklich nicht mehr gerechnet. Okay, der Besuch ist Dienstzeit und kein Urlaub, aber ich komme nach Hause! Und außerdem ist jede Dienstzeit irgendwann zu Ende. Mann, wie ich mich freue! Das Wetter dort soll z.Z. sehr gut sein – sonnig und heiß wie seit langen nicht mehr. Ich kann's kaum erwarten. Aber es sind noch zwei lange Tage.
Ich habe Informationen über den Verbleib von Dad, Propheten steht mir bei! Ich, ich weiß nicht wo ich anfangen soll. die Begegnung mit dem Drehköper... Rahrkis... Cardassia, wieder Cardassia... gute oder schlechte Nachrichten? Keine Ahnung... Wo war ich? Stopp! Ich muss erst einmal Ordnung in das Chaos in meinen Gedanken bringen. Computer Pause.
Computer weiter. War ja wieder typisch, dass ich es nicht schaffen würde, zusammen mit den anderen das Runabout zu nehmen. Die Arbeit hat mich wie immer aufgehalten. Was also tun? Ich habe das reguläre Shuttle nach Bajor genommen und dann kurz vor dem Babylon Camp runtergebeamt. War ein interessanter Flug, zumal recht viele meiner 'Landsleute' an Bord waren. Einige haben mich angelächelt, andere eher kritisch ob meiner Uniform geschaut und die Köpfe geschüttelt. Manche sogar getuschelt. Aber was soll's? Ihre Reaktionen spiegeln nur die gegenteiligen Meinung wieder, die derzeit auf Bajor über die Föderation und eine evtl. Mitgliedschaft in ihr vorherrschen. Egal also. Ich stehe zu meiner Uniform und damit basta. Als ich im Babylon Camp ankam, waren schon recht viele Crewmitglieder anwesend. Schade nur, dass Lt. Stark nicht der Gruppe zugeteilt war, mit der ich meinen Heimatplaneten besuchen durfte. Ich hätte gerne etwas Zeit mit ihm verbracht. Wäre auch eine gute Gelegenheit gewesen für – aber lassen wir das. Cmdr. Stafford erklärte mir dann, wir hätten dienstfrei und ich solle den Aufenthalt genießen. Danke, hätte er mir nicht vorher sagen können, dass ich dort unten mit dem Routineuntersuchungen fortfahren sollte? Dann hätte er mir eine unangenehme Begegnung mit Cmdr. O'Reardon erspart. Aber vielleicht hat er es ja auch nicht gewusst. Was soll's? Also habe ich zunächst versucht ein wenig zu lernen, aber das lief nicht so richtig. Zu viele Erinnerungen kamen hoch und ich schwankte ständig zwischen Glück und Trauer. War schon komisch. Na ja, ich habe es so lange mit dem Lernen versucht, bis Counselor Caylan meinte, ich sollte mir doch auch einmal ein Pause gönnen. Recht hatte sie ja vollkommen, das weiß ich auch. Also habe ich ihrem Rat ausnahmsweise einmal Folge geleistet und mein PADD an die Seite gelegt. Ging dann auch besser als ich dachte. Ich habe mich tatsächlich sehr gut mit den Leuten unterhalten. So langsam kommen wir uns wohl alle ein wenig näher und die Crew wächst wirklich zusammen. Gut, neben der Freizeit (?) liefen natürlich auch noch die psychologischen Untersuchungen. Daher durfte ich mich dann erst einmal mit Cmdr. Wingers unterhalten. Was ich von ihr halten soll, weiß ich nicht. Die Frau ist 28 und schon Commander! Sagt Alles, oder? Und dann hat sie mir so dumme Fragen gestellt wie: 'Wie ich mich im Einsatz verhalten würde, wenn ein Teammitglied aus welchen Gründen auch immer ausrasten würde.' Meiner Meinung nach gibt es darauf keine Patentantwort. Kommt auf die Situation an. Beruhigend auf die Person einreden, klaren Befehl erteilen, notfalls mit Medikamenten ruhig stellen. Mann, meine Kurse in Führungspsychologie hatte ich noch nicht, die kommen auf der Akademie erst im dritten Jahr (welches dritte Jahr?). Aber man habe sich positiv über mein Verhalten während des Einsatzes auf Trelka IV geäußert. Ach ja? Davon weiß ich nichts. Außer Jaqueline natürlich hat eigentlich keiner was zu dem Einsatz gesagt. Ich hätte Verantwortung übernommen und das Team wieder zusammen geführt. Oder sowas ähnliches. Keine Ahnung. Ich habe einfach so gehandelt wie ich es für richtig gehalten habe. Schließlich habe ich mit solchen Einsätzen jahrelange Erfahrungen aus der Zeit vor der Sternenflotte. Und diese Erfahrung hat wohl den Ausschlag gegeben, anders kann ich mir das sonst nicht erklären.
Und nachdem ich dann bei Wingers fertig war, kommt O'Reardon zu mir und erklärt mir trocken wie er immer ist, man habe wohl vergessen, mich darauf hinzuweisen, dass ich hier weiterhin die Routineuntersuchungen durchführen solle. Er habe das hiermit getan und er erwarte, dass ich mich darum kümmern werde. Selbstverständlich, Commander! Soviel also zu dienstfrei! Aber Befehl ist Befehl und so habe ich mich an die Arbeit gemacht. Gar nicht so einfach ohne chirurgischen Rahmen (den gab es dort unten nämlich nicht) und nur mit Tricorder. Aber da es keine Anzeichen für weitergehende Erkrankungen gab, war das kein so großes Problem. Sonst hätten wir halt weitere Untersuchungen an Bord der Exeter durchführen müssen - was ich aufgrund der besseren medizinischen Ausstattung sowieso lieber getan hätte, aber da war ja so ein Brite dagegen. Zum Glück gab es jedoch keine Hinweise auf schwerwiegendere Infektionen oder sonstige Krankheiten, die eine detailiertere Untersuchung erforderlich gemacht hätten. Ist schon seltsam, wie unterschiedlich die verschiedenen Crewmitglieder an diese Untersuchungen herangehen. Die meisten sehen das ja ganz locker, aber einige scheinen eine ziemliche Abneigung dagegen zu haben, wenn nicht sogar - Angst? Ens. Masterson hat jedenfalls Alles versucht, um sich vor dem Besuch bei uns zu drücken; er hat sogar versucht Adrian dazu zu bringen, ihm die Untersuchung ohne Durchführung zu bescheinigen. Wie auch immer, Trel hat ihn dann wohl ausgetrickst und ihn zu uns in den Krankentrakt gebracht. Dort hat Masterson anschließend versucht, ständig während der Untersuchung und selbstverständlich vor deren Abschluss dort wieder wegzukommen. Als ich ihm für die Laboruntersuchung noch Blut abnehmen musste war es ganz vorbei. "Sadisten" war noch das Harmloseste, das wir von ihm an den Kopf geworfen bekamen. An seine nächste Untersuchung denke ich besser noch nicht. Wahrscheinlich muss ich ihn dann von der Sicherheit auf die Krankenstation bringen lassen, weil er sonst gar nicht kommt. Aber er ist schon ein Extremfall. Ob ich mir was drauf einbilden darf, dass es mir sogar gelungen ist, den Captain zum Routinecheck zu bekommen? Immerhin hat er in 20 Dienstjahren nur 14 Untersuchungen gehabt. Irgendwie bestätigt dies das Vorurteil, dass sich insbesondere die Führungsoffiziere gerne und mit Erfolg vor der Untersuchung zu drücken versuchen. Andererseits kann ich das von Stafford nicht behaupten und bei Cmdr. O'Reardon steht das ja sowieso außer Frage.
Der Tag verlief eigentlich ganz ruhig und zwischen den Untersuchungen blieb auch noch Platz, um ein wenig den Sommer und die Sonne zu genießen bis... ja bis die Vedek kam. Ich habe mich sehr über ihren Besuch gefreut, schließlich hatte ich bisher so gut wie nie die Gelegenheit mich mit einer Vedek zu unterhalten. Etwas verwundert war ich schon, als sie mir im Gespräch erzählte, sie sei meinetwegen gekommen; die Propheten hätten ihr meinen Namen genannt. Gut, die Wege der Propheten sind unergründlich, aber dann haben sich die Ereignisse überschlagen. Als ich neben der Vedek in der Sonne saß, erschien ganz plötzlich dieser Drehkörper. Zuerst war es nur ein gleißend helles Licht vor meinen Augen, das sich dann noch und nach ausbreitete, begann mich zu umfangen, bis ich schließlich ganz im Licht des Drehkörpers versunken war. Langsam formten sich Bilder aus dem Licht. Silva, unser Rebellenlager in der Lenar Provinz, Oran Ard unser damaliger Anführer, Tirel, und all die anderen aus der Zeit des Widerstands damals. Ich konnte sie alle sehen, genau wie damals, aber mit dem Wissen und dem Verständnis von heute. Bilder aus dem Kampf, Bilder aus unserem Lazarett, totale Erschöpfung, Verzweiflung, Beerdingungen, aber auch Bilder von beinahe glücklichen Tagen: Geburtstage, Hochzeiten, Gratitude Festivals, Itanu Zeremonien, Peldor Feste. Dann änderte sich das Szenario. Ich sah ein anderes Rebellencamp, eines das ich bisher noch nie gesehen hatte. Es war furchtbar. Offensichtlich waren die Rebellen verraten worden und das Lager wurde von den cardassianischen Truppen überrannt. Überall lagen bereits Tote und Schwerverletzte, einige versuchten zu fliehen und wurden einfach erschossen, Männer, Frauen, kleine Kinder. Chaos, überall Blut und noch mehr Tod. Ich wollte wegsehen, aber ich konnte nicht. Wer nicht sofort tot war, wurde von den Cardassianern gefangen genommen und abgeführt. Die Verletzten ließen sie zum Sterben einfach liegen. Und noch einmal änderte sich das Bild und was ich dann sah werde ich nie wieder vergessen, das Bild ist in meinem Kopf und ich werde es nicht los. Jede Nacht sehe ich es in meinen Träumen bis ich manchmal schreiend, manchmal nur einfach so aufwache. Das Bild, zunächst nur unscharf wurde nach und nach immer deutlicher. Ich sah... ich sah eine Reihe von bajoranischen Gefangenen, die offensichtlich zu einem Gefangenentransport abgeführt wurden. Zuerst erkannte ich niemanden, aber dann... dann... dann war da... sah ich... erkannte ich das... das Gesicht meines... Vaters. Computer Pause und ein Glas Wasser.
Weiter. Er sah so aus, wie ich ihn noch seit seinem Verschwinden damals in Erinnerung hatte, aber er wirkte müde, erschöpft, irgendetwas in ihm war erloschen, auch wenn aus seinen Augen noch ein Teil seiner alten Stärke strahlte. Ich wollte zu ihm, ihm etwas sagen, versuchte zu schreien, aber ich bleib ein stummer Beobachter der Szene. Und dann stand dort dieser Mann - nein, diese Kreatur - am Rand. Er... sie schien den Transport zu beaufsichtigen, ihn zumindest zu beobachten. Erst sah ich ihn nur von hinten, kein Cardassianer (dazu fehlten ihm die typischen Halswürste) sondern einer dieser, dieser widerwärtigen, perversen bajoranischen Kollaborateure, die für ein bisschen Profit und ihren persönlichen Vorteil ihr eigenes Volk verraten haben. Wenn ich könnte... nein, lassen wir das. Seltsam war nur, dass seine Haut die eines Cardassianers war. Inzwischen weiß ich, es ist ein Transplantat. Er stand dort, sein Gesicht bar jeglicher Emotionen, schlimmer noch als bei den Vulkaniern. Ich habe versucht mehr zu erkennen, wollte mehr über dieses Scheusal ohne Daseinsberechtigung erfahren, die Vision festhalten, aber das Bild verblasste, das Licht des Drehkörpers umfing mich erneut und ich kam auf der Wiese neben der Vedek wieder zu mir. Die halbe Crew stand um uns herum und starrte uns an. Aber ich habe sie kaum wahrgenommen, in diesem Moment zählten nur die Bilder der Vision. Die Vedek beruhigte mich, denn eine Drehkörperbegegnung ist ziemlich aufwühlend. Als ich der Vedek von der Person aus meiner Vision erzählte, hat sie ihn erkannt. Rahrkis, ein wegen Hochverrats und Kollaboration verurteilter Schwerverbrecher, der auf Bajor in einem Hochsicherheitsgefängnis sitzt. Ein Name und ein Mann, der etwas weiß! Endlich, endlich nach über 15 Jahren die Chance, einen Hinweis auf den Verbleib und das Schicksal meines Vaters zu erhalten. Ich danke den Propheten.
Wenn ich zu diesem Zeitpunkt dachte, das wären schon mehr Informationen, als ich verkraften könnte, dann hatte ich mich geirrt. Bei den Eingaben der Daten aus den Routineuntersuchungen in den Computer stolperte ich zufällig (ja es war Zufall, ich habe nicht danach gesucht!) über eine Akte von eben diesem Rahrkis. Der Zugriff auf die Akte war nicht gesichert oder verschlüsselt, also habe ich sie geöffnet. Okay, ich hätte es nicht tun dürfen, ohne Cmdr. Wingers vorherige Erlaubnis einzuholen, aber ich war noch zu durcheinander und ehrlich gestanden war es mir in dem Moment auch egal. Viel hab ich nicht erfahren, was ich nicht schon wusste, außer seinen Krankendaten, aber die waren auch nicht sehr aufschlussreich, außer dass der Mann über unzählige Verletzungen verfügte. Da Jaqueline mir sowieso schon Hilfe bei den Nachforschungen nach meinem Vater angeboten hatte (ich weiß bis heute nicht woher im Namen der Propheten sie das weiß), habe ich ihr die Informationen zukommen lassen und sie um weitere Hilfe gebeten. Natürlich hat Cmdr. Wingers sofort herausgefunden, dass jemand unbefugterweise eine Akte an ihrem Terminal geöffnet hatte. Ich habe es zugegeben, da ich niemanden sonst mit in die Sache hineinziehen wollte. Seltsamerweise hat sie von einer Bestrafung abgesehen, als sie den Grund für mein unüberlegtes Handeln erfuhr. Im Gegenteil, sie hat sogar Hilfe angeboten und ein Gespräch mit diesem Rahrkis arrangiert. Das jedenfalls werde ich ihr nie vergessen und nach diesem doch etwas seltsamen psychologischen Gespräch ist sie in meiner Achtung wirklich enorm gestiegen. Wie dem auch sei, da stand ich nun, mit der Möglichkeit mit dem vielleicht einzigen Mann zu sprechen, der etwas über den Verbleib meines Vaters wissen konnte und hatte keine Ahnung von Verhören – zumindest nicht, wenn das Gegenüber nur als Hologramm erscheint.
Hilfe war dann in dieser Situation wohl wirklich angebracht. Daher habe ich Cmdr. Stafford von den Vorfällen und der Möglichkeit eines Gesprächs erzählt und ihn gebeten, mich zu begleiten. Er schlug vor, noch eine weitere Person zu dem Verhör hinzuzuziehen. Gut, wen denn? Entweder, und Computer jetzt halte dich fest, entweder Cmdr. O'Reardon (ja er hat tatsächlich O'Reardon gesagt!) oder Lt. Darrim. Bei allem Respekt, aber der Erste ist der Letzte, wirklich der Allerletzte, dem ich von meinen privaten Problemen berichten würde. Dafür, dass er sie sowieso nicht verstehen würde und ich mir nur wieder einen seiner ach so klugen Sprüche anhören darf? Nein Danke, ich verzichte! Aber Lt. Darrim schien eine gute Wahl zu sein, zumindest nach meinen persönlichen Erfahrungen während der letzten Mission. Also habe ich sie gefragt und sie hat zugestimmt. Die Zeit zog sich unendlich lang hin, bis die Verbindung endlich stand. Ich hatte weiche Knie und das Gefühl, ich würde gleich kein Wort herausbekommen, aber irgendwie schaffte ich es, nicht einfach zusammenzubrechen. Ich hatte aufgrund der Bilder aus meiner Vision mit Vielem gerechnet, aber als ich Rahrkis dann gegenübersaß übertraf er meine schlimmsten Annahmen. Die Hälfte seines Gesichts war von cardassianischer Haut bedeckt, keine Regung in seinen Augen. Sogar durch das Hologramm strahlte er eine Eiseskälte aus. Warum er nach einigem Hin und Her letztendlich mit uns geredet und seine Informationen preisgegeben hat, kann ich nicht sagen. Die Beweggründe dieses Mannes werden mir immer ein Rätsel bleiben und ich will ihn auch gar nicht verstehen. Der Preis den ich für seine Informationen zahlen musste war jedoch unendlich hoch. Er wollte nur eine Frage beantwortet haben, aber gerade diese Antwort wollte ich ihm niemals geben. NIE!!! Aber mir war klar, sonst würde er auf keinen Fall reden. Er wollte nur wissen, wer die Person gewesen sei, an der wir so großes Interesse hätten. Die Antwort: "Er war mein Vater" war wohl die schlimmste in meinem Leben. Seine Worte schließlich waren wie Messer, die sich immer wieder und immer tiefer in meinen Körper schnitten. Oh ja, er konnte sich gut an die Transporte im März 2359 erinnern. Es gab nur zwei in diesem Monat. Einer kam nicht in Frage, der ging zu einem Planeten der heute wieder im bajoranischen Raumgebiet liegt und befreit ist. Der andere ging – wohin schon? Tief in den cardassianischen Raum hinein zu einem Planeten namens Chilyrha 3. Allein das war schon fast mehr als ich verkraften konnte, aber... aber es sollte... es kam noch schlimmer. Auf Chilyrha 3 befand sich nicht nur ein Gefangenen- oder Arbeitslager, sondern ein, wie soll ich es beschreiben... sondern eine Versuchstation eines gewissen Dr. Sharyk. Computer Pause.
Computer weiter. Was er mit seinen Opfern angestellt hat, kann ich anhand von Rahrkis Ausführungen nur erahnen, aber falls jemand diese... Experimente... überlebt haben sollte, wäre es wohl besser, er wäre tot. Sie haben... sie haben den Gefangenen Fremdimplantate eingesetzt... manchmal nur Haut, manchmal wohl ganz Körperteile ersetzt. Und das war nur das weniger schlimme. Ich möchte nicht weiter darüber nachdenken. Die Vorstellung ist einfach zu grausam. Ich habe versucht, während des Gesprächs nach außen hin ruhig zu wirken. Ob es mir gelungen ist – keine Ahnung. Innerlich habe ich gekocht. Lt. Darrim hat meine Hand ergriffen und sie hat mindestens genauso fest zugedrückt wie ich. Vermutlich war sie ebenso wütend und ohnmächtig wie ich. Meine Kiefer waren so fest aufeinander gepresst dass es wehtat. Irgendwann war es vorbei. Einfach vorbei. Darrim hat mich genommen und wir haben uns in eine ruhige Ecke zurückgezogen. Dort haben wir uns dann einen Übungskampf geliefert, einfach nur, um uns abzureagieren. Wer letztendlich wen abreagiert hat lasse ich dahingestellt. Ich glaube, sie hat das genauso gebraucht wie ich. Am Liebsten würde ich den Mann umbringen oder hoffen, dass eines der unzähligen Attentate, die im Gefängnis schon auf ihn verübt worden sind und wohl noch verübt werden, zum Erfolg führt, aber das wäre sinnlos. Dieses Scheusal besitzt zu viele wertvolle Informationen und wenn er stirbt, nähme ich unzähligen meiner Leute die Möglichkeit vielleicht etwas über das Schicksal und den Verbleib ihrer Angehörigen zu erfahren.
Anschließend war ich natürlich nicht mehr in der Lage, noch irgendeine Arbeit ordentlich durchzuführen. Da ich aber befürchten musste, dass Cmdr. O'Reardon genau das von mir verlangen würde, habe ich mich schließlich unserer Counselor anvertraut. Ich wusste, sie würde schon dafür sorgen, dass ich zumindest an diesem einen Abend Ruhe bekäme, um mir über alles Weitere klar zu werden. Obwohl dies zuerst meine einzige Intention war, habe ich im Verlauf des Gesprächs gemerkt, das es unheimlich gut tat, mit jemandem einfach nur über die ganz Sache zu reden. Ich habe ihr einfach alles erzählt, was mir so auf der Seele brannte und sie hat mir die Augen für vieles geöffnet. Ich weiß jetzt, dass das, was ich den letzten Monaten emotional durchgestanden habe, nichts Ungewöhnliches war. Jetzt, mit etwas Distanz, geht es wieder besser. Caylan ist wirklich fantastisch und inzwischen frage ich mich, warum ich mich ihr nicht schon früher anvertraut habe.
Manchmal weiß ich nicht, ob es gut war, dies alles zu erfahren, oder ob es besser gewesen wäre, ich würde weiter mit der Ungewissheit über Dads Verbleib leben. Die Nachrichten sind schrecklich, beunruhigend und machen nicht gerade viel Hoffnung aber... Nein, es war gut dies zu erfahren. Jetzt weiß ich, wo ich weitersuchen kann. Und ich habe in Cmdr. Stafford einen Mann zur Unterstützung, der über viele Kontakte verfügt.
Was soll ich zu der anschließenden, eher spontanen Party am Abend sagen? Irgendwer muss wohl den Synthohol gegen Alkohol ausgetauscht haben, anders sind die Verhaltensweisen einiger Crewmitglieder nicht mehr zu erklären. Ens. Masterson hatte zudem wirklich passende Musik aufgelegt. So langsam macht er sich und die Länge von einem Fettnäpfchen zum nächsten wird wohl demnächst nicht mehr mit 'einem Masterson' zu messen sein. Keine Ahnung wer dieses Längenmaß aufgebracht hat, aber wir haben alle herzlich gelacht und auch Masterson trägt das zum Glück immer mit unerschütterlichem Humor. Ich glaube, er hatte entweder nur einen schlechten Tag, als er sich bei uns eingeführt hat oder er war übereifrig. Gut, er hat wohl inzwischen auch von Lt. Caylan einiges dazugelernt. Besonders die Sicherheit tat sich beim Tanzen hervor und sogar Cmdr. Stafford stieg mit ein. O'Reardon schaute dem Ganzen eher mit verständnisloser Mine zu aber Lt. Darrim hat ihn offensichtlich davon abgehalten, der Crew den Abend zu verderben.
Nun ja, die Stimmung war gerade ziemlich gut, vielleicht schon zu gut, so dass einige Crewmitglieder das Alleinsein vorzogen. Zumindest unser Captain. Außer mir schien jedoch nur Trel dem Verschwinden des Captains Beachtung zu schenken. Wir haben einige Zeit gewartet, ob er wiederkommen würde, als er das jedoch nicht tat, sind wir ihm gefolgt, um zu sehen ob alles in Ordnung ist. Wie gesagt, jeder hat Momente, in denen er lieber mit sich und seinen Gedanken allein ist, aber anscheinend schien Cpt. Starkov nichts gegen ruhige Gesellschaft abseits von Partyrummel und lauter Musik zu haben. Was soll ich sagen, wir drei hatten ein richtig gutes Gespräch. Eigentlich mein erstes mit dem Captain, seit ich an Bord der Exeter bin, abgesehen von dem Vorstellungsgespräch auf dem Anwesen von Lt. Williams damals (aber das war offiziell und dieses hier privat). Wie lange ist das her? Erst 9 Monate, aber es kommt mir wie eine Ewigkeit vor, soviel ist seitdem geschehen, so vieles hat mich seither wieder eingeholt. Aber das hat hier nichts zu suchen. Irgendwie hat Trel während der Unterhaltung versucht, den Captain dazu zu bringen, etwas von sich zu erzählen, aber – ich weiß nicht wie – hat dieser gar nicht viel gesagt und Trel dazu gebracht jede Menge über sich zu erzählen. Warum er Starkov jedoch gerade von unserer ersten Begegnung in jenem schicksalsträchtigen Jahr '65 erzählen musste, weiß ich wirklich nicht. So rühmlich war unser Zusammentreffen im Anwesen von Gul Pagar nun wirklich nicht. Ich denke eher ungern an dieses Ereignis zurück, das so schlecht anfing und dann den Propheten sei Dank doch noch ein glückliches Ende nahm. Ich glaube der Captain hat über die Sache geschmunzelt und ich bin froh, unter einem Mann wie Starkov Dienst tun zu dürfen.
Was stand heute an? Eigentlich wollte ich zuerst Tirel über die
Neuigkeiten von gestern informieren, aber dazu kam ich erst mal nicht.
Die Untersuchungen nahmen Adrian und mich voll und ganz in Anspruch und
dann stand auch noch mein jährliches Personalgespräch bei Cmdr.
O'Reardon an. Selbstverständlich habe ich mich während des Gesprächs
vollkommen blamiert – war ja wohl auch nicht anders zu erwarten. Ich
hasse es, mich selbst beurteilen zu müssen, das kann ich nicht und ich
denke, das steht mir auch nicht zu. Aber genau das wollte dieser Idiot!
Computer, letztes Wort streichen. Nicht, dass ich nicht wüsste,
dass dies eine übliche Masche von Personaloffizieren ist, aber mögen
muss ich diese Art deshalb trotzdem nicht, oder? Wie ich meine Arbeit
an Bord der Exeter einschätzen würde? Mann, keine Ahnung. Ich bin noch
nicht voll ausgebildet, Cmdr. Caine ist die halbe Zeit nicht anwesend,
Stafford ist mir nicht unter den Händen weggestorben, ich hab mein
Bestes gegeben, da wird meine Arbeit wohl einigermaßen zufrieden
stellend gewesen sein, oder? Wie meine Karrierepläne aussehen würden?
Ich bin Ärztin geworden, um den Crewmitgliedern zu helfen, nicht, um
Karriere zu machen. Aber das konnte ich Cmdr. O'Reardon natürlich nicht
sagen, mal ganz abgesehen davon, dass er es nicht verstehen würde.
Also wieder improvisieren: Zunächst meinen Akademieabschluss machen,
meine Doktorarbeit fertig stellen und an Bord der Exeter bleiben. Ob
ich mich mit meinen Aufgaben überfordert fühlte? Gut, ich versehe den
regulären Dienst, mache z.Z. Cmdr. Caines Job noch mit und muss den
Akademiestoff selbständig nebenbei erarbeiten. Was sollte ich sagen?
Ich bin zwar voll ausgelastet, aber nicht überfordert. Aber etwas mehr
medizinisches Personal wäre manchmal wünschenswert. Nicht nur im
Sanitäts- und Pflegerbereich (was schon eine wirkliche Hilfe
insbesondere für Adrian wäre), aber manchmal wünsche ich mir einfach
nur, zu einem Problem eine zweite Meinung einholen zu können. Es muss
ja niemand sein, der mir die Verantwortung abnimmt, nein, damit komme
ich sehr gut klar, aber einfach mal um Rat fragen zu können, das fehlt.
Ich weiß nicht mehr, was noch alles für Fragen kamen, aber ich war nur
froh als ich wieder draußen war, auch wenn ich wusste, dass ich so
ziemlich komplett versagt hatte.
Inzwischen hat sich schon wieder ein interessantes Forschungsgebiet ergeben. Eigentlich wollte Cpt. Starkov nur wissen, ob es möglich sei, dass das Implantat in seinem Kopf, die Übertragung von Emotionen und Gedanken so hemmen könne, dass Betazoiden diese nicht mehr wahrnehmen könnten. Ja, möglich ist das, aber dazu weiß ich bisher zu wenig über das Implantat und über die Art und Weise, wie Betazoiden ihre telepathischen und empathischen Fertigkeiten nutzen. Wenn noch Zeit bleibt, werden Cmdr. Wingers (die wohl Spezialistin auf dem Gebiet der Hirnforschung ist) und ich uns dieses Implantat einmal näher ansehen. Ich habe Cmdr. Wingers daher auf die Krankenstation der Exeter eingeladen.
Inzwischen habe ich endlich die Zeit gefunden, Tirel über all die Ereignisse hier zu informieren. Natürlich gibt es jetzt für ihn kein Halten mehr; er will unbedingt sofort weitere Nachforschungen über den Verbleib von Dad anstellen. Er bestand sogar auf einer vorzeitigen Entlassung und die Ärzte konnten ihn nicht davon abbringen. Aber inzwischen hat er mir versprochen keine Dummheiten zu machen und zu warten, bis er entlassen wird. Allerdings wird er jetzt nur noch umso härter an seiner Reha arbeiten. Auch ich werde weitersuchen. Hoffentlich ergeben Cmdr. Staffords Nachforschungen auf Riar etwas Neues.
Eine Anmerkung noch, die auch in den medizinischen Datenbanken abgelegt worden ist: Offensichtlich verlieren Vulkanier bei der Begegnung mit einem, ja schon beim bloßen Anblick eines Drehkörpers die Kontrolle über ihre Emotionen. Mit Hilfe unserer Counselors (hier ist der Plural gemeint) und vulkanischen Meditationstechniken gelang es wohl, die Kontrolle zurück zu erlangen. Hah, offensichtlich war so viel göttliche Präsenz mit vulkanischer Logik einfach nicht mehr vereinbar!
Mal sehen, vielleicht bleibt nachher noch etwas Zeit, mich mit Stark im Casino zu treffen. Computer speichern und Ende.