Storyline

Starfleet Operations Con 1

Persönliches Computerlogbuch Bruce Wagner

30.06.2374

Ich habe heute meine Versetzung bestätigt bekommen. Es geht auf die NCC 76988 USS Exeter, das Flaggschiff der 6. Flotte! Das Flaggschiff! Ich glaub's nicht! Irgend jemand muss da ein Fehler unterlaufen sein, meine Akademieunterlagen sind durch einen Virus umgeschrieben worden oder die Sternenflotte braucht wirklich jeden Mann. Ich hätte nie gedacht, dass ich auf ein so modernes und vor allem ein so wichtiges Schiff komme. Nach dezenten Kommentaren wie "Verdammt noch eins, Wagner, wenn Sie nicht so faul wären, könnten sie tatsächlich mal was richtig hinbiegen!" dachte ich eher an Sachen wie: Auf einem Frachter Laderaum 3 bewachen oder so... Andererseits habe ich mich ja doch noch zusammengerissen, als es richtig ernst wurde, vielleicht hat das jemand zur Kenntnis genommen, wer weiß? Weinburgh klingelt gerade, gehe jetzt feiern. Computer Ende

Viel zu früh!

Mann, was für eine Feier! Bin auch nur aufgestanden, weil ich vergessen habe, den Weckruf auszustellen. Weckruf ist jetzt aus. Gehe wieder ins Bett. Computer, alle Töne und das Türsignal aus, Zimmer verdunkeln und Ende.

24.07.2374

Ja, hier bin ich nun, auf der Sternbasis 211 in der Mitte von nirgendwo und warte auf mein Schiff. Ich habe mir in der Zwischenzeit mal die Personalakten, soweit freigegeben, der Exeter durchgelesen und außerdem mal in der Bar Gerüchten gelauscht von jemand, der jemand kennt, der jemand kennt, der gehört hat, dass usw. Naja, das kann an Bord so richtig heiter werden. Also: drei Stunden Bar in der Kurzfassung: Der Captain scheint ein echter Haudegen zu sein, der weiß, wie man kämpft und wie man feiert. Außerdem ist er bei der Crew sehr beliebt. Der erste Offizier fällt unter "echt harter Knochen", schläft auf den Dienstvorschriften und ich überlege, ob ich den bajoranischen Schachbrettlikör doch besser nicht mit an Bord nehme. Andererseits, vergiss es, lieber einen schlechten Eindruck als nie bemerkt werden. Von der Sicherheitstruppe ist mir ein Ferengi (wieso Ferengi?!) aufgefallen, der gerade Crewmann werden will und eine gewisse Dawson, anscheinend ein personifizierter Alptraum eines jeden Vorgesetzten. Ich denke, ich werde Opfer diverser "Neu an Bord und ab in die Blamage"–Spielchen werden. Damit habe ich gerechnet. *seufz* Mal sehen. Ich werde allmählich doch nervös, immerhin ist die Exeter eine Akira und außerdem noch das Flaggschiff, das macht die Chance auf Gefechte sehr hoch. Irgendwie wird mir mulmig. Computer Ende

25.07.2374

Ich bin gerade an Bord gekommen. Sehr schönes Schiff, die Exeter. O'Reardon hat mich, Michael Vaughn, einen Sicherheitsmann im Kadettenrang und Frank Parker, meinen neuen Zimmerkumpel, an Bord empfangen. Eigentlich macht der erste Offizier einen sehr sympathischen Eindruck. Ich werde mich jetzt gleich mit dem stellvertretenden Chef der Sicherheit, Ensign Trelim Yxen, Yxen ist der Nachname, treffen und alles weitere besprechen. Geht ja recht fix los hier. Ich bin noch niemand über den Weg gelaufen und niemand hat Notiz von mir genommen. Dann halt kein Empfangskomitee. Computer Ende

Computer Aufzeichnung. Also, immer mit der Ruhe. Wir haben einen Auftrag: Wir fliegen ins cardassiansische Territorium, untersuchen dort die Trümmer einen Föderationsraumschiffes und landen mit zwei Teams auf zwei Klasse M Planeten, um dort nach Überlebenden zu suchen, welche unter Umständen zu einer Tactical Force gehören, die dort vor 8 Jahren einen Brückenkopf errichten sollten und vielleicht einfach zuerst auf uns schießen, bevor sie fragen. Das wussten wir aus Vorabanalysen und Ermittlungen. Gut, ich bin dem Team zugeteilt, das von Lt.Commander Stafford geführt wird oder in Stellvertretung von Ensign Stark und ich bin der Sicherheitsoffizier der Außenmission. Wir untersuchen einen Planeten im Trelka–System. Irgendwie haben sich die Ereignisse mir genähert, sich überschlagen und mich überrollt oder so. Das ist ein Kampfeinsatz! Jetzt schon! Und auch noch morgen früh! Ich habe dann meine Bedenken auch meinen direkten Chef, Ensign Yxen, einem Bajoraner, mitgeteilt und bekam zur Antwort, man müsse halt ins kalte Wasser springen. Riesig! Wenn ich beim Widerstand gewesen wäre, was er aber laut eigener Aussage nicht war, und ich glaube, er hätte mir für die Frage am liebsten den Kopf abgerissen, dann würde mir das auch nichts ausmachen! Ich habe aber nur an der Akademie geübt! Auch so war das Gespräch nicht so wahnsinnig hilfreich, ein Vulkanier ist herzlich im Vergleich zu Yxen! Momentan wünsche ich mir einfach nur, ich hätte das Studium nicht abgebrochen! Andererseits, ich bin Sternenflottenoffizier. Für so was wurde ich ausgebildet. Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren! Wenn mir nur einfiele, wer das gesagt hat. Ah ja, ich bin jetzt doch noch einem Teil der restlichen Besatzung begegnet. Yxen hatten wir schon, der Ferengi hat ganz andere Dienstzeiten, den habe ich also nicht getroffen, aber dafür Dawson. Ich bin auf den Tisch zu, an dem sie und einige andere Sicherheitsleute saßen und habe höflich gefragt, ob ich mich setzen kann. "Gerne" war die Antwort, bei der Dawson ihre Füße immer noch auf dem Stuhl vor mir hatte. Gut, dachte ich mir, das kann ich auch, hab mir den Stuhl gegriffen, mit den Worten "Ich darf doch..." Dawsons Beine abgeladen und mich hingelümmelt. Ganz toll, Bruce, voll in die Falle! In der Zwischenzeit hatte sich Commander Stafford geschickt hinter mir postiert, nachdem ich mich mit einem sichtbar selbstzufriedenen Grinsen gesetzt hatte. Alles freut sich also ganz wahnsinnig und schaut an mir vorbei, ich drehe mich um, sehe Stafford hinter mir stehen mit einem "Das ist mein Platz"-Gesicht und war echt zackig wieder auf den Beinen, worauf das gesamte Casino angefangen hat zu grölen. Yeah Bruce, ganz toll gemacht. Ich wusste, ich werde vorgeführt. Der Punkt ging an Dawson, das hab ich auch zugegeben. Apropos höflich, ich habe, glaub ich, irgendwann jeden mit Sir angeredet, was daran liegen könnte, dass fast nur höherrangige Offiziere im Casino waren. Na gut, blamiert bin ich schon, der Rest des Abends war damit etwas entspannter. Noch was zur Mission: Den Audiologs nach war Dawsons Mutter auch unter den vermissten Tacticals; Dawson war dann auch recht geknickt. Ich habe versucht, mit ihr drüber zu reden, aber sie hat abgeblockt. Klar eigentlich. Übrigens, der Spruch war von Brecht. Morgen kann ich sicher schon mehr zur Crew sagen. Gehe jetzt ins Bett. Computer aus.

26.07.2374

Ich mach's kurz, die Mission geht gleich los. Ich bin 10 Minuten vor dem Wecker aufgewacht, das passiert mir sonst nie! Dann Dusche, Uniform an, Frühstück mit HALLO WACH-Akademie-Kaffee. Hoffentlich geht alles gut. Hoffentlich mache ich keinen Fehler, für den jemand anderes büßen muß! Computer Ende.

Computer Aufzeichnung. Wir sind wieder alle lebend an Bord. Ich habe meine ganz persönliche Hölle erlebt. Alles der Reihe nach: Das Außenteam: Lt.Commander Stafford, Ens. Stark, PO O'Kenner von der Ops, PO Drinkmann als Shuttlepilot, PO Dawson, Cad. Vaughn, Ens. Jaris als Teamdoc, der Wissenschaftler PO Castle und ich. Vaughn und ich waren mit Gewehren bewaffnet, der Rest mit Handphasern und wir hatten noch drei Granaten. Die Blendgranate wurde mir in die Hand gedrückt und ich habe sie unter die Weste geschoben. Das hat mir wohl das Leben gerettet. Commander Stafford hat seine alte Tactical–Uniform ausgegraben und angezogen; die erkennt das verschollene Platoon noch, der Schnitt unserer Uniformen ist ja relativ neu. Außerdem war der Commander des Platoons, Steward, mal Straffords Ausbilder. Wir sind mit ca. einer Stunde Verspätung mit einem von Officer Drinkmann, nach Erzählungen das Bordfliegerass, gesteuerten Runabout von der Exeter los und Richtung Planet ab. Ging alles gut, der Mann wird seinem Ruf mehr als nur gerecht. Schief ging es erst beim letzten Drittel des Weges, als eine Plasmaleitung des Shuttles riss und wir von Commander Stafford mit einem Nottransport von Bord auf die Planetenoberfläche gebeamt wurden. Stafford blieb an Bord und hat es tatsächlich geschafft, das Shuttle zu landen, allerdings ca. 10 Meilen von unserem Ankunftsort entfernt. Der Plan war, sich bei den Koordinaten zu treffen, bei denen wir zuvor noch vom Runabout aus eine Phaserüberladung ausmachen konnten. Dort hofften wir dann auch, das Platoon zu finden. Also Marschordnung im unbekannten Gebiet mit potentiellem Feindkontakt (immer schön nach Lehrbuch): Dawson und ich vorne, Dawson mit Tricorder, ich mit Phasergewehr, dann im Abstand von ca. 10 m der Rest der Gruppe und Vaughn als Rückendeckung und zur Absicherung nach hinten bei der Gruppe. Und ich sage noch zu Stark: Wenn es Heckenschützen gibt, erwischt es auf jeden Fall einen. Ich hatte mal wieder recht, wie ich das hasse! Es hat mich erwischt, am Eingang zu einer Lichtung, aus dem Hinterhalt. Ab hier ging dann auch ungefähr alles schief, was schief gehen konnte. Also, ich lag mit einer verbrannten Schulter auf der Lichtung, der Rest war in Deckung. Ich habe gerade meinen Handphaser gezogen, als O'Kenner, der ja eigentlich bei der Ops ist, aber auch bei der Sicherheit gut aufgehoben wäre, einen Divergenzfeldgenerator aktiviert, der die Waffen der Cardassianer kurzzeitig funktionsunfähig macht. Man bringt mich also in Sicherheit; Ens. Jaris verarztet mich und O'Kenner schnappt sich mein Gewehr zu einem Umgehungsangriff und verschwindet in den Büschen, gefolgt von Stark und Drinkmann. Als ich wieder einigermaßen fit war, bin ich mit Dawson hinterher, da sich keiner der Drei über Funk gemeldet hat, auch nicht nach wiederholter Anfrage. Vaughn hatte ich bei der Gruppe gelassen, falls die Cardassianer ähnliche Angriffspläne haben. Ich bin mit Dawson durch die Büsche gepirscht, und wir haben schließlich Stark und Drinkmann gefunden, niedergeschossen. Nachdem mir der Cardassianer beinahe auch noch den Kopf von den Schultern gephasert hätte, hab ich ihn erwischt und wollte dann den Doc per Funk zu den Verletzten dirigieren, was aber nicht geklappt hat. In der Zwischenzeit hat mich Dawson verloren oder auch umgekehrt, ist jetzt auch hinfällig. Naja, also wollte ich den Doc einfach herholen, weil ich nicht wußte, wie schwer es die beiden erwischt hat und habe mich auf den Rückweg gemacht. Dabei habe ich dann leicht die Orientierung verloren und als ich gerade um eine Wegbiegung laufe, sehe ich drei Cardassianer, den Gesichtsausdrücken nach genauso baff wie ich. Ich bin gerannt, drei gegen einen klappt nicht. Das hätte ich mir merken sollen. Ich kam in ihren Rücken und dachte mir, bei ihrer Position würden sie bald mein Team unter Feuer nehmen. Also habe ich sie beschossen. Der erste Schuß ging daneben und ich frag mich immer noch, warum ich dann nicht geflohen bin. Sie haben verdammt gut geschossen. Zu gut. Einer davon war dieser Gul Balor. Beim zweiten Treffer der Cardassianer bin ich dann bewusstlos zusammengeklappt und erst wieder zu mir gekommen, als die drei mit gezogenen Phasern über mir standen. In dem Moment dachte ich mir: Gut Bruce, so endet also alles. Zwei Stunden später habe ich mir nur noch gewünscht, daß sie gleich abgedrückt hätten. Die Cardassianer haben keine Zeit verschwendet: Als erstes haben sie mich nach der Größe unseres Teams gefragt: Ich habe nicht geantwortet; darauf haben sie mir den ersten Finger der linken Hand gebrochen; Sie haben noch mal gefragt: Ich hab's mit 5 Leute versucht; sie mir den zweiten Finger gebrochen. Ich war dann ehrlich, ich habe 9 gesagt. Wer das Schiff kommandiert – keine Antwort - dritter Finger - Starkov. Wer das Team anführt – keine Antwort – vierter Finger – Stark. An dieser Stelle haben sie dann auch erst mal den linken Arm ausgekugelt. Was unser Auftrag ist – keine Antwort – fünfter Finger - Trümmer eines Föderationsraumschiffes zu untersuchen. Zwischendurch haben sie mich noch getreten, geschlagen und mir den anderen Arm auch ausgekugelt. Ich habe ihnen dann auch alles erzählt, was sie wissen wollten. Das Einzige, was ich noch richtig hingebogen habe, war, dass ich sie glauben ließ, die Exeter wäre eine Ambassador.

Es kam auch zu Verhandlungen mit Stark – er ist wirklich sehr wortgewandt, aber in dem Moment hätte ich ihn am liebsten durch den Kommunikator erwürgt – und dann später mit Stafford, in deren Verlauf sie die anderen von der Tatsache überzeugt haben, dass ich noch am Leben bin, indem sie mir den Funk vor's Gesicht gehalten und mir den anderen Arm ausgekugelt oder noch einen Finger gebrochen haben, ich weiß es nicht mehr. Ich habe nicht geschrien und statt dessen die Zähne zusammengebissen; diese Genugtuung wollte ich ihnen nicht geben. Ich habe mich kurz an die Akademie erinnert und wie man sich als Sternenflottenoffizier unter Verhör zu verhalten hat: Keine Aussage, kein Geständnis; Dreck! Nichts davon habe ich gehalten! Die Cardassianer haben gefragt und ich habe gesungen. Immer wieder. Irgendwann waren die Finger der rechten Hand auch dran. Sie wollten mich dann zu ihrem Schiff bringen, nachdem sie mich auf einer sehr großen Lichtung dem Außenteam vorgeführt hatten, aber keine Möglichkeit zur Flucht. Laufen konnte ich noch, aber meine Arme so gut wie gar nicht mehr bewegen. Die körperlichen Schmerzen nimmt man irgendwann nicht mehr war. Viel schlimmer war der innere Schmerz. Ich habe mich selbst gehasst dafür, dass ich versagt habe und dafür, dass ich alles, was ich wusste, erzählt habe. Klar, ich habe versucht zu lügen, aber man denkt sich nicht so einfach eine Lüge aus, wenn einem jemand die Finger bricht. Sie wollten mich brechen und das hätten sie auch beinahe geschafft, aber eben nur beinahe! Als mir mal wieder in den Magen geschlagen haben und ich vor Schmerz zusammengeklappt bin, fiel mir die Beule unter meiner Weste auf. Die Blendgranate! Sie hatten mir zwar Phaser und Kommunikator abgenommen, aber einfach vergessen, mich zu durchsuchen! Beim nächsten Schlag und beim nächsten Zusammenklappen habe ich die Granate rausgefingert, gezündet, den Gul zur Seite gerammt und bin gerannt, so schnell und weit ich konnte. Eigentlich hätte ich erwartet, dass sie mich auf der Flucht erschießen, aber ich bin davongekommen. Lieber tot als noch länger in den Händen der Cardassianer und noch länger mit dieser Schande leben zu müssen. Davon abgesehen, ich bin immer noch Sternenflottenoffizier und es war ganz einfach meine Pflicht. Als mir die Puste ausging, bin ich tief in ein paar Dornbüsche gekrochen, in der Hoffnung, dass sie mich nicht finden. Sie haben mich auch nicht gefunden, ich also weiter und kurz darauf bin ich auf mein Team gestoßen, wo ich auch erst mal zusammengebrochen bin. Verarztet hat mich dann Ma Dawson, die vor 8 Jahren hier mit dem Platoon gestrandet ist. Ja genau, Dawsons Mutter. Jetzt weiß ich wo Dawson ihre schnelle Schnauze her hat; nicht von Mama, die hat ihre noch. Von dem Platoon waren nur noch vier Leute am Leben: Der kommandierende Offizier, Commander Steward – das ist kein Mensch, das ist ein Panzer! Ich bin ja wirklich recht groß und kräftig, aber neben dem sieht man mich nicht mal - , Tria Vakkon, eine Trill, Crwm Powler, ein Scharfschütze – er war mit dem TR-114 ausgerüstet, einem damals neuartigen Scharfschützengewehr; eigentlich eher eine Zimmerartillerie, das verdammte Ding ist fast so groß wie ich - und eben Lt.Cdmr. Ma Dawson, die aber lieber Duboit genannt wird. Ich habe sie anfangs mit "Miss Dawson" angeredet und sie mochte es gar nicht. Irgendeine Scheidung ist da gelaufen oder so, keine Ahnung, ich hatte echt andere Sorgen. Während ich also am Boden lag und verarztet wurde, konnte ich mir aus den Gesprächen ungefähr zusammenreimen, was in der Zwischenzeit passiert ist. Stafford ist zuerst auf das Lager der Tacticals gestoßen und hat den Rest des Außenteams per Funk dann ebenfalls dorthin geführt. Das Lager befand sich am Rande der Lichtung, an der mich die Cardassianer mal eben vorgeführt hatten, um zu zeigen, daß ich immer noch lebe. Es kommt aber noch besser. Die Cardassianer haben auf dem Planeten einen neuen künstlich erschaffenen Virus freigesetzt, der mittlerweile einen Großteil der Tacticals das Leben gekostet und auch uns alle befallen hatte. Während ich also darauf gewartet habe, dass uns die Exeter abholt, denn das Runabout war zwar noch halbwegs intakt, aber jetzt von einem Minenfeld umgeben, wusste ich nicht, ob ich dankbar sein sollte, noch am Leben und beim Außenteam zu sein oder mir besser gleich einen Phaser an die Schläfe zu halten und abzudrücken. Ich lebe noch. Ich habe mich für ersteres entschieden.

Die Cardassianer sind wieder aufgetaucht und haben uns unter Feuer genommen. Ich habe mir auch ein Gewehr gegriffen und die Gegend gesichert. Ja, die Schmerzen beim Feuern waren enorm, aber halten einen vom Nachdenken ab. Einer ist mir fast direkt vor die Mündung gelaufen. Er wird nie wieder irgendwo hin laufen; zu diesem Zeitpunkt haben wir alle nur noch geschossen, um zu töten. O'Kenner ist regelmäßig im Wald verschwunden, um Cardassianer zu jagen. Das ganze ging wohl ungefähr eine Stunde so; wir schießen auf die Cardassianer, die Cardassianer schießen auf uns. Sie haben zudem noch versucht, uns über Funk mürbe zu machen. Irgendwann kam durch, dass Gul Balor seines Amtes enthoben wurde. Nachdem, was ich über die Cardassianer jetzt weiß, wird er das wohl nicht überlebt haben. Dann kam das Shuttle der Exeter angeflogen; Anscheinend war jeder Mann, der ein Shuttle oder einen Jäger wirklich gut steuern konnte, in Kampfhandlungen gebunden und deshalb flogen Lt. Silok und Ens. Masterson das Shuttle; sie hatten auch leichte Probleme mit der Landung, und so lagen zwischen dem Shuttle und unserer Position ca. 200 Meter freies Feld. Man könnte auch 200 Meter Tod sagen. Die Cardassianer haben die Gelegenheit genutzt und uns erneut unter Beschuß genommen; wir haben wieder zurück geschossen; an Einzelheiten kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich wurde getroffen und Stafford hat es mit einem glatten Durchschuss erwischt. Wir haben es aber alle rechtzeitig auf die Krankenstation an Bord der Exeter geschafft und alle überlebt, und der Einzige, der für meine Fehler geblutet hat, war ich selber. Wir haben dann auf der Krankenstation, die ebenso wie das medizinische Labor unter Quarantäne gestellt wurde, bis das Virus effektiv bekämpft werden konnte, auf unsere Genesung gewartet. Die Zeit verging gar nicht, und ich war immer noch am Ende; das war wohl für alle ersichtlich; Dawson wollte mit mir reden und auch unser Chefcounselor. So dankbar ich den Leuten für den Versuch auch war, aber ich konnte und wollte nicht über die Sache sprechen. Später bin ich weggepennt und als ich wieder aufwachte, hatten die Medizinische und die Wissenschaftliche ganze Arbeit geleistet; nachdem sie den Transporter mit einer Matrize modifiziert hatten, die den Virus aus dem Körper filtert, hat man uns in die Messe gebeamt und erst mal zu Abend essen lassen. Danach bin ich den wohl schwersten Gang meines Lebens gegangen: zu Stafford, um mich gemäß den Doktrinen der Sternenflotte bei ihm als Leiter der Mission wegen Aussage und Preisgabe von Informationen unter Verhör anzuzeigen; ich sagte ihm, dass ich meiner Meinung nach in meiner Position als Leiter der Aussenteamsicherheit und als Offizier unter Verhör absolut versagt habe, ich wüsste, dass er dafür Maßnahmen zu ergreifen hätte und er mich, um mir die Demütigung einer verdienten Degradierung zu ersparen, besser gleich aus der Sternenflotte werfen sollte. Wenn ich schon Mist baue, dann stehe ich dazu; ich hab mich noch nie vor den Konsequenzen meiner Handlungen gedrückt und fange jetzt nicht damit an. Ja, und was Stafford dann sagte, hat mich wieder ins Leben geholt. Im Wesentlichen hat er mir gesagt, dass ich daraus lernen soll und mir einen zweite Chance gegeben; ich habe ihm versichert, dass ich ihn nicht noch mal enttäuschen werde. Enttäuscht hätte ich hin nur, meinte er, als ich damit angefangen hätte, das Team zu spalten und einen Kadetten als einzige Deckung zurückzulassen; Es war nicht nur das, was er sagte, sondern auch die Art und Weise, wie er es gesagt hat. Ich hoffe, dass ich ebenfalls mal ein Offizier werde, für den seine Untergebenen sterben würden. Ich würde jetzt für Stafford sterben, jederzeit. So, erst mal eine Dusche und dann sehen wir weiter. Computer aus

Computer zuhören. Gott, ich bin todbetrunken und sturzmü -, ach vergiß es! Ja, wir hatten eine dicke, fette Raumschlacht, haben die Pfeifen vom cardasianischen Enterkommando dermaßen herb vom Schiff getreten, dass sie erst auf Cardassia Prime wieder zum Stehen kommen und lassen uns jetzt dann erst mal zusammenschweißen. War noch in der Messe; war lustig. Yeah! Gute Nacht! Computer Ende

Computer, hier spricht der derzeitige SNR–Runterschling-Bordmeister. Ein beliebtes Spiel bei den Tacticals für die Jungs mit den dicken Wummen; wer am schnellsten eine Schüssel grüner SNR, Standard–Not–Ration, mit Soße runtertrinkt, gewinnt. Mann, danach hätte man mich ins Quartier rollen können, aber immerhin, Stafford und Steward geschlagen. So, mein erster freier Nachmittag an Bord; deshalb erst mal noch zu gestern: Nach der Dusche wurde mir irgendwann gesagt, dass wir ins Coridan-System fliegen, um dort eine Angriffsflotte, bestehend aus Jem'Hadar – und Cardassianerschiffen, abzufangen, die es auf einen wichtigen Minenplaneten der Föderation abgesehen hat. Uns gehört einer der cardassianischen Flottenverbände. Also eine Raumschlacht, das heisst für die Sicherheit bereitmachen zur Eindringlingsabwehr; Steward und Vakkon haben uns verstärkt, das war auch gut so. Zum Verlauf der Schlacht selber kann ich mal wieder nichts sagen, ich war die ganze Zeit als Leiter für Team Beta eingeteilt und habe mich über alle Decks mit den Cardassianern beschossen. Ich habe eigentlich versucht, keine Genugtuung zu empfinden, wenn ich einen erwischt habe, aber ich habe jeden Schuss genossen, bis die Situation irgendwann kritisch wurde, ab da war ich kalt. Ja, ich habe tatsächlich nichts mehr gefühlt, auch keine Angst mehr. Ich frage mich, ob mir je wieder was Angst machen wird, nachdem, was ich hinter mir habe. Auf jeden Fall haben wir die Schlacht gewonnen und das Schiff gehalten, obwohl es manchmal echt knapp war. Deswegen auch die Feier und das Besäufnis in der Messe. Ich habe im späteren Teil des Abends dann, sozusagen als Einstand, den Schachbrettlikör ins Spiel gebracht und die Runde eingeladen. Auch Yxen ließ es sich nicht nehmen, einen mitzutrinken, was mich ja eigentlich gefreut hat. Bis mir schlagartig klar wurde, dass er überhaupt gar kein bißchen Alkohol verträgt und nach einem Schluck bummvoll ist. Gute Leistung, den direkten Vorgesetzten abgefüllt. Dawson hat darauf aus der medizinischen Station eine Pille organisiert, wenn mich meine Restkenntnisse nicht völlig im Stich lassen, Alkoholamylase mit Wirkungsbeschleuniger. Hat funktioniert, er konnte dann auch wieder gerade stehen. Am Ende kamen dann noch der Captain mit dem ersten und dem zweiten Offizier dazu. Hier habe ich auch mal mehr von den Jungs von der Ops mitgekriegt, Mulligan und O'Kenner, die beide eine Menge echt harter Sprüche auf Lager haben. Nachdem ich beinahe am Tisch eingeschlafen bin, habe ich mich ins Bett verzogen. Ich muss dann wohl verpasst haben, als Yxen den Ersten aus seinem Quartier, eigentlich aus seinem Bett in seinem Quartier in die Messe zu Stafford gebeamt hat, um ein Klärungsgespräch zwischen den beiden in die Wege zu leiten. Hallo!?! In welchen Irrenhaus, oder besser - schiff, bin ich hier gelandet? Keine Ahnung, was die Konsequenzen für Yxen sind, aber es täte mir leid, wenn er richtig Ärger bekommt. Er ist ein guter Offizier, zum Bajoraner hinter dem Rang konnte ich allerdings noch nichts rausfinden. Ich sage ja, ein Vulkanier ist herzlich dagegen. Heute Vormittag war noch die Einsatznachbesprechung, und ich hatte die einmalige Gelegenheit, von meinem Ausflug zu den Cardassianern zu berichten. Die Folter und das Verhör habe ich ausgelassen und der Captain hat nicht nachgehakt, wofür ich ihm sehr dankbar bin. Ich werde noch viel Zeit brauchen, um drüber weg zu kommen. Sehr viel Zeit. Bei der allgemeinen Abschlussbesprechung hat Starkov die Crew noch mal gelobt und eine Handvoll Leute befördert, mal sehen: Vaughn ist jetzt Crewman, und das ich auch gut so, der Mann ist echt fähig, soweit ich das beurteilen kann. Stark ist jetzt Lt. (jg), Drinkman Ensign zu Felde und Commander des zweiten Wings bei den Jägern und McCullum hat den dritten Wing bekommen. So, wenn wir schon bei der Crew sind, mal der Reihe nach dieselbige mit meinen Eindrücken, den Abteilungen nach, weil ich die Besatzungsliste gerade vor der Nase habe:

Also, meine Abteilung: Yxen ist bekannt, aber irgendwie komme ich schon noch an ihn ran; Dawson will meiner Meinung nach mit ihrer demonstrativ losen Klappe und ihrer beleidigenden Art irgendwas verbergen, aber das geht mich nichts an. Sie ist gut, in dem, was sie tut, und eigentlich ein feiner Kerl. Vaughn ist sehr ruhig, aber trotzdem oder vielleicht deswegen ein sehr angenehmer Zeitgenosse. Eine Art von ruhiger Kompetenz eben. Pelothel und ich hatten bisher so gut wie nichts miteinander zu tun, er blieb während der Aussenmission auf dem Schiff und war sonst in anderen Abteilungen stationiert. Vom Captain hab ich so gut wie nichts mitbekommen, was auch für O'Reardon gilt. Zu Stafford habe ich gestern schon alles gesagt. Stark ist sehr wortgewandt, erwähnte ich ja bereits. Ich hätte ihn echt erwürgen können! Lloyd: Ein Mann und sein Padd kämpfen gegen den Freizeitspaß! Oh Mann, er geht bestimmt auch mit dem Ding ins Bett! Alle Versuche, ihn an einen Tisch zum Plauschen oder Mittrinken einzuladen, sind fehlgeschlagen. Wo Betazoide doch so emotional sein sollen... Drinkmann lebt für die Fliegerei, wenn man ihn außerhalb eines Cockpits antrifft, ist das so, als ob man ihm die Luft zum Atmen wegnimmt. McCullum und ich haben kurzzeitig in einer der Schießereien mit den Enterkommandos gemeinsam gekämpft, aber für gewöhnlich wechselt man in solchen Situationen nicht viele Worte außer "in Deckung", "vorwärts" und so weiter. Zu Mulligan kann man nur sagen, stille Wasser sind tief. Respekt für solche Sprüche! Das gleiche gilt auch für O'Kenner, allerdings hat der mehr den Holzhammerhumor im Programm. Parker, mein Zimmergenosse, wird wohl demnächst sein Bett in den Maschinenraum stellen. Aber wir verstehen uns gut, wenn wir uns mal sehen. Außerhalb einer Raumschlacht, heißt das. Tja, T'Aloviks, wie beschreibt man einen Vulkanier? Reserviert? Mal ehrlich, wenn man jemand nicht anhand seiner Emotionen und Reaktionen beschreiben kann, wie dann? Na gut, man kann, aber dazu hätten wir mal ins Gespräch kommen müssen. Die vulkanische Kultur war für mich immer sehr schwer zu begreifen. Auch mit Torka hab ich nichts außer "Guten Tag" gewechselt, also weiter. Oh, Jaris, meine Güte, ich habe die Frau nie gut gelaunt erlebt. Andererseits hat sie mir und den anderen zusammen mit Duboit das Leben gerettet und mich auch mehrfach zusammengeflickt; eine Ausgeburt an Heiterkeit war ich die Tage bisher sicher auch nicht. Kaleb dagegen ist immer ausgeglichen und wohl damit auch der ruhende Pol in der Medizinischen. Ich hab ihn nie hektisch oder unfreundlich gesehen. Dann sind da noch die Jungs in der hintersten Ecke. Spaß beiseite, die Wissenschaft liegt etwas abseits im Schiff. Terron und Jaris sind in etwa immer gleich gut gelaunt. Gar nicht. Ich kann mir jetzt aber denken, warum das so ist. Für Silok trifft die Vulkanierproblematik ebenfalls zu. Castle ist ein sehr angenehmer Zeitgenosse, entweder völlig ruhig oder einfach ein wenig schüchtern, bin mir noch nicht sicher. Yeah, die Counselors. Ich habe manchmal das Gefühl, dass mir mittlerweile hinter jeder Ecke Caylan auflauert, um mich auf die Therapiecouch zu kriegen. Das könnte auch Paranoia sein. Andererseits, nur weil man paranoid ist, heißt das nicht, das man nicht wirklich verfolgt wird, oder? Ein Phänomen und die gute Seele an Bord ist Masterson: Eigentlich wird er permanent Opfer fieser Witze und Sprüche, die er aber mit einem stoischen, leicht verlegenen Lächeln erträgt. Andererseits mag ihn, glaube ich, jeder an Bord, denn er kümmert sich auf seine Art um jeden Einzelnen. Er hat uns auch während der Quarantäne die ganze Zeit mit Kaffee und Tee versorgt. Ich glaube, wenn jemand schlecht gelaunt ist, reißt er einen Witz über Masterson, der knirscht verlegen drüber, nimmt es aber nicht böse und dem anderen geht es schlagartig besser. Ich frage mich, ob Masterson das absichtlich macht. Ich denke ja. Wenn es an Bord mal einen Moraloffizier geben sollte, wird er das. Abschließend bleiben mir noch meine Gedanken um meine Zukunft in der Föderation. O'Reardon hat gestern eine Andeutung wegen eines Personalgespräches gemacht, und ich grüble deswegen darüber. Meine Karriere lassen wir mal komplett aus, das hat im Moment keine Bedeutung. Wir befinden uns in einem Krieg, und der Feind ist jetzt nicht mehr gesichtslos für mich. Ich versuche immer noch, die Cardassianer nicht zu hassen. Wenn ich jetzt in diesem Krieg eine persönliche Vendetta starte, haben mich die Cardassianer doch noch gebrochen, denn dann werden sie mein Leben beherrschen. Ich hoffe trotzdem, dass Balor seine Degradierung überlebt hat und ich ihn eines Tages wieder treffe. Mann gegen Mann. Bevor ich nicht sicher weiß, dass er tot ist, ist die Sache für mich nicht zu Ende. Wenn ich mir jetzt meine Logbücher der letzten Tage anhöre, frage ich mich, ob ich den Menschen kenne, der sie aufgenommen hat. Soviel ist in der Zwischenzeit passiert und all die Befürchtungen, die ich zu anfangs hatte, sind wahr geworden oder, zusammen mit der ungezwungenen Freude der letzten Akademietage, einfach verschwunden. Das kalte Wasser, von dem Yxen gesprochen hat, hat sich als Eisblock entpuppt, auf den ich mit aller Härte aufgeschlagen bin. Wenn der nächste Kampfeinsatz kommt, werde ich mir wieder eine Waffe greifen und wieder kämpfen. Die Entscheidungen, die ich dann treffe, werden wieder das Leben anderer und auch meines beeinflussen. Diesmal bin ich vorbereitet. Ich weiß, was mich erwartet, und es kann nicht schlimmer werden als das, was hinter mir liegt. Solange die Tacticals an Bord sind, möchte ich die Gelegenheit nutzen und von diesen Leuten lernen, was ich lernen kann. Ich werde wieder mit dem Training anfangen; Nahkampf, Phaser, Taktik. Erst jetzt habe ich das Gefühl zu wissen, was es wirklich bedeutet, Offizier zu sein. Trotzdem will ich meinen ersten freien Tag zusammen mit dem Rest der Mannschaft mit irgendwas Erholsamen verbringen. Mulligan meinte, er habe noch eine Flasche von was Trinkbarem, was sich den Weg von der Zunge zum Magen einfach so durchätzt. Klingt gut. Meine erste Holodeckzeit habe ich morgen, heute bleibt frei. Ich will keinen Veteranenkomplex ausbilden. Ich will einfach nur bereit sein, was auch immer auf mich zukommt. Computer speichern und aus.

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