Und wieder ist einer dieser Tage vorbeigegangen, Systeme wurden optimiert. Wobei man sagen muss, dass dies mittlerweile kaum mehr nötig ist. Alle Systeme laufen einwandfrei. Meine Behandlung hat auch gut angeschlagen, ich bin letztendlich froh, dass Counselor Caylan mich so unter Druck gesetzt hat und mir die Sitzungen quasi aufgezwungen hat. Ich habe letztens mal alle alten Akademieunterlagen rausgekramt, abgesehen von meiner Graduierungsbestätigung habe ich nämlich alles in einer Vakuumkiste verstaut. Ich halte mich eigentlich nicht für einen sentimentalen Menschen, aber das ein oder andere Bild bewegte mich dann doch, alle Kadetten die sorglos in einer gemütlichen Runde am Lagerfeuer versammelt sind und einfach nur spaß haben. Ich vermisse solche Momente mehr als ich gedacht habe. Dennoch freue ich mich jeden Tag auf den Dienst, jetzt sogar mehr als vorher und ich hoffe, dass ich den Enthusiasmus auch in schwierigen Situationen beibehalten werde. So ich denke, ich werde mal runter in die Messe gehen und ein wenig entspannen. Computer Logbuch schließen.
Wir haben ein Trümmerfeld entdeckt. Wie sich herausstellte, gehörte dies zu einem Schiff, das vor 8 Jahren ein Platoon der Tactical Force absetzte, um in einem der Systeme einen Brückenkopf zu errichten. Es ist unklar ob die Leute noch leben, aber wenn, dann möchte ich nicht in deren Haut gesteckt haben. Es gibt noch einen weiteren Aspekt, der mich beschäftigt. Offensichtlich gehörte zu dieser Einheit Dawsons Mutter, das Erschreckende ist allerdings, dass sie offensichtlich mit Informationen über Jaquelines Tod versorgt wurde. Mir drängt sich da die Vermutung auf, dass Admiral Dawson für diese Information gesorgt hat und darüber hinaus dafür verantwortlich ist, dass Dawsons Mutter an einen Ort versetzt wurde, der sie mehr als weit weg bringen sollte, nämlich in ein feindliches Gebiet - wohl in dem Wissen, dass der Krieg bald vorbei sein könnte. Was für ein Mann muss das sein? Sollten sich diese Befürchtungen bestätigen, so sollte man, denke ich, alles dran setzten, dass dieser Mann aus dem Dienst der Sternenflotte entlassen und vor ein Gericht gestellt wird! Na ja, ich hoffe für Jaqueline jedenfalls, dass sich diese Vermutungen als haltlos erweisen, schließlich hat sie schon genug Probleme mit ihm. Mal sehen, was der nächste Tag bringt. Captain Starkov hat jedenfalls befohlen, sich auszuruhen. Wir werden nach den Verschollenen suchen. So tief wie wir in den Cardassianinschen Raum geflogen sind, hoffe ich nur, dass nicht mein Logbuch irgendwann aus dem All gefischt wird, um herauszufinden was mit der Exeter passiert ist. Computer Logbuch schließen.
Und wieder ein Tag, an dem viel passiert ist, dazu muss man hinzufügen, dass er noch nicht einmal zu Ende ist. Wir haben nach einigen Anstrengungen das vermisste Platoon gefunden - zumindest was davon übrig ist. Wie Commander Stafford meinte, besteht ein Platoon aus 25 Personen, gerade mal vier haben die acht Jahre überstanden. Schön finde ich es allerdings, dass auch Dawsons Mutter wohlauf ist, auch wenn das Aussenteam sich bei ihnen mit einem Virus infiziert hatten, welches allerdings inzwischen eliminiert werden konnte. Es freut mich wirklich für Jaqueline, dass die beiden wieder vereint sind. Ich befürchte nur, sobald das der Admiral herausfindet, dass seine "Frau" wieder im Lande ist, es wieder in irgendeiner Form Ärger geben wird.
Wir haben gerade einen neuen Einsatzbefehl bekommen, offensichtlich greift das Dominion wieder an. Ich befürchte dieser Kampf wird weitaus schlimmer als die letzten, die wir heute hatten - vor allem weil uns langsam die Torpedos ausgehen. So richtig klar wurde mir die Lage allerdings erst, als Ensign Parker, Art und mich in die drei Stufen der Energieverteilung einwies. Die letzte Stufe besagt, dass sogar die Energien der Rettungskapseln und Notfalltransporter eingesetzt werden, um Sie in Schilde, Antrieb und vor allem Waffen zu leiten. Mir ist klar, dass wir wenn Starkov diese Stufe befielt alle das Schlachtfeld wahrscheinlich nicht lebend verlassen werden. Diese Erkenntnis brachte mich zu einer weiteren, sie ließ mich auf eine Frage eine Antwort finden, die ich mir ehrlich gesagt nie traute zu stellen. Bin ich bereit, wirklich bereit für die Ideale der Föderation mein Leben zu lassen?
Ich werde jetzt mal nach unten auf meinen Posten gehen, das heißt erst werde ich die Krankenstation besuchen und mit Adrian reden. Der Counselor meinte, unsere Freundschaft würde sich auseinanderleben, ich versuche ihm mal klar zu machen, dass das nicht der Fall ist. Computer Logbuch schließen.
Der Kampf mit dem Dominon ging noch recht glimpflich für uns aus, aber dennoch haben unsere Gegner ihr Ziel erreicht. Die Minen werden eine Weile brauchen, bis sie wieder fördern können, wobei unsere Abschussbilanz wirklich ansehnlich ist. Adrian habe ich schon wieder verpasst, als ich unten ankam ging schon der rote Alarm los. Ich werde es einfach auf später verschieben. Jetzt erwartet mich erst mal wieder eine Hand voll Arbeit. Ich werde alle taktischen Sensoren wieder neu kalibrieren müssen, nachdem das Schiff wieder repariert wurde. Allerdings muss ich zugeben, diese Crew schlägt sich von mal zu mal besser. Ich bin stolz, mit solchen Leuten zusammenarbeiten zu dürfen. Jetzt im nachhinein, wo ich mal wieder ein bisschen Zeit für mich habe, beschäftigen mich allerdings noch zwei Dinge: als erstes die Sache mit Jaqueline und ihrer Mutter und in dem Zusammenhang auch dem Admiral. Dieser Mann befindet sich in einer schier unangreifbaren Position, sollten aber die Vermutungen die ich habe zutreffen, so frage ich mich, ob ich von diesem Mann weiterhin Befehle annehmen kann. Er geht mit dem was er tut oder wahrscheinlich getan hat gegen jede meiner Überzeugungen. Jedes Ideal wofür ich bereit bin zu kämpfen, tritt dieser Mann mit Füßen und das Schlimmste ist, er kommt damit durch. Na ja, jetzt steht sie wenigstens nicht mehr allein gegen ihren Vater. Wenn ich das richtig mitbekommen habe, bleibt ihre Mutter wohl noch eine Weile an Board, das wird ihnen die Gelegenheit geben die vergangen Jahre nachzuholen. Die andere Sache ist Captain Starkov. Der Counselor hat mir erzählt, dass er eine recht verwischte Vergangenheit hat. Was mich zu der Vermutung zurückbringt, dass es sich möglicherweise um eine Art Experiment gehandelt haben könnte. Aber Spekulationen nützen mir gar nichts, ich habe wirklich alles versucht, aber es scheint kein Weg daran vorbei zu führen, den Captain darauf anzusprechen. Ich hoffe nur, dass die Erklärung einfach ist und meine Besorgnis unbegründet, dennoch werde ich wohl Sicherheitsmaßnahmen ergreifen, so unsinnig sie im nachhinein sein mögen. Erfreulicher war das ich eine Partie Schach gegen T’Aloviks gewonnen habe, er hat Revanche gefordert. Ich bin mal gespannt, ob ich meinen Erfolg wiederholen kann. Er ist ein wirklich guter Schachspieler. Computer Logbuch schließen.
Morgen, Computer! Bereit für die nächsten Nachrichten aus dem Hause Exeter? Alles klar! Nun ja, die ganze Misere an der Front fing ja eigentlich recht harmlos an: mit Wagners Eigentor. Ich habe selten jemand gesehen (außer Masterson natürlich), der sich so ungeschickt in eine Crew eingebracht hat. Dabei ist er eigentlich ein klasse Kerl, der Wagner. Aber wie er in das 10-Vorne stolziert kam und direkt einen auf Oberchef machte, war einfach zu schön. Manchmal muss man gar nicht nachhelfen, um Leute lächerlich zu machen. Da kommt dieser Mensch an und zieht doch tatsächlich provokativ den Stuhl unter meinen Füßen weg (jawoll, MEINEN Füßen) und setzt sich darauf (auf den Stuhl)! Bestimmt hat ihm irgendwer gesagt, dass er mir gegenüber direkt die Fronten klären müsste (solche Allüren von "Neuen" bin ich ja gewohnt), ansonsten muss ich doch sagen, ist ein solches Kompetenz- und Autoritätsgerangel doch wohl eher einem Hahnenkampf gleichzusetzen oder schlichtweg männlich. Aber nun zurück zu unserem Helden Wagner. Er zieht also den Stuhl weg, und setzt sich darauf und wenn er auch denjenigen, die ihn vor mir gewarnt hatten, auch nur ansatzweise zugehört hätte, wäre er bei meinem Grinsen als Reaktion auf seine Provokation misstrauisch geworden. So merkte er allerdings zu spät, dass meine Füße eigentlich auf Staffords Platz geparkt hatten, nämlich erst da, als der Zweite ihm auf die Schulter tippte und unmissverständlich klarmachte zu verduften. Das Gesicht von Wagner war spitze! Ich muss mal sehen, ob die Mimik auf den Sicherheitskameras drauf ist, dann spiele ich das mal in der Sicherheitszentrale ab – oder im 10-Vorne.
Ein Gespräch mit Lloyd scheiterte mal wieder. Computer, du weißt gar nicht, wie schwierig das ist, diesen arbeitsfanatischen Halbbetazoiden von seiner Arbeit loszureißen und dann auch noch so eine Art Kommunikation aufzubauen. Und da sagt man, ich sei schwierig, dabei kann ich mich wenigstens normal unterhalten. Dafür bin ich später auf der Brücke auf sein PADD getreten. Immerhin das Dritte von ihm, das ich zerstört habe. Irgendwann werde ich ihn von seiner Arbeitssucht heilen, bestimmt. Das kann doch nicht so weitergehen! Aber so schön, wie er begonnen hatte, endete dieser Abend leider nicht. Im Gegenteil.
Bald kam die Nachricht, dass man in unserer Nähe (was auch immer als Nähe im Weltall zu bezeichnen ist) Wrackteile eines Sternenflottenschiffes gefunden hatte und ausgerechnet wir dorthin fliegen und sie untersuchen sollten. Dass die Wrackteile in cardassianischem Gebiet lagen, muss ich ja wohl nicht erwähnen. War ja klar. Wir flogen hin und beamten zunächst einige Splitter an Bord, um sie genau zu untersuchen zu können, da vorherige Nachforschungen mit Stark rein gar nichts ergeben hatten, außer, dass das zerstörte Schiff anscheinend größer gewesen ist als ein Shuttle. Toll. Und dann zeigte sich, dass Strebsamkeit tatsächlich ein Fehler ist. Da saß ich nun, in der Wissenschaft, um mich vor dem langweiligen Sicherheitsdienst zu drücken, als Terron mit ein paar rauschenden Rudimenten von alten Logbuchaufzeichnungen des zerstörten Schiffes ankam. Auf der Akademie hatte man mich vor nicht allzu langer Zeit an die Kommunikation gesetzt und da ich neugierig war und in der Wissenschaft nun nichts anderes zu tun hatte, bot ich mich an, die verstümmelten Nachrichten zu entschlüsseln. Nach einiger Zeit hatte ich das Zeug soweit und wir konnten verschiedene Nachrichten von Crewmitgliedern eines Schiffes namens Yoshima zu hören, das anscheinend vor etlichen Jahren ein Platoon auf einem Planeten in unserer Nähe ausgesetzt hatte, um einen Brückenkopf mitten im cardassianischen Gebiet zu errichten, obwohl angebliche Friedensgespräche mit denselbigen zur gleichen Zeit vonstatten gingen. Wer es glaubt, wird seelig. Die Yoshima wurde dann anscheinend zerstört und über das Schicksal der Truppe auf dem Planeten war nichts Genaues mehr zu erfahren.
Doch dann war da die Nachricht von Julianne dabei. Meine Güte, ich war tatsächlich geschockt! Als ich den Namen Duboit hörte (so hieß meine Mutter früher) und zudem die Stimme meiner heulenden Mutter erkannte, die ausgerechnet MEINEN Tod beweinte (und ich lebe schließlich noch), war ich mehr als bestürzt und verwirrt, so sehr, dass ich die Nachricht nicht schnell genug ausschalten konnte, bevor Terron und die anderen etwas davon mitbekommen hatten. Ich wusste nicht, ob ich schreien oder irgendwas zerschlagen sollte. Stell dir vor, wie das ist! Da starrt man auf ein Stück Weltraumschrott in der Größe eines Padds und wird sich dessen bewusst, dass sich darauf ursprünglich die eigene Mutter befunden hat, von der man geglaubt hatte, dass sie einen vor vielen Jahren einfach bei einem Scheusal von Vater hat sitzen lassen, was allerdings anscheinend nicht der Wahrheit entsprach, da man ihr glaubhaft gemacht hatte, dass ihre Tochter tot sei. Ich glaube, eine solche Menge von schockierenden Nachrichten darf auch jemanden wie mich kurzfristig aus der Fassung bringen. Ich fand mich in meinem Quartier wieder, mir war auf einmal eiskalt und schlecht. Natürlich habe ich das keinem gezeigt, aber gemerkt haben es, denke ich, schon ein paar. Vor allem dieser Wagner, Stafford und auch Yxen, was mir extrem peinlich war. Ich bin doch kein Weichei!
Dann bin ich halt wieder in das Wissenschaftslabor gegangen und habe so getan, als sei nichts gewesen (nun gut: "versucht"). Der gute Stafford hat mir dann ermöglicht, die Nachricht alleine zu hören, so dass ich erfuhr, dass meine Mutter zudem meinen Vater verdächtigte, sie zu dieser Brückenkopfgeschichte hingeschickt zu haben. Na prächtig. Wozu Soap-Operas hören oder ins Theater gehen? Dawson-Live ist wesentlich abwechslungsreicher, ha-ha. Und was machen die Offiziere? Sie spielen die dramatische Heulnachricht als Belustigung bei der Offiziersbesprechung für alle ab! Ich wollte irgendwen verhauen, aber ausgerechnet der Captain hat mich dann in sein Quartier gerufen und mit mir über die ganze Sache geredet. Von wegen, mein Vater sei ja an allem Schuld und so. Da bin ich ausgerastet und habe tatsächlich Starkov angeschrien, obwohl ich das eigentlich gar nicht wollte, aber ich war so wütend und verzweifelt, das alles aus mir herausbrach. Geschlagen habe ich ihn natürlich nicht, aber ich bin in seinem Quartier auf- und abgerannt und habe mich immer mehr aufgeregt. Nein, ehrlich, mein Vater schickt doch keine Leute einfach so in den Tod oder verrät Mitglieder der Sternenflotte! Er mag ja ein Ekel sein, aber ein Verräter und Mörder ist er nicht. Niemals. Starkov hat nichts zu meiner Wut gesagt. Er glaubt tatsächlich, mein Vater hätte diese Truppe in den Tod geschickt und auch die Yoshima. Ich bin dann einfach gegangen und habe ihn stehen lassen. Himmel, tat das weh.
Puh, Computer, das reicht für heute. Sonst werde ich sentimental und ich bin immer noch kein Weichei. Gefühlsduselei ist was für Offiziere, Punkt aus. Wo ist der Alkohol von gestern? Computer, Prost Ende.
Au Mann – wie ich solche Morgen hasse. Man meint, irgend etwas Pelziges, Lebendiges kriecht einem über die Zunge Richtung Zähne, während in den Tiefen des eigenen Magens die verschiedenen Substanzen dieses hervorragenden Getränkes von gestern einen Beschwörungstanz aufführen, nur um herauszufinden, welchen Ausgang sie benutzen sollen. Puh. Computer, wo war ich? Ach ja, Starkov anschreien.
Den Captain habe ich diesen Morgen nicht angesehen, weil ich hin- und hergerissen war zwischen Wut und Scham. Aber was verbreitet er auch für Lügen über meinen Vater? Nur weil er ihn nicht leiden kann. Das kann ich auch nicht. Manchmal. Egal. Die Offiziere waren dann von der fixen Idee besessen, auf drei verschiedene Klasse M Planeten herunterzufliegen, um nach dem angeblich noch existierenden Platoon zu suchen, welches als einziges die Zerstörung der Yoshima überlebt haben könnte. Ich war immer noch wie betäubt und die Kälte hatte sich in mir noch nicht verflüchtigt. Geschlafen hatte ich gar nicht, wie auch. Staffords Optimismus war allerdings ansteckend, anscheinend fand er die Vorstellung davon, nach so vielen Jahren noch Überlebende auf den Planeten zu finden, so großartig, dass er jegliche Realität verdrängte. Trotzdem meldete ich mich für seine Bergungstruppe. Wer wusste schon, was für Dummheiten er sonst anstellen würde? Nachher würde ihm noch etwas passieren. Unsere Landung war mehr als bescheiden. Stafford parkte unser Shuttle in einem Sandhaufen, nachdem er uns vorher per Nottransport mitten in die Pampa gebeamt hatte. Erstaunlicherweise war ihm nichts passiert, aber sein Standort und vor allem der des Shuttles, war ziemlich weit entfernt.
Wagner hat es dann zuerst erwischt, hat er sich doch direkt neben mir abknallen lassen. Natürlich haben wir ihn gerettet, besser gesagt O'Kenner hat es, der wie ein Irrer (und er IST irre) frontal auf die schießenden Cardassianer zurannte und mit so einem seltsamen Gerät – wohl eine neue Errungenschaft aus unserer Technikabteilung – eine Art Schutzfeld aufbaute, welches eine kurze Zeit das Phaserfeuer abhielt. Nicht schlecht für jemanden von der OPS. Wir hatten also Zeit, Wagner zu bergen, so dass Lhasa ihn zusammenflicken konnte. Anscheinend hatte Wagner jedoch nicht genug. Als wir weiter durch diesen Wald irrten, immer wieder durch seltsame Erze in der Ermittlung unserer Koordinaten gestört, wurden wir in ein Katz-und-Maus-Spiel mit mehreren Cardassianern verwickelt, die sich im Unterholz verschanzt hatten. Wagner und ich waren vorgegangen, um die Mistkerle ausfindig zu machen, als plötzlich Drinkmann und Stark in unserer Nähe auftauchten und krampfhaft versuchten, es uns gleich zu tun. Wieso glaubt Stark eigentlich, plötzlich zur Sicherheit zu gehören und einen Piloten zum Dschungelkrieg mitzunehmen? Die Quittung kam recht zügig und sowohl Stark als auch Drinkmann fielen getroffen irgendwo ins Unterholz. Wagner und ich krochen zu ihnen und warteten einen Moment, bis die anderen nachkamen, doch mir wurde es dann zu blöd, hatte ich doch Bewegung in einem Gebüsch gesehen. Ich sagte kurz dem Verletzten Drinkmann bescheid, dass ich mir den Cardassianer kaufen würde, der auf ihn geschossen hatte, und bin los. Wagner hat sich dann irgendwo hinter mir gefangen nehmen lassen. Typisch Vorgesetzter.
Ich erschoss dann zwei dieser Cardassianer, bevor der eine knapp hinter mir explodierte, ein anderer vor mir einen Baum desintegrierte und mir anschließend glatt durch die Schulter schoss. Und wer holt mich da weg? Ausgerechnet Drinkmann, der Pilot. Wie peinlich. Aber gefreut hat es mich schon, als er meinte, er würde mich garantiert nicht liegen lassen, ich sei doch sein einzigster Kumpel an Bord. Siehst du? Es geht auch ohne Offizierstee und Händchen halten. Drinkmann weiß schließlich, dass ich ihm die Zähne einschlagen würde, wenn er auf die Idee käme, mich anzubaggern. Glücklicherweise hat er dazu gar keine Ambitionen. Vielleicht verstehen wir uns deswegen so gut. Nun, wir schossen uns noch ein Weilchen durch den Wald und Lhasa vollbrachte Wunder, indem sie uns alle (bis auf Wagner halt) irgendwie in einem Stück bis zu Stafford brachte, der bereits bei dem tatsächlich noch vorhandenen Tactical Platoon hockte. Die Arme hat sicherlich genug Zeit gehabt, sich an solche Situationen zu gewöhnen. Trotzdem finde ich es bewundernswert, wie gefasst und routiniert sie im Anblick ihrer Todfeinde noch ist. Einen besseren Arzt können wir gar nicht haben.
Tja, und da sah ich Julianne wieder. Seltsam, das Wiedersehen hatte ich mir irgendwie anders vorgestellt. Da lag ich nun mit drei Schussverletzungen im Gras, um uns herum starker Phaserbeschuss, und musste feststellen, dass die Frau, die mich umarmte und dadurch immense Schmerzen zufügte, meine Mutter war. Ich war erfreut und befremdet zugleich. So lange hatte ich sie gesucht, so lange darauf gewartet sie wiederzusehen, dass ich nicht daran gedacht hatte, dass sie sich verändert haben könnte. Sie war alt geworden, sie war schmutzig, roch irgendwie nach Viehzucht und war durch eine seltsame Krankheit entstellt. Und trotzdem…sie war es, daran gab es keinen Zweifel. So vertraut und doch so fremd. Ich weiß nicht. Ich hätte heulen können vor Glück, gleichzeitig aber auch vor Wut, weil nach all den Jahren eine Fremde vor mir stand. Und sie hat sich gefreut, mich zu sehen. Das war das Schönste, hatte ich doch jahrelang geglaubt, sie wäre einfach abgehauen. Ich meine, sie hat sich RICHTIG gefreut. Das tat verdammt gut, Phaserbeschuss hin, Verletzung her. Aber ich werde wieder sentimental.
Wir haben inmitten dieser Hölle belangloses Zeug geredet, eigentlich war es auch egal, worum es ging. Hauptsache sie redete und war da. Doch es dauerte nicht lange und wir waren uns bewusst, dass hier unser Wiedersehen zweitrangig war und so konzentrierten wir uns auf unsere Aufgaben. Wir zogen uns in eine kleine Mulde in einem kleinen Wäldchen zurück, da diese seltsame Krankheit Juliannes Kampfgefährten Steward so zugesetzt hatte, dass er nicht transportierbar war und in Stasis lag. Obwohl – Steward könnte nie im Leben transportierbar sein, er ist wirklich mächtig und stark. Ich trage ihn bestimmt nicht!
Ich habe noch zwei von denen erwischt, extra für Lhasa einen und einen für Wagner. Dafür haben sie mich leider auch getroffen, aber was soll’s. Julianne war gefunden und nur für diesen einen Augenblick hätte ich mich von allem zerlegen lassen, was das Universum zu bieten hat. Ganz schön lang hat das gedauert, bis man uns abgeholt und in Quarantäne gesetzt hat. Anscheinend hatte die Exeter auch ein bißchen zu tun gehabt, glaube ich, zumindest war sie mal wieder fast schrottreif, als wir ein wenig windschief mit einem Shuttle (geflogen von Silok, wenn ich mich nicht irre) an Bord ankamen. Wagner hatte sich noch rechtzeitig mit einer Blendgranate aus der Gefangenschaft gebombt, immerhin eine recht kluge Idee für einen – ach lassen wir das Lästern über Vorgesetzte. In solchen Situationen ist der Rang eh egal. Könnte mich zumindest nicht daran erinnern, dass Stafford mich wegen fehlenden Sirs und Ma’ams dort zurechtgewiesen hätte. Wäre ja auch schön blöd.
Irgendein Schwachkopf hat mich wohl dann mit Medikamenten überdosiert, zumindest kann ich mich an meine Ankunft in der Krankenstation nicht mehr erinnern. Aber Lhasa hat gesagt, sie würde sich "darum" kümmern und ich bin mir sicher – sie hat es! Wer auch immer das war, er tut mir leid. Wir saßen dann eine ganze Zeit in der Quarantäne herum – eine wirklich unangenehme Situation. Im Gefecht merkt man das mit der Todesgefahr ja nicht so richtig, weil der Adrenalin so hoch ist, aber wenn man an einer Krankheit dahinsiecht, ist das eine ganz andere Perspektive. Schlimm war es, als sie Julianne auf die Krankenstation beamten. Das Blut brach aus ihrer Haut hervor, sie wurde von Krämpfen geschüttelt und zuckte vor Schmerzen, als ihre inneren Organe sich irgendwie anscheinend in Brei auflösten. In diesem Moment machte mir ihre Nähe nichts mehr aus. Ich hielt sie fest, damit sie sich in den Krämpfen nicht noch mehr verletzte und um ihr… nun ja, damit sie halt nicht alleine war, während sie starb.
Es, es war irgendwie, irgendwie – ach, ich weiß auch nicht, das Blut der eigenen Mutter an der Uniform und an den Händen zu haben, das ist ein Gefühl, das man nicht beschreiben kann. Als würde sich das Blut in die Haut brennen. Vielleicht auch, als würde man ein Stück mit sterben. Und das, obwohl ich sie so lange nicht gesehen habe und obwohl ich gar nicht so emotional bin. Wenigstens das habe ich von George. Egal, Computer, lassen wir das.
Weiter. Lhasa verabreichte Julianne rechtzeitig den Impfstoff (wofür ich ihr ewig dankbar bin) und sie wurde wieder gesund. Aber ich konnte wirklich nicht mehr, auch, wenn ich mir alle Mühe gab, damit es keiner merkt. Wir hatten nicht viel Zeit zu reden, Julianne und ich, denn wir wurden von Admiral Williams direkt in die nächste Schlacht beordert. Und schon wieder krachte es an jeder Ecke und Kante, aber es kam genau das, was ich brauchte: ein paar wahnsinnige Cardassianer, die meinten, unser Schiff – MEIN Schiff - zu erstürmen, zu manipulieren – was auch immer. Pech für sie, denn bei meiner Laune war ich dankbar dafür. Einen habe ich mit meinem Phaser erschlagen, einen weiteren von oben durch den Kopf geschossen. Besser ging es mir zwar nicht, aber ich war danach so verletzt, dass ich wieder auf der Krankenstation war und keine Ausrede mehr dafür brauchte, müde und unkonzentriert auf einem Biobett zu liegen. Hach, so ein Biobett kann was Wundervolles sein. Nur die Drinks und die Musik fehlen!
Aber das allerbeste kam noch. Da schicke ich George eine Nachricht (nagut, irgendwie süffisant war ich
ja nun auch dabei, aber was er kann, kann ich schon lange!), von wegen wie toll das doch ist, dass Julianne
wieder da ist und so, da antwortet er eiskalt darauf, dass er sich aufrichtig freue, seine Ehefrau wieder
in die Arme schließen zu dürfen. So ein Lügner! Ich wünschte, er würde es ernst meinen, doch dafür kenne ich
ihn ja nun lang genug, als dass ich wüsste, wie sehr er Julianne verabscheut, weil sie ihn hat sitzen lassen.
Zudem kann ich nicht begreifen, warum er ihre Scheidung eben mal ausraddiert hat. Einfach aus den Akten
gelöscht. Jetzt hängt sie mit drin, in dem Netz von George Dawson, der wie eine Spinne am Rand darauf lauert,
alles, was darin kleben bleibt, in Ruhe aufzufressen. Ach Unsinn, Computer, lösch das. Irgendeinen Grund
wird es schon haben, warum er die Scheidung annulliert hat. Ich habe mich dann mit Julianne sinnlos und
vollständig betrunken, und zwar mit dem Blutwein vom Captain, der ihn uns freundlicherweise angeboten hatte.
Dabei sah er so aus, als hätte er ihn nach der Nachricht von meinem Vater mindestens genauso gut gebrauchen
können.
Ach ja, Yxen war so schlau, seine Karriere damit zu beenden, sich erstens mit Alkohol abzugeben (was ich ja noch gerade biegen konnte, indem ich ihn fix auf die Krankenstation gelockt habe, denn Yxen wird wirklich peinlich und gemeingefährlich, wenn er betrunken ist) und zweitens O'Reardon aus seinem Schlafzimmer direkt ins 10-Vorne zu beamen. Wie kann man nur so bescheuert sein? Angeblich hat er das getan, um die Streithähne O'Reardon und Stafford zu einem klärenden Gespräch zu bewegen, dabei hätte er wissen müssen, dass gerade bei dem steifen Briten verletzte Würde mit das Schlimmste ist, was man ihm antun kann. Vielleicht ist was dran, dass meine Vorgesetzten alle irgendwas mit der Psyche haben: T'Opak bekommt immer diese Migräne, Gomez hatte einen Nervenzusammenbruch und Yxen scheint auch den Verstand verloren zu haben. Hoffentlich werde ich nie Offizier. Aber als nächstes ist eh Wagner dran. Armer Kerl.
Tja, das war's, Computer. Es wurden natürlich mal wieder zig Leute befördert und so, aber ich halte davon ja nicht viel. Mit den ganzen Sirs und Ma’ams, obwohl ich gerade noch mit den gleichen Leuten im Kreuzfeuer war. Mir reicht es vollauf, wenn ich George immer siezen muss. Vielleicht hasse ich es deswegen so sehr. Aber wenn ich hier bleiben möchte, muss ich mich wohl oder übel daran gewöhnen. Naja, wenn die anderen es für ihr Ego brauchen und dann glücklicher sind. Obwohl - Julianne hat das nicht von mir verlangt... Computer, weißt du was? Ich gehe jetzt zu Drinkmann, dem neuen Offizier (ausgerechnet) und trinke mit ihm auf seinen Verlust des Unteroffiziersranges. Unterwegs sammle ich Lloyd auf, um den Stoffel endlich zu einem Gespräch zu bewegen, zur Not mit Alkohol. Wenn die Schicht von Julianne vorbei ist, gehe ich zu ihr. Wir haben wirklich viel zu reden, vor allem, wer ihr meinen Tod vorgegaukelt und die Nachrichten gelöscht hat, die sie damals für mich zurück gelassen hatte. Den erschieße ich. Ich kann mir nämlich immer noch nicht vorstellen, dass George... nein, bestimmt nicht! Computer - und tschüss!