Storyline

Das Flaggschiff

Persönliches Computerlogbuch - Lieutenant junior grade Lloyd

Computer Persönliches Logbuch öffnen, Zeitindex 23. März 2374 [5:34]

Ich habe auch heute Nacht kaum ein Auge zubekommen, was nicht zuletzt am gestrigen Tag lag. Es wurde eine Party veranstaltet, um die Einweihung des neuen Schiffes zu feiern. Es war mir eigentlich immer noch nicht nach feiern zumute, bis dorthin hatte ich es zumindest geschafft, sämtlichen kleinen Feiern die hin und wieder veranstaltet wurden zu entgehen, aber bei einem solch offiziellen Anlass war das natürlich nicht möglich. Vergeblich habe ich nach Ausreden gesucht, um mich von dort zu entfernen, aber mehr als ein oder zwei Versuche wollte ich nicht starten, das wäre sonst auch ein wenig auffällig gewesen. Vor allem Dawson konnte es wohl nicht mit ansehen, dass ich merklich kaum Spaß an der Party hatte. Immerhin hatte sie es geschafft, mich kurz von meinen eigenen Gedanken abzulenken. Mal abgesehen davon liebe ich es Dawson zu ärgern, indem ich sie sieze oder mit Rang anspreche, zwar kommt es selten vor, dass ich das mit Absicht mache, aber wenn... *räusper* Aber das ist eigentlich nicht das, was mir momentan auf dem Herzen liegt. Was auf einer kleinen Feier alles passieren kann. Mir kam es vor, als hätten einige einen ganzen Lebensabschnitt an dem Abend durch gemacht. Allen voran Dawson, die sich nach dem Auftauchen ihres Vaters und dem nachfolgenden Gespräch völlig wandelte. Auch wenn sie ihre schlechte Laune äußerlich besser verstecken kann als ich, spürte ich deutlich ihren, na ja ich nenne es mal Unmut. Ich hätte Jaqueline gerne ein wenig aufgemuntert, aber meine Stimmung war kaum besser. Auch ich wurde von den beiden Admirälen von Teuffel und Dawson zu einem Gespräch "eingeladen", indem ich die Vorfälle auf der Exeter schildern sollte. Ich hatte mir während der gesamten Zeit viel Mühe gegeben um diese Geschichte zu unterdrücken, dem entsprechend war ich schlecht auf eine derartige Befragung vorbereitet. Ich wurde von den beiden regelrecht ausgequetscht und hatte einen gewissen Zwiespalt in mir, einerseits meinte ich zu spüren, dass es den beiden Admirälen, zwar auch um die Wahrheitsfindung ging, aber vielmehr darum Admiral Williams eins reinzuwürgen. Ich meine ich kann Williams verstehen, immerhin befand sich seine Tochter schon seit gut einem Jahr in den Händen dieses offensichtlich Verrückten. Ich versuchte, so vage wie möglich zu bleiben, dennoch stellte mir Admiral von Teuffel irgendwann die entscheidende Frage, ob meiner Einschätzung nach Admiral Williams mit dieser Mission seine Tochter befreien wollte. Auch wenn mir die Zwei unsympathisch waren, ändert das nichts am Rang. Ich kann ja nicht anfangen, auf Fragen von ranghöheren Offizieren je nach Sympathie falsch oder wahrheitsgemäß zu antworten. Wenn das jeder in der Sternenflotte machen würde...

Jedenfalls habe ich von Teuffels Einschätzung bestätigt, als er dann aber meinte, ich hätte nichts zu befürchten, ich hätte nur meine Pflicht getan. Irgendwie fühlte ich mich wie ein Verräter an der eigenen Crew. Kein gutes Gefühl, das meine Laune an dem Abend nicht wirklich hob, zudem hatten ein paar Mitglieder der Besatzung trotz ihrer äußerlichen Fassade ebenfalls eine schlechte Stimmung und das ist noch milde ausgedrückt. Zwar wollte ich nie auf diese Party, aber dass das so laufen würde, hätte ich mir auch nicht vorstellen können. Die ganze Zeit herrschte eine recht verbissene Stimmung, die sich den Rest des Abends auch nicht legte. Auf einen Rat hin setzte ich mich mal mit dem Captain zusammen und erzählte ihm, dass ich glaubte meine Aussage könne negative Konsequenzen haben und auch hier geschah etwas womit ich nicht gerechnet hatte, zum ersten mal seit ich den Captain kannte konzentrierte ich mich auf seinen Geist, ich wollte herausfinden wie er meine Aussage aufnimmt... nichts! Da war rein gar nichts, keine Präsenz, keine Stimmung, kein Leben, nichts. Erst bekam ich einen Schrecken. Ich befürchtete, meine Begabung hätte so etwas wie ein Blackout, doch alle anderen konnte ich spüren. Es war, als würde ich einer Holodeckfigur gegenübersitzen und wenn ich so zurückdenke... Eigentlich habe ich nie etwas vom Captain empfangen, mir war es bisher nur nicht aufgefallen, schließlich gebe ich mir normalerweise Mühe, nicht zuviel von den Gedanken und Empfindungen der Anderen mitzubekommen, um sie nicht in ihrer Privatsphäre zu verletzen. Er meinte zu mir das wäre schon in Ordnung, ich solle mir wegen der Sache keine Sorgen machen. Verwirrt verließ ich wieder den Tisch, dankte zuvor Starkov noch für seine Zeit und zog mich erst mal zurück. Außerhalb der Party versuchte ich meine Gedanken wieder zu ordnen. Ständig kam mir in den Kopf "du musst dich geirrt haben". Schließlich waren und sind meine Fähigkeiten noch sehr untrainiert, obwohl ich versuche durch tägliche Übungen meine Abschirmung zu verbessern, werde ich nicht um einen Urlaub auf Betazed herumkommen.

Zurück im Partyraum suchte ich mir erst mal eine einigermaßen ruhige Stelle, mit einem gutem Blick auf meinen Captain. Ich schloss meine Augen und versuchte mich ganz auf mein empathisches Gespür zu verlassen. Die Vulkanier hatten sich alle bis auf Crewman Miller gut abgeschirmt, dennoch spürte ich ihre Präsenz. Alle waren da, zu meiner Überraschung konnte ich sogar ein paar außerhalb des Partyraumes spüren, nur nicht den Captain. Als ich meine Augen wieder öffnete, saß er mir direkt gegenüber. Ich versuchte es noch einmal, dieses mal ließ ich meinen Geist vollkommen offen, das hatte ich seit der letzten Mission nicht mehr getan, das Ergebnis blieb das selbe. Plötzlich wurde aus dem Mann, der mein vertrauter Captain war, ein Mysterium. Ich war mir nicht sicher, was ich davon halten sollte, also suchte ich als erstes ein Terminal auf. Mein erster Verdacht war ein Formwandler, aber laut Sternenflottenberichten sind diese durchaus zu spüren, es wird sogar vermutet, dass sie Gedanken imitieren können. Dies war also nicht des Rätsels Lösung. Wie ich an mir feststellte hat mich die ganze Geschichte mir O’Neil doch recht paranoid gemacht. Ich ging im meinem Kopf taktische Szenarien durch, wie ich die Sache aufklären kann. Erst kam ich auf die Idee, dem Captain unter vier Augen darauf anzusprechen. Da ich aber nicht weiß aus welchen Grund seine Präsenz fehlt, könnte sich das als unklug herausstellen. Es könnte ja sein, dass es sich um einen Beobachter einer fremden Spezies handelt und seine Tarnung nicht auffliegen darf. Was zur folge hätte, dass ich verschwinden müsste, obwohl sich diese Theorie bei mir ganz hinten einreiht. Die zweite Möglichkeit wäre gewesen, ihn vor versammelter Mannschaft darauf anzusprechen, hier würde ich allerdings Gefahr laufen, den Captain dadurch bloß zu stellen. Ich meine es gibt sicher einen Grund warum er nicht gesagt hat, dass er nicht zu spüren ist. Er müsste doch wissen, dass es bei Telepathen zu Irritationen kommt. Schließlich steht in seiner Akte drin, dass er ein ganz gewöhnlicher Mensch ist und da er durch Ädmiral von Teuffel schon genug Rüge bekommen hat, könnte ihn das wiederum seinen Job kosten. Dann gibt es noch die Möglichkeit nur die Mannschaft zu informieren, um dann gemeinsam Nachforschungen anzustellen. Aber bis dahin könnte sich das Vertrauen was zwischen ihm und der Crew befindet empfindlich gestört werden. Und eine Crew die ihrem Captain nicht vertraut... nein das wäre auch nicht der Weg.

Ich habe mich erst mal Counselor Caylan anvertraut, einen guten Rat hatte sie leider auch nicht, aber wenigstens weiß Sie schon mal bescheid. Zudem habe ich noch mit Adrian und Ens. Drake darüber gesprochen. Ich habe Drake gebeten, im Rahmen seiner Möglichkeiten mal Nachforschungen anzustellen. Er machte mir zwar wenig Hoffung, etwas heraus zu finden, aber man weiß ja nie. Ich informierte ihn auch über das Auftreten der beiden Admiräle gestern, er meinte solange das kein offizielles Verhör oder Anhörung war, könne es keine rechtlichen Folgen haben. Ich hoffe mal, dass er recht hat.

So ich werde mich dann gleich mal mir Lieutenant Mitchell treffen, er ist mein neuer direkter Vorgesetzter. Lt.Cmdr. Stafford wurde zum Chef für strategische Operationen befördert. Sehr glücklich ist er wohl nicht damit, aber der bleibt wenigstens an Bord. Ich habe mit Mitchell schon viele Ideen entwickelt, zum Beispiel ein kleines Trainingsprogramm nach jeder Schicht, das nicht länger dauern sollte als 15 bis 20 Minuten. So bleibt die Crew aber in Übung. Denn das wichtigste im Krieg ist eine gewisse Routine, wenn es um Ausnahmesituationen geht. Jeder muss 100% wissen, was er wann in welcher Situation zu tun hat und zwar ohne zu zögern. Ich werde auch anregen, Crewmitglieder in diesen Übungen wieder an fremde Stationen zu setzen, damit sie im Notfall aushelfen können, es sollte schließlich nicht sein, dass ein ganzes Schiff manövrierunfähig ist, nur weil der Conn-Offizier verletzt ist. Ich denke, es reicht vorerst eine kleine Einführung in die wichtigen Routinen jeder Station. Auch ein Crashkurs in Feldmedizin sollte nicht fehlen. Ich hoffe, dass wir da schnell etwas auf die Beine stellen können, aber ich bin da recht zuversichtlich. Lt. Mitchell ist ein freundlicher und aufgeschlossener Offizier, ich freue mich schon auf die Zusammenarbeit.

In meinem Leben sind in dem letzten Jahr mehr Dinge passiert als in meinem bisherigen Leben zuvor, irgendwie habe ich das Gefühl, ich werde überrollt von den Ereignissen. Jedes Mal wenn ich versuche aufzustehen, kommt eine weitere Welle. Naja, wenigstens bin ich nicht der Einzige, der nervös zu sein scheint, zumindest war es für Silok offensichtlich logisch, mit einem Phaser zur Party zu erscheinen. Auch wenn ich das verstehen kann, habe ich ihn gebeten, diesen doch abzulegen, was er dann auch tat. Allerdings hätte ich schwören können am Ende der Party eine kleine Beule unter seinem Hemd gesehen zu haben, allerdings war meine Verfassung am Ende Party auch nicht mehr die Beste. Ich bin mal gespannt, wie sich die neuen Crewmitglieder in die Crew einbringen werden, auf der letzten Exeter waren wir schließlich nur knapp zur Hälfte besetzt. Ich hoffe, die nächsten Tage werden ein wenig ruhiger und ich kann mich auf meine Übungen und meine Arbeit konzentrieren.

Computer speichern und Ende.

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