Storyline

Das Flaggschiff

Persönliches Computerlogbuch - Ens. Jaris Lhasa

19. Februar 2374

Der Dienst auf 375 geht seinen gewohnten Gang, besondere Vorfälle gibt es nicht. Ich bin froh, dass ich nicht mehr mit Lt. Williams das Quartier teilen muss. Nicht, dass ich sie nicht mag, dazu ist sie einfach stets zu nett und zu freundlich, aber jedes Mal, wenn ich sie sehe, kommen zu viele alte Erinnerungen hoch. Ich weiß, sie kann nichts dafür und ich freu' mich ja auch für sie, dass sie mit ihrer Schwester wieder vereint ist, aber so irrational dies klingen mag, besonders für unsere vulkanischen Crewmitglieder, ich bin neidisch auf sie, eifersüchtig vielleicht sogar. Sie hat ihre Familie wieder zusammen und noch immer gibt es keinen Hinweis auf das Schicksal von Vater. Umso schlimmer ist es für mich, wenn ich sie Arm in Arm mit ihrem Vater über die Station spazieren sehe. Ich hoffe, sie oder jemand anderer hat bisher noch nichts bemerkt. Ich gebe mir die größte Mühe, aber ob ich mich immer vollkommen unter Kontrolle habe, kann ich nicht sagen. Nach all den Jahren hatte ich gedacht, die Sache im Griff zu haben, irgendwo tief unten in mir vergraben, aber unsere letzte Mission hat gezeigt, dass die Krusten auf den alten Wunden nur sehr dünn sind und diese jederzeit wieder aufbrechen können. Ich werde lernen müssen, damit umzugehen, sonst brauche ich mich gar nicht erst auf einen Posten auf die neuen Exeter NCC 76988 versetzen zu lassen. Lt. Williams wird sich sicher einen Versetzungsbefehl erhalten und bei ihren Leistungen nimmt der Captain sie sicher nur zu gerne. Ich hoffe, sie schicken mich nicht wieder auf die Akademie zurück.

Ich wünschte Tirel oder Christine wären hier. Ich brauche jemanden, mit dem ich über die Angelegenheit sprechen kann, jemanden den ich gut kenne und dem ich vertraue, nicht eine Distanzperson wie unsere Counselor (auch wenn sie sehr nett ist). Meine Vergangenheit geht niemanden etwas an, außer Freunde, die ich verdammt gut kenne. Und solche Leute habe ich hier noch nicht gefunden.

Soviel für heute, ich bin noch mit Officer Kaleb zum Lernen verabredet. Ende, Computer speichern.

20. Februar 2374

Nachdem der Krieg anfangs gar nicht gut verlaufen ist, sieht es jetzt langsam wieder etwas besser aus. Der 15. und 17. Orden konnten gerade noch vor Bolarus aufgehalten werden. Nachdem die Klingonen ihren Versorgungskonvoi vernichtet hatten, hat sich die feindliche Flotte zurückgezogen und die Föderation konnte den bolianischen Verteidigungsperimeter wieder errichten.

6. März 2374

Die Jem'Hadar haben sich tatsächlich bis nach Vulkan vorgekämpft. Dort konnten sie letztendlich von der 5. Flotte gestoppt werden. Inzwischen schlagen wir zurück.

07. März 2374

Manchmal frage ich mich, ob Krieg mein ganzes Leben bestimmen wird. Nach den paar Jahren Ruhe auf Bajor und auf der Akademie bin ich wieder mitten im Kampf und ich hasse es, hier untätig auf Sternenbasis 375 herum zu sitzen und darauf zu warten, endlich wieder los fliegen zu dürfen. Hoffentlich ist die Exeter bald fertig und wird hierhin überstellt, damit wir dem Domion endlich "in den Arsch treten können".

13. März 2374

Die Ruhe auf der Station hier ist vorbei. Irgendetwas tut sich da draußen. Sie ziehen hier ziemlich viele Truppenteile zusammen, ständig kommen neue Schiffe bei 375 an. Wozu sie hier sind und was genau geplant ist, weiß jedoch keiner. Bin aber mal gespannt, vor Allem wann unser neues Schiff endlich hier eintreffen wird.

14. März 2374

DS 9 ist zurückerobert!! Ich kann es kaum glauben, aber gerade kam die Nachricht. Deshalb haben sie also die ganzen Truppen hier zusammen gezogen. Vielleicht haben wir jetzt endlich eine Chance auf einen Sieg. Niemand kann schließlich abschätzen, wie viele Schiffe das Domion noch hat. Wenn man seine Krieger selber züchten kann?. Gut auch für Bajor, obwohl die Gefahr unsers Planeten aufgrund seiner Lage direkt am Wurmloch immer noch sehr groß ist. Ich glaube, trotz des Vertrages mit den Cardassianern hätten diese den Planten immer noch gerne wieder unter ihrer Kontrolle - dafür ist die strategische Lage einfach zu perfekt. Ein Dank an die Weitsicht des Auserwählten, dass er den Beitritt Bajors zur Föderation verhindert hat. Sonst sähe es für mein Volk wohl nicht so gut aus.

21. März 2374

Heute ist die neue Exeter auf 375 eingetroffen. Gesehen haben wir sie noch nicht, aber die gesamte Crew sind schon sehr gespannt auf unser neues Schiff. Hoffentlich wird das offizielle Programm nicht zu langweilig.

Unser Projekt ist genehmigt. Den Propheten sei Dank. Jetzt geht es für Kaleb und mich erst mal an die organisatorischen Dinge. Größtes Problem: Wie kommen wir an die Viren? Labor und die notwendigen Sicherheitsvorkehrungen dürften keine Schwierigkeit darstellen. Ich werde mal das medizinische Personal von 375 fragen, sehe da aber kaum Aussicht auf Erfolg. Eine Forschungsstation oder ein Forschungsschiff wären gut, sieht aber nicht so aus, als ob wir in der nächsten Zeit auf so etwas treffen würden. Gut, durchforsten wir erst mal die Datenbanken über die bisherigen Erkenntnisse: Ausbruch, Orte des Auftretens und Verlauf der Krankheit, Schwere, Anzahl der Infizierten etc. Mann, hoffentlich haben wir in unseren Eifer nicht zu hoch gegriffen.

22. März 2374

Jetzt ist sie also eingeweiht, unsere neue Exeter NCC 76988. Die üblichen Ansprachen hielten sich in Grenzen und das offizielle Prozedere wurde nicht zu langwierig. Dann konnten wir endlich feiern. Ich hab mich eigentlich ganz gut unterhalten, besonders mit Ensign Stark (wenn ich in seiner Gegenwart nur nicht immer so ein komisches Gefühl in der Magengegend hätte) und Officer O'Kenner (der ist genauso unverwüstlich in seinem Humor wie Drinkmann), aber offensichtlich gibt es keine Feier, die nicht durch unangenehme Angelegenheiten unterbrochen wird. So auch diesmal. Fangen wir also mit den unangenehmen Dingen an:

Aus irgendeinem Grund, gibt es eine Untersuchung der Dienstaufsicht über unsere letzte Mission. Entweder irgendjemand hat Adm. Williams oder unseren Captain (oder beide) bei denen "angeschwärzt", oder jemand ganz oben hat nur auf eine Gelegenheit gewartet einem von beiden 'mal "in die Suppe spucken zu können". Jedenfalls tauchten Admiral von Teuffel und Rear Admiral Dawson auf unserer kleinen Feier auf, um die Abteilungsleiter und deren Stellvertreter zu den Vorfällen der letzten Mission zu befragen. Da ich zum Zeitpunkt der letzten Mission aufgrund des Todes von Lt. Winter kurzzeitig als Stellvertreterin des CMO gearbeitet habe, musste auch ich Rede und Antwort stehen. Überrascht hat mich, das Cmdr. Terron mir vor meiner Befragung (unter Verhör verstehe ich dann doch noch etwas anderes) den Schutz der Propheten gewünscht hat. Sonst haben wir nämlich eigentlich keinen engeren Kontakt miteinander. Hat mich aber sehr gefreut. Ich hatte ziemlich weiche Knie, als ich dem Flagglieutenant zu Adm. von Teuffel und Rear Admiral Dawson folgte. "Kurze Schilderung des Missionsablaufs bitte". An dem Wort "kurz" muss ich wohl noch arbeiten. Was hätte ich sagen sollen? Dass das offizielle Missionsziel daraus bestand Adm. Williams zu seinem Kommandoposten nach 375 zu bringen? Haben wir ja auch gemacht. Dann hätte der Admiral nur nicht die gesamte Mannschaft versammeln und als Ziel der Mission die Befreiung seiner Tochter Isabella angeben dürfen. Dann hätte man den Umweg vielleicht noch anderweitig erklären können. Aber so? Nicht, dass ich nicht lügen könnte, hab' ich diversen Verhören der Cardassianer mehr als einmal unter Beweis gestellt (und das nenne ich wirkliche Verhöre). aber ich hatte kein gutes Gefühl dabei, einen Admiral der Dienstaufsicht zu belügen, schließlich will ich noch ein wenig bei der Sternenflotte bleiben. Also dann eben die Wahrheit. Wo ich mich die meiste Zeit der Mission aufgehalten habe? Mann, dieser Dawson ist wirklich ein Arsch, jetzt kann ich seine Tochter voll verstehen. Und von Teuffel? Der Name ist Programm! Auf der Krankenstation. Wenn man von den Holo-Übungen und dem Eindringen in den Maquisbunker absieht. Das hab ich denen aber schon nicht mehr auf die Nase gebunden. Warum Adm. Wiiliams mich befördert habe? Woher soll ich das wissen, er hat die Beförderung nicht begründet. Ob es wohl aus Dankbarkeit für die Rettung seiner Tochter geschehen sei? Okay, ich war im Außenteam dabei, dass seine Tochter befreit hat, aber dann hätte er den Rest des Teams wohl auch befördern müssen, oder? Blöde Frage! Wieso der Admiral die gesamte Crew belobigt habe? Ob dies denn dann wohl aus Dankbarkeit geschehen sei? Glaube ich nicht, so rein intuitiv. Ich glaube, und das habe ich den beiden Herren auch genau so gesagt, dass der Admiral die Crew belobigt habe, weil diese insgesamt hervorragende Arbeit geleistet habe. Besonders angesichts der Tatsache, dass ein Großteil der Mannschaft gerade erst ihren Abschluss, zudem noch in einer verkürzten Ausbildung, gemacht habe. Die Crew sei sehr gut zusammengewachsen und trotz kleinerer Schwächen, stecke großes Potential in ihr. Darf ich so eine Beurteilung in meiner Position eigentlich abgeben? Schließlich hab ich noch keinen Akademieabschluss, einen Offiziersrang ohne dazugehöriges Patent, bin also quasi noch "Ensign zweiter Klasse". Egal, ich hab diese Beurteilung einfach mal abgegeben, war mir in dem Moment auch egal. Ich sehe das so und damit basta. Ob der Captain Einfluss auf den guten Zusammenhalt und die gute Arbeit der Crew gehabt habe? Klar, hatte er das. Ohne ihn, den ersten und zweiten Offizier wäre die Mannschaft wohl nicht so schnell, so effektiv gewesen. Irgendwie fiel ihnen dann nichts mehr ein und ich durfte gehen. Für den Rest des Abends war ich bedient.

Wie Dawson sich wohl gefühlt haben mag, ihren Vater hier zu treffen? Wahrscheinlich nicht sehr gut, bei dem Verhältnis oder auch Nicht-Verhältnis, das sie zu ihm hat. Zumal er seine Tochter auch zur Befragung bestellt hat. Vermutlich hat er das nur getan um sie persönlich zu quälen. Obwohl Dawson mir nach dem "Gespräch" mit ihrem Vater versichert hat, mit ihr sei alles in Ordnung, habe ich ihr die Aussage nicht wirklich abgenommen. Aber wenn sie nicht reden will, kann ich Sie nicht dazu zwingen und im Gegensatz zu Lloyd kann sie wohl noch damit umgehen.

Irgendwie war mir schon zu Beginn der Party nicht so richtig nach Feiern zumute. Wenn ich Lt. (jg) Williams lachen sehe und höre, dass Ihre Schwester auf dem Weg der Besserung ist, krampft sich in mir immer noch alles zusammen. Aber nach der Befragung durch die Dienstaufsicht war es endgültig gelaufen. Ich hatte mich nicht mehr unter Kontrolle, und mehrere Crewmitglieder haben mich auf meinen Zustand angesprochen. Gut nur, dass Cmdr. O'Reardon nichts bemerkt hat, aber tut der das überhaupt? Der merkt doch nur, wenn andere Fehler machen, sonst nichts. Aber der Abend hatte auch Lichtblicke. Ich habe Yxen Trelim, einen alten Bekannten von Bajor, wieder getroffen. Er kommt als stellv. Sicherheitschef an Bord der Exeter und ich glaube, er war genauso überrascht und erfreut mich zu sehen, wie ich ihn. Dawson und er kannten sich wohl auch schon von der Akademie her - sind ja beide bei der Sicherheit. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Yxen, hoffentlich klappt sie so gut wie beim letzten Mal. Wenn ich noch daran zurückdenke, wie wir uns kennen gelernt haben. Bei den Propheten, haben wir uns da gegenseitig die Tour vermasselt. Den Propheten sei Dank, dass es damals nicht schlimmer ausgegangen ist und wir in beiden Teams keine Verluste zu beklagen hatten. Wäre Yxens Gruppe nicht in der Nöhe gewesen, um uns Feuerschutz zu geben, ich mag nicht darüber nachdenken. Zudem hat Yxen mir Trainingsstunden angeboten. Kann vielleicht nicht schaden, ich bin über das ganze Lernen für die Prüfung ein wenig aus der Übung gekommen.

Wir haben noch zwei Neuzugänge an Bord. Kadett Masterson, der gerade seinen Praxisteil der Akademieausbildung macht und nach seinem Abschluss als Assistenzcounselor auf die Exeter kommen wird. Ich hatte im Lauf des Abends Gelegenheit mit ihm zu sprechen, da er auf mich zugekommen ist. Er macht einen netten Eindruck und wird hoffentlich eine gute Ergänzung zu unserer Counselor sein. Obwohl ich meine Probleme noch nie mit irgendeinem Counselor besprochen habe. Wie ich mitbekommen habe, will Masterson eine Theateraufführung eines klassischen Stückes - war es Henry V? - organisieren. Gut das er mich nicht gefragt hat, ich bin in diesen Dingen denkbar schlecht und als Schauspieler bestimmt nicht geeignet. Vielleicht hat ihn Yxens und mein Gespräch über den Krieg und die Besatzungszeit von Bajor auch einfach nur abgeschreckt.

Der zweite Neuzugang ist Lt. (jg) Tohkinen, der als stellv. Chefingenieur an Bord kommt. Gesprochen hab ich ihn nicht und irgendwie ist er mir ein wenig unheimlich. Kommt selten vor so etwas. Unsere Counselor scheint ihn von früher zu kennen und ich werde wohl früher oder später auch noch Kontakt zu ihm haben. Cmdr. O'Reardon kann meinen Vor- und Nachnamen im Übrigen immer noch nicht unterscheiden. Als er uns Lt. (jg) Tohkinen vorgesellt hat, hat er "Ensign Lhasa" gesagt. Idiot! Jetzt bin ich schon ein paar Monate an Bord und inzwischen sollte er es gelernt haben, zumal ich ihn gleich in unserem ersten Gespräch darauf hingewiesen habe! Gut, er ist also nicht immer so perfekt, wie er tut.

Lt. (jg) Lloyd macht mir Sorgen. Er wirkte den ganzen Abend noch verschlossener als sonst, schien vor irgendetwas Angst zu haben oder etwas bedrückt ihn. Ich habe Cmdr. Stafford, der zu diesem Zeitpunkt noch sein Vorgesetzter war, auf das Problem mit Lloyd hingewiesen, vielleicht kann er etwas erreichen. Allerdings scheinen einfache Gespräche nichts zu bewirken. Lloyd blockt stets ab mit den Worten, es sei alles in Ordnung. Aber das glaube ich nicht. Er war schon vor seiner Befragung durch die Admiräle nicht gut drauf, aber nach dem Gespäch war er vollkommen - wie sagen die Terraner? - "durch den Wind". Er hat sich an diesem Abend noch sehr lange privat mit Kaleb unterhalten, und da dies das einzige Crewmitglied ist, dem Lloyd voll vertraut, denke ich, dass wirklich etwas nicht stimmt. Ich werde Kaleb einmal darauf ansprechen, vielleicht gibt er die eine oder andere Information weiter. Lloyd hat einen relativ hohen Rang und eine entsprechende Verantwortung und wenn er seine psychischen Probleme nicht rechtzeitig in den Griff bekommt, wird es immer schwerer werden, ihm zu helfen. Wenn sich sein schlechter psychischer Zustand auf seine Arbeit auswirkt, kann er damit das Schiff gefährden und so weit darf es auf keinen Fall kommen. Mal sehen, Kaleb und ich wollen morgen einen kompletten Systemcheck auf der Krankenstation starten. Da wird sich auf jeden Fall eine Gelegenheit für ein Gespräch ergeben. Und Kaleb hat mir bei Lloyds letzten Problem schließlich auch Auskunft gegeben. An den Rat, einmal mit unserer Counselor darüber zu sprechen, hat er sich aber wohl nicht gehalten.

Von Cmdr. Stafford habe ich an dem Abend sogar noch ein Lob bekommen. Er meinte, ich hätte gute Arbeit geleistet und ihn nicht enttäuscht. Ich wusste zuerst nicht was ich dazu sagen sollte und wahrscheinlich bin ich vor Verlegenheit sogar rot geworden. Zu mehr als "Danke, Commander" hat es dann auch nicht gereicht. Bei den Propheten, ich bin doch sonst nicht auf den Mund gefallen. Aber mit dem Lob hatte ich nicht gerechnet. Offenbar habe ich wohl nicht vollkommen versagt. Und es tut gut zu wissen, den Offizier, der einen für den Dienst auf der Exter ausgewählt und empfohlen hat, nicht enttäuscht zu haben. Dann galt sein missmutiger Gesichtsausdruck während der Beförderungszeremonie nicht mir, sondern hatte einen anderen Grund. Ich bin erleichtert.

Apropos Beförderungen. Die gab es an diesem Abend auch noch. Ensign Silok wurde zum Lt. (jg) befördert und zum stellv. Leiter der Wissenschaft ernannt. Petty Officer 2nd Class T'Aloviks wurde zum Petty Officer 1st Class befördert. Zudem gab es weitere personelle Veränderungen. Lt. Mitchell wird neuer Taktischer Offizier und somit Cmdr. Stafford ablösen. Ich frage mich, wem der Commander auf die Füße getreten ist, dass man ihn dafür bestraft. Zum Glück jedoch bleibt er an Bord der Exeter - als Offizier für strategische Operationen. So kann man die Dinge auch schönreden.

Wie bemerkte ich oben? Ich vertraue meine Probleme nie einem Counselor an? Auch diesmal nicht. Eigentlich wollte ich mit niemandem über die Geschichte mit meinem Vater sprechen, und dass die letzte Mission zu viele alte Erinnerungen wieder aufgewühlt hat. Aber Cmdr. Stafford hat einfach nicht locker gelassen. Und da er mich auf die Exeter geholt hat und mich damals im Personalgespräch mit Cmdr. O'Reardon unterstützt hat, und vor Allem einfach weil ich ihn mag und ihm vertraue und weiss, dass er nur relevante Personen über die Angelegenheit informieren wird, hab ich ihn ins Vertrauen gezogen. Fiel mir ganz schön schwer, ihm von meiner Vergangenheit zu erzählen. Ich hab weder einen gescheiten Anfangspunkt für die Geschichte gefunden, noch glaube ich, dass mein Bericht irgendeine Struktur oder Reihenfolge hatte. Es ging eher alles durcheinander. Aber Cmdr. Stafford hat mich trotzdem verstanden. Die Gründe mit der Mission und der Rettung von Isabella und die Vereinigung der Familie Williams, und dass der Admiral einfach eine ganze Ambassadorklasse (wenn auch nur mit der Hälfte der Nennbesetzung) nehmen könne, um nach seiner Tochter zu suchen, und dass anderen solche Möglichkeiten nicht offenstünden, brauchte ich gar nicht mehr zu nennen, darauf kam er dann von ganz allein. Für mich war eigentlich in dem Moment nur wichtig, mit jemandem über die Sache gesprochen zu haben, aber der Commander hat mir sogar Hilfe bei der Suche nach meinem Vater angeboten. Er meinte so etwas wie, wenn sich eine Möglichkeit ergeben sollte, Informationen aus den alten Datenbanken der ehemaligen cardassianischen Raumstationen zu besorgen, würde er für eine Gelegenheit sorgen. Und mich auch ansonsten bei der Suche unterstützen. Das war weit mehr als ich erwartet hatte. Vielleicht haben wir ja eine Chance, etwas über das Schicksal von Vater herauszufinden. Eine kleine Chance vielleicht. Mögen die Propheten uns bei unseren Bemühungen leiten.

Der restliche Abend verlief dann mit einer gemütlichen Feier, bis der Captain und Cmdr. Stafford Lt. Williams und mich baten, sie bereits in der Nacht auf die neue Exeter zu begleiten. Cmdr. Caine ist wohl noch anderweitig unterwegs. Wie schön, so waren wir die ersten von unserer Crew, die das neue Schiff betreten durften. Obwohl ich die Lagepläne studiert habe, werde ich wohl noch einige Tage brauchen, bis ich mich hier ohne Wegweiser auf dem Datenpadd zurecht finden werde. Morgen wollen Lt. (jg) Williams und ich einen kurzen Shuttleflug unternehmen, um uns das Schiff auch einmal genau von Außen anzusehen. Und weil wir einfach mal wieder fliegen wollen. Vielleicht erkläre ich ihr dann mein etwas merkwürdiges Verhalten ihr gegenüber während der letzten Wochen.

Soviel für heute, es war eine lange Nacht, Ende, speichern.

Computer, Nachtrag:

Kurze Überlegung nur: Was charakterisiert den Posten des Ersten Offiziers? Wohl u. a. auch, Ansprechpartner und Vertrauensmann für die Mannschaft zu sein. Warum macht bei uns diesen Job der Zweite? Die Crewmitglieder würden sogar eher zum Captain als zum ersten gehen. Komischer Zustand. Aber dies nur am Rand.

Computer, Ende.

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Persönliches Computerlogbuch - Petty Officer Dawson

Computer? Sei so gut, und entlaste unseren Counselor, indem du dir einfach das Desaster des gestrigen Abends anhörst?

Und dabei fing die Party so gut an! Ich hatte hervorragende Laune: die meisten waren da, es gab zu Trinken, zu Essen in Hülle und Fülle, O'Reardon war zunächst nicht da und die Musik war einigermaßen erträglich. Drinkmann und ich versuchten fast erfolgreich, den neuen Counselor-Anwärter abzufüllen (unglaublich, dass er wirklich versucht hat, den Blutwein vollständig auszutrinken, nachdem wir ihm erläutert hatten, als Counselor müsse man sowas locker wegtun können), ich konnte mich über Trelims Schleimerei mal wieder erfreuen (unglaublich, dass ausgerechnet Trelim als mein Vorgesetzter auf die Exeter kommt, wo er zu den wenigen gehört hat, mit denen ich mich wirklich geschlagen habe) und mir auch mit Lloyd mal wieder den einen oder anderen Spaß erlauben.

Fast wäre es somit ein gelungener Abend geworden (zumindest, wenn der neue Counselor das Glas ausgetrunken hätte - vielleicht hätte er Drinkmann noch einmal angetatscht, was sicherlich spannend geworden wäre), wenn da nicht ? nun, wenn da nicht dieser Teufels-dingsda mit meinem Vater vorbeigekommen wäre.

Stell dir vor - da sitzen wir gerade beim Essen (jawoll, beim Essen), da schneien drei dieser hochrangigen Lametta-Typen in unsere Feier (immer noch beim Essen), gestatten noch großzügig, dass wir uns nicht stören lassen sollen und nehmen unseren Captain mit! Wenn ich nicht wüsste, dass ich zu gesund und noch zu jung für einen Herzinfarkt bin - ich wäre mir sicher gewesen, dass mein Herz einen Moment vollständig aussetzte. Larissa meinte erst noch, das wäre doch alles gar nicht so schlimm und warum ich mich denn so aufrege, aber sie kennt meinen Vater halt nicht. Allein seine steinerne, arrogante Miene zeigte mir Bände. Jahrelang habe ich dieses Gesicht erforscht, jahrelang jede noch so hauchdünne Regung interpretieren gelernt, dass ich genau wusste, was er wollte und was er tun würde. Genauso gut hätte er auch hineinspazieren und laut verkünden können: "He, Exeter! Ich bin hier, um Admiral Williams fertigzumachen, weil er mich letztens so unsanft aus dem Bett geworfen hat. Dafür habe ich ein wenig Verstärkung mitgebracht - ach, und übrigens: vorher mache ich noch euren Captain fertig, den ihr ja alle so heiß und innig liebt. Und Jaqueline, meine liebe Tochter: deine letzten Worte vor über einem Jahr habe ich nicht vergessen. Was war das noch gleich? 'Du kannst mich mal'??!?"

All das wusste ich und mir war auch klar, dass die Chancen denkbar schlecht standen. George ist da äußerst gründlich. Schlimmer waren noch die Gesichter der anderen: betretenes Schweigen und Wegschauen bei den einen, Mitleid bei den anderen, teils auch Belustigung und Befremdung. Kyrill lachte mich erst einmal aus und rief: "He? DAS war dein Vater???" Nein, war er nicht. Er heißt nur zufällig auch Dawson und ist zufällig auch Rear Admiral wie meiner. Es gibt ja hunderte Dawsons, die Admiral sind. Ha-ha. Unglaublich witzig. Lloyd rächte sich für meine gemeinen Späße der letzten Wochen, indem er sich Kyrill anschloss und freundlich bemerkte: "Na, gegrüßt hat er dich nicht, oder??" Doch hat er. Hat doch jeder gehört! Gelächelt hat er doch auch, samt erfreuter Umarmung (habe ich wohl verpasst). Der Appetit war mir vergangen, meine Knie waren weich geworden und ich bangte um Starkov. Der kam wenig später äußerst übel gelaunt wieder und holte sich erst einmal einen Drink. Mir war noch schlechter. Ich mag den Captain wirklich, und dass ausgerechnet mein Vater schuld an seiner Wut war, machte mich wütend und traurig. Erst traute ich mich nicht ihn anzusprechen, aber dann entschuldigte ich mich für George. Starkov meinte zwar, ich könne da nichts für, aber ich schämte mich trotzdem für meinen Vater in Grund und Boden. Es stellte sich heraus, dass dieser Teuffels-wieauchimmer von so einer Dienstaufsichtbehörde oder -vorschriftenbehörde war und mit Hilfe der selbstlosen Unterstützung von George versuchte, Admiral Williams und Starkov für unsere letzte Mission dranzukriegen. Weil das Schiff angeblich für die Befreiung von des Admirals Töchterchen missbraucht worden war und so. Als wenn die Jem-Hadar extra für O'Neill mitten im All auf uns gewartet hätten, um die Exeter zu zerschießen. Das war Pech. Es ist eben Krieg, und eigentlich sollten doch alle froh sein, dass wir eine Warnung über diese feindliche Flotte abschicken konnten. Ich vermisse auch etliche derjenigen, die gestorben sind, aber Schuld sind allein die Jem'Hadar daran und sonst niemand.

Die drei ungebetenen Besucher holten mehrere von uns in ihr Verhör: Jaris, Lloyd, Vulkanier und was weiß ich, wen noch alles. Jeder tat mir leid, der da hineingehen musste und jeder kam mit Wut und schlechter Laune wieder heraus. Es war schrecklich. Ich habe jetzt immer noch das Gefühl, ich könnte niemandem gerade ins Gesicht schauen hier auf der Exeter. Aber eigentlich können sie mich alle mal! Schließlich ist er trotzdem mein Vater, egal was er tut und was die anderen über ihn sagen und hinter meinem Rücken flüstern. Dann haben sie mich geholt. Zuerst wollte ich gleich die Luftschleuse nehmen, aber ich war es dem Captain schuldig und der Exeter, dass ich dieses Verhör mit sämtlicher Etikette ohne Beanstandung hinlegen würde. Und das habe ich! George grüßte mich nicht und sah nicht auf, als ich kam. Für ihn hätte genauso gut eine Kakerlake über den Boden zum Verhörstuhl kriechen können, glaube ich. Brav grüßte ich korrekt und setzte ich mich auf diesen einsamen Stuhl vor Teuffel-keineahnung.

"Sie wissen, warum Sie hier sind, Miss Dawson?"
"Nein, Sir!"
"Dann werde ich es Ihnen erklären - wir untersuchen Ihre letzte Mission. Kannten Sie den Grund für diese Mission, Miss Dawson?"
"Aufgrund meines Ranges bin ich in so etwas nicht eingeweiht, Sir!"
"Aber Sie hatte doch Befehle!"
"Ja, Sir. Den Admiral bei seiner Flotte (wo auch immer) abzuliefern - Sir!"
"Wann wurde Ihnen bekanntgeben, dass die Tochter von Admiral Williams befreit werden sollte?"
"Ich weiß es nicht mehr, Sir."
"Was wissen Sie von dem Verhältnis zwischen Admiral Williams und Captain Starkov?"
"Nichts, Sir."
Und so ging es weiter und weiter. Er versuchte mir immer wieder Fallen zu stellen, tja und mein Vater? Der beteiligte sich. Miss Dawson hier, Miss Dawson da. Ich zitterte vor Wut und Enttäuschung. Dass George sich auch noch an meinem Verhör beteiligte, dass war wirklich dass Allerletzte. Das hatte ich nicht von ihm erwartet. Wie konnte er das nur tun? Aber ich riss niemanden mit rein und gab ihnen keinen Anhaltspunkt. Schließlich kenne ich Verhöre. Nur mich lieferte ich immer mehr aus, aber was sollte ich tun? Als Teuffels-werwaresnur nicht weiterkam, wurde er subtiler und packte eine ganz neue Variante aus: eine Beschwerde von Gomez. Dieser Schwachkopf hatte mich angeschwärzt, ausgrechnet jemand, der einen Nervenzusammenbruch erlitten hatte, als er mein Chef hätte sein sollen. Jetzt war alles vorbei. Er faselte irgendwas von meiner Akte, von bisher miserablem Lebenslauf und davon, was ich ihm für einen Grund nennen könnte, mich auf der Exeter zu lassen. Ich war so verzweifelt, dass ich irgendwas von toller Sternenflotte, Vorbildern und Verbesserungsgelöbnissen faselte. Georg schüttelte bei meiner Lügerei nur den Kopf und glaubte mir kein Wort. Es stimmte ja auch nichts. Teuffel-keineahnungwiederhieß schloss das ganze mit den Worten: "Hiermit verwarne ich sie, Miss Dawson. Ich werde persönlich ein Auge auf Sie haben. Wenn Sie sich nur den kleinsten Fehler leisten, werden Sie für eine lange Zeit Bekanntschaft mit einer Arrestzelle schließen. Und da kann weder ich Ihnen helfen, noch Ihr Vater." Und George schüttelte süffisant den Kopf, ohne mich anzusehen.

Als ich wieder bei der Feier auftauchte, war ich wie erstarrt. Drinkmann reagierte richtig und redete irgendein belangloses Zeug dahin, etwas, dass so unwichtig war, dass ich nicht zuhören brauchte und trotzdem im Gespräch schien. Erst viel später gelang es mir, meine Maske wieder aufzusetzen und zu feiern. Zumindest äußerlich, aber das weiß ja keiner. Als die drei Monster sich später freundlichst verabschiedeten, machten sie eben noch den Captain und die Crew runter und verkündeten, dass Fehlverhalten der Crew auf den Captain zurückfallen würde. Herzlichen Glückwunsch. Jetzt haben sie mich. Gerade hatte ich Spaß an meinem Dienst bekommen und mich gefreut, auf der Exeter zu sein, da zerpflücken sie meinen Traum so leicht wie eine Pusteblume. Wenn ich einen Fehler mache, ist der Captain dran, weil ein Fehler von mir nach der Verwarnung ein verdammt großer Fehler sein würde.

Erst wollte ich, dass mich alle in Ruhe lassen: Vanessa mit ihrer Mitleidsmiene, Stark mit seinem theatralischen "du bis nicht dein Vater?!" und Larissa mit dem ständigen, verharmlosenden Spruch: "ist doch alles gar nicht so schlimm". Der Captain schließlich hat mich wieder mit seiner unvergleichlichen Art dazu gebracht, fast alles zu erzählen und zudem, an Bord zu bleiben. Eigentlich wollte ich ja weg, um nicht schuld daran zu sein, wenn Starkov abgesägt wird, aber er selbst war dagegen. Dabei hätte O'Reardon mich bestimmt begeistert zum Shuttle begleitet? Ich weiß immer noch nicht, wie der Captain das macht! Aber er hat genauso recht wie Larissa, mit der ich aufgrund des Gesprächs mit dem Captain später auch reden konnte: es wäre doch gelacht, wenn ich mich von den Dreckskerlen unterkriegen lassen würde! Aber verpfuscht ist das ganze trotzdem. Trotzdem ist er mein einziger Vater, so!

Apropros O'Reardon: hier ein Beispiel für einen brillianten, psychologischen Einsatz unseres Ersten. Hat er mir doch tatsächlich befohlen (jawoll, befohlen) mit ihm mitzukommen und so ein Psychogespräch zu führen. Mit mir würde ja was nicht stimmen, meinte er mit unbeweglicher Miene und das würde sich doch bestimmt auf meinen Dienst auswirken. Außerdem sei es sein Job, mich sowas zu fragen. Fast musste ich lachen. Aber wenn er es so wollte! Ich habe ihm einfach alles Mögliche erzählt, obwohl mir klar war, dass er nichts davon annehmen würde. Vielleicht ist sein Vater genauso bescheuert wie meiner, das würde zumindest einiges erklären? Schließlich habe ich ihn ausgehebelt, indem ich ihm gesagt habe, ich würde mir das alles nur nicht so zu Herzen nehmen, wenn er endlich auch seine Eismaske fallen lassen würde, schließlich sei er ja ganz nett und nicht so beschissen, wie er sich immer gäbe. Kurzfristig war er sprachlos und rang deutlich nach Fassung. Herrlich! Meine Laune stieg beträchtlich, vor allem, als er das Gespräch abrupt für beendet erklärte und mir hinterherzischte: "Sie spielen mit dem Feuer, Dawson!" Ich glaube, ich habe einen Volltreffer gelandet.

Die restliche Party ging dann doch ganz gut, vor allem, weil der Captain mir verriet, dass man aus den Replikatoren Alkohol bekäme, weil irgendwer mit mindestens dem Rang eines Captains daran herumgespielt habe. So konnte ich einigermaßen vergnügt noch den "Schwänken aus der Jugend" unserer Vulkanier lauschen. Silok, du bist Spitze, aber Baseball spiele ich mit dir bestimmt nicht!

Ach, es reicht jetzt mit dem Herumgeheule, Computer. Ich schleiche mich jetzt auf das Holodeck und trainiere ein wenig. Soll mir der langweilige Dienst bei T'Opak für eine kurze Zeit doch gestohlen bleiben. Und danach gehe ich zu Drinkmann, plündere seinen Süßigkeitenvorrat und lese Comics. Ich habe die Schnauze voll. Hoch lebe die Exeter. Dawson, Ende!

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