Storyline

Excalibur Con 2

Auszüge aus dem persönlichen Logbuch von Adrian Kaleb

26.12.2373, 20:10

Nachher ist es soweit. Punkt Mitternacht legen wir ab. Mein Quartier habe ich bezogen. Nur weiß ich immer noch nicht, warum ich ausgerechnet mit Rendlim zusammengelegt wurde. Nichts gegen sie. Sie ist nett und zumeist gut drauf, jedoch konnte ich noch keinen Bezug feststellen, außer dass wohl einige sie nicht unbedingt als Zimmerkameradin haben wollten.

13.01.2374, 21:25

In den letzten Tagen war es mir nicht möglich das persönliche Logbuch zu führen. Zuviel war passiert. Es begann am Freitag abend, dass sich die Ereignisse überschlugen. Ich war gerade zusammen mit Jaris und Winter auf der Krankenstation, als plötzlich roter Alarm ausgelöst wurde und nur Augenblicke später das Schiff von heftigen Erschütterungen erfasst wurde. Jede Menge Verletzte und Tote fanden sich in Rekordzeit bei uns ein. Dabei war auch Lieutenant Commander Stafford. Nachdem er wieder zu sich kam, musste ich ihn auf das Biobett zurück drücken, damit er still hielt, sich behandeln ließ und endlich erzählte was überhaupt passiert war. Er meinte, dass die Exeter wegen einer Subraumanomalie unter Warp gegangen war. Die Anomalie entpuppte sich jedoch als riesige Angriffsflotte der Jem'Hadar. Eine unserer Patienten war auch Ensign Jenkins von der Conn. Sie hatte schwerste Verbrennungen und ihr linker Arm war auch schwerstverletzt. Dennoch kam Commander O'Reardon vorbei und verlangte, dass wir sie entlassen, damit sie das Schiff fliegt. Lieutenant Winter schien sich überhaupt nicht angesprochen zu fühlen und Jaris sprang in die Bresche, um ihre Bedenken zu äußern. Ich schätze mal, es lag an ihren 2 Strichen und O'Reardons 3 goldenen Punkten, dass sie ihn auch nicht aufhielt.

Winter enttäuschte sowieso an dem Abend. Jaris managte die ganze Lage. Und ich weiß, dass ich noch viel schneller werden muss. 32 Tote und 4 Verletzte hatten wir schließlich dort liegen und der Doc konnte uns nicht helfen, da dieser krank in seinem Quartier lag. Auf der Station haben wir nur 30 Kühlkammern. Daher mussten wir 2 Leute abgedeckt in eine Ecke legen. Das war weder für die Verletzten, noch für uns angenehm; diese weißen Tücher in der Ecke. Dann war da noch eine Sache. Bei einer Wiederbelebung habe ich, glaube ich, überdosiert. Jaris meint zwar, 5 Einheiten wären angemessen gewesen in einem zweiten Versuch, aber ich bin mir da alles andere als sicher. Ich habe mir die Daten alle kopiert und werde sie mir abermals anschauen, sobald ich Zeit dafür habe. Es ist die Datei Kaleb 1354. So hatten wir Freitag nacht ungebeten viel Arbeit und in den frühen Stunden kam der Doc noch und schickte uns ins Bett. Rendlim war noch wach, aber wir unterhielten uns überraschenderweise nur kurz. Sie muss auch verdammt müde gewesen sein. Samstag war ich recht früh wieder auf den Beinen. Jaris hatte sich noch weniger Schlaf gegönnt und war wieder am lernen. Wir frühstückten zusammen. Überhaupt verstehe ich mich mit ihr immer besser. Anfangs wirkte sie korrekt und etwas unschlüssig über unser Rangproblem, das dann ja doch keines war. Inzwischen duze ich sie immer, wenn es nicht gerade dienstlich ist, auch wenn sie scheinbar das "Sie" bevorzugt. Ich störe mich da nicht dran. Ich hatte ihr später noch meine Lernunterlagen mit "Randnotizen" überspielt. Für sie ist das wahrscheinlich nur was zum Nachschlagen, denn schließlich hatte sie schon Medizin auf Bajor studiert und dazu noch die Jahre auf der Akademie. Ich kann da eher was von ihr lernen. Gerade mit den ganzen Medikamenten bin ich immer noch nicht so firm und bezüglich der Unmengen an Krankheiten und Krankheitsbildern habe ich richtig Nachholbedarf. Aber dafür bin ich ja auch Sanitäter hier und Medizin ist meine bisher größte Herausforderung, auch wenn die Diplomatiekurse mich schon ziemlich reizen. Jaris und ich sprachen auch über meine Virologieversuche und was ich so vorhatte. Sie war sichtlich interessiert, wenn sie auch mein Projekt für Unsinn hielt. Wenn sie eine bessere Idee hat, bin ich jedenfalls dafür offen. Vinz hingegen sehe ich leider kaum noch. Eigentlich ist so ein Schiff ja auch nicht so groß, aber nun kann ich beobachten, was verschiedene Posten und verschiedene Schichten da bewirken können. Als ich später rumlief und in meiner Bereitschaft Trillaugen verteilte, merkte ich, dass die ja kaum jemand kennt. Die Vulkanier waren sogar derart skeptisch, dass Ensign Silok erst mal seinen Tricorder zückte. Er hätte mich auch einfach fragen können. Vielleicht wäre ihm meine Antwort nicht logisch genug gewesen. Seine Steifheit ist echt faszinierend. Damals im August bei unserer Diplomatiesimulation war er ein interessanter Gegensatz zu den vulgären Maquis. Aber ich schweife schon wieder ab.

Was passierte noch? Tja, eine ganze Menge. Ich hoffe, ich verwechsele und vergesse jetzt nichts. Mittags nahm Counselor Caylan ihren Massagetermin wahr. Das nutzte ich, um ihr von unserem Problem mit Lieutenant Winter zu erzählen und welchen Stress wir Freitag nacht hatten. Durch irgendeinen Defekt in ihrem Quartier haben wir nichts mitbekommen von dem Unglück, das sich beinahe passenderweise genau in diesem Moment ereignete. Eine Subraummine war explodiert und nahm Winter das Leben. Es ist nicht nur schwer, eine Kameradin zu verlieren, nein, denn irgendwie hat es zusätzlich bitteren Beigeschmack, weil es genau dann passierte, als ich mich über sie beschwerte, ohne mich, was eigentlich besser gewesen wäre, direkt noch mal an sie zu wenden, um derartige Dinge zu klären. O’Reardon war auch sehr schwer verletzt worden, konnte allerdings vom Doc und Jaris stabilisiert werden. Es sollte allerdings noch eine ganze Weile dauern, bis er wieder zu sich kam. Nachmittags war ich davon erst mal abgelenkt, weil ich einem Übungsteam zugeteilt wurde. Zusammen mit Drake als Teamleader, Taylor von der Taktik, Officer T’Aloviks von der Technik und Anara Kell von der Sicherheit. Drake, ja, wie soll ich sagen... Er ist ein netter Kerl, mit dem man sich gut unterhalten kann, aber McCullum als Teamleader ist mir da doch bei weitem lieber. Drake ist ja bekannt für unkonventionelle Aktionen, aber sein übereifriger Einsatz von überladenen Phasern ist mir da doch zuwider. Es ging bei der Übung um Geiselbefreiung und, wer hätte es von uns gedacht, wurde Isabella Williams inklusive Roberts, Degenhardt und unser allerliebster Freund O’Neill simuliert. Der erste Durchlauf war eine Katastrophe, obwohl wir die Geisel befreien konnten. Entsprechend enttäuscht gab sich auch Stafford, und T’Opak hätte uns sicherlich vorwurfsvoll angeblickt, wenn sie gekonnt hätte. Beim zweiten Mal, wo wir noch Unterstützung durch Jenkins, die sich schon wieder ganz gut erholt hatte, und Pelothel erhielten, lief es besser. Wir holten sogar die Geisel raus und konnten Roberts festnehmen, aber zum Schluss bin ich mit Drake so richtig aneinander geraten. Es stellte sich bei der Simulation heraus, dass es noch eine zweite Geisel gab. Drake versuchte ganze 20 Sekunden, die restlichen Maquis mit einem schlechten Bluff zur Aufgabe zu bewegen, dann befahl er den Rückzug. Ich wies ihn dreimal darauf hin, dass da oben noch jemand wäre, bevor ich dann auch ging. In der Nachbesprechung habe ich ihm deutlich die Meinung gesagt und selbst T’Aloviks gab mir recht. Ganz fair war ich aber auch nicht. Es gehört ja auch nicht zu den Spielregeln, erst dem dritten Rückzugsbefehl eines Offiziers Folge zu leisten. Mit T’Aloviks habe ich dann noch die Tricorderwerte abgeglichen und er wollte sich um eine Auswertung der gesammelten Daten kümmern. Mal schauen, wann wir dazu kommen, unsere zahlreichen Fehler genau zu analysieren. Ich bin mir aber sicher, dass wir trotz seiner vulkanischen Art uns da mal in Ruhe zusammen setzen können. Dieser Ernst ist mir eigentlich nicht angenehm, aber T’Aloviks kann auch improvisieren, ohne einfach Alternativen zu betrachten. Er isst ja auch Fleisch. Irgendwie scheint es, als wären alle anders, nur er ist gleich.

Auf dem Schiff geschahen noch einige andere Dinge, in die ich nur teilweise involviert war. Es gab wohl ein Treffen mit einem Ferengi, wie ich hörte und später am Abend wurde es dann ernst. Ein Informant, ein Maquis, war mit mehreren Outlaws in einer Kneipe mitten in den Badlands. Nur wer er genau war, wusste keiner. Jaris war in dem Außenteam, was die Kneipe sondieren sollte. Vinz wurde als Bajoraner maskiert, was der Doc wirklich gut hinbekommen hat. Er leitete auch das Außenteam. Ich war einem zweiten Team zugeteilt, das im Notfall bereit stand, das Erste da lebend raus zu holen, falls es zu Problemen kommen sollte. Schon kurz nach Einsatzbeginn war es fast so weit. Die OPS gab Bescheid, dass wir sofort in den Transporterraum laufen sollten. Rendlim schloss sich uns an, um auf Befehl hin sofort den Transportvorgang einleiten zu können, aber wir wurden doch noch zurück gehalten. Nachdem das Team von der Oberfläche zurück war und Dawson, die zwei Schüsse in die Oberschenkel abbekommen hatte versorgt war, trat Plan B in Kraft. Also ab ins Shuttle, oh wie ich das hasse, aber zum Glück weiß ich, dass Drinkmann ein guter Pilot ist, mit dem zweiten Team unter Leitung von Stafford. Wir wussten von zwei möglichen Leuten da unten, also warfen wir einfach Betäubungsgranaten da rein und suchten uns die beiden raus. Schnappten sie uns und kehrten zum Shuttle zurück. Mit ein wenig Stokkanin stellten wir sie zusätzlich ruhig, damit sie auch ja nicht aufwachten, egal mit was für Drogen sie sich vielleicht vorher zugedröhnt hatten. Da wurden ja doch alte Erinnerungen an etwas andere interstellare Basare wach. Beim Rückflug dachte ich, dass mir das Herz stehen bleibt. Ich habe mich, denke ich, noch ziemlich ruhig gegeben, aber innerlich sah ich wieder die Lichtblitze und die ausfallenden Schilde während des Sturzfluges Richtung Planetenoberfläche. Ich schweife schon wieder ab, und Drinkmann hatte die Turbolenz ja auch im Griff. Also hielt ich mich krampfhaft am Sitz fest und knibbelte nebenbei noch an den Fingernägeln. Ich hasse Shuttles. Beim nächsten Mal gebe ich mir lieber selbst ein schwaches Beruhigungsmittel. So halte ich das jedenfalls nicht aus. Im großen Raumschiff geht es ja. Gerade durch die Ablativpanzerung der Exeter habe ich ja zumindest ein paar Zentimeter mehr zwischen mir und der Ewigkeit. Zudem sind schon viel mehr Leute bei Shuttleunfällen ums Leben gekommen als beim Beamen. Das kann ich bezeugen, schließlich gehöre ich auch dazu. Auf der Krankenstation haben wir die beiden auf das große Biobett gelegt und ein Kraftfeld darum errichtet. Als wir den ersten weckten, hatten wir auch gleich den Richtigen erwischt. Er war der Anführer dieser Gruppe und nachdem Admiral Williams seiner Bedingung nachkam, sagte er uns auch die Koordinaten von O’Neills Stützpunkt. Was daraufhin der Captain befahl, war ja klar.

Im System angekommen, wurden die beiden Teams zusammengerufen, welche die Befreiungsaktion durchführen sollten. Geleitet wurden sie von Stafford und Stark. Jaris und ich machten uns bereit und fanden uns mit als erste ein. Sie war merklich nervös, aber meine mich selbst überraschende Gelassenheit konnte sie auch nicht beruhigen. Kurzfristig wurde ich jedoch aus dem Team genommen. Lloyd hatte wohl beschlossen, dass ein Mediziner genug für die Mission sei. Also verabschiedete ich mich dann von Jaris und wünschte ihr viel Glück. Ich ging zurück zur Krankenstation, wo ich auch schon bald gebraucht wurde. Denn zwei Keldon-Kreuzer der Cardassianer griffen uns an. Das Schiff war noch angeschlagen und so mussten wir uns zurückziehen und einige Verletzte auf der Krankenstation begrüßen. Zum Glück gab es aber keine weiteren Toten. Nachdem wir uns wieder ins System trauen konnten, wurden die beiden erfolgreichen Teams wieder an Bord geholt. Nachdem der erste Stress vorbei war, da sich alles wieder einfinden musste, die Reparaturteams wieder aufgestockt wurden und vor allem die Maquisgefangenen eingesperrt waren, kam ich auch dazu Jaris zu sagen, dass ich ganz froh war, sie wieder gesund anzutreffen, woraufhin sie mich kurz umarmte. Ich denke nicht, dass dies tiefere Bedeutung hätte, aber dürfte schon zeigen, dass wir Freunde geworden sind.

Der Flug ging allerdings noch weiter, da O’Neill wohl entkommen konnte. Wir flogen daher zu einem Nachbarplaneten, wo er sich in einer Kolonie versteckte. Der Captain war wohl einverstanden, bis morgen zu warten, um O’Neill dann zu treffen. Dieser machte uns allerdings nach dem Frühstück einen Strich durch die Rechnung, denn er griff uns mit einem aufgemotzten Maquis-Raider an. Das Schiff war selbstverständlich noch immer sehr beschädigt und unterlegen, allerdings größer und besser gepanzert, also kam, was kommen musste: Das "Starkov-Manöver", wie wir alle zu sagen pflegen. Wir rammten den Raider und zerstörten ihn dadurch. Was auf der Krankenstation daraufhin los war, brauche ich wohl nicht extra zu erwähnen. Mit einem Wrack, bei dem der Antrieb wie durch ein Wunder noch funktionierte, steuerten wir die nächste Sternenbasis an. Das Schiff wird wohl verschrottet, da sich eine Reparatur nicht mehr lohnt. Aber Admiral Williams, der unsere ganze Besatzung belobigte, versprach uns eine USS Exeter, Akira-Klasse, als neues Flaggschiff der sechsten Flotte. Da bin ich ja mal wirklich gespannt. Jetzt ist es ziemlich spät geworden und ich habe einen trockenen Mund. Ich mache dann morgen weiter, wie es auf der Station hier aussieht.

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