20. Oktober 2372
Heute war wieder einer dieser Tage, an denen ich wünschte, mein Temperament besser unter Kontrolle halten zu können. Aber nein, ich musste es ja auf eine Schlägerei mit Cadet Wilson ankommen lassen. Hat er sich aber auch selbst zuzuschreiben. Es reichte ja nicht, dass er sich über den Nasenkamm der Bajoraner lustig machen musste, nein er wurde beleidigend. Und statt dass er die Sache zurücknimmt, legt er erst richtig los. Dass wir gerne mit Cardassianern kuscheln würden war schon weit über die Grenze des Anstands, aber dass wir diese quasi zur Plünderung von Bajor eingeladen hätten ging zu weit. Und als er dann noch hinzufügte, dass wir ja nicht in der Lage gewesen wären, uns selbst gegen die Cardassianer zu verteidigen, hab ich ihm halt eine gelangt. Klar hat er versucht zurückzuschlagen, aber ich hab ihn dann doch vermöbelt. Die Gerüchte besagen wohl nicht ganz umsonst, dass er nur auf der Akademie ist, weil er Verwandte im Oberkommando hat.
Natürlich blieb die Sache nicht unbeobachtet und anschließen hat uns der Commander gleich zu sich zitiert. Was hätte ich mich rausreden sollen? Klar hatte ich Wilson verprügelt, also hab ich die Sache zugegeben und den Vorfall aus meiner Sicht geschildert. Wilson hat seine Beleidigungen natürlich abgestritten. Also gab's für uns beide einen Eintrag in die Personalakte wegen Schlägerei auf dem Campus. Ach ja, uns beieinander entschuldigen mussten wir auch noch.
21. Oktober 2372
Pech für Wilson, dass es für seine Beleidigungen gestern doch einen Zeugen gab. Jemand vom zivilen Personal hat uns wohl gehört und den Vorfall ebenfalls gemeldet. Ha, jetzt kriegt Wilson neben seinem Eintrag wegen Schlägerei noch einen Verweis wegen Verstoßes gegen die 14. Direktive!
11. November 2372
Christine muss mir unbedingt in Warp-Physik helfen. Ich blicke in dem Fach nicht durch. Dafür ist Christine darin einfach begnadet. Vermutlich ist sie die beste Nachwuchshoffnung für die Technik, welche die Sternenflotte zzt. hat. Dafür läuft es bei mir im medizinischen Bereich um so besser. Schade, das Xenobiologie erst im nächsten Jahr dran kommt, und dass Psychologie nur einen so kleinen Teil in unserer Ausbildung ausmacht. Aber vielleicht kann ich ja noch einige Zusatzkurse belegen. Fremdsprachen und Protokollausbildung machen ebenfalls Spass und fallen mir nicht schwer.
Aber es ist noch so lange, bis ich vielleicht, wenn ich gut genug bin, endlich Dienst auf einem Schiff tun darf.....
24. Dezember 2372
Bei den Terranern ist jetzt Weihnachten ? ihr wichtigstes religiöses Fest, zumindest bei denen, die dem christlichen Glauben anhängen. Zeit für Familie, Freunde ach und ich weiss nicht was. Viele der Kadetten sind nach Hause gefahren. Kommt für mich leider nicht in Frage. Ich habe keine Verwandten mehr, zu denen ich fahren könnte und für ein paar Tage bis nach Bajor fliegen ist ein wenig weit. Tirel ist über Weihnachten mit der USS ... unterwegs ? da bleibt auch keine Zeit für einen Besuch. Ich habe ihn jetzt schon fast zwei Jahre nicht mehr gesehen.
7. September 2373
Tirel ist da!!!!
Fast wäre ein einer der üblichen Routinetage auf der Akademie gewesen, aber dann stand Tirel plötzlich abends vor der Tür zu meinem Quartier. Sein letzter Einsatz war früher beendet als erwartet und da wollte er mich überraschen. Ist auch fast drei Jahre her, seit wir uns das letzte mal gesehen haben. Aber die Spannungen mit den Klingonen und dem Dominion lassen nicht viel Urlaub für die Eliteforce zu und ich komme von der Akademie auch nicht weg. Aber um so besser, dass Tirel und ich jetzt mal ein paar Tage für uns haben.
9. November 2373
Ich glaube, das war der verrückteste Tag in meiner Zeit auf der Akademie bisher. Und wahrscheinlich der, der meine Zukunft am meisten beeinflussen wird. Ich hatte den Tag mit den üblichen Hausaufgaben für's Wochenende und mit dem Lehrstoff in Warpphysik verbracht. Als ich mich abends in meinem Quartier noch ein wenig mit der Übertragung von Nervenimpulsen an Synapsen und dabei möglicherweise auftretenden Störungen beschäftigte, ging der Türpieper. Ich hatte einen der anderen Kadetten, evtl. einen Ausbilder erwartet, aber bestimmt nicht zwei Führungsoffiziere der USS Exeter. Nun ja, das standen Commander Stafford, zweiter Offizier und Lt. Mitchell, Erstkontaktspezialist in meinem Zimmer. Bei den Propheten, mir war ganz schön unbehaglich zumute, so hohen Besuch kriegt man schließlich nicht alle Tage. War der Besuch an sich schon interessant, war ihr Anliegen noch viel interessanter. Die USS Exeter benötigt Personal. Ja, es ist Krieg und die meisten Schiffe der Flotte sind personell unterbesetzt, aber das man jetzt schon Kadetten rekrutiert? Was also antwortet man auf die Frage, ob man Dienst an Bord eines Schiffes tun will? Man sagt "ja", denn so eine Chance bekommen nur wenige und Kadetten eigentlich schon gar nicht. Gut, Stafford konnte nur anfragen, ob ich Interesse hätte, die endgültige Entscheidung lag beim ersten Offizier, Commander O'Reardon und bei Captain Starkov. Da wohl anlässlich des ursprünglich für morgen geplanten und dann doch wieder verschobenen Stapellaufs der USS Exeter eine kleine Feier geplant war, zu der wohl auch der erste Offizier und Captain Starkov erscheinen würden, baten mich Stafford und Mitchell, sie dort hin zu begleiten, damit O'Reardon gleich mit mir sprechen konnte. Ich habe zugestimmt, warum lange überlegen? Die beiden Offiziere gefielen mir gut. Mitchell war eher ruhig, machte aber einen sehr netten Eindruck. Stafford könnte mein Vorbild in Bezug auf den Führungsstil bei Offizieren werden. Zumindest vorerst, nachdem ich ihn einen Abend lang erlebt habe ? ich weiss ja nicht, wie er an Bord ist, wird aber sicherlich nicht viel anders sein, zumal ich ihn ja zunächst in einer offiziellen Angelegenheit erlebt habe. Er hat eine ruhige Art, besteht nicht auf zu formellem Verhalten und gibt einem dann auch noch den Tip, das man beim ersten Offizier im Gespräch möglichst genau auf formale Korrektheit und Dienstvorschriften zu achten habe. Hab ich ihm hoch angerechnet. Ich hoffe, an Bord noch einiges von ihm lernen zu können.
Die Party fand auf dem privaten Anwesen von Lt. (JG) Williams (Tochter von Admiral Williams) statt. Ein Teil der Crew und auch der Captain waren der Einladung gefolgt. Den Propheten sei Dank, ich hatte nach unserem Eintreffen dort noch ein wenig Zeit, bis Commander O'Reardon ebenfalls dort erschien. Da Stafford und Mitchell mich vor meinem Abendessen in der Akademie abgeholt hatten, nutzte ich, nachdem Officer Dawson mir die anwesenden Crewmitglieder vorgestellt hatte, die Gelegenheit, das äußerst vorzügliche Essen, das Lt. Williams zubereitet hatte, zu probieren. Personalgespräche mit leerem Magen sollte man auch nicht führen.
Aber dann musste ich Commander O'Reardon gegenübertreten. Ich hatte von einigen Crewmitgliedern schon etwas über ihn gehört und war daher eher auf das schlimmste gefasst. Aber ganz so schwierig wurde es nicht. Einige der üblichen Fragen und dann halt einige psychologische, ein wenig hinterhältige Fragen. "Warum wolle ich Dienst an Bord eines Schiffes tun? Warum gerade die USS Exeter?" Diese Fragen musste ich nicht beantworten, da Commander Stafford für mich einsprang. Schließlich habe er mich gefragt, ob ich Dienst auf der Exeter tun wolle und nicht ich um Versetzung ersucht. Im Laufe des Gesprächs trat dann erst die eigentlich interessante Aussicht für mich zu Tage. Aufgrund des Personalmangels im Krieg gegen das Dominion, bietet die Sternenflotte die Möglichkeit einer verkürzten Ausbildung von drei anstelle von vier Jahren für Offiziere an. Ob ich von dieser Möglichkeit Gebrauch machen wolle? Wie Mediziner statt acht nur drei Jahre studieren sollen, weiss ich bis heute nicht, aber meine zwei Jahre von Bajor werden angerechnet, so dass es für mich nicht zu extrem mit der Verkürzung wird. Aber ich habe jetzt nur noch ein Jahr Zeit bis zu meiner Prüfung und muss neben dem Lernen des Stoffs auch noch den regulären Dienst an Bord der Exeter versehen. Ich kann nur hoffen, dass mich alle nett unterstützen werden, denn nur im Selbstudium ist das nicht zu schaffen. So wie ich die meisten der Crew einschätze, kann man die zu fast jeder Zeit alles fragen. Aber zurück zum Gespräch: Weitere Fragen betrafen meine Motivation Arzt zu werden und meine Einstellung zu cardassianischen Kriegsgefangenen. Im Großen und Ganzen verlief das Gespräch aber ganz gut ab. Letztendlich meinte O'Reardon, ich solle mir die Sache überlegen und ihm dann Bescheid geben. Wozu lange überlegen? Im Feldeinsatz hab ich auch keine Zeit zum Überlegen. Also hab ich sofort zugesagt. Der Commander guckte etwas verdutzt, meinte aber sofort gelassen, gut, dann müsse nur noch der Captain zustimmen.
Im Laufe des Abends hatte ich Gelegenheit, die einzelnen Crewmitglieder näher kennen zu lernen. Commander O'Reardon ist ein Mann, mit dem man den notwendigen dienstlichen Umgang pflegen sollte, aber privat muss ich ihn nicht wirklich um mich haben. Stets im Dienst, steif, very british (sagt man, obwohl ich da ganz andere Briten kenne), überkorrekt und humorlos. Aber ich schätze, er ist in seinen Aufgaben ein äußerst fähiger Offizier, zumindest macht er einen solchen Eindruck. Das wird sich im Einsatz sicher beweisen. Solange er fair ist und niemanden schikaniert, kann ich gut mit ihm Leben. Wie ich schon zu Officer Dawson sagte: "Sehen Sie es als Herausforderung an."
Ach ja Dawson: Eigentlich eine sehr nette Terranerin, aber wohl der Rebell der Crew. Egal was war, was es gab, welcher Meinung man war, Dawson schien dagegen zu sein. Disziplin ist wohl auch nicht gerade ihre Stärke ? frage mich, warum sie so eng mit dem Vorzeigeoffizier Lt. Williams befreundet ist. In ihrem Fach soll sie aber wohl sehr gut sein. Zumindest war dies aus Staffords Worten herauszuhören.
Lt. Williams scheint der Vorzeigeoffzier der Crew zu sein, was so zu hören war. Sie ist auf jeden Fall sehr nett und eine perfekte Gastgeberin. Kann man ihr nur ein Kompliment aussprechen. Man merkt ihr an, dass sie die Tochter eines Admirals ist. Mal abwarten, wie die Zusammenarbeit mit ihr so wird.
Schön finde ich, dass auch zwei Bajoraner mit an Bord sind. Crewman Torwin und Commander Terron. Torwin ist ziemlich schüchtern, ich habe an dem Abend eingentlich gar nicht mit ihm gesprochen. Terron ist (was mir bis heute ein Rätsel ist) mit Commander O'Reardon verlobt. Sie hat die Zeit der Besatzung wohl nicht auf Bajor verbracht, zumindest meinte sie so etwas wie ?es sieht also noch so aus wie vor 18 Jahren?, als sie mich nach der Lage auf Bajor fragte. Ich verstehe nicht, warum sie seit der Befreiung ihre Heimat nicht wieder besucht hat. Ich werde sowieso das Gefühl nicht los, dass sie irgendetwas bedrückt.
Gut das es Crewmitglieder wie Drinkmann gibt. Unser Runabout-Pilot. Das einzige, was in zu interessieren scheint, ist fliegen. Aber er könnte ein netter Kumpel werden, ist eigentlich immer gut drauf und hat einen Scherz zur richtigen Zeit parat ? meist um eine brenzlige Situation zu entschärfen. Mit ihm war's den Abend über eigentlich immer lustig.
Ein Mitglied der Medizincrew konnte ich auch bereits kennenlernen. Schade nur, das der CMO nicht anwesend war, aber den werde ich dann wohl morgen treffen, wenn O'Reardon mir die Krankenstation und das Schiff zeigt. Officer Kaleb hat wohl erst kurzfristig zum medizinischen Bereich gewechselt, aber ich er macht einen kompetenten Eindruck und spricht sehr positiv vom CMO. Ich bin mal auf unsere Zusammenarbeit gespannt.
Über McCullum kann ich nur sagen, dass er den Abend über mit Lt. Williams gekuschelt hat.
Aber mit Lt. Lloyd muss ich mich bei Gelegenheit mal unterhalten. Sein Verhalten als Offizier habe ich nicht verstanden. Den ganzen Abend über hat er sich von Dawson provozieren, ja fast schon schikanieren lassen. Naja und was er sich von anderen Untergebenen hat bieten lassen, habe ich auch nicht mehr verstanden. Aber die Situation in Lt. Williams Küche werde ich wohl nie vergessen. Es war eigentlich sehr deutlich, dass Williams den Namen ?Drake? (wer immer das auch ist) nicht hören wollte. Offensichtlich war sie nicht gut auf diesen Mann zu sprechen. Trotzdem fing Lloyd immer wieder an, von ihm zu reden und dies, obwohl wir mehrfach versucht haben, ihm klar zu machen, dass er dies besser unterlassen solle. War weder besonders höflich noch sehr diplomatisch von ihm. Aber irgendwie hat er es wohl nicht verstanden. Schließlich hab ich ihn, im Beisein von Williams bewußt provoziert. Aber nicht einmal das hat ihn gestört. Ich werde ihm mal fragen, warum er sich das hat bieten lassen. Schließlich muss ich auch mal Offizier werden und dann sollte man einiges über korrektes Verhalten wissen.
Aber der Abend hielt noch mehr Überraschungen bereit. Ich musste mich ja noch mit Captain Starkov unterhalten. Eigentlich gefällt mir der Mann, nicht gerade der Diplomat (hat er selbst gesagt) sondern eher ein sehr direkter Typ. Leider kam aber auch er nicht darum herum, genau die Frage zu stellen, die das bekannte Vorurteil vieler Sternenflottenangehöriger den bajoranischen Mitgliedern gegenüber ausdrückt. Die Frage, nach meiner Einstellung zum Maquis. Als ob alle bajoranischen Mitglieder der Sternenflotte potentielle Maquisverräter seien. Wäre Commander O'Reardon nicht bei diesem Gespäch anwesend gewesen, hätte ich den Captain vielleicht sogar auf die Beleidigung hin angesprochen, aber in Gegenwart von O'Reardon erschien mir dies nicht nur nicht klug, sondern einfach zu gewagt. Jedoch nicht nur das. Ich erfuhr so langsam, um was es bei unserer Mission wohl gehen wird. Wir werden wohl einen Einsatz gegen den Maquis fliegen. Zusammen mit dem, was die übrigen Crewmitglieder am Abend so besprochen haben, konnte ich mir ausrechnen, dass wir wohl eine Geisel (oder auch mehrere) aus den Händen des Maquis befreien sollen. Und dass Williams (ihrer Reaktion nach zu urteilen) mindestens eine der Geiseln (oder die Geisel) sehr gut persönlich kennt. Nun denn..... Aber das war noch nicht alles. Als Captain Starkov mir meinen Aufgabenbereich an Bord erklärte, hat er mich zur Assistenz des CMO bestellt. Als Kadett? Wenn ausgebildete Sanitäter dabei sind, die im Rang eines Unteroffiziers stehen? Wie wird das hierarchisch gelöst? Wer hat da wem was zu sagen? Der Captain meinte nur, dass wir das innerhalb der Medizincrew wohl schon klären würden. Ich hoffe, ich bin der Verantwortung meiner Aufgaben gewachsen, ich werde mein bestes geben.
Der Rest des Abends verlief im gemütlichen Gespräch. Müde aber glücklich bin ich anschließen in mein Quartier auf der Akademie zurückgekehrt. Morgen werde ich das Schiff besichtigen, meine Sachen packen, mich von meinen Freunden verabschieden und übermorgen meinen Dienst an Bord der USS Exeter beginnen. Mögen die Propheten mir helfen, dass es ein gutes Jahr wird und dass unsere Mission erfolgreich verläuft.
Jetzt bin ich müde, Computer speichern.